Das Ende des Staufischen Hauses

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Das Ende des staufischen Hauses

Auf die Nachricht vom Tod Friedrichs II. hin entschloß sich der 1237 zum römischen König gewählte Konrad IV., der vom Vater zum Erben im Imperium und im Regnum ausersehen war, nach dem Süden aufzubrechen (Oktober 1251), um den Kampf um sein Erbe aufzunehmen. Seinen Schwiegervater, Herzog Otto II. von Bayern, setzte er in Deutschland als seinen Stellvertreter ein. Dieser verstarb allerdings schon 1253. Bereits am 13. 4. 1250 war Konrad, der die Politik seines Vaters fortzusetzen versuchte, von Papst Innozenz IV. exkommuniziert worden. Seine Situation war schwierig, als er zu Jahresbeginn 1252 in Apulien landete. Aufstände tobten, und die Kurie unternahm alles, um eine nochmalige staufische Herrschaft in ihrem Lehnsreich Sizilien unmöglich zu machen.

Dazu kam das Mißtrauen Konrads gegenüber seinem Halbbruder Manfred, da dieser allem Anschein nach schon damals selbst nach der Krone strebte. Der Kaiser hatte bekanntlich dessen Geburt legitimiert und ihn für die Zeit der Abwesenheit Konrads zum Statthalter in Reichsitalien und Sizilien eingesetzt. Konrads Bemühungen, mit Papst Innozenz IV. zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen, scheiterten am päpstlichen Widerstand. Erfolgreich hingegen war der König in der Niederschlagung der Rebellion. Die Grafen von Caserta und Acerra wurden zur Unterwerfung gezwungen, Neapel und Capua eingenommen.

Die Gründung der Stadt L'Aquila sollte das Erbreich nach dem Norden hin sichern. Als der tüchtige König, der sich als guter Feldherr und Politiker erwiesen hatte, als strenger, aber gerechter Richter galt und der Dichtkunst gewogen war, sich anschickte, mit militärischer Macht nach Oberitalien und weiter nach Deutschland aufzubrechen, verstarb er an einem fiebrigen Anfall am 21. 2. 1254 im Feldlager bei Lavello.

In Deutschland waren die Anhänger der staufischen Partei nach dem Aufbruch Konrads in den Süden weitestgehend sich selbst überlassen, Wilhelm von Holland vermochte hingegen zunehmend seine Position zu verbessern. Durch seine Heirat mit der Welfin Elisabeth von Braunschweig, der Tochter Ottos, des ersten Herzogs von Braunschweig und Lüneburg, fand er Anschluß an die großen Familien des Reiches, was am 25. 3. 1252 in Braunschweig zu einer Art Nachwahl führte, die nun den Norden Deutschlands mit dem Herzog von Sachsen und dem Markgrafen von Brandenburg an der Spitze auf seine Seite brachte.

Nach Konrads IV. Tod anerkannten ihn auch die den Staufern treu gebliebenen Reichsstädte als König. Die zunehmende Selbständigkeit, die Wilhelm gewann, ließ ihr in Konflikt mit seinen einstigen Gönnern, den rheinischen Erzbischöfen, geraten. Der Kölner Oberhirte Konrad von Hochstaden wollte sogar dem Böhmenkönig Ottokar II. die Krone zuwenden. Der Papst freilich stützte Wilhelm und stellte ihm sogar die Kaiserkrönung in Aussicht.

Auf dem Wormser Reichstag im Februar 1255 anerkannte Wilhelm von Holland den großen rheinischen Städtebund, der wenige Monate zuvor unter der Führung von Mainz und Worms gegründet worden war und dem bald mehr als 70 Städte angehören sollten. Als Organisation zur Rechtssicherung unter der Kontrolle des Königs hätte der Bund als Gegengewicht gegen die Macht der Fürsten ein Mittel zur Reichsreform und zur Festigung der königlichen Position werden können, wenn nicht bald darauf der König den Schlachtentod gefunden hätte.

Ein Jahr sollte es dauern, bis das sich konsolidierende Kollegium der Kurfürsten zur Neuwahl eines Königs schritt. Es kam zu einer Doppelwahl, wobei beide Gewählten Verwandtschaft bzw. Verschwägerung mit dem staufischen Hause ins Treffen führen konnten. Am 13. 1. 12.57 wählten die Erzbischöfe von Mainz und Köln sowie der Pfalzgraf bei Rhein den Grafen Richard von Cornwall, der am 17. 5. 1257 in Aachen zum römischen König gekrönt wurde. Der Erzbischof von Trier, der Herzog von Sachsen und der Markgraf von Brandenburg gaben ihre Stimme am i. 4. 1257 König Alfons X. von Kastilien. Zwei Ausländer - ein Engländer und ein Spanier - „trugen“ nun die deutsche Krone, wobei letzterer überhaupt nie deutschen Boden betreten sollte. Aber mit der deutschen Krone war die Aussicht auf das Kaisertum verbunden, und so war man durchaus bereit, sich die Wahl einiges kosten zu lassen. Die päpstliche Anerkennung vermochte keiner der beiden zu erlangen.

Die Lage in Italien - in jenem Machtvakuum nach dem Tode Friedrichs II. - gestaltete sich immer unübersichtlicher. Als Regent in Sizilien für sein unter der Obhut der wittelsbachischen Verwandtschaft in Bayern und Schwaben heranwachsendes Söhnchen Konrad - nach der italienischen Verkleinerungsform Conradino ging es als Konradin in die Geschichte ein - hatte Konrad IV. den Markgrafen Berthold von Hohenburg eingesetzt, der sich auf die Dauer gegen den ehrgeizigen Manfred, den Stiefbruder Konrads IV., nicht behaupten konnte, als dieser nach dem staufischen Erbe zu greifen begann.

Nach der Eroberung Süditaliens ließ sich Manfred, ohne auf die Interessen seines Neffen Konradin Bedacht zu nehmen, am 10. 8.1258 in Palermo zum König von Sizilien krönen. In seinen wissenschaftlichen Interessen und in seinen weitgespannten politischen Ambitionen kam er mehr als alle anderen seiner Geschwister seinem Vater Friedrich II. nahe. Vom Süden aus versuchte er einen italienischen Gesamtstaat zu begründen. Er unterstützte die ghibellinischen Städte Ober- und Mittelitaliens und fügte den guelfischen Florentinern 1260 bei Montaperti eine schwere Niederlage zu. In der Lombardei und in der Toskana setzte er Statthalter ein. Auch baute er die sizilische Seemacht aus. War auch seinen Bemühungen, östlich der Adria Fuß zu fassen, kein Erfolg beschieden, so gelang ihm mit der Vermählung Konstanzes, einer Tochter aus erster Ehe, mit König Peter III. von Aragon die Weichenstellung für eine politische Konstellation, die Jahrhunderte den Mittelmeerraum bestimmen sollte.

Hatte die päpstliche Kurie schon seit längerer Zeit mit verschiedenen Kandidaten für den sizilischen Königsthron, die ihr geeignet erschienen, Verhandlungen gepflogen, ja sogar den achtjährigen Sohn König Heinrichs III. von England, Edmund, mit dem Königreich belehnt, so verdichteten sich nun angesichts des Machtzuwachses Manfreds die Bemühungen der aus Frankreich stammenden Päpste Urban IV. und Klemens IV. , dem Staufer eine kraftvolle Persönlichkeit entgegenzustellen. Die Entscheidung nach längeren Verhandlungen fiel zugunsten des jüngsten Bruders König Ludwigs IX. von Frankreich, Karl von Anjou, aus, der auch über die Provence und in Piemont gebot. Zu Lande und zu Wasser brach Karl in der Folge mit gewaltiger Truppenmacht in Italien ein, um den verhaßten staufischen „Häretiker“ zu vernichten. Im Mai 1265 zog er in Rom ein. Gegen das Versprechen, nicht nach der deutschen Krone und dem Imperium zu greifen, die Lombardei oder die Toskana nicht unter seine Kontrolle bringen zu wollen, belehnte ihn 1265 der Papst mit dem Königreich Sizilien.

Am 6. 1. 1266 wurde er im Lateran zum König gekrönt. In einem strategisch glänzend angelegten Feldzug eroberte Karl in der Folge Ort für Ort. Bei Benevent kam es zur Entscheidungsschlacht, die mit einer vollständigen Niederlage Manfreds, der seinen Gegner wohl unterschätzt hatte, endete. Der Staufer fiel im Kampf. Die Schlacht bei Benevent war ein wesentlicher Markstein auf dem Weg zur Vormacht Frankreichs in Europa; zugleich bedeutete sie das endgültige Ende für die Stauferherrschaft in Italien.

Nur mehr ein tragisches Nachspiel bedeutete der Italienzug Konradins, den als letzten legitimen Sproß des staufischen Geschlechts ghibellinische Kreise und süditalienische Exulanten zur Wahrung seines Erbrechts nach Italien riefen. Als Fünfzehnjähriger überschritt er am 1. 10. 1267 den Brenner Am 18. 11. 1267 verkündete Klemens IV. gegen ihn die Exkommunikation, falls er nicht binnen Monatsfrist Italien verlassen und alle Ambitionen auf das Kaisertum, Italien und das Königreich Sizilien aufgebe. Mancherlei Hilfe von ghibellinischer Seite kam ihm zu, insbesondere Pawei und Pisa unterstützten Konradin durch finanzielle Zuwendungen.

Am 24. 6. 1268 wurde ihm ein glänzender Empfang in Siena zuteil, und am 24. Juli zog er in Rom ein. Als er jedoch mit seiner zusammengewürfelten Streitmacht sich anschickte, ins Regnum einzufallen, stellte sich ihm Karl von Anjou bei Tagliacozzo entgegen und entschied mit überlegener Taktik den Kampf für sich. Der flüchtende Konradin wurde aufgegriffen und an seinen Gegner ausgeliefert, der ihn am 29. 10. 1268 auf dem Marktplatz zu Neapel nach einem Prozeß, der die von Anfang an beschlossene Hinrichtung des letzten Staufers in eine legale Form kleiden sollte, enthaupten ließ.

Haß und Angst vor der „Vipernbrut“ der Staufer hatten nach Friedrichs II. Tod innerhalb einer einzigen Generation zur Ausschaltung und geradezu Austilgung dieses Geschlechts geführt, das höher als jedes andere emporgestiegen war. Keine deutsche Dynastie fand ein Ende wie die Staufer, in Armut und Bedrängnis, im Kerker, auf dem Schafott und am Galgen. Im Süden - im Kampf um das sizilische Erbreich - erfüllte sich das staufische Schicksal. Deutschland spielte da keine Rolle mehr. Innozenz IV. und Alexander IV. hatten sogar den deutschen Fürsten untersagt, ein Mitglied dieses Hauses nochmals zum König zu wählen, und konstatierten damit geradezu eine „negative Legitimität“. Das Los, das dem einen oder anderen Staufersproß widerfuhr, kann in seiner menschlichen Tragik noch heute berühren. Enzio der Lieblingssohn Friedrichs II. aus einer illegitimen Verbindung, starb 1272 nach 23jähriger Haft in Bologneser Gefangenschaft.

Friedrichs Enkel Konradin endete als 16jähriger, von seinem Widersacher zum Tode verurteilt, 1268 unter dem Beil des Henkers. Seinen Leichnam verscharrte man vorerst nahe dem Judenfriedhof im Sand der Küste. Sein Halbbruder gleichen Namens aus einer außerehelichen Verbindung Konrads IV. wurde 1169 auf Befehl Karls von Anjou in Lucera im Alter von 17 Jahren hingerichtet.

Helena von Epirus, die zweite Gattin König Manfreds, und die Kinder aus dieser Ehe gerieten nach seinem Tode in die Gefangenschaft des Angiovinen. Von der Tochter Beatrix abgesehen, die 1184 nach einem Seesieg der Aragonesen befreit werden konnte, beendeten alle ihr Leben im Kerker. Als letzter starb 1318 in Neapel Heinrich nach 52jähriger Gefangenschaft, in die er als etwa 4jähriges Kind zusammen mit seinen Geschwistern geraten war.

Die Reste der staufischen Partei trafen sich am Hof in Barcelona, wo der aragonesische König Peter III., Schwiegersohn Manfreds, zum Treffpunkt der Opposition gegen die harte Herrschaft des Anjou wurde. Der Volksaufstand der Sizilianischen Vesper gegen das französische Regime, der am 30. 3. 1282 vor den Toren Palermos seinen Anfang nahm, erleichterte dem Aragonesen die Intervention in Sizilien.

Am 4. 9. 1282 zog Peter unter dem Jubel der Bevölkerung in Palermo ein. Künftig sollte das Erbe der Staufer in einen festländischen Teil in der Hand der Anjous und in die von den Aragonesen beherrschte Insel Sizilien aufgeteilt sein. Deutschland waren die Staufer entfremdet, als daß Bemühungen ghibellinischer Kreise auf fruchtbaren Boden gefallen wären, die im Wettiner Friedrich dem Freidigen, dem Sohn des Markgrafen Albrecht von Meißen, die Person sahen, als „dritter Friedrich“ die Herrschaft seines Großvaters, Kaiser Friedrichs II., wieder aufzurichten.

Der Haß und die Unerbittlichkeit, mit der die Kurie und ihre Parteigänger Friedrich und sein Geschlecht verfolgt hatten, erstaunen in ihrem Ausmaß. Es war wohl das Wissen oder die Sorge, daß kaiserliche Macht, so bedeutungslos sie war, wenn nicht eine entsprechende Persönlichkeit und die entsprechenden Ressourcen dahinterstanden, letztlich - im entgegengesetzten Fall — unbegrenzt und durch keinerlei Abkommen begrenzbar war, da sie immer wieder die uralten Quellen des Herrschertums ansprechen konnte.

Das Papsttum duldete aber damals keine Universalidee mehr neben sich, um so mehr, als Friedrich und die Staufer als dynamisches Geschlecht erkennen ließen, daß sie Vorstellungen auch machtpolitisch umzusetzen entschlossen waren. Der päpstliche Universalismus hatte auf ganzer Breite den Sieg gen, freilich um den Preis des Zusammenbruchs eines jahrhundertealten Ordnungssystems. Der kaiserlichen Schutzfunktion beraubt, sollte das Papsttum schon wenige Jahrzehnte hernach der Idee des autonomen Nationalstaates, dem machtvoll aufgestiegenen Frankreich, erliegen.

Die Staufer, aus der schwäbischen Enge erst in die deutsche Dimension aufgestiegen, schließlich zum Inbegriff des übernationalen Kaisertums schlechthin geworden, hatten in einer Zeit eines sich immer deutlicher abzeichnenden Aufstiegs der regionalen Kräfte noch einmal versucht, der Zersplitterung Einhalt zu gebieten. Ihre Vorgangsweise im Aufbau neuer Herrschaftsformen reichte vom geschickten Ausnützen der Gegebenheiten bis hin zur maßlosen Übersteigerung. Letztlich sind sie als Staatsschöpfer in entscheidenden Phasen an der Diskrepanz zwischen dem Anspruch eines im Konservativen begründeten Universalismus und den Möglichkeiten einer vielfältig gewordenen Welt gescheitert.

Nichtsdestoweniger bedeutete erst ihr Untergang den endgültigen Sieg des Partikularismus in Deutschland, aber auch in Italien auf Jahrhunderte. In dieser Kleinräumigkeit freilich sehen wir Menschen des ausgehenden 20. Jh., die wir gelernt haben, überdimensionierten Machtballungen mit Mißtrauen gegenüberzustehen, aber auch die Voraussetzung für die reiche kulturelle Entfaltungsmöglichkeit die Zeiten hindurch. Nicht weniger kontrovers wie noch zu Lebzeiten Friedrichs II. bemächtigte sich die Geschichtsschreibung, aber auch die Literatur und Sage des staufischen Hauses, insbesondere der beiden Friedriche, als glanzvollen Höhepunkts der lichkeit — bis hin zu den tagespolitischen Auseinandersetzungen des 19. und beginnenden 20. Jh. auf der Suche nach der Sinngebung der deutschen Mitte Europas.

Vernichtete Staufer

  • Enzio von Sardinien, Sohn Kaiser Friedrichs II., starb 1272 nach 23jähriger Haft in Bologneser Gefangenschaft.
  • Konradin, Enkel Friedrichs II., starb 1268 unter dem Henkerbeil. Sein Halbbruder
  • ebenfalls namens „Konradin“, Sohn Konrads IV., wurde 1269 auf Befehl Karls von Anjou in Lucera 17jährig gehenkt.
  • Helena von Epirus, zweite Gattin König Manfreds, geriet mit ihren Kindern nach dessen Tod 1266 in Gefangenschaft des Agiovinen. Von der Tochter Beatrix abgesehen, beendeten alle ihr Leben im Gefängnis.
  • Als letzter starb 1318 in Neapel Heinrich nach 52jähriger Gefangenschaft, in die er als 4jähriges Kind zusammen mit seinen Geschwistern geraten war.

Verweise

  • Staufer
  • Das Ende des Staufischen Hauses



Einzelnachweise