Böhmen (Kgr.)

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Böhmen ist ein Königreich im Verbund des Deutschen Reichs.


Geschichte

Begriff

Wie die meisten geographischen Namen Alteuropas stammt auch der Name Böhmen wohl aus vorgermanischer Zeit, aus der Zeit der keltischen Besiedlung Mitteleuropas. Diejenigen Kelten, die in Böhmen und in Bayern siedelten, nannten sich "Boier" und daher stammt sowohl der Name Böhmen, als auch der Name Bayern. Was die Bezeichnung Boier bedeutet, weiß man bis heute nicht. Es sei erwähnt, daß auch der Name der Stadt Passau so viel bedeutet wie "Stadt der Boier".

Germanische Landnahme

In dieses Keltenland wanderten im Zuge der Völkerwanderung seit dem 6. Jahrhundert germanische Stämme ein, wobei man sich ähnlich wie in Schlesien und in den meisten Regionen Mitteleuropas ein Nebeneinander der verschiedenen Volksgruppen vorzustellen hat. Die beliebte Vorstellung, "Slawen" hätten in Böhmen, Polen, Schlesien etc. nach der Völkerwanderung quasi geräumtes Land in Empfang genommen, beruht auf reiner Phantasie. Mit einer historischen Betrachtungsweise hat diese Vorstellung auch nichts zu tun, sie ist eine ideologische Konstruktion.

Frankenreich

In den deutschen Machtbereich geriet Böhmen während der Herrschaftszeit Karls des Großen. Böhmen wurde zum Schauplatz der Auseinandersetzung zwischen den damaligen mitteleuropäischen Machtzentren - Altmähren und dem Frankenreich Karls des Großen. Diese beiden Reiche markieren auch zwei christliche Missionsstränge - den oströmisch-konstantinopolitanischen und den weströmisch-lateinischen. Ostrom hatte bekanntlich bei seiner Mission auf die Entwicklung einer eigenen Kirchensprache gesetzt und eine eigene Liturgiesprache, das Glagolitische entwickelt. Der Machtkampf zwischen dem karolingischen und großmährischen Reich war also auch ein Machtkampf zwischen Westrom und Ostrom, zwischen Orthodoxie und Katholizismus und - im 20. Jh. wieder aktuell geworden, - zwischen "lateinischer Liturgie" und "volkssprachlicher Liturgie".

Im Zuge des Niedergangs des Großmährischen Reichs wurde die böhmische Bevölkerung zu Beginn des 9. Jahrhunderts in das fränkische Reich Karls des Großen eingegliedert. Dieser warf um Kärnten für die Franken zu befrieden zwischen 791 und 803 die Awaren (Ungarn) mehrfach nieder und beendete mit der Errichtung der fränkischen Ostmark ihre Herrschaft in dieser Region endgültig. Danach suchte er die Ostgrenze des 788 neugewonnenen Bayern abzusichern: Feldzüge nach Böhmen 805 und 806 erzwangen die Anerkennung der fränkischen Oberhoheit durch die dortigen Stämme in Form einer jährlichen Tributzahlung. Seit der Frühzeit karolingischer Herrschaft erschienen die Böhmen auch auf den fränkischen Hoftagen.

Ostfränkisches und Deutsches Reich

Bei der Reichsteilung von 817 erhielt Ludwig der Deutsche Bayern als Schwerpunkt einer bis Kärnten und Mähren reichenden Herrschaft. Die "Böhmer" erschienen seit 815 auf den ostfränkischen Reichsversammlungen. Eine Anerkennung der fränkischen Herrschaft bedeutete es, als 845 vierzehn böhmische Fürsten sich mit Gefolge in Regensburg taufen ließen. Hier erkennen wir den Anspruch Bayerns bzw. Regensburgs auf die Mission in der böhmischen Nachbarschaft. Im weiteren Verlauf des 9. Jahrhunderts verblieb Böhmen im fränkischen Machtbereich und gelangt mit diesem als Erbe an das im Jahre 911 begründete Deutsche Reich. In der selben Zeit konsolidierte sich die böhmische Staatlichkeit mit ihrem Prager Zentrum trotz erheblicher Machtausstrahlung von Polen, Mähren, Bayern und Sachsen her. Gleichfalls etablierte und konsolidierte sich der böhmische Adel mit seinem Organ, dem böhmischen Landtag. Dieser böhmische Adel bildete sich als das eigentliche Böhmen heraus.

Dabei überkreuzten sich nicht nur katholische und byzantinische Einflüsse, im Zuge des Erwerbs der Königs- und Kaiserwürde wurde auch der sächsische Einfluß stark prägend für die kirchliche und politische Einbindung Böhmens. Noch heute wahrnehmbares und unvergängliches Zeugnis für diesen Einfluß ist der Sankt-Veits-Dom in Prag. Der heilige Veit war ein bei den Sachsen außerordentlich populärer Heiliger, der auch zu den 14 Nothelfern gehört. Veit war ein Sizilianer, der im 4. Jahrhundert lebte und das Martyrium erlitt. Reliquien von ihm sind u. a. in Höxter und in Prag.

Herzogtum Böhmen

Seit Mitte des 9. Jahrhunderts kann man von einem böhmischen Herzogtum reden. Wie der Name schon sagt wurde das Herzogtum, wie auch alle anderen staatlichen Formen der Böhmen von den Germanen bzw. dem Imperium Romanum übernommen. Das böhmische Herzogtum entspricht also dem Herzogtum der deutschen Stämme, wobei mit der Gründung des Deutschen Reiches die Macht der Herzöge als mit der Königsmacht konkurrierend eingeschränkt, bzw. wie in Franken, ganz eliminiert wurde.

Das böhmische Herzogtum blieb von dieser Entwicklung weitgehend unbeeinträchtigt. Gerade weil der böhmische Herzog von Anbeginn Gefolgsmann des deutschen Königs war, konnte er seine Position und Macht zunächst in Prag zentralisieren, sodann zu einer unangreifbaren Oberherrschaft ausdehnen. Dabei wurde die Einbindung des Herzogs in das Deutsche Reich auch an der Investitur der böhmischen Herzöge durch die deutschen Könige sichtbar. Investitur, Heerfolge, Teilnahme an den Hoftagen - diese staatlichen Kennzeichen markieren fortan die Einbindung des böhmischen Herzogs ins das Deutsche Reich. Als Herzog war der Böhme auch Wähler der deutschen Könige und gelangte auf diesem Wege ins Kurfürstenkollegium. Der Sachsenspiegel allerdings legte fest:

"Wenn aber die Deutschen einen König wählen und dieser nach Rom zur Weihe fährt, so sind sechs Fürsten, die bei der Reichswahl die ersten sind, zur Heerfahrt verpflichtet, damit dem Papst die rechtmäßige Wahl bekanntgemacht werde: die Bischöfe von Trier, von Mainz und von Köln, der Pfalzgraf vom Rhein, des Reiches Truchseß, der Herzog von Sachsen, des Reiches Marschall, und der Markgraf von Brandenburg, des Reiches Kämmerer. Der König von Böhmen, des Reiches Schenk, hat keine Wahlstimme, weil er kein Deutscher ist."

Es ist klar, daß hier Deutscher kein ethnischer, sondern ein lehnsrechtlicher Begriff ist. Im Sachsenspiegel finden wir auch diesen Böhmen betreffenden Abschnitt:

"Der Reichsdienst wird dem Mann durch Urteil geboten sechs Wochen vor dem Tag, an dem er ausziehen muß, und er wird ihm so verkündet, daß es zwei Mannen des Herrn hören. Den Dienst hat er zu leisten im Lande deutscher Zunge, das dem römischen König und dem Reiche Untertan ist. Alle aber, die östlich der Saale belehnt sind, sollen im Wendenland, in Polen oder in Böhmen den Dienst leisten."

Sonderstellung Böhmens

Zwischen deutschen und böhmischen Herzogtum bestanden deutliche Unterschiede: Wahl und Investitur der böhmischen Herzöge fanden auf der Prager Burg statt, in Böhmen gab es kein Reichsgut, keine Umritte und keine Königsaufenthalte wie auf den deutschen Pfalzen. Einzigartig ist auch die sicherlich höchst problematische Stellung des Prager Bischofs, der de facto ein Hofkaplan des Herzogs von Prag war und kein Reichsfürst auf eigenem Hochstift wie die deutschen Bischöfe.

Umfang

Verweise