Albrecht von Mainz

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  • * 28. Juni 1490 in Köln/Spree
  • † 24. September 1545 auf der Martinsburg zu Mainz


Albrecht von Mainz war Markgraf von Brandenburg und Erzbischof von Mainz.


Leben

Albrecht war der zweite Sohn und das siebente und jüngste Kind des Kurfürsten Johann Cicero von Brandenburg. Er war zunächst gemeinsam mit seinem älteren Bruder Joachim als Albrecht IV. Markgraf von Brandenburg.

Anschließend trat er in den geistlichen Stand ein und wurde (ebenfalls als Albrecht IV.) Erzbischof von Magdeburg sowie als Albrecht V. Apostolischer Administrator für das vakante Halberstadt. Bereits 1514 wurde er zudem Erzbischof von Mainz und als solcher Metropolit der Kirchenprovinz Mainz, Landesherr des Erzstifts Mainz, Kurfürst und Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches und später Kardinal der Römischen Kirche.

Als ranghöchster geistlicher Würdenträger des Deutschen Reiches war er einer der wichtigsten und populärsten Gegenspieler des Erzhäretikers Martin Luthers.

Administrator in Halberstadt und Ebf. in Mainz

Am 9. September 1513 postulierte ihn das Domkapitel zu Halberstadt zum Administrator dieses Bistums. Der Papst gab die Bestätigung bzw. die Zulassung am 2. bzw. 16. Dezember 1513. Aber damit war es noch nicht genug der Würden für den jungen Mann. Albrecht wurde am 9. März 1514 auch noch zum Erzbischof von Mainz postuliert.

Nicht das Wohl der Kirche, sondern lediglich dynastische Gründe rieten zu einer derartigen Ansammlung von Bistümern in einer Hand. Alle, die dabei mitwirkten, haben sich vor Gott und der Geschichte schuldig gemacht. Eine solche Ämterkumulation war selbst Leo X. zu viel; er weigerte sich anfangs, sie zu genehmigen. Aber es gelang der brandenburgischen Diplomatie, seinen Widerstand zu überwinden. Am 18. August 1514 bestätigte der Papst Albrecht als Erzbischof von Mainz und von Magdeburg sowie als Administrator von Halberstadt. Ein paar Jahre darauf erhöhte er den doppelten Metropoliten noch weiter. Am 1. August 1518 wurde Albrecht zum Kardinal kreiert.

Die Bestellung Albrechts zum Regenten dreier Bistümer war eine krasse Fehlentscheidung. Der Mann war weder seinen Ämtern noch der Zeit gewachsen. Gutmütigkeit und Weichheit, die ihm eigneten, waren keine Mitgift für eine Herrscherpersönlichkeit. Ebenso fehlten ihm Kraft und Initiative, Mut und Weitblick. Angesichts der starkenMacht, welche die Angehörigen des Brandenburger Geschlechtes in Deutschland besaßen, ist die Vermutung begründet, daß die religiöse Entwicklung eine andere Richtung eingeschlagen hätte, wenn sich diese Fürsten einig gewesen wären in der tatkräftigen, entschlossenen und offensiven Verteidigung des katholischen Glaubens.

Aber Albrecht verstand es nicht, seine beträchtliche Macht zu konzentrieren und einen Unruheherd nach dem anderen auszuräumen. Er war nicht die stählerne Persönlichkeit, die den Aufstand mit starker Faust niedergeworfen hätte. Statt dessen dissimulierte und lavierte er. Lange Zeit begriff er entweder nicht, was die Stunde geschlagen, oder besaß er nicht die Kraft, sich dem Auftrag zu stellen, den Gott ihm gab.

Stürme der "Reformation"

Eine kostspielige Hofhaltung verschlang viel Geld. Der Kardinal hatte stets hohe Schulden. In der ungeheuren Not der Zeit entfaltete er eine Bautätigkeit, die große Summen verschlang. 1520 wurde der Bau des Magdeburger Domes durch Albrecht vollendet. "Er war damals im höchsten Glück, aber ohne Wachsamkeit“ (Walther Greischel). Er hätte das Bauen einstellen und die Hofhaltung einschränken müssen, um so die Mittel zu gewinnen, die für ein wirksames Vorgehen gegen die Aufrührer unerläßlich waren. Auch religiös war Albrecht dem ausbrechenden Sturm nicht gewachsen. Er war nicht die tiefgläubige, verinnerlichte Persönlichkeit, die, auf Gott vertrauend‚ den Kampf um Sein oder Nichtsein mit der ganzen Glut der Liebe zu Gott geführt hätte. Seine hemmungs- und kritikloseSucht, Reliquien zu sammeln, gab das Heilige der Lächerlichkeit preis und zog ihm selbst den Spott Luthers zu.

Albrecht war kein Mann des Kampfes‚ sondern des Friedens. Seine Kampfesscheu aber wurde ihm zum Verhängnis. Gegen einen zu allem entschlossenen Gegner ist Friedensliebe Unsinn und Bemühen um Ausgleich Verrat. Albrecht trat in Magdeburg sowenig rechtzeitig und nachdrücklich gegen die Glaubensneuerung auf wie in Halberstadt und Mainz. Luther konnte mit dem ersten Fürsten des Reiches zufrieden sein.

Den beliebten Vorwurf, er habe voreilig und schroff das Berechtigte an einer "Reformbewegung“ abgeblockt, konnte man Albrecht nicht machen. In dem Streit um den Ablaß, mit dem Luther seine Revolution begann, war der Erzbischof durchaus einsichtig und guten Willens, Mißbräuche abzustellen. In seiner Korrespondenz mit Luther im Jahre 1520 war Albrecht weder hochfahrend noch schroff, vielmehr mild väterlich.

Auseinandersetzung mit Luther

Der Wittenberger Mönch vergalt ihm die Güte auf seine Art. Im Jahre 1521 erpreßte Luther den Kardinal mit der Drohung, er werde die (bis heute nicht bekannte) Schmähschrift "Wider den Abgott zu Halle“ drucken lassen, wenn er nicht die Verkündigung des Ablasses in Halle beende und die Verheiratung der Geistlichen dulde. Albrecht zeigte sich gefügig. Er wußte‚ warum er dem Wittenberger Agitator nachgab. Denn er lebte eine Zeitlang unenthaltsam und fürchtete, daß dieser anrüchige Lebenswandel von dem sprachgewaltigen Vielschreiber angeprangert und er damit kirchlich und politisch erledigt würde.

Seit 1521 machte das Luthertum in Stadt und Hochstift Magdeburg rasche Fortschritte. In der Stadt Magdeburg waren es vor allem Augustiner wie Johannes Voigt und Melchior Myritz‚ die vom katholischen Glauben abfielen und das Volk verführten. Gegen die abtrünnigen Prediger standen namentlich die Dominikaner und die Franziskaner auf. Der Erzbischof und seine Beamten aber griffen nicht ein, wie es ihre Pflicht gewesen wäre.

Jeder Tag schwächte die Position der Kirche. Von Juni bis August 1524 erregten verhetzte Haufen Tumulte in wehrlosen Klöstern der Stadt. In diesem Jahre setzte der Pöbel zu der religiösen die soziale Revolution. Der Rat der Stadt Magdeburg wich vor ihm zurück. In der Folgezeit wurde durch Drohung und Täuschung dem neuen "Evangelium“ Bahn gebrochen. Ausschreitungen, Aufruhr und Drangsalierungen waren die Mittel, mit denen die Bewegung voranging; Rechtsbrüche ohne Zahl säumten ihren Weg. Ende Juni 1524 weilte Luther selbst acht Tage in Magdeburg. Weder der Stadtrat noch die Erzbischöfliche Behörde schritten gegen den in Reichsacht befindlichen Mönch ein.

Wenig später waren die sechs Pfarrkirchen Magdeburgs in der Hand der Abgefallenen. Als die Prämonstratenser des Klosters Unserer Lieben Frau sich weigerten, an den drei städtischen Patronatskirchen den katholischen Gottesdienst einzustellen, setzte die Bürgerschaft rechtswidrig und gewaltsam Prädikanten ein. Der Rat der Stadt bereitete den militärischen Widerstand gegen den Stadtherrn, den Erzbischof, vor.

Niederlage

Kardinal Albrecht dachte jedoch nicht an Kampf; er begnügte sich mit einem Bericht an den Kaiser und einem Prozeß beim Reichskammergericht. Beides war angesichts der Entschlossenheit des Gegners wertlos. Zusammen mit seinem Bruder, dem Kurfürsten von Brandenburg, hätte er der Rebellion wohl Herr werden können. Das Schreiben Albrechts an Herzog Georg vom l8. August 1525 zeigt die Fadenscheinigkeit der Gründe, mit denen er die Religionsneuerung in Magdeburg auf sich beruhen ließ.

Die Bauernaufstände führten zur ersten Vereinigung der katholischen Fürsten in Norddeutschland. 1525 schlossen Herzog Georg von Sachsen, die Herzöge von Braunschweig und die Kurfürsten Joachim und Albrecht ein Bündnis. Ihm folgte 1533 der in Halle geschlossene Bund. Aber die hier gesammelte Kraft trat nicht in Aktion gegen das Luthertum und seine Förderer.

In den folgenden Jahren wurde der Abfall in Magdeburg weitergetrieben, nicht zuletzt unter dem Eindruck der Hetze des Nikolaus von Amsdorf. Das "lautere Evangelium“ wirkte freilich nicht allein durch seine innere Kraft, sondern bedurfte der Nachhilfe von außen. So wurde der Besuch des katholischen Gottesdienstes unter Androhung einer hohen Geldstrafe untersagt. 1531 schloß sich Magdeburg dem Schmalkaldischen Bund an. Im Domkapitel begann der Abfall zum Protestantismus mit dem Übergang des Dompropstes. Die Franziskaner mußten die Stadt verlassen.

In Halle a. d. S.‚ der Residenzstadt des Magdeburger Erzbischofs, waren es vornehmlich zur Umgebung oder zu den Vertrauten Albrechts gehörige Geistliche, die zum Luthertum übergingen. Der Erzbischof behandelte sie mit einer Nachsicht und einer Schonung, die den Abfall ermutigen mußten, während er die Dominikaner und Franziskaner, die den Ernst der Lage erkannt hatten und zur Abwehr aufriefen, zum Frieden ermahnte. Walter Delius nennt es mit Recht "bezeichnend“ für die Zustände im Erzstift Magdeburg, daß ein Mann wie Tomas Münzer, der bereits 1513 in Halle als Revolutionär aufgetreten war, sich im Winter 1522/23 erneut in der Stadt halten konnte.

1523 fiel der Propst von Neuwerk, Nikolaus Demut, ein Vertrauter Albrechts, zum Protestantismus ab. Als der Kardinal gegen ihn einschreiten wollte, floh er nach Wittenberg. Der Prediger des Neuen Stifts zu Halle, Georg Winkler‚ lehrte seit 1524 das Luthertum; angeblich wohnte der Erzbischof derartigen Predigten bei. In jedem Falle ist sicher, daß Albrecht nicht früh genug und nicht hinreichend energisch gegen die Rebellion einschritt.

Erst seit 1528 suchte er mit zahlreichen Edikten und Maßnahmen der Neuerung in Halle zu wehren. Aber sein anstößiger Lebenswandel, seine Verschwendungssucht und seine ständigen Geldforderungen taten dem Erfolg seiner Maßnahmen Abbruch und führten dem Luthertum neue Anhänger zu. Außerdem fehlte ihm die Härte, die für den Kampf mit dem zu allem entschlossenen Gegner notwendig war. Die von Albrecht mit der literarischen Verteidigung der katholischen Religion betrauten Crotus Rubeanus und Michael Vehe waren für diese Aufgabe nur bedingt geeignet und wurden überdies von ihm noch behindert.

DIffamierungen

Für die guten Dienste, die der Magdeburger Erzbischof ihm und seiner Bewegung durch sein Zaudern und Zögern geleistet hatte, bedankte sich Luther auf seine Art. Als Albrecht in der Frage der Ausweisung einiger Lutheraner aus Halle festblieb, forderte er die Gemeinde in Dessau auf, Gott um die Vernichtung der "Bluthunde“ Georg von Sachsen und Albrecht von Magdeburg zu bitten. Der erstere starb 1539. Sein Tod wirkte sich auch im Erzbistum Magdeburg aus; fortan fehlte Albrecht seine Unterstützung. Dieser war inzwischen mürbe geworden. Seine Kampfkraft war nie groß; jetzt aber war sie am Ende. Dazu kam seine chronische Geldnot. Beide Momente wirkten zusammen, um ihn kapitulationsbereit zu machen. Ende 1540 bis Frühjahr 1541 tagte in Kalbe/Saale die Versammlung der Landstände der Stifter Magdeburg und Halberstadt. Albrecht hatte sie um die Bewilligung einer Sondersteuer gebeten. Die Stände waren bereit, ihm 500 000 Gulden zuzugestehen‚ falls er die freie Ausübung der lutherischen Religion in den Stiften gestatte. Albrecht ging auf diese Bedingung ein.

Am 25. Januar 1541 übernahmen die Stände seine Schulden. Als Gegengabe mußte er u. A. der Aufhebung des Neuen Stiftes in Halle zustimmen. Mit den üblichen "unevangelischen" Mitteln wurde das Wittenberger "Evangelium" allmählich überall in der Stadt zur Alleinherrschaft zu führen gesucht. Dem katholischen Glauben erstanden aber auch in Halle mutige Verteidiger. Es gab Laien und Geistliche, die scharfsinnig und entschieden der Irrlehre entgegentraten. Es sei nur an das Ratsmitglied Kaspar Querhammer und an den Parrer Matthias Metz erinnert. Der erstere kämpfte bis zu seinem Tode 1557 mit Wort und Schrift für die heilige Religion.

Verweise