Deutsche Messe

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Deutsche Messe nennt man die Gottesdienstordnungen der Reformationszeit, die versuchten, die Heilige Messe in deutscher Sprache nachzuempfinden. Trotz beträchtlicher, jahrhundertelanger Anstrengungen konnte dieses Ziel jedoch niemals verwirklicht werden.

Grund dafür ist die Tatsache, daß die Reformation ja letztlich in der Aneignung der kirchlichen Rechte durch die örtlichen Gewalten bestand. An die Stelle der Autorität des Papstes und der Bischöfe traten nun hunderte kirchlicher Behörden, die völlig unabhängig voneinander in ihren jeweiligen Orts- und Landeskirchen regierten und Meßordnungen erließen. Unter diesen Umständen konnte sich eine einheitliche „evangelische“ oder „lutherische“ Messe nicht entwickeln. Trotz mannigfaltiger Anstrengungen gibt es diese bis heute nicht.

Frühe „Deutsche Messen“

Versuche, derartige „Messen“ zu schaffen, gab es etwa seit 1520, so durch Karlstadt in Wittenberg, durch Martin Bucer, Kaspar Hedio, Johann Schwebel und Johannes Ökolampad auf Franz von Sickingens Ebernburg. Oft wurden dabei nur einzelne Teile des Gottesdienstes ins Deutsche übertragen (z.B. die biblischen Lesungen) oder einfach nur der Meßkanon ausgelassen. Einige dieser frühen evangelischen Gottesdienstordnungen wurden gedruckt, so diejenigen von Kaspar Kantz in Nördlingen, Johannes Ökolampad in Basel, Martin Bucer in Straßburg, Tomas Münzer in Allstedt, Andreas Döber und Andreas Osiander in Nürnberg, sowie die Evangelische Deutsche Messe in Worms.

Aus anderen Orten und von anderen Reformatoren ist bekannt, daß sie zumindest Teile der Messe in deutsch hielten oder auch das „Abendmahl unter beiderlei Gestalt“ austeilten. Diese Gottesdienstordnungen sind untereinander zum Teil sehr unterschiedlich in ihrem Ablauf und ihren Veränderungen gegenüber der mittelalterlichen Messe. Ihnen allen gemeinsam sind aber folgende Punkte:

  • Möglichst weitgehende Kopie der Meßordnung
  • Gebrauch der deutschen Sprache
  • Kommunion unter beiderlei Gestalt
  • Ablehnung des Meßkanons

Ablauf der Deutschen Messe

Dies ist ein quasi kondensierter Ablauf, wie er typisch für die Deutsche Messe ist.

Eingangsteil

  • Eingangslied oder Introitus (Eingangspsalm)
  • Kyrie eleison
  • Gloria
  • Kollektengebet

Wortgottesdienst

  • Epistel
  • Graduallied
  • Evangelium
  • Glaubensbekenntnis (meist als Lied)
  • Predigt
  • Vaterunser

Abendmahl

  • Sanctus (Heilig, heilig, heilig)
  • Konsekration
  • Elevation
  • Agnus Dei
  • Austeilung des Brotes und des Kelches
    • Zur Liturgie gehören auch die Musikstücke und Gesänge, die während der Austeilung musiziert werden.
  • Dankgebet

Ausgang

  • Da pacem Domine (Ausgangslied)
  • Segen

Verweise