Andreä, Johann Valentin

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Johann Valentin Andreä war ein württembergischer Pietist.


Leben

Johann Valentin Andreae war ein Enkel von Jakob Andreä, Kanzler der Universität Tübingen und Mitverfasser der Konkordienformel. Bereits als Student verfaßte er neben anderen Werken "Chymische Hochzeit Christiani Rosencreutz". 1603 beendete er sein Studium. Neben seinem bestädigen Verkehr in okkultistischen Kreisen widmete sich Andreä der Pädagogik.

  • Kalvinismus, wolte kalvinistisches Regime errichten, gründete "soziale Einrichtungen".
  • verheiratet, 9 Kinder
  • 1620 wurde Andreae Superintendent in Calw,
  • 1646 wurde Andreae auf Betreiben seines Bewunderers Herzog August von Braunschweig-Wolfenbüttel von Fürst Ludwig I. von Anhalt-Köthen in die Fruchtbringende Gesellschaft aufgenommen. Der Fürst verlieh ihm den Gesellschaftsnamen "Der Mürbe" sowie das Motto "Bleibet doch frisch". Andreaes Emblem war das Moos. Im Köthener Gesellschaftsbuch findet sich unter der Nr. 464 das Reimgesetz, mit dem sich Andreae für die Aufnahme bedankte:
  1. „Das grüne mürbe Moos, wie mans an Bäumen find
  2. Jm grünen Schattenwald, und immer frisch verbleibet
  3. macht das ich Mürbe heiß’: Ob meine jahre sind
  4. Vom alter mürbe schon, des geistes kraft mich treibet
  5. Doch im berufe frisch, und mich darzu verbind
  6. Das manches kindlein wird dem herren einverleibet:
  7. Das ist die beste frucht die zur Erbauligkeit
  8. Allein gerichtet ist, und bleibt frisch iederzeit.“

Zermürbt vom Widerstand des Klerus und des Adels gegen seine strenge Auslegung des Christentums und die sozialen Reformen, die er anstrebte, ersuchte Andreae 1646 um seinen Abschied von der Kirchenleitung, der ihm 1650 gewährt wurde. Im selben Jahr übernahm er als Generalsuperintendent und Abt im Kloster Bebenhausen die Leitung der Klosterschule Bebenhausen. Ab 1654 sollte er die evangelische Klosterschule von Adelberg leiten, doch konnte er diese Stelle nicht mehr antreten. Am 27. Juni 1654 starb der schon länger kränkliche Johann Valentin Andreae im Alter von 68 Jahren in Stuttgart. Er wurde auf dem Friedhof der Hospitalkirche beigesetzt.

Werk

Als Andreaes bedeutendstes Werk gilt seine 1619 erschienene, christliche Utopie Christianopolis, ein Schlüsseltext des utopischen Genres, der, dem Vorbild von Tomas Mores Utopia frei folgend, eine protestantische Idealgesellschaft entwirft: Ihr Verfassungsgrundsatz ist Gottesfurcht, jedermann hat Zugang zur Sternwarte, damit der Glaube wissenschaftlich befruchtet wird, in der Kirche werden belehrende Schauspiele aufgeführt. Die Teilnahme am Gottesdienst ist selbstverständlich, Luxus und aufwändige Kleider sind unmoralisch. Ein „praktisches Christentum“ verwirklicht sich in christlicher Liebe und Mildtätigkeit, Wissenschaft und Technik unterliegen ethischen Zielen und dienen dem Wohl der Menschen.

Andreaes Utopie ist vor allem pädagogisch geprägt. Er stellte unter anderem folgende Grundregeln für den Umgang mit Schülern auf:

  1. „Bringe der Jugend nicht in einer fremden Sprache bei, was sie tun soll.
  2. Lehre die Jugend nicht, was sie nicht fassen und worüber sie sich kein Urteil bilden kann.
  3. Behandle im Unterricht nur das, was dem jeweiligen Alter angemessen ist und innerhalb seines Gesichtskreises liegt.
  4. Es darf nicht zu viel Abwechslung und Mannigfaltigkeit im Lerngeschäft sein, denn das macht die Geister zerstreut und wirr, wenn sie durch Verschiedenartiges zersplittert werden.
  5. Nicht vereinzeltes, gehäuftes, sondern verständiges Wissen hilft allein, indem mehr als gewiss ist, daß eine solche unzeitige Gemütsschärfe gar leichtlich also stumpf werden kann, daß sie ihr Lebtag aus den Furchen schreitet.“
  6. Für den Unterricht ist Anschaulichkeit wichtig. Mit dem Plädoyer für bildhaftes Denken und den Anschauungsunterricht hat Andreae seinen Freund Johann Amos Comenius beeinflusst, der durch sein Buch Orbis sensualium pictus berühmt geworden ist.

Rosenkreuzer-Legende

Die Forschung ist sich weitgehend einig, daß er der Schöpfer des Mythos der Rosenkreuzer mit der Figur Christian Rosencreutz und seinem Orden ist. Die Grundidee des Ordens war es, daß führende Wissenschaftler zusammen eine tätige Gesellschaft bilden, damit Wissenschaft, Christentum und Ethik nicht auseinanderfallen. Name und Symbol Christian Rosencreutz’ basieren auf dem Andreaeschen Familienwappen, die Figur selber vereinigt Charakterzüge von Martin Luther, Paracelsus und der naturwissenschaftlich maßgeblichen Philosophen der Antike.

In der Forschung wird diskutiert, daß Andreae zwar zum Mythos beitrug, doch die Ankündigung einer Reformation in seiner Erzählung Chymische Hochzeit nicht als Programm zu verstehen sei. In späteren Jahren distanzierte sich Andreae von seiner Schrift und verspottete die Alchemie offen in Abhandlungen wie z. B. Fama fraternitatis und zählte sie neben Musik, Kunst, Theater und Astrologie zu den weniger seriösen Wissenschaften.

Wegbereiter der Kabbalistischen Lehrtafel in Teinach

Vor allem durch seine 1615 in Tübingen unter dem Pseudonym Huldrich Starckmann veröffentlichte Schrift Ein Geistlich Gemäld, durch die Beschäftigung mit den biblischen Summarien, mit der Tugendlehre, der enzyklopädischen Struktur und der Emblematik beeinflusste Andreae das Umfeld der Prinzessin Antonia von Württemberg (1613–1679) und wurde damit zum Wegbereiter für die Kabbalistische Lehrtafel, die als Stiftung der Prinzessin 1663 vollendet und 1673 in der Dreifaltigkeitskirche in Teinach aufgestellt wurde.

Predigten, Schriften, Lieder

In seinen zehn Jahren in Stuttgart hielt Andreae über 1.000 Predigten, davon 205 über den 1. Brief des Paulus an die Korinther. Seine Schriften stellten ein umfassendes Reformprogramm für Kirche und Gesellschaft vor, u. a. warb er für die Einführung moderner Fremdsprachen, Naturwissenschaften und Turnübungen an den Schulen. Gegenstand der Schriften ist aber auch die wiederholte Klage Andreaes über den Widerstand, der ihm von den geistlichen und weltlichen Machthabern bei seinen Bemühungen zur Verwirklichung eines christlichen Lebens und zur Durchsetzung einer Kirchenzucht entgegengebracht werde.


Verweise