Denket doch, ihr Menschenkinder

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Vertonung der Hymne von J. S. Bach

  • Denket doch, ihr Menschenkinder.Vierstimmiger Choralgesang BWV 1122


Text der Hymne

1. Denket doch, ihr Menschenkinder,
an den letzten Todestag![1]
Denket doch, ihr frechen Sünder,
an den letzten Glockenschlag!
Heute sind wir frisch und stark,
morgen liegen wir im Sarg
und die Ehre, die wir haben,
wird zugleich mit uns begraben.


2. Und was hilft ein langes Leben
ohne Buß' und Besserung?
Wer nicht will nach Tugend streben,
ach, der sterbe lieber jung,
uns're Bosheit nimmt nicht ab,
sondern mehrt sich bis zum Grab,
sie verläßt den Sünder nimmer,
sondern macht ihn täglich schlimmer.


3. Langes Leben, große Sünde,
große Sünde, schwerer Tod!
O drum denket an das Ende,
denket an die Todesnot![2]
Selig, wer bei guter Zeit,
sich auf seinen Tod bereit
und so oft die Glocke schläget
seines Lebens Ziel erwäget.


4. Täglich sprecht: In deine Hände,
Herr, befehl' ich meinen Geist,
daß euch nicht ein schnelles Ende
unverhofft von hinnen reißt,
Selig, wer sein Haus bestellt,[3]
Gott kommt oft unangemeld't,
Und [denn] des Menschen Sohn erscheinet
oft zur [auch zur] Zeit, da man’s nicht meinet.


5. Das Gewissenn schläft im Leben,
doch im Tode wacht es auf,
da sieht man vor Augen schweben
seinen ganzen Lebenslauf,
aller Schätze Kostbarkeit
gäbe man zu jener Zeit,
wenn man nur gescheh’ne Sachen
könnte ungeschehen machen.


6. Diese Welt geringe schätzen,
allen Sünden widersteh’n,
nur im Glauben sich ergötzen,
willig Gottes Wege geh’n,
wahre Lebensbesserung,
stete Fleischeszüchtigung,
sich verleugnen und mit Freuden
Schmach um Christi willen leiden.


7. Das sind Regeln für Gesunde,
da man Zeit und Kräfte hat,
in der letzten Lebensstunde
ist’s gewöhnlich, ach, zu spat,
Sterben ist kein Kinderspiel,
wer im Herren sterben will,
der muß ernstlich danach streben,
wie man soll im Herren leben.


8. In dem ganzen Bibelbuche
kommt nichts so erschrecklich für,
als die Worte von dem Buche
"Ihr Verfluchten, weicht von mir!"
Selig, wer davor erschrickt,
eh er noch den Tod erblickt,
wer mit Zittern hier auf Erden
schafft einst selig dort zu werden.


9. Hier in lauter Freuden schweben,
macht im Tode lauter Not,
aber auf ein himmlisch Leben
folgt ein freudenreicher Tod,
Drum hinweg mit dieser Welt,
meidet, was sie herrlich hält,
übet fleißig eure Sinnen,
daß sie Christum lieb gewinnen.


10. Sammelt euch durch euren Glauben
einen Schatz, der ewig währt,
welchen euch kein Dieb kann rauben
und den auch kein Rost verzehrt.
Nichts ist Ehre, nichts ist Geld,
nichts ist Wollust, nichts ist Welt,
alles Trachten, alles Dichten
muß man auf die Seele richten.


11. Euer Wandel sei im Himmel,
da ist euer Bürgerrecht,
lebt in diesem Weltgetümmel,
unbekannt, gerecht und schlecht,
Flieht vor aller Sklaverei,
machet eure Seele frei,
daß sie sich zu Gott erhebe
und hier als ein Fremdling lebet.


12. Darum brauchet eure Gaben
dergestalt in dieser Zeit,
wie ihr wünscht getan zu haben,
wenn sich Leib und Seele scheid't.
Sterben ist kein Kinderspiel,
wer im Herren sterben will,
der muß ernstlich danach streben,
wie man soll im Herren leben.


29. Diese Gnade zu erlangen,
sparet das Gebete nicht,
netzt mit Tränen eure Wangen,
bis daß Gott sein Herze bricht.
Rufet Jesu Christo nach,
wie er dort am Kreuze sprach:
Vater, nimm an meinem Ende,
meinen Geist in deine Hände.



Weitere Strophen

Jetzund ist der Tag des Heiles
und die angenehme Zeit,
aber leider meistenteiles
lebt die Welt in Sicherheit.
Täglich ruft der treue Gott,
doch die Welt treibt ihren Spott,
ach, die Stunde wird verschießen
und Gott wird den Himmel schließen.


Da wird mancher erst nach Öle
bei des Bräut'gams Ankunft geh'n.
und da wird die arme Seele
vor der Türe müssen steh'n.
Darum haltet euch bereit,
füllt die Lampen in der Zeit,
sonst erschallt das Lied vom Ende:
Weicht von mir, ihr Höllenbrände!


Nach Verfließung dieses Lebens
hält Gott keine Gnadenwahl,
jener Reiche rief vergebens
in der Pein und in der Qual.
Fremdes Bitten hilft euch nicht,
und wer weiß ob's auch geschicht?
Also fallt in wahrer Buße,
heute noch Gott selbst zu Fuße.


Doch wir armen Menschen sehen
nur was in die Augen fällt.
Was nach diesem soll geschehen,
bleibt an seinen Ort gestellt
An der Erde kleben wir
leider über die gebühr,
aber zu dem ander’n Leben
will der Geist sich nicht erheben.

Verweise


Einzelnachweise

  1. auch an euren Todestag
  2. Lernet das an einem Kinde, dem ist Sterben keine Not.
  3. Selig, wer sich wachend hält,