Anselm von Canterbury

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  • Anselm von Kanterburg OSB
  • * um 1033 in Osten
  • † 21. April 1109 in Canterbury


Anselm von Kanterburg war ein katholischer Philosoph des Mittelalters.


Leben

Anselm wurde 1033 in Osten geboren. Seine Eltern stammten aus verschiedenen Adelsfamilien, sein Vater Gundulf aus der Lombardei und seine Mutter Ermenberga aus Aosta. Mit 23 Jahren verließ Anselm seine Heimat bis er, angezogen vom Ruhm Lanfrancs, zur Abtei Le Bec kam. Nach einigem Zögern trat er ein Jahr später, im Jahre 1060, in diese Abtei ein. Schon drei Jahre später wurde er zum Prior gewählt, weitere 15 Jahre später zum Abt. In diese Zeit fallen auch seine ersten philosophischen und theologischen Werke.

1089 wurde Anselm Erzbischof von Kanterburg. Er wirkte im Investiturstreit. Er starb 1109. Anselm wurde 1494 heiliggesprochen und 1720 von Clemens XI. zum Kirchenlehrer ernannt.

Lehre

Anselm formuliert in der Vorrede zum Proslogion in zwei vielzitierten Sätzen eine der Grundpositionen der Scholastik, mit der er das Verhältnis von Glaube und Vernunft bestimmt:

  1. Fides quaerens intellectum – „Glaube, der nach Einsicht sucht“
  2. Credo ut intelligam – „Ich glaube, damit ich verstehe“

Satisfaktionslehre

In der Schrift Cur Deus Homo vertrat er die Lehre, die Erlösung durch Christus sei als Befriedigung des gerechten Zornes Gottes durch den Tod Christi zu verstehen (Satisfaktionslehre). Bekannt ist auch sein Streit mit Johannes Roscelin, den er als extremen Nominalisten einstufte.

Von seinen weiteren Schriften sind vor allem das Monologion, in dem er ebenfalls die Existenz Gottes samt dessen Eigenschaften herzuleiten versucht, sowie die Schrift De Veritate, die sich nicht nur mit der Wahrheit, sondern auch mit der Gerechtigkeit beschäftigt, zu nennen.

Die Enzyklika Communium rerum von Papst Pius X. vom 21. April 1909 ist dem 800. Todestag des Heiligen Anselm gewidmet.

Die auf Martin Grabmann zurückgehende Bezeichnung „Vater der Scholastik“ lässt eine hohe Wertschätzung Anselms erkennen. Zwar wird dieser Beiname auch heute noch häufig genannt, wenn man über Anselm und dessen Einfluß auf die Scholastik spricht. In der gegenwärtigen Forschung wird Anselm dagegen eher als „Wegbereiter der Scholastik“ gewürdigt, bei dem lediglich Ansätze der scholastischen Methode vorzufinden sind, der sie jedoch selbst noch nicht anwendet.

Kritisch wird zu Anselm angemerkt, er habe „zum ersten Mal in der abendländischen Christenheit“ die Gefahr eines „deduktiven Rationalismus“ heraufbeschworen.

Werke

Das Gesamtwerk Anselms lässt sich in philosophisch-theologische bzw. doktrinale Schriften, spirituell-aszetische Werke und Briefe gruppieren. Zu den philosophisch-theologischen Schriften zählen beispielsweise Werke wie Monologion, Proslogion oder Cur Deus homo. Die spirituell-aszetischen Werke sind Gebete und Betrachtungen. Durch die umfangreiche Korrespondenz Anselms stellt die Sammlung der Briefe den größten Teil seines Gesamtwerkes dar.

  • Monologion (Gottes- u. Trinitätslehre)
  • Proslogion
  • Liber contra insipientem auch Liber apologeticus contra Gaunilonem (Verteidigung und Ergänzung des ontologischen Gottesbeweises des Proslogion)
  • De grammatico (u. a. Unterscheidung zwischen significatio (Sinn) und appelatio (Bedeutung))
  • De veritate (Über die Wahrheit)
  • De libertate arbitrii
  • De casu diaboli (über den Ursprung des Bösen)
  • De fide trinitatis et incarnatione verbi (gegen Roscelin v. Compiègne)
  • Cur deus homo (1094 begonnen, 1098 in der Verbannung bei Capua vollendet)
  • De conceptu virginali et originali peccato (behandelt die Frage, wie Gottes Sohn habe Mensch werden können, ohne damit Sünder zu werden)
  • De concordia praescientiae et praedestinationis et gratiae Dei cum libero arbitrio (dogmatische Schriften)
  • Homilien
  • Meditationen (Betrachtungen)
  • Orationen (Gebete)
  • Briefe

Gedenken

21. April

Verweise