Die Reichstheologie des Alexander von Roes

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Die Reichstheologie des Alexander von Roes


Ein Aufsatz von Martin Möller


Ein jeglicher aber in seiner Ordnung: der Erstling Christus; darnach die Christo angehören, wenn er kommen wird; darnach das Ende, wenn er das Reich Gott und dem Vater überantworten wird, wenn er aufheben wird alle Herrschaft und alle Obrigkeit und Gewalt.[1]


Papst Martin IV. als Handlanger Frankreichs

Im Jahre 1281 wurde der Franzose Simon de Brion als Martin IV. Papst. Mit ihm hatte sich die vom Hause Anjou langfristig unterstützen Kräfte durchgesetzt, die das Papsttum in Harmonie mit den imperialen Interessen der Anjou zu bringen gedachten. Der Heilige Stuhl, der sich in jahrhundertelangen Auseinandersetzungen von der Dominanz des Deutschen Königs gelöst hatte, war nun in französische Abhängigkeit geraten, eine Abhängigkeit, die auch in ihrer abträglichen geistlichen Dimension diejenige der Zeit der Sachsen-, Salier- und Stauferkaiser weit übertraf.

Simon de Brion hatte seine Karriere im Dienste des französischen Staates durchlaufen und war Kanzler des französischen Königs Ludwig IX. gewesen. Als Papst schlug er eine so unverhohlen profranzösische Politik ein, daß auch die Römer schon bald bereuten, sich oft so undankbar gegen die tedesci aufgeführt zu haben. Der Kirchenstaat wurde faktisch an das französische Regnum angeschlossen, gleiches wurde in den beiden Sizilien lediglich durch die „Sizilianische Vesper“ verhindert, anläßlich derer die „Süditaliener“ sich der französischen Herrschaft entledigten.

Verheerend wirkte sich die aggressive Politik Martins IV. gegenüber der Ostkirche aus, da die auf dem Zweiten Konzil von Leiden mühsam errungene Einigung zugunsten französischer Machtpolitik zerstört wurde. In Leiden war bekanntlich eine vollständige Wiedervereinigung der griechischen und der lateinischen Kirche erreicht worden, da sowohl byzantinischer Kaiser als auch der leitende byzantinische Klerus den römischen Primat anerkannt und die theologischen Streitpunkte, namentlich das „filioque“, im katholischen Sinne entschieden hatten.

Seine Pläne der Zerschlagung des Imperiums

Papst Martin V. zerstörte nun willkürlich dieses notwendige Einigungswerk, als er aus rein machtpolitischen Erwägungen den oströmischen Kaiser Michael VIII. exkommunizierte und dessen Unterstützung streng verbot. Doch nicht nur das, er stieß sich auch an der seiner Ansicht nach zu engen Bindung des Römischen Imperiums an die Macht der Deutschen Könige.

Bekanntlich war in der „Translatio Imperii“ im Jahre 962 vom Papst selbst das Römische Reich auf den deutschen König Otto den Großen übertragen worden. Seit dem war es imperiales Verfassungsgesetz, daß nur der durch das Kurkollegium erwählte Deutsche König berechtigt sei, sich in Rom zum Kaiser krönen zu lassen. Dies konnte einem Parteigänger des französischen Königs nicht gefallen, war doch durch eben diesen Akt der „Translatio“ Frankreich faktisch aus dem Römischen Reich ausgeschieden und stand für Jahrhunderte an zweiter Stelle in Europa, ohne die rechtmäßige Oberhoheit des Kaisers wirklich zu akzeptieren. Martin IV. versuchte, die französische Position zu stärken und veranlaßte die Eliminierung der Gebete für Kaiser und Reich aus den Meßbüchern.

In Interessenkongruenz mit einigen mächtigen deutschen Fürsten plante er ferner das Imperium und damit die Kaiserwürde auf Frankreich zu übertragen, das deutsche Regnum aufzuteilen und ein deutsches nunmehr erbliche Königtum auf das Gebiet des „Regnum Teutonicum“ zu beschränken und somit Deutschland in ein „gewöhnliches“ Königreich umzuwandeln. Es ist kein Zufall, daß der Papst sich auf Pläne stützen konnte, die von den Staufern erarbeitet worden waren.

Widerstand durch den Deutschen Klerus

Gegen diese Pläne erstand machtvoller Widerstand aus der deutschen Kirche. Die Eliminierung der Gebete hatte den Klerus hellhörig gemacht. Die Prälaten teilten die rein machtpolitisch begründete französische Staatslehre nicht, sie wußten um die heilsgeschichtliche Bedeutung des Imperiums und gedachten nicht, es widerstandslos preiszugeben.

Magister Jordan von Osnabrück unternahm es im Jahre 1260 zunächst, alle biblischen Zeugnisse dafür zusammenzustellen, daß das «Imperium Romanum» nach Gottes Willen zugleich mit dem Evangelium unter Augustus in die Welt gekommen sei und, unentbehrlich für dessen Fortbestand, den Antichrist und das Weltende aufhalte. Seinen Traktat nahm der Kölner Kanoniker Alexander von Roes 20 Jahre später in eine Denkschrift für den Kardinal Colonna auf, in dessen Gefolge er erlebt hatte, wie an der römischen Kurie die Franzosen nach Kaisertum und Papsttum griffen und die Päpste das Imperium mißachteten oder gar zerteilen wollten.

Roes war ursprünglich Kanoniker am Kanonissenstift St. Marien in Köln auf dem Kölner Kapitol. Um 1280 kam er zur römischen Kurie und wurde Familiare des Kardinals, dem das Memoriale gewidmet war.

Roes erkannte, daß die Realisierung derartiger Pläne nicht nur das Reich in große Gefahr gebracht hätte, auch das Papsttum würde aufs Höchste gefährdet. Roes befürchtet, daß bei einer Abkehr vom Kaisertum die Kurie das gleiche Schicksal erleiden werde, wie die Juden, als diese ihren König verleugneten und riefen: „Wir haben keinen König.“ So wenig ein Schiff mit einem Ruder gelenkt werden kann, so wenig kann das Schifflein Petri nur mit dem Papst gelenkt werden.

Das Welt- und Geschichtsbild des Alexander von Roes

Alexander von Roes gliedert die Welt in die drei Erdteile Asien, Afrika, Europa. Die in diesen Kontinenten lebenden Menschen gliedern sich wiederum in drei Völkergruppen, nämlich Juden, Christen und Heiden. Die Christenheit ist in der Kirche zusammengefaßt und stellt den höchsten Inbegriff der Menschheit dar. Sie gliedert sich gemäß Roes im Wesentlichen in drei Teile: Italien, Frankreich, Deutschland. Diesen Teilen gehören zusammen, sie sind aufeinander angewiesen und repräsentieren eine höhere Einheit. Gemäß den besonderen Charismen und Begabungen sind den in den drei Teilen lebenden Völkern auch verschiedene Aufgaben zugewiesen. Charismen der Italiener sind die Freude am Besitz, dazu Nüchternheit, Verschwiegenheit, Langmut und Klugheit. Deshalb ist Italien das Papsttum zugewiesen worden. Den Deutschen eigen ist die Freude am Herrschen, verbunden mit Großherzigkeit, freiem Sinn, Tatkraft und Mitleid mit den Schwachen. Deshalb gebührte ihnen zu Recht das Kaisertum. Höchstes Charisma der Franzosen ist die Freude an der Lehre. Dazu kommen Rechtlichkeit, Maß, Eintracht, Weltgewandtheit. Deshalb ist ihnen das Studium zugewiesen worden und damit meint von Roes die Pariser Universität, die er hoch schätzte.

Argumente aus dem Neuen Testament

Für Jordanus und Roes stellt das zentrale Argument für das Imperium die Tatsache dar, das Christus selbst dem «Imperium Romanum» die größte Ehre durch sein Erscheinen in den Grenzen des Imperiums erwiesen hatte. Nicht in irgendeinem Staat wollte und konnte der Heiland seinen Erdenwandel beginnen, es sollte das Römische Reich sein, das offensichtlich schon durch diese Tatsache einen herausgehoben Platz im Heilsplan einnimmt. Auch auf seinem Lebensweg zeigte der Erlöser Treue zu dem Staat, dem er Zeit seines Lebens angehörte. Das Matthäusevangelium zeugt davon, daß Jesus dem «Imperium Romanum» die vorgeschriebenen Steuern zahlte und dies auch von seinen Anhängern erwartete (Matt 17, 24-27). Entsprechend der bis in die Neuzeit hinein vertretenen Theologie deutet Roes die Stelle bei Lukas, in welcher von zwei Schwertern die Rede ist, als Hinweis auf die beiden Gewalten im „geheiligten Reich“, Papst und Kaiser. Pilatus wurde laut Joh 19,11 von Jesus auf den hingewiesen, der ihm seine Gewalt übertragen hat, den römischen Kaiser, in diesem Falle den Kaiser Tiberius.

Doch nicht nur die Hinweise auf das Verhältnis Christi zur weltlichen Gewalt des Imperium Romanum werden von Roes angeführt, auch weitere Bibelstellen interpretiert Roes im selben Sinne. Er zitiert aus dem Zweiten Brief an die Thessalonicher:

„Laßt euch durch niemand und auf keine Weise täuschen! Denn zuerst muß der Abfall von Gott kommen und der Mensch der Gesetzwidrigkeit erscheinen, der Sohn des Verderbens, der Widersacher, der sich über alles, was Gott oder Heiligtum heißt, so sehr erhebt, daß er sich sogar in den Tempel Gottes setzt und sich als Gott ausgibt. Ihr wißt auch, was ihn jetzt noch zurück hält, damit er erst zur festgesetzten Zeit offenbart wird. Denn die geheime Macht der Gesetzwidrigkeit ist schon am Werk, nur muß erst der beseitigt werden, der sie bis jetzt noch zurückhält. Dann wird der gesetzwidrige Mensch allen sichtbar werden.“

Roes interpretiert die Perikope im Sinne des Kirchenvaters Augustinus, der in „De civitate Dei. XX, 19“ ausgeführt hatte:

„Was der Apostel sagt: «Der es jetzt hält, der mag es halten, bis es hinweggetan wird», das läßt sich ohne Widersinn auf das römische Reich beziehen, als sei damit gesagt: «Der jetzt herrscht, mag herrschen, bis er hinweggetan, hinweggenommen wird, alsdenn wird der Bösartige offenbar werden» unter dem ohne alle Zweifel der Antichrist zu verstehen ist.“

Das Imperium Romanum gilt also Augustinus und der ihm folgenden Theologie als „katechon“, der Aufhalter des Antichrist. In dieser Interpretation sind ihm auch viele protestantische Theologen gefolgt. Die «Lutherbibel erklärt» aus dem Jahre 1987 kommentiert diese Stelle in dem Sinne: „Paulus sagt nicht, durch wen das geschieht. Vielleicht denkt er an staatliche Ordnungen, wie sie ihm im Römischen Staat begegneten.“

Zukunft nach Roes

Für Roes ist es ausgemachte Sache und unbezweifelbare Tatsache, daß das Imperium Romanum das Katechon ist - allerdings auch, daß sein Ende kurz bevor steht. Dann wird die Situation eintreten, die Jesus gemäß Matthäus 24 prophezeit:

„Denn es wird eine so große Not kommen, wie es noch nie eine gegeben hat, seit die Welt besteht, und wie es auch keine mehr geben wird.“

Psalm 72 prophezeit laut Roes das Ende des Imperiums:

„Die Gerechtigkeit blühe auf in seinen Tagen und großer Frieden, bis der Mond nicht mehr da ist.“

„In seinen Tagen“, das sind die Tage des Reiches der Gerechtigkeit im Sacrum Imperium, ebenso deutet der Mond auf dieses Imperium hin. Vor dem Ende des Imperiums steht jedoch noch eine Friedenszeit des „Ordo“ bevor, in die die Welt in ca. 30 Jahren eintreten wird. Der Ordo bedeutet 100 Jahren ruhigen zufriedenen Lebens, danach ist etwa um das Jahr 1400 die Ankunft des Antichrists nach Fall des Imperiums und Ende des Katechons zu erwarten.

Nun bricht eine unvorstellbare Leidenszeit eine, die allerdings nur etwa 100 Jahre dauern werde, danach sei um das Jahr 1500 mit dem Weltende zu rechnen. Wer dem Imperium feindlich gegenüber steht, muß sich zurechnen lassen, daß er die Leiden der Endzeit mitverantworte: „Wenn der Antichrist nicht kommt, ehe das Reich zerstört wird, dann sind unzweifelhaft alle, die darauf hinwirken, daß das Reich nicht mehr sei, eben dadurch Wegbereiter und Vorläufer des Antichrist! Deshalb mögen die Römer und ihre Päpste sich hüten, daß nicht durch ihre Sünde und Schuld nach Gottes gerechtem Spruch das Reich von ihnen genommen werde! Ebenso mögen die Bischöfe und Fürsten Deutschlands sich hüten, aus Gier nach weltlicher Macht sich Rechte und Güter des Reiches widerrechtlich anzueignen. Denn es muß zwar das Ärgernis kommen, doch wehe denen, durch welche das Ärgernis kommen wird!“

Historische Argumente

Nicht nur biblische Argumente sind es, die Roes für die Notwendigkeit und Heilsbedeutung des Imperium Romanum heranführt. Er greift die Geschichtslehre seiner Zeit auf und geht auf die Problematik der „Translatio Imperii“ ein, deren Rechtmäßigkeit ja von französischer Seite immer wieder bestritten wurde. Den Franzosen führt er deutlich vor Augen, daß Karl der Große Franke und somit Deutscher gewesen sei. Es stehe den Franzosen somit schlecht an, das den Deutschen zustehende Kaisertum zu bestreiten, und sich dabei auf fränkische Könige und Kaiser zu berufen. Karl wäre zudem nicht nur vom Papst zum Kaiser erhoben worden, er hätte das Kurfürstenkolleg gegründet und sei somit Reichsgründer. Die prominentesten Kurfürsten seien die Bischöfe von Trier, Köln, Mainz, Deutsche ebenso wie der Pfalzgraf, der Primas der weltlichen Kurfürsten. Der Papst hat die Kaiserwürde an die Kur des deutschen Königs gebunden, weil die deutsche Königswürde nicht vererbt werden dürfe. Das fränkische Königtum war ebenfalls ein Wahlkönigtum, doch haben die fränkischen Könige das Reich und das Recht verkommen lassen.

Die Deutschen sind zu Recht mit der Kaiserwürde geehrt worden, sind sie doch mit den Römern stammesgleich, da beide von den Trojanern abstammen. Der jüngere Priamus und seine Mannen haben nämlich zunächst Verona gegründet, dann Bern, dann rheinaufwärts Bonn und dann Xanten, das sie als Klein-Troja, „Colonia Trajana“, gründete. Aus dieser Gruppe haben sich die Franken entwickelt, so genannt, weil sie von römischen Abgaben befreit, also „frank“ waren. Bereits den Aposteln lag Deutschland sehr am Herzen, so daß sie viel unternommen hätten, um das Evangelium hierher zu bringen. Der hl. Petrus selbst sandte Maternus mit dem Petrusstab nach Deutschland. Dieser Petrusstab befindet sich in Köln und in Trier, aus dieser Tatsache leitet sich sowohl die Kurwürde der dortigen Bischöfe ab, als auch die Kaiserwürde, des von Ihnen Gekürten.

Nachdem die Franken christlich geworden waren, schwand ihr einstiger Kriegergeist, ähnlich wie bei den Römern, nachdem statt der Kaiser die Päpste herrschten. Sie widmeten sich dem Reichsdienst und der Kirche und stifteten wohlüberlegt die Deutsche Krone, die zur Grundlage des Sacrum Imperium werden sollte. Ihr erster Träger war Heinrich I. - in der Deutschen Schulbildung oft der „Vogler“ genannt- , der zwar Sachse und Sachsenherzog aus dem Hause des Liudolf war, doch mit größerem Recht als die Franzosen sich Franke nennt, da er im Gegensatz zu ihnen das fränkische Recht und tatsächliche fränkische Staatlichkeit vertrete. Im deutschen Königtum repräsentiert sich das wahre Frankentum, das auf dem Wahlkönigtum basiere, im Gegensatz zu dem falschen französischen Erbkönigtum. Auch die Herzogtümer der Sachsen, Schwaben und Bayern werden nur vermittels Fürsten regiert, die aus dem fränkischen Hochadel stammen. Die Franzosen hingegen sind keine echten Franken, bestenfalls Mischfranken, die nicht einmal in der Lage sind, sich in fränkischer Sprache zu verständigen. Die heutigen Gallier nennen sich Franken aus Eitelkeit und sind nicht einmal in der Lage in ihrer eigenen Sprache zu sagen: „Ich bin Gallier.“

Das Imperium

Warum nun war es notwendig, das Imperium Romanum zu erneuern, zu „renovieren“? Hätte man es nicht besser bei gewöhnlichen Erbreichen belassen sollen? Für den Kölner Theologen Roes stellte sich diese Frage nicht einmal. Für ihn war das Reich notwendig, da es das Weltende aufhält und so der Kirche die Ausbreitung des Glaubens ermöglicht bis die Zahl der Erwählten vollendet sein wird. Dieses notwendige Reich ist heilig, da es die universale Heilswelt Christi vorantreibt. Damit diese Aufgabe geleistet werden kann hat der Papst das Kaisertum auf das Imperium übertragen, das somit ein Amt mit universellem Vorrang ist. Das heilige Reich ist ein deutsches Reich, nicht aus dem überlegenen Charakter germanischen Volkstums heraus, sondern weil der Papst selbst es von den Griechen auf die Franken, d.h. auf die deutschen Fürsten übertragen hat. Dieses Reich der Franken hat sein Zentrum in Köln und so lange Köln und seine Kirche blüht, muß auch das Reich blühen und wird der Antichrist zurückgewiesen. Dies ist die zentrale heilsgeschichtliche Bedeutung des Kölner Klerus.

Die Zeitalter des Heils

Die historisch begründete Heilslehre führt Roes zu einer biblisch begründeten Lehre von der Abfolge der Heilszeiten. Am Anfang steht die Ära der „Unschuld“, das Leben der Ureltern im Paradies. Der Sündenfall führt in die Ära des „Naturgesetzes“ hinein, das Zeitalter der Menschheit, in dem sie einzig mit dem Naturrecht leben mußte. Erst die Offenbarung des Moses am Berg Sinai führt in die Ära des „Geschriebenes Gesetz“ hinein, das von der mit der Inkarnation Christi beginnenden „Gnadenzeit“ abgelöst wurde, die dank der Heilswirkung des Imperium noch immer anhält. Die Gnadenzeit wiederum gliedert sich die Perioden der vier Trübsale. Jede dieser Perioden ist in der Heiligen Schrift prophezeit und hat eine bestimmte heilsgeschichtliche Bedeutung.

Am Beginn steht die Zeit der Verfolgung und der Märtyrer. Ihr entspricht die Prophezeiung laut Math. 2, 16-18, das sogenannte Bethlehemitische Kindermassaker. Auf die Märtyrerzeit folgt die Periode der Verfolgung der Kirche durch die Ketzer. Sie wurde in der Heiligen Schrift angezeigt durch die Dispute Christi mit Pharisäern und Sadduzäern. Nachdem die Kirche über die Ketzer triumphiert hatte, folgte in der Zeit des dritten Trübsals die Reinigung des Klerus von der Simonie, der Käuflichkeit der Ämter und anderer klerikaler Sünden. Diese Trübsal wurde im Bericht der Reinigung des Tempels nach Math. 21, 12 ff. prophezeit. Nach der Reinigung des Klerus treten Welt und Kirche in die vierte Trübsal ein, die Zeit der Verfolgung der Kirche durch den sich zeigenden Antichrist. Diese heilsgeschichtliche Periode ist durch das Leiden Christi am Kreuz prophezeit worden. Sie führt direkt hin zur Parusie, zum Säkulum des Gloria, dergöttliche Vollendung, die vom Weltende bis in die Ewigkeit und somit aus der geschichtlichen Zeit heraus führt, diese zusammenfassend und vollendend.


Verweise


Einzelnachweise

  1. 1. Kor 15, 23 - 24