Die Mainzer Hofkapelle

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  • Die Mainzer Hofkapelle und die musikalische Ausgestaltung der Frankfurter Wahl- und Krönungsmessen
  • Arno Paduch (Leipzig)
  • aus: Pelizaeus, Ludolf (Hrsg.): Wahl und Krönung in Zeichen des Umbruchs. Frankfurt am Main 2008


Krönungsmessen

Die musikalische Ausgestaltung der Wahl- und Krönungsmessen unterlag dem Ritus der katholischen Kirche und den Vorschriften der Goldenen Bulle. Diese schreibt für die Wahl das Formular der Pfingstmesse (De Spiritu Sancto) vor, enthält aber keine Vorschrift für die Krönungsmesse.

Liturgie und Zeremoniell der deutschen Königskrönung wurden im 10. Jahrhundert erstmals festgelegt und im frühen 14. Jahrhundert überarbeitet. Diese jüngere Fassung der Liturgie zur deutschen Königskrönung wurde mit geringen Veränderungen bis zur letzten Krönung von Franz II. am 17. Juli 1792 benutzt. Das übrige Zeremoniell mußte aber der geänderten Zahl der Kurfürsten angepaßt werden. Spätestens seit 1309 wurde zur Krönung das Formular des Dreikönigsfestes (In Epiphania Domini) verwendet, wobei seit dem 17. Jahrhundert mehrfach von dieser Tradition abgewichen wurde:

Matthias I. Frankfurt 24.6.1612 In Epiphania Domini
Ferdinand II. Frankfurt 9. 9.1619 De Spiritu Sancto
Ferdinand III. Regensburg 29.12.1636 In Epiphania Domini
Ferdinand IV. Regensburg 18. 6.1653 De Spiritu Sancto
Leopold I. Frankfurt 1. 8.1658 De Spiritu Sancto
Joseph I. Augsburg 26. 1.1690 De Spiritu Sancto
Karl VI. Frankfurt 22.12.1711 De Spiritu Sancto
Karl VII. Frankfurt 12.2.1742 In Epiphania Domini
Franz I. Frankfurt 13. 9.1745 In Epiphania Domini
Joseph II. Frankfurt 27. 3.1764 In Epiphania Domini
Leopold II. Frankfurt 30. 9.1790 In Epiphania Domini
Franz II. Frankfurt 5.7.1792 In Epiphania Domini

Prachtentfaltung war in der Barockzeit kein dekoratives Beiwerk, sondern eine zeremonielle Notwendigkeit, diente sie doch dazu, Rang und Stand eines Fürsten demonstrativ darzustellen. Für den künftigen Kaiser und die beteilig Kurfürsten war es daher selbstverständlich zu den Wahl- und Krönungstagen mit ihren Hofkapellen oder wenigstens mit einer repräsentativen Zahl von Trompetern und Paukern zu erscheinen.

Kapelle auf dem Lettner

Im 17. Jahrhundert standen die Musiker in der Krönungskirche auf dem Lettner, der den Chorraum vom Hauptschiff trennte. Während die Wahlmesse im Chorraum hinter dem Lettner zelebriert wurde, fand die Krönung in der Vierung vor dem Lettner statt, um einer möglichst großen Personenzahl das Zuschauen zu gewährleisten.

Die Position auf dem Lettner ermöglichte den Musikern einen engen Kontakt zu den zelebrierenden Geistlichen, welche die liturgischen Gesänge intonierten, die dann von den Musikern mehrstimmig fortgesetzt wurden. Seit 1436 ist auf dem Lettner eine Orgel nachweisbar und mindestens eine weitere Schwalbennestorgel befand sich an der Westwand des nördlichen Querschiffes. Der Lettner wurde anläßlich der Krönung Karls VI. im Jahr 1711 abgebrochen und an seiner Stelle eine Musikerempore errichtet, wie dies auch zur römischen Königskrönung Joseph I. 1690 im Augsburger Dom geschehen war.

Orgel und Musiker

Im Jahr 1721 beauftragte das Frankfurter Stiftskapitel den Orgelbauer Johannes Mayer mit der Errichtung einer neuen Orgel mit 31 Registern in zwei Manualen und einem Pedal, die 1724 fertig gestellt wurde. Gestimmt werden sollte sie im Chorton und zusätzlich mit einer "Verrückung oder Transposition" versehen werden, "daß es zugleich auch im Cornet-Ton zu gebrauchen sei." Johann Andreas Silbermann beschrieb die Orgel als "nicht schlecht im Ton, schwer spielbar." Errichtet wurde die Orgel auf der westlichen Empore, wo nun auch die Hofkapellen musizierten. In den Krönungsdarstellungen sind daher seit 1742 nur noch die Hoftrompeter zu sehen, die von den Emporen an den nördlichen und südlichen Wänden des Langhauses spielten.

Zu den Frankfurter Krönungen des frühen 17. Jahrhundert erschienen gedruckte Furierzettel, in denen der Bedarf an Quartieren für Menschen und Pferde festgehalten wurde und aus denen die Besetzungen der Hofkapellen in etwa zu erkennen sind.

Die Listen der geistlichen Kurfürsten zur Krönung Matthias I. im Jahre 1612 nennen für Mainz summarisch 21 Musiker und 5 Trompeter. Der Mainzer Kurfürst ließ anscheinend seine Hofkapelle noch kurz vor seinem Einzug in Frankfurt am 20. Mai verstärken, da zwischen dem 2. und dem 20. April der neue Hofkapellmeister Gabriel Plautz, der Hoforganist Johann Textor, sowie fünf Sänger eingestellt worden waren.

Die Kölner Liste nennt neben dem Kapellmeister Joannino Favereo 14 Musiker, einen Heerpauker, 8 Trompeter und 4 Trompeterjungen. Die Trierer Liste verzeichnet 6 Musiker, 5 Trompeter und 5 Trompeterjungen. Die Kursächsische Hofkapelle bestand aus 13 Musikern, 4 Kapellknaben, 13 Trompetern und 2 Heerpaukern. Geleitet wurde sie von Hans Leo Hassler, der am 8. Juni 1612 in Frankfurt verstarb und am 10. Juni auf dem Peterskirchhof beigesetzt wurde.

Zusammen mit dem Administrator der Kurpfalz, der für den unmündigen Herzog Friedrich V. die Pfälzer Kurstimme führte, fanden sich "12 Trompeter samptt einem Heerpaucker", sowie "4 Furierer und Trommeter" des Fürsten Christian von Anhalt ein. Den brandenburgischen Gesandten begleiteten 4 Trompeter.

Die Kapelle Kaiser Matthias’ I. wird mit 33 Musikern, sowie 17 Trompetern und Heerpaukern angegeben. An der Spitze der Liste, die auch den hervorragenden Komponisten Alexander Orologio verzeichnet, wird der Vizekapellmeister Christoph Strauß genannt. Die Anwesenheit des kaiserlichen Hofkapellmeisters Lambert de Sayve ist in den Listen aber nicht nachweisbar. Nach der Krönung widmete er Matthias I. einen Musikdruck, der ein Te Deum und eine Festmotette zur Krönung enthält.

Schon am ersten Sonntag nach seiner Ankunft ließ Matthias "durch dero Musicanten in der Lieb-Frauen Kirchen stattlich figurieren und singen".

Tagesordnung

Am Wahltag, der nach Beendigung der Wahlverhandlungen auf den 13. Juni festgelegt worden war, versammelten sich der künftige Kaiser, die Kurfürsten, sowie die Wahlgesandten um 7 Uhr vormittags im Rathaus und zogen, begleitet von allen anwesenden Trompetern, zum Dom. Nachdem sie die Kirche erreicht hatten, begaben sie sich in den Chor, wo die Wahl nach den Regeln der Goldenen Bulle im Rahmen einer Heilig Geist Messe vollzogen wurde.

Die Hofkapellen standen auf dem Lettner und die Trompeter und Pauker waren auf den Zuschaueremporen im Kirchenraum verteilt, die extra wegen der Kaiserkrönung entlang der Kirchenwände errichtet worden waren. Als Matthias nach der Wahl aus der Wahlkapelle in den Chor zurückkehrte, wurde er unter Pauken- und Trompetenklängen auf den Hochaltar gesetzt und

"das Te Deum durch deß Stiffts Organisten ganz prächtig und mit grossem Schalle angefangen worden, den 2. Verß haben gesungen die Musicanten mit Zincken und Posaun, den 3. Verß die Drometer aller Churfürsten sampt allen Heerpaucken, den 4. Verß der Organist widerumb den 5. die Musicanten, den 6. die Drometer und Heerpaucken und also fort".

Anschließend zeigte er sich auf einer in der Vierung errichteten Tribüne dem versammelten Volk und verließ dann die Kirche. Auf dem Rückweg vom Dom zu seinem Quartier begleiteten ihn die Kurfürsten und " … der Chur Sachsen 2. Heerpaucker / und 12 Trommeter / in seiner Hoffarb ganz stattlich / dann er die trawr Klaider abgelegt gehabt/ unnd seind die Fahnen an den Trommeten / mit Silber und Gold gestückt/ denen seind gefolgt 2. Trierische Heerpaucker / mit 9 Trommeter / darauff dessen von Cöllen 2. Heerpauker und 10. Trommeter / ferner des Königs 2. Heerpaucker / und l2 Trommeter."

Als nach der Wahl die Stadttore wieder geöffnet wurden, zogen zahlreich Reichsfürsten in Frankfurt ein, von denen einige hervorragende Kapellen unterhielten. Unter ihnen befanden sich die Landgrafen von Hessen-Darmstadt, Hessen-Butzbach und Hessen- Homburg, sowie Landgraf Moritz "der Gelehrte" von Hessen-Kassel, der Entdecker und Förderer von Heinrich Schütz, der auch selber komponierte. Die Furierzettel geben für die Reichsfürsten nur die Begleitpersonen von hohem Stand und die Hofbeamten wie der. Die anderen Personen werden nur summarisch genannt und es fehlen Angaben zu den Hofkapellen.

Am Krönungstag, dem 24. Juni, hatten sich die geistlichen Kurfürsten schon um 5.00 Uhr im Dom versammelt, um mit den Nürnberger Krongesandten die Reichsinsignien und den Krönungsornat vorzubereiten. Der Kaiser wurde von den kurfürstlichen Trompetern und den weltlichen Kurfürsten, die Szepter, Reichsapfel und Reichsschwert trugen, begleitet und erreichte gegen 8.00 Uhr den Dom.

An der Kirchentür wurde er von den geistlichen Kurfürsten nach einem festgelegten Zeremoniell empfangen. Begleitet von den Kurfürsten zog er dann in die Kirche ein, während die kaiserliche Hofkapelle die Antifon "Ecce mitto angelum meum" sang. Für die Kaiserkrönung liegen leider keim Beschreibungen der Musikaufführungen vor. Da schon zwei Tage später Matthias’ Frau Anna von Tirol mit dem gleichen Zeremoniell zur Kaiserin gekrönt wurde, dürfte die gleiche Musik erklungen sein.

Die Messe zur Krönung der Kaiserin wurde vom "Suffraganeus Moguntinus angefangen / so von der Keyserlichen Capellen mit statlicher Music continuieret worden" und das "Te Deum durch die Orgel / Musicanten und Trommeter gesungen und figurirrt und je eines umb das andere abgewechselt".

Nach dem Ende der Krönungsmesse zogen der Kaiser und die Kurfürsten zum Krönungsbankett in den Römer, wo die Kurfürsten die in der Goldenen Bulle vorgeschriebenen Erzämter verrichteten. An der Nordseite des Festsaales war eine Empore errichtet worden, von der aus die Musiker zuerst Tafel- und später Tanzmusik spielten. In den Tagen nach der Krönung wurden bis zur Abreise des Kaisers glanzvolle Festivitäten gefeiert, deren Höhepunkte ein Turnier und ein Feuerwerk darstellten.

Wahl 1619

Die Wahl Ferdinands II. am 28. August 1619 und seine Krönung am 9. September standen im Schatten der böhmischen Unruhen und der Prager Königskrönung des Pfälzer Kurfürsten Friedrich V. Der zukünftige Kaiser zog am 28. Juli in Frankfurt ein. Der gedruckte Furierzettel nennt unter den 370 Personen nur zwei Trompeter und einen "Capelldiener".

Ein Vergleich mit den Furierzetteln von 1612 und 1658 und mit Akten aus dem Mainzer Erzkanzlerarchiv läßt darauf schließen, daß in dem Furierzettel von 1619 nur ein Teil des Hofstaates verzeichnet ist und die Hofkapelle zu einem anderen Zeitpunkt in Frankfurt eintraf. Diese Schlußfolgerung wird durch eine Angabe Matenesios bestätigt, der die Mitwirkung kaiserlicher Musiker an der Wahlmesse erwähnt. Daß andere Hofmusiker in Wien verblieben sind, ist nicht ungewöhnlich und entspricht den Krönungen von 1712, 1790 und 1792, als auch nur Teile der Hofkapelle nach Frankfurt reisten.

Die weltlichen Kurfürsten ließen sich durch Gesandtschaften vertreten, denen nur einzelne Trompeter und Pauker angehörten. Die geistlichen Kurfürsten erschienen aber wieder mit einer größeren Anzahl Musikern. Für Mainz sind 5 Musikanten und 6 Trompeter belegt, für Trier der Kapellmeister Petrus Ogleus sowie fünf Musikanten und vier Trompeter. Der Erzbischof von Köln brachte mit 16 Musikern, unter der Leitung des Kapellmeisters Alphonso de Fressardis, sowie 6 Trompetern und einem Heerpauker, die größte Kapelle nach Frankfurt.

An den Sonn- und Feiertagen zelebrierten die geistlichen Kurfürsten festliche Gottesdienste in den katholischen Kirchen Frankfurts, die sie durch ihn Hofkapellen ausgestalten ließen. Auch ohne eine große Zahl kaiserlicher Musiker konnten die kurfürstlichen Hofkapellen die Wahl- und Krönungsmessen mit prunkvollen Musikaufführungen ausgestalten, die auch in zeitgenössischen Druckwerken eingehend beschrieben werden.

Neuorganisation

Angeregt durch die Krönungsfeiern von 1612 und 1619 organisierte die Stadt Frankfurt 1623 ihr Musikleben nach dem Muster einer fürstlichen Kapelle neu. Zu diesem Zweck wurde die Stelle eines Kapellmeisters an der Barfüßerkirche geschaffen, der nicht mehr als Kantor an der Schule beschäftigt war. Seine Aufgaben beschränkten sich neben der Ausbildung von 6 bis 8 Sängerknaben ganz auf die Ausführung der Konzertmusik.

Als erster Kapellmeister wurde Johann Andreas Herbst verpflichtet, der vermutlich mit dem Landgrafen von Hessen-Darmstadt zur Krönung Ferdinand II. in Frankfurt weilte. Sein wichtigster Schüler war Philipp Friedrich Buchner (1614-1669), der seit 1648 als Kapellmeister in Mainz wirkte. Buchner war im Gefolge des Mainzer Kurfürsten auf dem Regensburger Reichstag von 1653 anwesend, in dessen Verlauf Ferdinand IV. zum Römischen König gekrönt wurde. Ein Geschenk des Wiener Hofes an ihn und weitere Mainzer Musiker legt nahe, daß er auch musikalisch an der Ausführung der Wahl- oder Krönungsmesse beteiligt war.

Unter Buchners Leitung gestaltete die Mainzer Hofkapelle die Messe zur Frankfurter Wahl Leopolds I. am 18. Juli 1658 alleine aus, was auch in einem zeitgenössischen Druck bemerkt wurde. Die Furierliste des Mainzer Hofstaates vom August 1657 nennt den "Capellmeister sampt 11 Musicanten" und "8 Trompeter sampt dem Paucker." Da es mit einer so geringen Zahl von Musikern nicht möglich war, repräsentative Kompositionen aufzuführen, muß davon ausgegangen werden, daß vor der Wahl weitere Musiker aus Mainz anreisten.

Dies ist für spätere Krönungen eindeutig belegt und erklärt auch die unterschiedlichen Angaben in den Mainzer Furierlisten. Die wenigen erhaltenen Akten erlauben keine Rückschlüsse auf die Stärke der Trierer und Kölner Hofkapellen. Auffällig ist aber für beide eine Häufung von Musikerneueinstellungen im Jahr 1657. Der sächsische Kurfürst erschien mit 14 Trompetern und einem Heerpauker. Als Kammerdiener wird Domenico Melani genannt, der seit 1654 als Musiker in sächsischen Diensten stand. Weitere Musiker wurden bei Bedarf in Frankfurt engagiert. Genaue Angaben zu den fürstlichen Trompetern enthalten die Dresdener Akten:

14 Trompeter, 1 Paucker, von Ih: königl. Majest: 6 Trompeter, l Paucker, von Chur = Maintz 6 Trompeter, l Paucker, von Chur — Trier 15 Trompeter, l Paucker, von Chur = Cölln 12 Trompeter, l Paucker, von Chur = Sachsen 10 Trompeter, l Paucker, von Chur = Pfaltz 8 Trompeter, l Paucker, bey Chur — Brandenburg: abgesandten.


Neben der Mitwirkung in den Wahl- und Krönungsgottesdiensten, dem Aufwarten bei Tisch, sowie der musikalischen Begleitung beim Empfang eines Fürsten, bestand die Hauptaufgabe der Trompeter, den Kaiser bei den Umzügen zu begleiten. Aufgrund der hohen Öffentlichkeitswirkung dieser Umzüge erhielten die Trompeter neue, bevorzugt silberne Trompeten und wurden neu einkleidet, was eine entsprechende öffentliche Aufmerksamkeit erzeugte. Die Position der Trompeter und Pauker im Zug entsprach dabei dem Rang ihres Fürsten:

6. des Fürsten Moritz von Nassau: Heerpauker, Trompeter

7. die Churpfälzischen Heerpauker: Trompeter

8. die Chursächsischen Heerpauker: Trompeter

9. die Churkölnischen Heerpauker: Trompeter

10. die Churtrierischen Heerpauker: Trompeter

11. die Churmainzischen Heerpauker: Trompeter

12. die Rom. Königl.: Heerpauker Trompeter

Johann Kaspar Kerll

Für einige Verwirrung in der neueren Literatur sorgte der Artikel über den Münchener Hofkapellmeister und Wiener Hoforganisten Johann Kaspar Kerll in Johann Matthesons "Grundlage einer Ehrenpforte:

"Als nun Kaiser Leopold den 22. Jul. 165860 zu Franckfurt am Mayn gekrönet werden sollte, begab sich unser Kerl dahin, und gewann die Freundschaft des Kaiserl. Vicekapellmeisters, Johann Heinrich Schmelzer, der ihn seinem Herrn zu allen Gnaden empfahl, und seine Majestät dermassen begierig machte, Kerln zu hören (…). Wie nun folgendes eine Misse von ihm aufgeführt wurde, mußte sich der Kaiser über des Kerls grosse Gaben verwundern, daß er nicht allein ein trefflicher Organist; sondern auch ein gewiegter Componist und würdig sey, einer grossen Capelle vorzustehen: hat ihn also mit Gnaden geehret, und in den Adelstand erhoben."

Die Tatsache, daß Kerlls Nobilitierung erst auf dem Regensburger Reichstag von 1664 erfolgte legt die Vermutung nahe, daß es sich um eine Verwechslung der Jahreszahl und Ortsangabe handelt. Kaiser Leopold reiste nach der Krönung von Frankfurt über Nürnberg nach München. Für den Empfang in der bayrischen Residenz waren umfangreiche Hoffeste geplant, darunter auch Opernaufführungen, für deren Vorbereitung der Münchener Hofkapellmeister Kerll unentbehrlich war.

Kerlls Aufenthalt in Frankfurt ist also eher unwahrscheinlich und die Behauptung, er hätte die Krönungsmesse für Leopold geschrieben, vollkommen unhaltbar. Das Inventar der Wiener Hofkapelle aus der Zeit Leopolds I. verzeichnet ein "Te Deum laudamus Novi Cesaris à 20. 8 voci. 2 Violini. 4 Violette. 2 Cornetti, 4 Tromboni in conc.to con Rip.ni des kaiserlichen Hofkapellmeisters Antonio Bertali, das zur Krönung erklungen ist.

Laut dem Bericht der Nürnberger Krongesandten erklang das Te Deum in "einer absonderlichen Musicalischen Composition, Die Trompeter und Heerpaucker, deren 80 in der Kirche sollen gewesen seyn, liessen sich unterdessen auch stattlich hören". Da für die Krönung das Formular de Pfingstfestes verwendet wurde, erklangen wahrscheinlich Bertalis Introitus "Spiritus Domini repleveit orbem terrarum", sowie seine "Missa Sancti Spiritus".

Aufgrund der Besetzungsangaben im Inventar müßte die kaiserliche Hofkapelle mindestens aus 30 Sängern und Instrumentalisten bestanden haben, wozu noch zusätzlich 14 Trompeter und l Pauker zu zählen sind. Diese Stärke entspricht den Beschreibungen der Wiener Hofkapelle durch den Weimarer Hofkapellmeister Adam Drese auf dem Regensburger Reichstag von 1653.

Ob Johann Heinrich Schmelzer 1658 als "Director der Instrumentalmusik Leopolds I. zur Kaiserkrönung nach Frankfurt am Main" begleitete, ist nicht zu belegen, wird im Allgemeinen aber als zutreffend angenommen. Daß die Hofkapelle nach Frankfurt reiste, ergibt sich aber aus Einträgen des Obersthofmeisteramtes: "Anno: 1657: und: 1658: ist wegen Zeitlichen Ableiben, Ihrer Römi: Kay: Maytt: Ferd: 3ty seel: andenckhens und der Hoffstatt darauf erfolgten abraiß, nacher Prag und franckfurth zu der Rom: Königl. Wahl nichts Expedirt Wordten."

Und wird durch die Angaben bestätigt, daß die Musik der Krönungsmesse durch die Kastraten der kaiserlichen Hofkapelle in "besonders feierlicher und köstlicher Weise" aufgeführt wurde.

Die Hofzahlamtsrechnungen für das Jahr 1658 enthalten folgende Angaben:

Recompens adjuta und Verehrungen.

Augustino Pflegern musico zur recompens … 50fl

Den gesamten Churfürsti. Musicis zur Verehrung…3550 fl.

Sieben Chur Cöllnischen Musicis zur Verehrung …150fl.

Den gesambten Churfürst. Trompetern in Franckfurth zur Verehrung … 150 fl.

25. Mai An Jacob de Famars Handelsmann zu Franckfurth umb aines nacher Rom für ainen Musico Nambens Francisco Cianci übermachten Wexl …630 fl.

Auf bezahlte Wahrn. Michael Nagln Posaun und Trompetermachern zur Nuernberg wegen für die Khays. Trompeter gelieferten 12 Silbern und vergolten Trompeten … 1169 fl. 22 kr.

Wegen der fehlenden Datierungen sind die Angaben nicht eindeutig zu interpretieren. Die Zahlung an den Böhmen Augustin Pfleger kann noch vor der Abreise Leopolds aus Prag erfolgt sein. Wofür der römische Musiker eine Zahlung erhielt, ist leider nicht bekannt. Die Zahlungen an die Kölner Musiker könnten für einzelne Aufwartungen erfolgt sein, und die Kurfürstlichen Trompeter könnten Zahlungen für Dienste bei Ein- oder Umzügen erhalten haben. Zahlungen an Musiker bewegen sich normalerweise zwischen 20 und 50 Gulden, gelegentlich konnten auch Zahlungen bis 100 Gulden geleistet werden. Die große Summe von 3.550 Gulden läßt auf mindestens 30 bis 40 kurfürstliche Musiker schließen.

Wahl 1711

Anläßlich der Wahl und Krönung Karl VI. im Jahr 1711 erschienen in Frankfurt und Mainz zwei Diarien, die sich bezüglich der Angaben zur Musik ergänzen. Der Kurfürst von Trier erschien mit dem Kapellmeister Ignatius Lichtenauer und 15 weiteren Musikern, darunter "5 Musicanten aus Lothringen", einem Kapellknaben, sowie sechs Trompetern und einem Pauker.’’

Im Gefolge des Mainzer Kurfürsten befanden sich der Kapellmeister Theodor Herold, ein Kammermusiker und ein Kastrat, sowie "9 Trompeter und Paucker mit 2 Dienern." Zur Leibgarde gehörten weitere "5 Trompeter und Paukker". Der berühmte Geiger Johann Jacob Walther wird unter seinem Hoftitel "Latein- und Italiensicher Expeditions- Secretarius" genannt.

Selbst wenn sich unter dem Hofpersonal weitere Musiker befanden, war die Mainzer Hofkapelle in dieser Besetzung nicht in der Lage ihre Verpflichtung zur musikalischen Ausgestaltung der Wahlmesse am 12. Oktober zu übernehmen, was auch in den Diarien bemerkt wurde. Die finanziellen Belastungen des Mainzer Kurstaates in Folge der Verwüstungen durch die niederländischen, pfälzischen und spanischen Erbfolgekriege ließen keine großen Ausgaben für eine Hofkapelle zu.

Dem Mainzer Kurfürsten war es unmöglich, in der kurzen Zeit zwischen dem unerwarteten Tod Josephs I. am 17. April und dem Einzug in Frankfurt am 7. August eine leistungsfähige Kapelle aufzubauen, und er bat daher den Kurfürsten von der Pfalz "die ruhmvolle Hofkapelle zur Kaiserwahl mitzubringen, da weder Churmainz noch andere Fürsten genügend Kräfte besäßen". Mit Kurfürst Johann Wilhelm erschienen daraufhin "sämbtliche Churfürstliche Cammer- Musici in Summa 53, mit 15 Bedienten und 4 Calcanten", sowie "12 Trompeter drey Pauker, Undt Obristtrompetter".

Kurpfälzer Kapellmeister war zu dieser Zeit Johann Hugo von Wilderer (1670-1724). Seine Missa in g- Moll, die Johann Sebastian Bach zwischen 1730 und 1740 kopierte, gelangte vielleicht in Folge der Kaiserkrönung Karls VI. nach Sachsen.

Die oben genannten Kriegslasten trafen natürlich auch das Kurfürstentum Trier, doch lagen hier die Verhältnisse etwas anders. Der Kurfürst Johann Hugo von Orsbeck war am 6. Januar 1711 verstorben und sein Nachfolger Karl Joseph von Lothringen, Bischof von Osnabrück konnte unmittelbar das Amt übernehmen, da er schon am 24. September 1710 zum Koadjutor gewählt worden war.

In Osnabrück unterhielt er eine Hofkapelle, die er mit den wenigen Musikern seines Trierer Amtsvorgängers vereinigte. Eine Liste der Trierer Hofkapelle von 1711 nennt 13 Musiker und 4 Kapellknaben, das Diarium aber nur zehn Musiker und einen Kapellknaben. Die "5 Musicanten aus Lothringen" sind vermutlich als Verstärkung engagiert worden. Die Kurfürsten von Köln und Bayern aus dem Hause Wittelsbach waren wegen ihrer Parteinahme für Frankreich im seit 1702 andauernden Spanischen Erbfolgekrieg geächtet und von der Wahl ausgeschlossen, die anderen Kurfürsten ließen sich durch Delegationen vertreten

Ende November fand sich in Frankfurt "die ganze Kayserl. Hofkapelle nach und nach ein." Da die Musiker direkt von Wien anreisten und vor Karl VI. in Frankfurt ankamen, sind ihre Namen nicht m den Furierlisten der Diarien verzeichnet. Eine Wiener Liste nennt 32 Musiker, die für die Reise nach Frankfurt ausgewählt wurden. Neben dem Vizekapellmeister Marco Antonio Ziani reisten so hervorragende Musiker, wie der Theorbist Francesco Conti und der Geiger Nicola Matteis nach Frankfurt. Die Liste verzeichnet nur drei Trompeter und einen Pauker, das Diarium nennt für den Krönungszug zum Dom aber "Zwölff kayserliche Trompeter und Paucker", so daß mindestens 8 Trompeter und Pauker im Gefolge des künftigen Kaisers in Frankfurt einzogen.

Ob weitere Musiker aus der spanischen Hofkapelle Karl VI. nach Frankfurt reisten, ist nicht belegbar. Karl VI. verließ Spanien am 26. September 1711 in Richtung Italien und erreichte Frankfurt am 19. Dezember nach einer Reise über Mailand, Innsbruck, Augsburg und Aschaffenburg und noch am gleichen Tag beschwor er im Rahmen einer Festandacht in der Wahlkapelle des Doms die Wahlkapitulation. Während dieser Andacht führte die kaiserliche Hofkapelle die Antifon "Elegit eum Dominum" und ein Te Deum auf. Auch die anderen Kaiser und Könige des 18. Jahrhunderts folgten diesem Beispiel und zogen erst nach ihrer Wahl in Frankfurt ein. Diese Andacht wurde somit neben den Wahl- und Krönungsmessen zur dritten liturgischen Feier, die mit Musik ausgestattet werden mußte. Nach der Krönung am 22. Dezember, die ebenfalls von der kaiserlichen Hofkapelle ausgestaltet wurde, blieb der Kaiser noch bis zum 11. Januar 1712 in Frankfurt.

Am 9. Februar 1712 trat Georg Philipp Telemann, der bis dahin in Eisenach wirkte, als Kapellmeister an der Barfüßerkirche in den Dienst der Stadt Frankfurt. Die genauen Umstände seiner Anwerbung sind leider nicht bekannt. Sein Bewerbungsschreiben ist nach dem 10. Dezember 1711, dem Todestag seines Amtsvorgängers Johann Heinrich Christan entstanden. Laut der Frankfurter Chronik von Johann Georg Ochs ist Telemann aber erst am 18. März 1712 erstmals in Frankfurt eingetroffen.

Da Telemann nach eigenen Angaben niemanden in Frankfurt kannte und keine Eisenacher Delegation in den Diarien nachweisbar ist, liegt der Schluß nahe, daß er durch einen Besucher der Kaiserkrönung von der vakanten Stelle gehört hatte, oder gezielt empfohlen wurde. Am Wahrscheinlichsten ist eine Empfehlung durch Christoph Graupner, einem Leipziger Studienkollegen Telemanns, der seit 1709 als Hofkapellmeister in Darmstadt wirkte und gezielt Musiker aus seinem Leipziger Umkreis nach Darmstadt verpflichtete.

Am 18. Dezember 1711 traf "Ihro Fürsd. Durchl. von Darmstadt sammt dero grosse Suite" in Frankfurt ein. Es ist sehr wahrscheinlich, daß Graupner und der berühmte Gambist Ernst Christian Hesse, der erst ein Jahr zuvor mit Telemanns Eisenacher Kollegen Panthaleon Hebenstreit vor Kaiser Joseph I. konzertiert hatte, zum Gefolge des Landgrafen gehörten. Die hervorragenden Musikaufführungen durch die Hofkapellen müssen dem Rat der Stadt Frankfurt die Notwendigkeit vor Augen geführt haben, das Niveau der Musikpflege an der lutherischen Hauptkirche Frankfurts zu heben. Ebenfalls am 18. Dezember traf "Ihro Durchl. Der Prinz von Sachsen- Weinmar" in Frankfurt ein. Francesco Contis Kantate "Languet anima mea", die Johann Sebastian Bach 1716 in Weimar bearbeitete, wird auf diesem Weg nach Thüringen gelangt sein.

Karl VI. verstarb am 20. Oktober 1740 ohne männlichen Erben, worauf kurze Zeit später der österreichische Erbfolgekrieg ausbrach. Franz Stephan von Lothringen, der Ehemann von Maria Teresia von Österreich, wurde vom Kurkollegium nicht als Kandidat zugelassen und somit wurde mit dem Wittelsbacher Karl Albrecht von Bayern am 24. Januar 1742 zum ersten Mal seit 1438 wieder ein Kaiser gewählt, der nicht dem Haus Habsburg entstammte.

Zum Zeitpunkt seiner Wahl hielt er sich in Mannheim auf, wo am 18. Januar 1742 eine glanzvolle Doppelhochzeit zwischen Angehörigen der pfälzischen und bayerischen Linien des Hauses Wittelsbach gefeiert wurde. Kaiser Karl VII. versuchte den Makel, kein Habsburger zu sein, mit besonderer Prachtentfaltung zu kompensieren, wozu auch die Veröffentlichung eines besonders prachtvollen Krönungsdiariums zählte.

Dieses ist vor allem für seine aufwendigen Stiche bekannt, enthält aber auch die komplette Krönungsliturgie, sowie zahlreiche Hinweise auf die Musikaufführungen. Persönlich waren nur die Kurfürsten von Köln und Mainz anwesend, deren Hofkapellen detailliert im Diarium aufgeführt werden. Alle anderen Kurfürsten ließen sich durch Delegationen vertreten.

Die Mainzer Hofkapelle unter der Leitung des Kapellmeisters Johann Ondratschek und des Konzertmeisters Ignaz Schwachhofer umfaßte weitere 4 Sängerinnen, 13 Musiker, 1 Kalkant, 1 Instrumententräger, 10 Trompeter, l Pauker und l Paukenträger. Weitere "Vocalisten kommen noch zum Wahl=actu und Crönungs=Zeit." Der Mainzer Kurfürst Philipp Karl Graf Eltz verzichtete für dieses Mal auf sein Krönungsvorrecht und gestattete es dem Kölner Kurfürsten Clemens August die Krönung seines kaiserlichen Bruders vorzunehmen. Im Gefolge des Kölner Kurfürsten befanden sich neben dem "Rath und Director von der Cammermusik" Evaristo Felice Dall’ Abaco noch 8 Kammer- und Hofmusiker, ein Kalkant, 14 Hoftrompeter, sowie 2 Pauker.

In der Trierer Gesandtschaft, der Kurfürst war nicht persönlich erschienen, befanden sich 6 Trompeter und l Pauker. Die Münchener Hofkapelle, die nun zur kaiserlichen geworden war, umfaßte neben dem Hofkapellmeister Giovanni Porta und dem Konzertmeister Giovanni Battista Ferrandini, drei Sängerinnen, den "Cammer-Compositor" Kammerloher, 18 weitere Musiker, 2 Kopisten, 2 Kalkanten, 12 Trompeter und 3 Pauker.

Die Messe zur Wahl wurde auf die gewohnte Weise durch die Mainzer Hofkapelle musikalisch ausgestaltet, die Krönungsmesse durch die kaiserliche Hofkapelle. Die erneute Verwendung des traditionellen Formulars zum Epiphaniastag und die Einfügung des "Tractus Quadragesima Desiderium animae eius tribuisti" zwischen Graduale und Evangelium wird im Diarium ausdrücklich mit "Wie solches alles nach dem uralten Aachischen Rituali bemerket worden" begründet. Man griff für die Krönung also auf den Aachener Ritus zurück und beseitigte die Veränderungen, die seit der Krönung Ferdinand II. im Jahr 1619 vorgenommen worden waren.

Die Staatsbibliothek zu Berlin besaß vor dem zweiten Weltkrieg ein "Componimento drammatico per l’incoronazione della Sacra Cesarea, e Real Maesto di Carlo Settimo, Imperator de Romani Sempra Augusto" von Ferrandini. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Festkantate, die im Rahmen der weltlichen Feierlichkeiten aufgeführt wurde.

Nach dem Tode Karls VII. am 20. Januar 1745 mußte sein Sohn Max III. Joseph im Füssener Frieden vom 22. April auf alle Ansprüche auf den Kaisertitel verzichten. Den Kurfürsten blieb keine andere Wahl, als Franz Joseph von Lothringen als einzigen Kandidaten am 13. September 1745 zum Kaiser zu wählen.

Das Diarium zur Wahl und Krönung Franz I. enthält nur eine Liste der Mainzer Hofkapelle, da kein anderer Kurfürst persönlich erschienen war. Neben dem Kapellmeister Johann Michael Zach werden der Konzertmeister Ignaz Schwachhofer, drei Sängerinnen, 13 Sänger und Musiker ein Kalkant, ein Instrumententräger, 10 Trompeter, l Pauker und l Paukenträger genannt.

Dies stellte aber nicht die gesamte Besetzung dar, denn weitere "Vocalisten kommen noch zum Wahl=actu und Crönungs=Zeit". Die Wahlmesse wurde von der Mainzer Hofkapelle alleine bestritten. In den kurfürstlichen Delegationen befanden sich nur einzelne Trompeter und Pauker, Die kaiserliche Hofkapelle wird in den Furierlisten nicht genannt, da sie wahrscheinlich vor dem Kaiser in Frankfurt eintraf, um die Feier zum Eid auf du Wahlkapitulation vorzubereiten. Zur Krönungsmesse, die von der kaiserlichen Hofkapelle musikalisch ausgestaltet wurde, wählte man wieder ihr Aachener Zeremoniell. Zur Aufführung kamen ein Te Deum von Antonio Kaldara, für dessen Ausführung fast 40 Musiker notwendig waren, sowie vermutlich Werke von Johann Georg Reutter.

Wahl 1764

Auch das Diarium zur Wahl und zur Krönung Joseph II. zum römischen König im Jahr 1764 enthält nur eine Liste der Mainzer Hofkapelle. Neben dem Kapellmeister Johann Michael Schmidt und dem Konzertmeister Johann Ignaz Schwachhofer umfaßt sie 6 Sängerinnen, 24 Sänger und Musiker, sowie "ein Calcant und Geigenmacher", weitere "Vocalisten kommen noch zum Wahl=actu und Crönungs=Zeit.

Zur Delegation des Kurfürsten von Trier gehörten 7 Trompeter und l Pauker, sowie zwei Trompeter und ein Pauker der Leibgarde. Der Kölner Delegation gehörten 4 Trompeter, l Pauker, sowie 4 Trompeter und 2 Pauker der Leibgarde zu Pferd an. Aus Wien reisten Christoph Willibald Gluck, der für die Krönungsfeierlichkeiten möglicherweise die Kantate "Enea e Ascanio" komponierte, Karl Ditter von Dittersdorf, der berühmte Kastrat Quadagni und noch 20 weitere Personen der Wiener Hofkapelle an." Die kaiserlichen Trompeter und Pauker sind in dieser Aufstellung wahrscheinlich nicht enthalten.

Eine weitere Festkantate zu dieser Krönung komponierte Johann Adolf Hasse. Nach den Angaben im Diarium musizierte die kaiserliche Hofkapelle in der Krönungsmesse teils allein, teils mit Unterstützung der Mainzer Hofkapelle. Für die Behauptung, Dittersdorf habe die Messe zur Krönung Joseph II. geschrieben, gibt es keinen Beleg. Seine "Missa solemnis in C" ist frühestens 1768/69 entstanden und kam erst 1792 anläßlich der Krönung Franz’ II. zur Aufführung.

Die Krönung Leopolds II. am 9. Oktober 1790 hat immer die meiste Beachtung gefunden, da Wolfgang Amadeus Mozart am 15. Oktober ein Konzert gab, in dem er auch das so genannte "Krönungskonzert" KV 537, aufführte. Am 20. September 1790, drei Tage vor Leopold II., reisten Antonio Salieri, Ignaz Umlauf sowie weitere 15 Hofmusiker aus Wien nach Frankfurt ab, wo am 28. September Salieris Oper "Axur, Re d’Ormus" aufgeführt wurde.

Die geringe Stärke der Wiener Hofkapelle weist darauf hin, daß für du Aufführung der Krönungsmesse eine Zusammenarbeit mit der Mainzer Hofkapelle geplant war. Die erhaltene Honorarliste Salieris für die Mainzer Hofkapelle läßt auf eine Stärke von ca. 50 Musikern, darunter 13 Sängerinnen und Sänger schließen.

Die Trierer Hofkapelle kam nicht im Gefolge des Kurfürsten, sondern gastierte unter Johann Heinrich Böhm als kurtrierische Hofschauspielertruppe in Frankfurt. Zur Wahl am 30. September erklang die "Missa in d" des Mainzer Hofkapellmeisters Vincenzo Righini, der eine Abschrift dieser Messe am 8. Mai. 1791 dem Trierer Kurfürsten übersandte. Während der Wahl, die ca. 30 Minuten dauerte, spielten die Musiker zur Unterhaltung der Anwesenden weiter, eine Praxis die auch für frühere Krönungen anzunehmen ist.

Für die Krönungsmesse am 9. Oktober, die von den Wiener und Mainzer Hofkapellen gemeinsam ausgestaltet wurde, schuf Salieri sein "Te Deum laudamus de Incoronazione" in D-Dur. Welche Messe zur Krönung erklang, ist nicht eindeutig zu klären, da sowohl die Abschrift der "Missa in Dis" von Peter von Winter, als auch eine Quelle der "Missa in B" von Ignaz Walter, der anläßlich der Krönung eine "Cantata sacra" komponierte, entsprechende Eintragungen enthalten.

Erinnerungen Ritter von Lang

Möglicherweise erklang eine dieser Messen zur Krönung und eine in einem anderen Gottesdienst. Auch Righinis Messe wird allgemein als Krönungsmesse bezeichnet, obwohl sie für die Wahlmesse komponiert wurde. Eine besondere Beschreibung der Musikaufführungen zur Krönung findet sich in den Lebenserinnerungen des Ritters von Lang:

"Am possierlichsten war es, als eine Bischofsmütze im lieblichsten Nasentone und lateinisch zur Orgel hinaus intonierte, ob sie oben nun wirklich den Serenissimum Dominum, Dominum Leopoldum wollten in regem suum habere, worauf der bejahende Chorregent gewaltig mit dem Kopfe schüttelte, seinen Fiedelbogen gräulich auf= und niederschwenkte, die Chorjungfern und Singknaben aber im höchsten Diskant herunterriefen: fiat! fiat! fiat! Sowie also von Seiten dieser kleinen Herrschaften nichts mehr entgegenzustehen schien, ging’s nun mit der Krone eilends auf das kaiserliche Haupt, vom Empor aber mit Heerpauken und Trompeten donnernd herab: Haderipump! Haderipump! Pump! Pump!"

Nach dem plötzlichen Tod Leopolds II. stand 1792 die letzte Kaiserwahl und -krönung an. Am 3. Mai wies die Hofmusikdirektion Salieri an in Mainz anzufragen, "ob nicht zur Erzielung mehrerer Ersparniß nach dem Beyspiele von ad: 1790, die Kurmainzische Hof-Kapelle die dreimalige Bedienung bey des K: Königl Krönung in Frankfurt, gegen ein zu bestimmendes billiges Pauschquantum übernehmen würde."

Am 12. Mai antwortete der Mainzer Hofmusiker Johann Franz Xaver Sterkel, daß sein Schwager Righini in Berlin weilt, die Mainzer Hofkapelle aber unter Salieris Leitung spielen würde, wenn Righini nicht rechtzeitig zurückkehren sollte. Salieri teilte dieses Ergebnis der Hofmusik-Direktion mit und erstellte anscheinend auch einen Besetzungsvorschlag, denn am 22. Mai fertigte diese ein Schreiben an Salieri aus, in dem die Mitnahme der 4 Kapellknaben und des Substituten Umlauf als unnötig angesehen wird.

Für die Mainzer und die Wiener Hofkapellen liegen keine Besetzungslisten vor, doch dürften beide in etwa die Stärke von 1790 gehabt haben. Zur Wahl erklang vermutlich wieder Righinis "Missa in d", die er später nach Wien übersandte und für die er ein Honorar von 50 Zechinen erhielt. Zur Krönung Franz’ II. am 14. Juli 1792 kamen eine Messe von Dittersdorf und vermutlich wieder Salieris "Te Deum" zur Aufführung. Im Gefolge des Kurböhmischen Wahlbotschafters Fürst von Esterhazy befand sich auch Josef Haydn.

Verweise