Befiehl du deine Wege

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Die Hymne

Das Lied von Paul Gerhardt basiert auf Psalm 37, Vers 5 „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohl machen“; jeder Vers des Liedes beginnt nacheinander mit je einem Wort dieses Psalmverses.[1]

Die Weisen

Zu dem Lied gibt es verschiedene Weisen, u. a.

Die Hymne bei Bach

Die Hymne ist bei Bach fast immer mit der Weise „Herzlich tut mich verlangen“ versehen. Es ist höchst bedauerlich, daß Bach für diese herausragende Hymne fast immer diese „Allerweltsmelodie“ „Herzlich tut mich verlangen“ verwendet. Dadurch ist die Hymne für das Bachwerk gewissermaßen verbrannt. Für Bach war die Verbindung des Gerhardt-Chorals mit der stereotypen Melodie so selbstverständlich, daß er wohl gar nicht auf die Idee gekommen ist, diese zu durchbrechen.

Durch die Matthäuspassion ist die erste Strophe des Chorals zwar sehr bekannt geworden, doch die Verwendung der „falschen“ Weise führt dazu, daß gerade beim Hören der Matthäuspassion dieser Choralsatz mit den Sätzen und Strophen von „O Haupt voll' Blut und Wunden“ zusammengeblendet wird. Und so geht die wunderbare Dichtung Gerhardts im Melodiensumpf des Hochbarock unter. Daran kann auch die Motette von Bach's Schwiegersohn Altnickol nichts ändern.

Die heute übliche, sehr geeignete Melodie[2] tauchte zuerst 1603 bei Bartholomäus Gesius zu dem Lied „Lobet Gott, unsern Herren“ auf und wurde bereits bei Bach einmal für „Befiehl du deine Wege“ verwendet. Auch Telemann kannte die Weise.

Ähnlich steht es mit dem Paul Gerhardt-Lied „Ich hab' in Gottes Herz und Sinn“. Dieses vertont Bach herzlos auf die Weise "Was mein Gott will, das g'scheh allzeit". Immerhin har er dieser großartigern Gerhardt-Dichtung eine einzigartige Choralkantate gewidmet. Trotzdem schmerzt auch hier das Fehlen einer charakteristischen Weise.


Weise: Herzlich tut mich verlangen

  • Und ob gleich alle Teufel, Choral aus der Kantate 153
  • Befiehl du deine Wege, Choral aus der Matthäuspassion
  • Befiehl Du Deine Wege, Choral aus der Markuspassion
  • Befiehl du deine Wege, vierstimmiger Choralgesang BWV 270
  • Befiehl du deine Wege, vierstimmiger Choralgesang BWV 271

Orgelchoräle

  • Befiehl du deine Wege, Orgelchoral á 4, Canto fermo in Basso (Emans Nr. 36)
  • Befiehl du deine Wege, Orgelchoral, Canto fermo in Basso (Emans Nr. 37)
  • Befiehl du deine Wege, Orgelchoral mit Variation BWV A 79

Weise: Lobet Gott, unsern Herren

  • Befiehl du deine Wege, vierstimmiger Choralgesang BWV 272


Text der Hymne

1. Befiehl du deine Wege,
und was dein Herze kränkt,
der allertreu’sten Pflege
des, der den Himmel lenkt!
Der Wolken, Luft und Winden,
gibt Wege, Lauf und Bahn,
der wird auch Wege finden,
da dein Fuß gehen kann.


2. Dem Herren mußt du trauen,
wenn dir’s soll wohl ergeh’n;
Auf sein Werk mußt du schauen,
wenn dein Werk soll besteh’n.
Mit Sorgen und mit Grämen
und mit selbsteigner Pein
läßt Gott sich gar nichts nehmen:
Es muß erbeten sein.


3. Dein’ ew’ge Treu’ und Gnade,
O Vater, weiß und sieht,
Was gut sei oder schade
Dem sterblichen Geblüt;
Und was du dann erlesen,
das treibst du, starker Held,
und bringst zum Stand und Wesen,
was deinem Rat gefällt.


4. Weg’ hast du allerwegen,
an Mitteln fehlt dir’s nicht;
Dein Tun ist lauter Segen,
dein Gang ist lauter Licht,
dein Werk kann niemand hindern,
dein’ Arbeit darf nicht ruhn,
wenn du, was deinen Kindern
ersprießlich ist, willst tun.


5. Und ob gleich alle Teufel
hier wollten widersteh’n,
so wird doch ohne Zweifel
Gott nicht zurückegeh’n;
Was er sich vorgenommen,
und was er haben will,
das muß doch endlich kommen
zu seinem Zweck und Ziel.


6.Hoff', o du arme Seele,
hoff und sei unverzagt!
Gott wird dich aus der Höhle,
da dich der Kummer plagt,
mit großen Gnaden rücken;
Erwarte nur die Zeit,
so wirst du schon erblicken
die Sonn’ der schönsten Freud’.


7. Auf, auf, gib deinem Schmerze
und Sorgen gute Nacht!
Laß fahren, was dein Herze
betrübt und traurig macht!
Bist du doch nicht Regente
der alles führen soll;
Gott sitzt im Regimente
und führet alles wohl.


8. Ihn, ihn laß tun und walten,
er ist ein weiser Fürst
und wird sich so verhalten,
daß du dich wundern wirst,
wenn er, wie ihm gebühret,
mit wunderbarem Rat
die Sach’ hinausgeführet,
die dich bekümmert hat.


9. Er wird zwar eine Weile
mit seinem Trost verzieh’n
und tun an seinem Teile,
als hätt’ in seinem Sinn
Er deiner sich begeben,
und sollt’st du für und für
in Angst und Nöten schweben,
frag’ er doch nichts nach dir.


10. Wird’s aber sich befinden,
Daß du ihm treu verbleibst
so wird er dich entbinden,
da du’s am mind’sten gläubst;
Er wird dein Herze lösen
von der so schweren Last,
die du zu keinem Bösen
bisher getragen hast.


11. Wohl dir, du Kind der Treue!
Du hast und trägst davon
mit Ruhm und Dankgeschreie
den Sieg und Ehrenkron’.
Gott gibt dir selbst die Palmen
in deine rechte Hand,
und du singst Freudenpsalmen
dem, der dein Leid gewandt.


12. Mach End’, o Herr, mach Ende
an aller unsrer Not,
Stärk unsre Füß’ und Hände
und laß bis in den Tod
uns allzeit deiner Pflege
und Treu’ empfohlen sein,
so gehen unsre Wege
gewiß zum Himmel ein.


Verweise


Einzelnachweise

  1. Akrostichon.
  2. EKG 294