Da der Herr Christ zu Tische saß

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Das Lied bei J. S. Bach

  • Da der Herr Christ zu Tische saß. Vierstimmiger Choralgesang BWV 285


Text der Hymne

1. Da der Herr Christ' zu Tische saß,
zuletzt das Osterlämmoein aß
und wollt von hinnen scheiden,
sein'n Jüngern er treulich befohl,
daß man allzeit verkünd'gen soll,
sein'n Tod und bitter Leiden.


2. Denn wer daßelbe recht betracht,
dem gibt es Stärk', Trost, Mut und Kraft,
in Trübsal, Angst und Nöten,
sein Kreuz wird ihm nicht halb so schwer,
ob er gleich kommt in Todesgefähr,
sein Fleisch der Geist kann töten.


3. Da er nun an den Ölberg kam,
drei Jüng'r im Garten mit sich nahm,
die hieß er niedersitzen,
sprach: "Bet't und ach't ein kleine Zeit!",
und ging von ihn'n ein'n Steinwurf weit,
vor Angst er Blut tät schwitzen.


4. Unser Sünd' macht ihm weh und bang,
mit Teufel, Tod und Höll' er rang,
all' sein' Kraft ihm entginge.
Er sprach: "Vater, mag es nun sein,
nimm hin den Kelch und schwere Pein!",
Trost er von Engel empfinge.


5. "O Vater, muß es also sein,
dein Will' gescheh' und nicht der mein',
herzlich gern will ich sterben,
damit ich nur die Brüder mein
mag retten aus der Höllen Pein
und ihn'n dein Huld erwerbe.


6. Judas kam, das verlor'ne Kind
und bracht mit sich das jüdisch G'sind
mit Schwertern und mit Stangen.
Mit einem Kuß er ihn verriet,
sie griffen ihn und führten ihn mit,
gebunden und gefangen.


7. Sankt Petrus mit dem Schwert schlug drein,
der Herr sprach: "Ach nein, steck's nur ein,
und laß es also gehen.
Es soll und muß gelitten sein,
sonst etlich' tausend Engelein
würden bei mir wohl stehen."


8. Sie brachten ihn dem Kaiphas dar,
der damals Hoherpriester war,
den Herren tät er fragen,
um seine Jünger und sein' Lehr'
und was sein Tun und Wesen wär',
das sollt' er ihm da sagen.


9. Jesus bald antwort't mit ein'm Wort:
"Im Tempel hat man mich gehört
öffentlich vielmals lehren.
Die mich gehört han danach frag,
da gab ein Knecht ein' Backenschlag
dem König aller Ehren.


10. Viel falsche Zeugen stellt man dar,
der Wahrheit doch nichts ähnlich war,
Kaiphas tät ihn beschwören
bei Gott, daß er ihm sagen sollt',
ob er sei, der da kommen soll
und der Messias wäre.


11. Du sagst, sprach Christ, ich leugn' es nicht,
denn ich werd sitzen zu Gericht,
in einer Wolken kommen,
Kaiphas gar bald zureiß sein Kleid[1]
so hört, was er gibt für Bescheid,
das habt ihr wohl vernommen.


12. Ein Urteil drauf gefället war,
sein Urteil mußt er geben dar,
er ward verspott't, verhöhnet.
Sie speiten ihm ins Angesicht,
kein Schmach sie unterließen nicht,
sein ward gar nicht verschonet.


13. Gleich wie ein'n Dieb sie bunden ihn,
und führten ihn zu Pilato hin
fälschlich er ward verklaget.
Da Judas merkt, daß also ging,
mit einem Strick er sich erhing,
verzeifelt und verzaget.


14. Pilatus aus der Klag' vernahm,
daß Christus hätt' nichts Arg's getan,
Herodi man ihn brachte.
Da er dann nicht gab gut'n Bescheid,
zog man ihm an ein weißes Kleid,
verspott' ihn und verlachte.


15. Vor Pilatum er wieder kam,
der schlug ihn vor und Barrabam
der'n ein'n er wollt' losgeben.
Vermeint, sie würden bitten los
Christum und nicht den Mörder groß,
den Jüden war's nicht eben.


16. Pilatus ließ ihn züchtigen
mit Ruten scharf und geißelen,
von Dornen auch eine Krone
flochten die Kriegsknecht zu der Stund
damit das heil'ge Haupt ward wund
dem Herren Gottessohne.


17. Ein Rohr sie gaben in sein' Hand,
legten ihm an ein Purpurgewand,
Pilatus ihn raus führte
Da seh't doch euren König an,
mit der Straf' woll't euch genügen lahn,
mehr hat er nicht verbühret.


18. Sie schrie-en all: "Nimm ihn nur hin,
von unser'n Augen und kreuzig' ihn,
sonst wirst du nichts Gut's schaffen!
sondern damit du klar beweist,
daß du kein Freund des Kaisers seist
und woll'st Aufruhr nicht strafen!"


19. Der Red' erschrak Pilatus sehr,
und ließ ihm[2] bringen Wasser her
d'raus wusch er seine Hände.
Ich bin unschuldig an dem Blut
seht drauf, ihr Juden, was ihr tut,
all' Schuld auf euch ich wende.


20. "Sein Blut", schrie das jüdisch Gesind,
"sei über uns und uns're Kind,
auf uns wir's nehmen wollen!
Geschieht ihm Unrecht an sein'm Tod,
so straf's an uns der gerechte Gott,
die Schuld wir tragen wollen."


21. Als er hinaus geführet war,
da folgt' ihn nach ein große Schar,
die Weiber weinten sehre.
"Wein't über euch und eure Kind',
denn große Straf'n vorhanden sind!"
zu ihn'n sprach Christ der Herre.


22. Zween Schächer man mit ihm ausführt,
zwischen die beid' er g'hangen wird,
Christus hub an zu schreien:
"O Vater, rechn' es ihn'n nicht zu,
dies Volk weiß itzt nicht, was es tu',
drum wollest ihn verzeihen.


23. Viel' schrie-en: "Hast du ander'n Leut'
geholfen, so hilf dir auch heut!"
Ein Schächer sprach dergleichen:
"Bist du Messias, Gottes Sohn,
so hilf dir selbst und uns davon,
daß wir den Tod entweichen.


24. Der ander' Schächer straft' ihn d'rum,
und kehrte sich zum Herr'n herum,
bat ihn mit ganzem Fleiße:
"Gedenk' mein in dein's Vaters Reich!"
Der Herr sprach: "Heut' mit mir zugleich,
sollst sein im Paradeise!"


25. Um sechs Uhr ward ein Finsternis
dergleichen nie gewesen ist,
sich entsetzt die Nature
Die Erd' erbebt', die Felsen hart
zerrissen und betrübet ward
darob all' Kreature.


26. Zum Vater schrie mit lauter Stimm'
der Herr, sein Seel' befahl er ihm,
damit sein'n Geist aufgabe.
Darauf Joseph, der fromme Mann,
kam und nahm sich des Leichnams an
bestätigt ihn zum Grabe.


27. Wir danken dir für deinen Tod,
Herr Jesu, und solch große Not,
die du um unsertwillen
erlitten hast, denn sonst fürwahr
kein Opf'r im Himmel und Erden war
das Gottes Zorn konnt' stillen.


28. O Gottes Lamm, Herr Jesu Christ,
der du für uns geschlachtet bist,
und ein Sühnopfer worden,
dadurch du hast all' Sünd' und Schuld
für uns bezahlt in groß'r Geduld,
wehrst Teufels Lügen und Morden.


29. Erhalt vor ihm[3]dein Kirch' und Wort,
daß hier zeitlich und ewig dort,
geheiligt werd' dein Name!
Dein Leiden, Kreuz und bitt'rer Tod
sei unser Trost in aller Not,
Herr Christ, das hilf uns, Amen!


Verweise


Einzelnachweise

  1. d.h. "zerriß"
  2. d.h. "sich"
  3. d.h. vor dem Satan