Das Ende Konradins

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„Mutter, Mutter - welches Leid tut man Dir an!“ Hell gellte die junge Stimme über Neapels Mercato Vecchio. Dann packten die Knechte des Henkers zu. Sein Schwert fiel blitzend nieder auf den blutrot umkleideten Richtblock. Das lockige blonde Haupt des knapp sechzehnjährigen Herzogs Konrad von Schwaben rollte in den Sand seines verlorenen Reiches im Süden.

Man schrieb den 29. Oktober 1268. Auf einer bannerverhangenen Tribüne sah dem grausigen Finale jahrzehntelangen Kampfes um die Macht nicht nur in Italien mit unbewegtem Antlitz zu Karl von Anjou, Graf der Provence, Condottiere Seiner Heiligkeit Papst Klemens IV. (ehedem Kronjurist von Ludwig IX., Karls königlichem Bruder), der den Landsmann schon 1265 zu seinem Statthalter im Königreich Beider Sizilien bestimmte und damit den Opfergang des letzten Hohenstaufen provoziert hatte.

Nach ihm starben Markgraf Friedrich von Baden und etwa tausend deutsche Ritter sowie italienische Beamte in staufischen Diensten. Die Leichen wurden in der Nähe eines Judenfriedhofs am Meeresstrand verscharrt, die sterblichen Überreste Konrads in der neapolitanischen Kirche Santa Maria del Carmine beigesetzt. 1847 ließ dort Maximilian II. von Bayern eine von Thorwaldsen modellierte Idealstatue des einzigen deutschen Königssohnes, dem solches widerfuhr, aufrichten.

Corradino, wie die Italiener den „giovano Ré“ nannten, war der einzige Sohn des frühverstorbenen Königs Konrad IV. Dieser war schon 1235 mit dem Herzogtum Schwaben bedacht, 1237 nach Absetzung und Verbannung seines älteren Bruders Heinrich zum deutschen König gewählt und unter der Obhut eines Staatsrates in die Regierungsgeschäfte eingeführt worden. Dessen Präsident, der Mainzer Erzbischof Graf Siegfried von Eppstein, setzte sich Anfang der vierziger Jahre an die Spitze einer antikaiserlichen Koalition, die am 22. Mai 1246 nach der Exkommunikation Kaiser Friedrichs II. durch das Erste Konzil von Leiden den thüringischen Landgrafen Heinrich Raspe zum Gegenkönig proklamierte.

Sein Nachfolger in dieser Rolle war der zwanzigjährige Graf Wilhelm von Holland, dem Konrad IV. im Frühjahr 1251 bei einem Treffen nord- und süddeutscher Kampfverbände unterlag. Konrad ging daraufhin nach Italien um zusammen mit seinem Stiefbruder Manfred, Fürst von Tarent, die staufischen Besitzungen in den Griff zu bekommen. Nach der Eroberung Neapels bereitete er seine siegreiche Rückkehr nach Deutschland an der Spitze eines großen Söldnerheeres vor, starb aber unerwartet am 20. Mai 1254 in Lavello.[1]

Manfred (* 1231), dessen Name in der 1261 von ihm gegründeten Hafenstadt Manfredonia am Fuße des Monte Gargano erhalten ist, war ein Sohn der piemontesischen Gräfin Bianca Lancia, mit der sich Friedrich II. erst auf dem Totenbett trauen ließ. Nach Konrads IV. Tode wurde Manfred Regent in dessen Erbreich Beider Sizilien, am 11. August 1258 auch in Palermo zum König gekrönt, wo er für ein paar Jahre den Hof Friedrichs II. mit all seinem äußeren und geistigen Glanz zu erneuern vermochte. Schon 1259 kam es zum Konflikt mit dem Papst, den Manfred als Lehnsherrn ablehnt. Er besetzt die Toskana, versucht vergeblich, auch Rom zu erobern. 1265 bat Papst Klemens IV. den ihm befreundeten französischen König um Entsendung eines „Kreuzheeres“ gegen den staufischen „Herodes-Sohn“. Es marschierte im Januar 1266 unter Führung von Ludwigs IX. Bruder Karl von Anjou auf der Via Appia von Rom nach Neapel. Bereits am 26. Februar 1266 kam es bei Benevent zur Entscheidungsschlacht, in der König Manfred fiel.

Seine Witwe, die vierundzwanzigjährige griechische Prinzessin Helena von Epirus, wurde auf der Flucht im apulischen Trani abgefangen und starb 1271 im Kerker. Mit ihren drei Söhnen verfuhr Karl von Anjou nach dem päpstlichen Gebot, „Namen und Samen des ,Babyloniers Friedrich’ auszurotten“. Er ließ sie auf dessen Jagdschloß Castel del Monte bei Trani bringen, wo sie noch jahrzehntelang „gelebt“ haben sollen, „als hätten sie nie gelebt“, wie die zynische Weisung Karls an ihre Wächter lautete. Auch ihre Schwester Beatrix gab der Franzose erst nach zweiundzwanzigjähriger Haft frei im Austausch gegen seinen Sohn und Erben gleichen Namens, der in einer Seeschlacht den sizilianischen Aragonesen in die Hände gefallen war. Etwas besser erging es Manfreds Stiefbruder Enzio (* 1214). Er war 1248 von den Bolognesen gefangen worden, die ihn in seinem eigenen Palazzo bis zum Tode (1272) in einigermaßen ehrenvoller Haft hielten.

Die Stammtafel der Hohenstaufen weist nach, daß ihr Blut trotz dieser brutalen Behandlung wehrloser Überlebender nicht versickerte, sondern auch noch in der Generation Manfreds wie schon zu Zeiten des Vaters und Großvaters an Europas Adelsgeschlechter weitergegeben wurde.

So heiratete Manfreds Tochter Konstanze aus seiner ersten Ehe mit einer savoyardischen Gräfin jenen König Peter III. von Aragonien (+ 1285), der nach dem blutigen Volksaufstand gegen die französische Gewaltherrschaft vom 30. März 1282 (Ostern, Sizilianische Vesper) den Sizilianern erfolgreich Waffenhilfe leistete und von ihnen (als Schwiegersohn König Manfreds) zum Regenten des Inselreiches ausgerufen wurde. Konstanzes Nachkommen haben es jahrhundertelang gegen die Anjou-Könige von Neapel verteidigt und damit stille Rache geübt für den Mord von 1268.


Verweise

Einzelnachweise

  1. Zw. Neapel und Bari