Berge (Kl.)

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Das Kloster „St. Johannes der Täufer auf dem Berge“ ist eine der heiligsten Stätten der Welt.


Gründung

Das Kloster Berge wurde etwa im Jahre 900 gestiftet. Um das Jahr 1010 wurde die Klosterkirche fertiggestellt. Das Kloster Berge hatte eine erhebliche Bedeutung für das geistige Leben der Region und dürfte auch missionarische Aufgaben für die ostelbischen Gebiete übernommen haben.

Zerstörung

Während der Bauernkrieg tobte, wurde das Kloster im Mai 1525 durch einen Mob geplündert. Da das protestantische, dem Schmalkaldischen Bund angehörende Magdeburg einen Krieg gegen den katholischen Kaiser als unvermeidlich sah, besetzten auf Beschluß des Rates der Stadt am 1. Juli 1546 gegen 21.00 Uhr 200 Magdeburger Bürger das vor den Toren der Stadt liegende katholische Kloster.

Um zu verhindern, daß bei einer möglichen Belagerung das Kloster Berge zum Nachteil Magdeburgs besetzt werden könnte, ließ man es komplett abreißen. Alle Gebäude, die Klosterkirche und die Mauern wurden vollständig abgebrochen. Das Bauholz, sieben schöne Glocken, ein neues Uhrwerk, die kostbaren Kirchengefäße, die Dokumente des Klosters und weiteres Inventar wurden nach Magdeburg gebracht. Den Abt Heinrich und das Konvent quartierte man in das Pauliner Kloster ein.

Die Befürchtungen der Magdeburger sollten sich bewahrheiten. Nach der vernichtenden Niederlage des Schmalkaldischen Heeres (1547), kam es 1550 zu der befürchteten Belagerung der Stadt durch kaiserliche Truppen unter Moritz von Sachsen, die 1551 mit einem ausgehandelten Vergleich endete. Nach Kriegsende erhob die Abtei Anspruch auf Schadensersatz gegen die Stadt. Magdeburg verweigerte jedoch Zahlungen.

Wiederaufbau

Nachdem Peter Ulner von Gladenbach 1559 die Nachfolge des verstorbenen Abts Heinrich Zierow antrat, begann der Wiederaufbau des Klosters und die Einrichtung einer neuen Bibliothek. Es entstand ein neues Abteigebäude, eine neue Kirche und ein massives Tor.

Sieben Jahre später bekannte sich das Kloster Berge zum Luther-Wahn und verließ damit den Benediktinerorden. Das Konvent diente nun der Ausbildung evangelischer „Theologen“. Zudem wurden 12 Kinder als Alumnen aufgenommen, die kostenfrei Wohnung und Unterricht erhielten. Abt Ulner heiratete 1573 eine Magdeburger Bürgerstochter. 1577 wurde hier die Konkordienformel zusammengestellt. Im Bergischen Vertrag von 1585 wurde der Streit zwischen dem Magdeburger Rat und dem Erzstift geschlichtet.

Dreißigjähriger Krieg

Während des Dreißigjährigen Krieges litt auch das Kloster Berge schwer. 1623 wurde der Schulbetrieb eingestellt. Wenig später besetzte der kaiserliche Feldherr Wallenstein das Kloster und vertrieb 1628 den protestantischen Abt Krause, um wieder einen katholischen Abt mit Benediktinern einzusetzen. Nach dem vorübergehenden Abzug der kaiserlichen Truppen ließ Christian Wilhelm von Brandenburg, der lutherische Administrator des Erzbistums Magdeburg die meisten Klostergebäude abdecken und unbewohnbar machen. Kurz darauf wurde bei der Eroberung und Zerstörung Magdeburgs durch die kaiserlichen Truppen unter Tilly auch das Kloster so weit zerstört, daß nur noch Außenmauern standen.

Preußische Herrschaft

Krauses Nachfolger Göbel ließ ab 1660 wichtige Gebäude wieder aufbauen und nahm ab 1664, zunächst in geringer Zahl, auch wieder Freischüler auf. 1666 wurde hier der „Klosterbergische Vertrag“ geschlossen. Die im Dreißigjährigen Krieg 1631 schwer zerstörte Stadt Magdeburg gab hierin ihren alten Anspruch auf Reichsfreiheit auf, unterwarf sich dem 1648 aus dem Erzstift hervorgegangenen Herzogtum Magdeburg unter August von Sachsen, das nach dessen Tod an Friedrich Wilhelm von Brandenburg übergehen sollte. Im Vorgriff auf diesen Übergang akzeptierte die Stadt eine kurbrandenburgische Garnison.

Die Klosterschule gelangte zu stärkerer Bedeutung und wurde ab 1686 von Abt Simon Friedrich Wolfhardt erweitert. Im 18. Jahrhundert nahm das Pädagogium zunehmend zahlende Schüler auf. Die größte Bedeutung erlangte die Schule unter Abt Johann Adam Steinmetz. Unter seiner Leitung, 1732–1762 durchliefen insgesamt 930 Eleven die Schule, darunter Christof Martin Wieland, Karl Friedrich Fasch und Friedrich von Matthisson. Die Einrichtung hatte sich zu einem Zentrum des Pietismus entwickelt. Es bestand eine enge Verbindung zu den Franckeschen Stiftungen in Halle/Saale. 1735 wurde ein Landschullehrerseminar eingerichtet. Am Kloster Berge wurde auch wissenschaftlich gearbeitet. Im Juni 1761 entdeckte Georg Christoph Silberschlag zusammen mit Heinrich Wilhelm Bachmann vom Observatorium des Klosters die Atmosphäre der Venus.

Verweise