Das Konzil der Buchhalter (Lorenzer)

Aus Monarchieliga
Wechseln zu: Navigation, Suche



Konzil als Kapitulation der Kirche vor den Mächtigen

Ritual als Klammer präsentativer Symbolik, das nunmehr nur noch Informationsimperativen gehorchen soll. Sinn soll hervortreten und nachvollziehbar sein. Dem entspricht die Forderung nach Vereinfachung, Verminderung von Bekreuzigungen, was „verdoppelt“ wurde, soll weggelassen werden etc. pp.

Das Ritual wird zur Pädagogischen Methode, zum Vektor für pastorale Reglementierung.

Ideologisierung im NO war intendiert.

Die alte Liturgie war nach Lorenzer so etwas wie Protest gegen Unrecht, bedrückende Verhältnisse etc., während der NO die Gläubigen der rationalisierten Nutz-Welt ausliefert.

Der „Volkaltar“ wird aus ästhetischen und architektonischen Gründen verworfen.

Lorenzer schildert den Fall von Vierzehnheiligen, wo eine willkürliche und nicht mehr rückgängig zu machende Veränderung der Position des Altars einen Umbau der gesamten Kirche nach sich zog! Die zentrale Position des Altars hat sich über alle Bau- und Architekturperioden nicht verändert.

„Verlagert man den Ort des Altars, so beeinträchtigt und zerstört man die Raumstruktur, bringt den Raum als Sinngestalt „zum Einsturz“.

Religionsfreiheit[1]

Das Recht auf Gewissensfreiheit gehört zu den allseits gerühmten Eckpfeilern der progressiven Programmatik des Zweiten Vatikanischen Konzils. Und zweifellos war Gewissensfreiheit als Religionsfreiheit ein Hauptinteresse des Aggiornamento von Johannes XXIII. Das bezeugt schon sein Eingriff in die Diskussion des Konzils, den Bopp folgendermaßen wertet:

„In seiner Enzyklika Pacem in Terris hat Johannes XXIII. erstmals das allgemeine Recht auf bürgerliche Religionsfreiheit eingestanden. Diese Enzyklika wurde am 14. 4. 1963 veröffentlicht, also zwischen der ersten und zweiten Session des Zweiten Vatikanischen Konzils. Es ist merkwürdig, daß Johannes, der im Gegensatz zu seinem Nachfolger die freie Auseinandersetzung des Konzils stets respektiert hat, plötzlich in die interkonziliare Diskussion mit einer autoritativen Verlautbarung eingriff.
Denn die in der Enzyklika behandelten Probleme, zu denen auch die Religionsfreiheit gehörte, sollten nach dem Willen der Konzilsväter noch behandelt und die Stellungnahme des Konzils in entsprechenden Texten vom Plenum verabschiedet werden. Johannes wußte aber, daß im Hinblick auf die modernen Freiheiten die Gegensätze zwischen den konservativen und den progressiven Konzilsvätern unüberwindlich waren. Weil er wohl fühlte, daß er wegen seiner Krankheit nicht mehr an der zweiten Session teilnehmen könnte, wollte er mit einer autoritativen Botschaft dazu beitragen, die starren Fronten aufzulösen und den Progressiven zum Erfolg zu verhelfen.“

Die Enzyklika macht geltend:

„Subjekt des Rechtes ist nicht mehr die abstrakte Wahrheit, sondern der Mensch in seiner Personwürde, ausgestattet mit Freiheit und Vernunft“.[2] Daraus folgt für die rechtliche Grundlage der Staaten: „Außerdem verlangt die Würde der menschlichen Person, daß es dem Menschen möglich gemacht wird, aus eigenem Entschluß und in Freiheit zu handeln.“,[3] d.h., „daß jeder nach seiner Überzeugung, seinem Urteil und Pflichtbewußtsein handelt und nicht vorwiegend aufgrund von äußerem Zwang und Druck“.[4]

Diese zentrale Textstelle zeigt, daß im Appell Johannes XXIII. das Problem der Gewissensfreiheit die engere Thematik der Religionsfreiheit entschieden überschritt. Die Feststellung, Subjekt des Rechtes sei nicht mehr „die abstrakte Wahrheit, sondern der Mensch in seiner Personwürde“, begründet weit über die Religionsfreiheit hinaus den Respekt vor der sittlichen Entscheidung der Andersdenkenden. Dies war die Wende. Sie setzte zugleich neue Maßstäbe für das Verhältnis der Kirche zur Gesellschaft.

Sie eröffnete die „Versöhnung mit der demokratischen Gesellschaftsordnung“, die dann in der Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ feierlich bekräftigt wurde als Abschied von einem staatsrechtlichen Konzept, das, hervorgegangen aus dem Kampf gegen die Errungenschaften der Französischen Revolution, sich durchgehalten hatte vom Breve „Quod aliquantum“ des Papstes Pius VI. aus dem Jahre 1793 bis zu Pius XII.: Dem Staat wurde damals die Aufgabe zugewiesen, die Menschen, den Grundlinien der katholischen Moraltheologie folgend, am Zügel zu halten, gemäß dem Satz aus der Enzyklika „Mirari vosGregors XVI. von 1832:

„Denn wenn der Zügel zerbrochen ist, mit dem die Menschen auf den Pfaden der Wahrheit gehalten werden, dann stürzt ihre ohnehin zum Bösen geneigte Natur rasend schnell in den Abgrund.“[5]

Diesen Reglementierungsanspruch der vorkonziliaren Auffassung vom Staat beurteilt Bopp wie folgt:

„Hier erscheint der Staat als Garant und Durchsetzer der gottgewollten sittlichen Ordnung. Die Enzyklika versucht, mit einer sakralen Staatsauffassung, die aus der religiös bestimmten und weltanschaulich homogenen Gesellschaft des Mittelalters stammt, die sich entwickelnde Säkularität von neuzeitlichem Staat und Gesellschaft aufzuhalten.“

Bopp belegt diese Intoleranz noch mit Sätzen aus der Enzyklika „Libertas praestantissimum“ aus dem Jahre 1888:

„Der Staat hat die Aufgabe, die Bürger zum Gehorsam gegenüber dem göttlichen Gesetz mit Machtmitteln zu erziehen und alles zu unterdrücken, was diese Erziehung gefährden könnte. … Was also immer gegen Tugend und Wahrheit ist, das darf man nie veröffentlichen und unter die Augen der Menschen bringen und noch viel weniger ihm den Schutz der Gesetze angedeihen lassen.“.

Mit seiner legislativen und exekutiven Gewalt muß der Staat bestrebt sein, „den Irrtum aus dem Geiste zu verbannen und den Weg zu falschen Meinungen durch sichere Schutzmittel abzusperren.“

Und er fügt hinzu:

„Es wollte die Ironie der Geschichte, daß die hier grundgelegten formalen Strukturen eine Saat waren, die in den modernen totalitären Diktaturen üppig blühen sollte.“

Von ebendieser repressiven Intoleranz, von deren Begründung Böckenförde sagte: „Das ist keine Rechtstheorie, sondern eine Machttheorie, und sie ist prinzipiell sozial unverträglich“, distanzierte sich das Konzil. In Bopps Urteil:

„Eine systematische Entfaltung des Begriffs Menschenwürde gibt die Pastoralkonstitution nicht, aber sie interpretiert ihn durch einige andere Begriffe: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Damit sind die großen Ideale der Französischen Revolution auch in die Anthropologie der katholischen Kirche eingezogen. Man wird diesen Vorgang nicht hoch genug einschätzen können.“

Verweise



[[Kategorie: Satanistischer Kirchenbau]]



Einzelnachweise

  1. Lorenzer: Konzil der Buchhalter. S. 58
  2. PT 3, 9, 48
  3. PT 34
  4. PT ebd.
  5. M 16