Abendländisches Schisma

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Das Abendländische Schisma, war eine Spaltung innerhalb der Lateinischen Kirche. Es dauerte von 1378 bis 1418.


Exil in Avignon

Im Jahre 1305 wählte das französisch dominierte Kardinalskollegium den Erzbischof von Bordeaux zum Papst Klemens V. Dieser ließ sich außerhalb Roms krönen und residierte dann für immer in Frankreich. Avignon wurde zur bevorzugten Papstresidenz. Das Papsttum geriet so in Abhängigkeit zur französischen Krone. Die sechs Nachfolger Klemens' V. bauten Avignon weiter zur Papstresidenz aus und errichteten eine französischen Kirchenstaat.

Rückkehr nach Rom

Im Jahre 1376 verließ der PapstGregor XI. seine Residenz in Avignon und kehrte auf vielfaches Drängen nach Rom zurück. Nach seinem Tod im Jahre 1378 wurde der wohl psychopathische Italiener Urban VI. gewählt. Dieser ernannte 29 neue Kardinäle. Diese Ernennung lehnten die bisherigen Kardinäle ab. Sie erklärten Urban für nicht gewählt und wählten den Franzosen Klemens VII. in Fondi zu einem Gegenpapst. DieseWahl war zweifellos schismatisch.

Nach dem Tod Urbans VI. im Jahre 1389 wurde Bonifaz IX. zum Papst gewählt. Diese Wahl war schismatisch, da mit Klemens VII. ein Papst vorhanden war. Bonifaz IV. wirkte bis zum Jahre 1404.

Konzil von Pisa

  • 1409: Das Konzil von Pisa setzte die inzwischen gewählten Nachfolger Benedikt XIII. (Avignon) und Gregor XII. (Rom) ab. Alexander V. wird zum Papst gewählt.
  • Pariser Universität schlug schließlich drei weitere Möglichkeiten vor: Die Via cessionis, also eine freiwillige Abdankung; die Via compromissi, Unterwerfung unter ein Schiedsgericht und die Via concilii, die Entscheidung durch ein Allgemeines Konzil.
  • Man versuchte über 30 Jahre, das Schisma auf andere Weise zu beenden. Erst als sich dies als fruchtlos erwies, kam es doch zur Einberufung des Konzils durch Kardinäle. Nicht nur die Tatsache einer Einberufung durch Kardinäle an sich war problematisch, sondern auch, daß so oder so ein Teil der Kardinäle einer falschen Obödienz angehörte und damit illegitim war.
  • Indes stieß die Initiative auf breite Zustimmung: Über 600 Kleriker nahmen am Konzil teil. Die parallel einberufenen Konzilien der Päpste Gregor XII. und Benedikt XIII. hatten nicht annähernd so viele Teilnehmer. Die überwiegende Zustimmung des Klerus zum Konzil in Pisa isolierte die beiden Päpste auf Dauer.

Konzil von Konstanz

1414 wurde in Konstanz ein neuer Versuch unternommen, das Schisma endgültig zu überwinden. Seine Einberufung und sein Erfolg in dieser Frage sind vor allem ein Verdienst von Kaiser Sigismund, der dem unwilligen Johannes XXIII. die Zustimmung zum Konzil abrang. Sigismund sorgte durch Vorverhandlungen auch dafür, daß das Konzil durch Beschickung möglichst vieler Teilnehmer aus allen Teilen der Kirche eine breite Legitimation genoß.

Johannes XXIII. erwartete vom Konzil, in seinem Amt bestätigt zu werden. Da die Mehrheit der Teilnehmer nunmehr Italiener waren und diese weitgehend mit Gregor XII. gebrochen hatten, waren seine Aussichten eigentlich gut. Doch auf dem Konzil wurde nach kurzer Zeit eine ungewöhnliche Reform des Stimmrechts unternommen: Fortan galt nicht mehr das Prinzip ein Teilnehmer, eine Stimme, sondern es wurde nach Nationen abgestimmt, wobei jede Nation nur eine Stimme haben sollte.

Unter den nichtitalienischen Nationen war Johannes XXIII. unbeliebt. Die führenden Köpfe des Konzils waren die Kardinäle Petrus von Ailly, Guillaume Fillastre, Francesco Zabarella und der Pariser Universitätsrektor Jean Gerson. Diese überzeugten das Konzil, daß eine Lösung nur darin bestehen konnte, alle drei Päpste abzusetzen und einen neuen, von allen anerkannten Papst zu wählen.

Johannes XXIII. floh nun am 20. März 1415 aus der Stadt um nicht abgesetzt zu werden. Dadurch geriet das Konzil in eine schwere Krise, denn ohne den Papst, der zudem noch größere Teile seine Anhangs mitgenommen hatte, drohte der Verlust der Legitimität. Sigismund ließ das Konzil fortsetzen. Dieses erklärte, daß es, falls das Wohl der Kirche es erforderte, die Päpstliche Vollgewalt einschränken dürfe. Die Hoheit des Konzils über den Papst wurde am 6. April 1415 mit dem Dekret „Haec sancta“ festgeschrieben. Es bildete in der Folge die Magna Charta des Konziliarismus, bezog sich aber zunächst nur auf Konstanz. Johannes XXIII. wurde von Sigismunds Truppen verhaftet und zurück nach Konstanz gebracht, wo ihm der Prozess gemacht wurde. Am 29. Mai 1415 erfolgte seine Absetzung.

Nach Johannes XXIII. mußte das Konzil sich mit den beiden anderen Päpsten beschäftigen. Gregor XII., bereits über 80 Jahre alt, lenkte bald ein. Er anerkannte das Konzil von Konstanz als legitimes Konzil der Kirche und erklärte seine Resignation. Damit war sichergestellt, daß seine Obödienz dem in Konstanz zu wählenden Papst folgen würde.

Benedikt XIII., der inzwischen in Perpignan residierte, erklärte sich zwar zu einer Abdankung grundsätzlich bereit, stellte daran jedoch Bedingungen wie die Verlegung des Konstanzer Konzils, die ihm nicht bewilligt wurden. Daraufhin hielt er seinen Anspruch aufrecht und floh nach Peniskola. Sigismund erreichte aber, daß ihm die spanischen Königreiche die Unterstützung entzogen und als fünfte Konzilsnation nach Konstanz kamen. Damit war Benedikt XIII. endgültig isoliert. Wegen Verweigerung der Resignation wurde ihm der Prozess gemacht, am 26. Juli 1417 wurde er abgesetzt.

Ende des Schismas

Nach der Absetzung bzw. Abdankung der drei Päpste war der Weg frei für eine Neuwahl. Das in Konstanz versammelte Kardinalskollegium erklärte sich bereit, an der Wahl auch Vertreter der Nationen zuzulassen. Am 8. November 1417 begann die Papstwahl, an der 53 Wähler teilnahmen. Sie entschieden sich am 11. November für den Italiener Oddo di Colonna, der sich nach dem Tagesheiligen Martin von Tours den Namen Martin V. gab. Damit hatte die Kirche wieder einen von allen anerkannten Papst.

Somit gab es für die Anhängerschaft dieser zwei anderen Nicht-Päpste praktisch doch so etwas wie einen Zustand, daß sie ohne einen rechtmäßigen Papst waren. Und trotzdem blieben sie Katholiken (die Kirchengeschichte betrachtet sie wohlgemerkt nicht als Exkommunizierte!), und trotzdem hat die katholische Kirche nicht aufgehört zu existieren! Dies ist ein historisch-sachliches Argument gegen die Behauptung, ohne Papst könne es sogar grundsätzlich keine katholische Kirche geben.

Verweise