Bauer, Max

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Max Bauer war ein herausragender deutscher Offizier.


Wirken vor WK 1

Zar Nikolaus II. ließ die westliche Grenze Russisch-Polens gegen Deutschland am Narew befestigen. Bauer machte in Warschau als Holzhändler Quartier und begutachtete in Wilna, Kauen, Grodno und Lomscha das Holz der russischen Festungsanlagen. Im Frühsommer 1907 informierte er sich als Zeitungsreporter über die zaristische Artillerie. Später 1907 besichtigte er für die Zeitschrift „Die Woche“ belgische Festungsanlagen: Festungsring Lüttich, Namen und Antorf.

Außerhalb des Dienstweges erörterte Bauer mit Krupp Möglichkeiten des Geschützbaus. Krupp hatte 1886 eine Küstenkanone mit kurzem Rohr und dem Kaliber 42 cm gefertigt. Bauer initiierte die Forderung nach der Erhöhung des höchsten Feldgeschützkalibers über 30 cm. Er begründete diese mit der Feststellung, daß die Verteidigung Port Arturs zusammengebrochen sei, nachdem eine japanische 28-cm-Granate den Kommandanten im Bunker getötet hatte.

WK 1

Von 1914 bis 1918 war Bauer Mitglied der Operationsabteilung der OHL und Chef der Abteilung II (schwere Artillerie, Festungen). 1914 leitete Bauer die Zerstörung des Festungsring Lüttichs mit von der österreichisch-ungarischen Artillerie geliehenen Skoda-305-mm-Haubitzen. Im Juli 1915 wurde er in die OHL berufen. Im Generalstab intrigierte er mit Unterstützung von Erich Ludendorff gegen Erich von Falkenhayn. Falkenhayn war am 20. Januar 1915 als preußischer Kriegsminister entlassen worden und wurde am 29. August 1916 durch Paul von Hindenburg abgelöst.

Bauer war Verbindungsmann zwischen Gustav Stresemann und Erich Ludendorff. Der Ludendorff-Intimus war außerdem Verbindungsmann zwischen OHL und Alldeutschem Verband. Am 19. Dezember 1916 wurde ihm der Orden Pour le Mérite verliehen, und am 28. März 1918 erhielt er das Eichenlaub dazu.

Nationale Vereinigung

Im August 1919 organisierte Bauer die Nationale Vereinigung zur Koordination von Aktionen gegen die Weimarer Republik. Durch die Nationale Vereinigung wurden Freikorpssoldaten aus dem Baltikum an ostelbische Güter als Landarbeiter vermittelt, womit die militärischen Strukturen erhalten blieben bzw. reorganisiert wurden.

Lüttwitz-Kapp-Putsch

Am 12. März 1920 meuterte die Marine-Brigade Ehrhardt, als sie nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages aufgelöst und angebliche Kriegsverbrecher ausgeliefert werden sollten. Die Eiserne Brigade stand unter dem Kommando von Walther von Lüttwitz. Eine Gruppe um Bauer, Lüttwitz, Waldemar Pabst, Erich Ludendorff und Hermann Ehrhardt wollten die Reichsspitze stürzen. Der Pressechef der Reichskanzlei, Ministerialdirigent Ulrich Rauscher, hatte vor der Flucht der Reichsregierung aus Berlin einen Aufruf drucken lassen, in dem die Arbeitermassen zum Generalstreik aufgerufen wurden. Wolfgang Kapp konnte kein Geld von der Reichsbank abheben, da Unterstaatssekretär im Reichsfinanzministerium Franz Schroeder seine Unterschrift auf dem Scheck verweigerte.

In der „Kapp-Regierung“ war Bauer Leiter der Reichskanzlei. Nach dem Scheitern des Putsches wurde er polizeilich gesucht und floh nach München, wo er Schutz bei Ernst Pöhner und Georg Escherich fand. Im August 1920 ging er nach Wien, wo er erfolglos versuchte, die Heimwehr zu einen. Er vertrat auch Ludendorffs Interessen in Wien und Ungarn und beteiligte sich an Putschversuchen gegen die Regierung von Karl Renner.

Nach der Auflösung der bayrischen Einwohnerwehren wurden diese durch die verdeckt agierende Organisation Pittinger ersetzt. Die Organisation Pittinger verdrängte die Organisation Kanzler in Österreich, zu welcher Bauer Kontakte hatte. Für seine Beteiligung am Lüttwitz-Kapp-Putsch wurde Bauer 1925 amnestiert.

Militärberater

Bauer verfasste 1922 eine „Taktik des Gaskrieges“, welche von Bruno Miller der sowjetischen Regierung zugespielt wurde. In der Folge veröffentlichte Bauer in „Voina i mir Viestnik voennoi nauki i tekhniki“ drei Aufsätze. Im Sommer 1923 erhielt er über Miller eine Einladung von Leo Trotzkij nach Moskau, um sich persönlich ein Bild über die Sowjetunion zu machen und um über wirtschaftliche und industrielle Angelegenheiten in Besprechungen zu treten. Ende November 1923 reiste Bauer, da er im Deutschen Reich, in Polen und der Tschechoslowakei polizeilich gesucht wurde, über Venedig, Istanbul, Odessa und Kiew nach Moskau.

Er blieb bis Februar 1924 und veröffentlichte 1925 sein Buch „Das Land der roten Zaren“. Aus einem Gespräch mit Trotzkij erfuhr der deutsche Botschafter Ulrich von Brockdorff-Rantzau im Juni 1924 von nahen Verhandlungen über die Errichtung einer chemischen Fabrik mit Hilfe deutscher Firmen, womit ein Auftrag für die Chemische Fabrik Stoltzenberg (CFS) gemeint war, sowie daß die Sowjets noch mit Bauer zusammenarbeiten würden.

Neben der CFS war Bauer auch für ein Fixum von 900 Reichsmark monatlich als Vertreter der Flugzeugwerke Junkers Dessau tätig. Ein weiterer Vertreter von Junkers, Wilhelm Schubert, bezeichnete in einem Brief vom 16. August 1965 an Adolf Vogt die Reise Bauers in die Sowjetunion als eine von Trotzkij veranlaßte und von der deutschen Industrie bezahlte Propagandareise.

Im Rahmen der deutsch-sowjetischen Militärkooperation wurden Panzer, schwere Artillerie, Luftlandeunternehmen und der Gaskrieg in der Sowjetunion getestet. Als Scheinbetrieb der Reichswehr gründete Friedrich Tschunke die Gesellschaft zur Förderung gewerblicher Unternehmungen mbH (GEFU), über welche die Reichswehr ihre wirtschaftlichen und rechtlichen Außenbeziehungen für die Konzessionsverträge mit der Sowjetunion kanalisierte.

Im Frühjahr 1924 erhielt Bauer auf Fürsprache von Wilhelm Franz von Habsburg-Lothringen eine Einladung nach Madrid. Ab Anfang Juli 1924 betrieb er aus einem Madrider Hotel mit Luise Engler und Oberbaurat Pliegl aus Wien Akquisition. Er lieferte für Experiencias Industriales S.A. von ihm selbst entworfene Konstruktionspläne. Er vermittelte Kontakte für Walther Nernst vom Reichsverband der Deutschen Industrie und für Manfred von Killinger, welcher als Vertreter für Junkers nach Madrid kam. Junkers, Dornier, Rohrbach Metallflugzeugbau und Heinkel gründeten Anfang 1927 die Unión Aérea Española (UAE).

In Madrid war ab 1921 das Chemiewaffenlabor Fabrica Nacional de Productos Químicos de Alfonso XIII erstellt worden, wo Bauer für die deutsch-spanische Chemiewaffenentwicklung unter Hugo Stoltzenberg während eines Jahres Gas- und Nebelmunition weiterentwickelte. Wie Stoltzenberg schon 1923 erhielt auch Bauer eine Audienz von Alfonso XIII, dessen Sommerresidenz Aranjuez in der Nähe des Chemielabors liegt. Alfonso war eine treibende Kraft des spanischen Giftgasprojektes. Auf einer Fotografie der Audienz sind der Lost-Spezialist Dr. Anton Cmentek, Apelt, Bauer und Alfonso identifiziert. Bauer erklärte seinem Sohn Ernst (Hannover), bei dieser Audienz sei Schädlingsbekämpfung mit Ultragiften vorgeführt worden.

Angeblich gab es im Frühjahr 1925 in Spanien eine Heuschreckenplage. Über den Einsatz der Ultragifte gegen diese sei der argentinische Militärattaché in Madrid informiert worden, und er habe daraufhin Bauer eine halbjährige Anstellung als Inspektor beim argentinischen Landwirtschaftsministerium zur Bekämpfung von Heuschrecken, Ameisen und Baumwollkäfern vermittelt. Die Darstellung war für die Interalliierte Militär-Kontroll-Kommission (IMKK), welche die Einhaltung des Versailler Vertrages ab 22. Februar 1920 überwachte, nicht für die Produzenten und Konsumenten von besprühten Nahrungsmitteln gedacht. Bauer war auch in Argentinien wieder als Vertreter für die CFS unterwegs. Bei der argentinisch-deutschen Militärkooperation war das Anwerben von Militärberatern Aufgabe des argentinischen Militärattachés. Im Frühjahr 1926 kehrte Bauer zu seiner Familie nach Potsdam zurück.

Seit 1925 genoß er Amnestie für seine Beteiligung am Kapp-Putsch. 1926 drängten Verkehrs- und Reichswehrministerium die Junkerswerke, die Zusammenarbeit mit Bauer einzustellen. Bauer arbeitete weiter für Junkers im schwedischen Tochterwerk Limhamn. Daneben akquirierte er für Oerlikon-Bührle und die holländische Industrie- und Handelsgesellschaft HAIHA in Den Haag.

Bauer wurde 1923 von einer chinesischen Studienkommission in Europa eine Stelle als Militärberater der Provinzialregierung von Chekiang und Kiangsi angeboten. In einem Vorvertrag sagte Bauer auf Vermittlung von Ignaz Trebitsch-Lincoln zu, im Frühjahr 1924 Militärberater eines Warlords zu werden. Dieser Warlord wurde im Frühjahr 1923 gestürzt.

Im Frühsommer 1927 vermittelten wahrscheinlich deutsche Industriekreise Bauer an Prof. Matschoß in Berlin. Dieser war von Chu Chia-hua, dem einzigen in Deutschland ausgebildeten Kuomintang-Führer in Kanton, um seinen Rat bezüglich deutscher Experten für China gebeten worden. General Ludendorff war wohl an dieser Vermittlung nicht aktiv beteiligt. Bauer lud daraufhin umgehend die in Deutschland weilende Kommission zu Akquisitionsgesprächen bei deutschen Rüstungsbetrieben ein.

Nach fünf Wochen Schiffsreise traf Bauer am 15. November 1927 in Guangzhou ein. Er wurde im Rahmen der chinesisch-deutschen Kooperation (1911–1941) Berater von Chiang Kai-shek. Er erhielt als Bezahlung 1400 Schanghai-Dollar im Monat, was etwa 4.000 Reichsmark entsprach.

Bauer starb im englischen Militärhospital von Schanghai an Fleckfieber.

Schriften

  • Der 13. März 1920. Riehn. München 1920
  • Der große Krieg in Feld und Heimat. Erinnerungen und Betrachtungen. Osiandersche Buchhandlung. Tübingen 1921
  • Das Land der roten Zaren. Eindrücke und Erlebnisse. Drachen-Verlag. Hamburg 1925.

Verweise