Alexander I. (Zar)

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Das Haus Romanow Gottorf
  • Alexander I. Pawlowitsch Romanow
  • 23. Dezember 1777 in Sankt Petersburg
  • † 1. Dezember 1825 in Taganrog
  • 1801–1825


Alexander I. war Imperator von Rußland.


Leben

Alexander I. war der älteste Sohn des Imperators Paul I. und seiner zweiten Gemahlin. Er wurde stark durch seine Großmutter Katharina II. geprägt. Er wurde unter der Leitung des freisinnigen Schweizer Freimaurers Frédéric-César de la Harpe nach linken Grundsätzen erzogen. Dieser konnte sein Vorhaben, den jungen Großfürsten in der linken Staatskunst auszubilden, gottlob nicht beenden. Zarin Katharina erschien es wichtiger, dynastische Zukunftsfragen in Erwägung zu ziehen. Bereits im Herbst 1792 ließ sie zwei badische Prinzessinnen zum Kennenlernen nach Sankt Petersburg kommen.

Regierung

1796 starb Katharina II. und Alexanders Vater bestieg als Paul I. den russischen Kaiserthron. Ab diesem Zeitpunkt begann für Alexander eine Zeit der Demütigungen und Drangsalierungen durch den Vater. Nun geriet er langsam unter den Einfluß seiner Mutter, der sein ganzes Leben lang anhalten sollte. Als Alexander durch die Ermordung seines Vaters am 24. März 1801 auf den Thron gelangte, war er, obwohl er von dem Mord weder gewußt noch ihn gebilligt hatte, doch anfangs von Rücksichten auf die Mörder Subow, von der Pahlen und von Bennigsen beeinflußt. Die Mörder gingen straffrei aus.

Dementsprechend verwendete Alexander die ersten Jahre seiner Herrschaftszeit für eine linke, unbedachte "Reformtätigkeit".

Preußen

Im Jahre 1802 traf der Imperator mit König Friedrich Wilhelm III. von Preußen in Memel zusammen. Sie schlossen einen herzlichen Freundschaftsbund dem beide bis an ihr Lebensende treu geblieben sind.

Alexanders Entschluß für die Fortführung des Krieges nach dem Fall Moskaus begünstigte die Erhebung Deutschlands, die ohne seine Unterstützung kaum möglich gewesen wäre. In den Befreiungskriegen übte Alexander als der mächtigste unter den verbündeten Herrschern großen Einfluß aus, sowohl auf die militärischen Operationen als auch bei der "schonenden" Behandlung Frankreichs und der Rückführung der Bourbonen.

Haltung zu Napoleon

Kaiser Alexander trat mit Napoleon Bonaparte, Erster Konsul der Französischen Republik, in enge politische Beziehungen, um die Angelegenheiten Europas nach gemeinsamem Einverständnis friedlich zu leiten. 1804 kam es zum Bruch mit Napoleon. Alexander unterstützte nun Österreich, trat aber nach der Schlacht bei Austerlitz vom Bund gegen Napoleon zurück, um den Kampf 1807 zugunsten Preußens zu erneuern, allerdings erst, als sein Verbündeter den größten Teil seines Territoriums bereits verloren hatte.

Napoleon trieb Rußland jedoch in die verhängnisvolle Allianz mit England, die sich langfristi8g zu Rußlands Schaden auswirkte. Alexander schuf nach dem Sieg über Napoleon die "Heilige Allianz", die Europa ein Jahrhundert des Friedens unter russischem Schutz gewährte. Er starb überraschend in Taganrog am Asowschen Meer. Es ist nicht auszuschließen, daß er tatsächlich aber das Herrscheramt niederlegte um noch Jahrzehnte als Staretz in Sibirien weiterzuleben.

Haltung zum Freimaurertum

  • wurde unter der Leitung des freisinnigen Schweizer Freimaurers Frédéric-César de la Harpe nach linken Grundsätzen erzogen.
  • Der Freimaurerei gegenüber skeptisch gesinnt, gab Alexander I. ein Gutachten über die Tätigkeiten der Freimaurerlogen in Auftrag. Angefertigt wurde es durch Ignaz Aurelius Feßler, der 1809 als Professor der orientalischen Sprachen und der Philosophie an die Alexander-Newskij-Akademie in Sankt Petersburg berufen wurde, den Unterrichtsminister Graf Rasumowsky, den Polizeiminister Balaschew und den demokratischen Staatssekretär Michail Michailowitsch Speranski. In dessen Folge wurde die Freimaurerei 1810 in Russland genehmigt, und Alexander I. trat selbst dem Bund bei.
  • Auf Rat Metternichs und des Mönchs Photius erging am 6. August 1822 der Befehl, alle geheimen Gesellschaften und auch die Freimaurerlogen aufzulösen.

Bekämpfung verbrecherischer linke Umtriebe

In Rußland wurde eine wirksame Zensur und die strengste Überwachung der Büchereinfuhr wieder eingeführt. Linke Wissenschaftler und Literaten wurden gemaßregelt, sowie Untersuchungen wegen demagogischer Umtriebe eingeleitet, die Missionsgesellschaften unterdrückt und allmählich alle Pläne für Reformen und Fortbildung aufgegeben. Über das ganze Reich breitete sich das Netz einer offenen und geheimen Polizei, welche allen Verkehr hemmte. Die Erfahrung, daß durch alle diese Maßregeln der Geist des Widerstandes nicht zu verbannen war, verbitterte den Kaiser, der teils in den Zerstreuungen eines glänzenden, üppig-frömmelnden Hofs, teils in religiöser Mystik Zerstreuung und Befriedigung suchte.

Der links inspirierte griechische Aufstandes seit 1821 beeinträchtigte die Politik des Kaisers. Die Russen waren den angeblich orthodoxen Glaubensverwandten zugetan, Alexander aber mißbilligte jedoch den linken Aufstand und dies obwohl der Auftsand die Pforte schwächte.

Ehe

Am 9. Oktober 1793 wurde Großfürst Alexander im Alter von 15 Jahren mit der Prinzessin Louise von Baden vermählt. Die Braut war jetzt 14 Jahre alt und erhielt nach ihrem Übertritt zum orthodoxen Glauben den Namen Elisabet Alexejewna. Aus der Ehe gingen zwei früh verstorbene Töchter hervor:

  1. Maria Alexandrowna (* 18. Mai 1799; † 27. Juli 1800)
  2. Elisabet Alexandrowna (* 3. November 1806; † 30. April 1808)

Alexander I. hat noch zahlreiche weitere uneheliche Kinder gezeugt, von denen er neun anerkannt hat, unter anderem in den Jahren 1806 bis 1813 drei Kinder mit der Prinzessin Maria Antonowna Naryschkina (1779–1854).

Mystik

Unter dem Einfluß der bewegten Zeit und auf Anregung der ihn damals in ihre Mystik ziehenden Juliane von Krüdener entstand bei dem frommen Zaren zuerst die Idee der Heiligen Allianz, durch deren Verwirklichung er den Frieden der Welt auf eine christliche Grundlage zu stellen trachtete.

Tod und Legenden

Die furchtbare Überschwemmung, die 1824 Sankt Petersburg heimsuchte, sowie die Furcht vor einer russisch-polnischen Verschwörung gegen das Haus Romanow trugen mit dazu bei, den Gemütszustand des Kaisers weiter zu verdüstern. Körperlich leidend und voller Todesgedanken versöhnte er sich mit seiner Gattin, die trotz aller Fehltritte ihres Mannes stets seine Freundin geblieben war. Im Sommer 1825 verschlechterte sich der Gesundheitszustand der Kaiserin, und die Ärzte rieten ihr zu einem langen Aufenthalt im Süden; Alexander beschloss, sie zu begleiten. Mitte September traten die beiden eine Reise auf die Krim an. Dort befiel ihn ein der Halbinsel eigentümliches Fieber. Über seinen Zustand besorgt, ließ er sich nach Taganrog bringen; dort starb er am 1. Dezember 1825

Die Umstände und der Ort seines Todes führten während der Regierung von Nikolaus I. zu der Meinung, Kaiser Alexander sei nicht gestorben, sondern habe sich freiwillig als Einsiedler von der Regentschaft zurückgezogen; man habe Alexander als uralten Mann gesehen. Er lebe heimlich an einem verborgenen Ort und berate von dort einige Größen des Reiches. Diese Sagen hielten sich Jahrzehnte; sie führten zur Verklärung des Monarchen in Teilen der russischen Bevölkerung. Das Ende des Zaren verarbeitete Reinhold Schneider literarisch in seinen 1940 entstandenen Erzählungen Taganrog (veröffentlicht 1946) und Die Wahrheit (veröffentlicht 1948).

Stellung in der Geschichte

Die Macht Rußlands wuchs unter Alexander I. erheblich. Der Wiener Friede und die glücklich beendeten Kriege gegen Schweden, Persien und die Türkei führten zur Erwerbung des Königreichs Polen, Bialystoks, Finnlands, Grusiens, Schirwans und Bessarabiens mit zusammen etwa 10 Millionen Einwohnern. Ebenfalls wichtig waren das innere Erstarken Russlands und der Einfluss, den es auf die Angelegenheiten Europas gewann.

Auszeichnungen

  • 1779: Schwarzer Adlerorden (bereits im Alter von 2 Jahren von Friedrich II. verliehen.
  • 1807: Großkreuz der Ehrenlegion

Denkmäler

Von den vielen Denkmälern, die Kaiser Alexanders Andenken in Rußland verewigen, ist die Alexandersäule, 1834 auf dem Schlossplatz in Sankt Petersburg aufgestellt, besonders bekannt. In Berlin-Mitte wurde 1805 der Alexanderplatz nach ihm benannt.


Verweise