Die Auferstehung (Oratorium von Telemann)

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Szene (Sopran, Baß, Chor): Du tiefe, tote, grauenvolle Stille

Sopran
Du tiefe, tote, grauenvolle Stille ums heilige Grab,
um des Geopferten, des Gottersöhners Grab,
verhülle mich! Verhülle mein Herz in Traurigkeit, mein Aug’ in Nacht!
Soll ich den Toten seh‘n, seh‘n den Verbluteten, am Holz verbluteten!
Wer wälzet mir vom Grab den Felsen ab?
Doch nein, das Grab ist offen, leer!
Wie schaudert’s mich! Auch nicht den Toren mehr …

Chor
Der Herr ist erstanden,
ihn halten die Banden
des Todes nicht mehr.
Die Sünd‘ ist verschlungen,
der Tod ist bezwungen,
halleluja dem Gottmensch,
dem Sieger des Todes, dem ewigen Sohn!

Accompagnato (Basso 1) und Chor
Der Engel Gottes fuhr herab, schnell wie der wetterleuchtende Blitz.
Sein Kleid war weiß wie der schimmernde Schnee,
des Grabes Hüter seh‘n erschrocken in die Höh‘,
betäubet, seel‘los legte sie sein Blitz
ums Grab zerstreuet vor sich hin.
Er aber trat an‘s Grab
und wälzte die Last des Felsens ab.
Da zitterte der Erde Grund dem mächtigen Gange des Kommenden
und itzt trat aus des Grabes Graus
der Sieger des Tod’s im Triumphe heraus.

Chor
Der Herr ist erstanden …


Szene (Alto, Chor): Was schallt aus allen Tiefen

Was schallt aus allen Tiefen
für ein Geheul empor?
Mit kaltem Schauder hört mein Ohr
hinunter in die Tiefen.
Es sind nicht Klagen, Seufzer nicht,
was aus der tiefsten Tiefe bricht,
es ist ein scheußliches Geheul,
es ist Verzweifelung, so brüllt sie,
die Verzweifelung.

Chorus
Es ist Verzweifelung,
so brüllet die Verzweifelung,
wenn sie der Rache Blitz durchfährt
und kein Erbarmer mehr sie hört.


Szene (Basso 1, 2); Als sich der Sieger itzt

Basso 2
Als sich der Sieger itzt aus seinem Grabe riß,
fuhr er hinab ins Reich der Finsternis,
wo sich die Satane laut jauchzend im Triumf
des Todes des Messias freuten.
Mit bitterm, nur der Hölle würd‘gem Hohn
sprach Satan von dem Götzenthron:

"Ihr habt ihn sterben seh‘n, den Träumer, den Propheten,
den Sohn der Allmacht, wie er auch genannt,
doch Satan konnt‘ ihn töten.
Mit meiner vielgewalt‘gen Hand
riß ich ihn in den Staub,
verwese da, du Göttersohn!“

Accompagnato, Basso 1
So sprach der wilden Läst‘rung Stimme,
als unter ihm der Hölle Veste bebte.
Er kommt, er kommt in seinem Grimme,
der Gottmensch, der Gekreuzigte, der Tote, welcher lebte.
Zehntausend Donner sandt‘ er vor sich her,
die Fürsten stürzten von den Thronen,
und ohn‘ Erbarmen, ohne Schonen
ward jeder in dem Feuermeer
an seinen Felsen angespießt,
um da Jahrtausende voll Pein
mit Flammen überschwemmt zu sein.
Da brüllte die Verzweifelung,
das scheußliche Geheul aus allen Höhlen,
ein scheußliches Geheul drang von verdammten Seelen
dem Rächer nach, der nach der Hölle Sieg
herauf zur Erde stieg.

Chor
Preis ihm, dem Starken, der des Raubes
den Tod und die Hölle beraubt,
durch den Gott das Geschlecht des Staubes
(durch Blut des Sohnes erlöst) / nicht ganz zur Heile verstößt.
Halleluja dem Gottmensch,
dem Sieger des Todes, dem ewigen Sohn!


Accompagnato (Sopran): Welch eine herrliche Gestalt

Welch eine herrliche Gestalt,
kommt unter jenem Schatten her
und welche göttliche Gewalt
spricht lauter in mir:
Er, er ist‘s, den ich beweint,
er ist der Göttliche, der Menschenfreund,
mein Heiland und mein Gott.


Aria (Sopran): O laß‘ mich hier zu deinen Füßen

O laß‘ mich hier zu deinen Füßen
den Staub, o du Gesalbter küssen,
der dich, des Todes Sieger, trägt.

Mein Auge strömet Freudenzähren,
daß du nun einst mich zu verklären,
dich selber in den Staub gelegt.


Accompagnato (Tenor): Mit kaltem Schauder

Mit kaltem Schauder bebt ich sonst,
wenn ich hinab in‘s Tal des Todes sah.
Da war kein Strahl von Licht,
da war kein Helfer für mich da.
Oft zagte tief in sich die Seele voll Verzweifelung
und sträubte sich und rung
und fürchtete, nicht mehr zu sein.
Der gegenwärt‘gen Gottheit Schein
erhellet itzt das finst‘re Todestal,
der bess‘ren Hoffnung Strahl
erhellt der Seele Traurigkeit
mit künft‘ger Ewigkeit.


Aria (Tenor): Auch ich bin Staub

Auch ich bin Staub, auch ich, ich werde
dereinst in deinem Schoß, o Erde,
sanft ruh’n wie er.
Doch soll kein Tod mich zaghaft machen,
ich weiß, ich weiß, ich wird‘ erwachen,
und aufersteh’n wie er.


Accompagnato (Basso 1): Und o des großen Tags

Und o des großen Tags
wenn der Trommeten Schall
in alle Gräber dringt
und aller Welten Widerhall
den Kommenden verkündigt,
der in’s Feld der Toten kömmt
und da Gerichte hält.
Wenn nun, o Herr, so wie dein Wort gebeut,
das Feld der Toten rauscht,
die Ewigkeit die Myriaden nimmt
und insgesamt dein Wort
sie losspricht oder sie verdammt.


Szene (Basso 1/2, Chor): Laß mich nicht, o Unerbittlicher

Basso 1
Laß mich nicht, o Unerbittlicher,
wenn Himmel und Erde vergeh’n
in deinem Zorn dich seh’n!
Noch bist du Richter nicht
noch hörest du das Fleh’n,
das durch die Wolken bricht
laß uns, o Herr, zum Leben aufersth’n!
Chorus
Du Sohn des Ewigen, hör‘ unser Fleh‘n,
laß uns, o Herr, zum Leben aufersth’n!
Recitativo (Basso 2)
So bist du auch für mich erstanden,
o du Gekreuzigter!
So wird der Hölle Spott zu schanden,
und ich lobsinge dir, o Herr!

Chorus: Jauchzt Lieder dem Herrn

Jauchzt Lieder dem Herrn,
der Herr ist auferstanden,
jauchzt ihm in seinem Heiligtum!
Es mischen von den höher’n Sfären
die Engel sich zu unsern Chören,
die Erde widerhallt von seiner Taten Ruhm.


Verweise