Die Tageszeiten

Aus Monarchieliga
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Text des Werkes

Der Morgen

Sinfonie

Arie: Der Morgen kommt

Der Morgen kommt, mit ihm die Freude
o sieh, mit blitzendem Geschmeide
schmückt sich für dich das Feld.
Indem du aus dem Meere steigest
und dich mit Pomp den Völkern zeigest,
frohlockt dir eine halbe Welt.

Rezitativ: Der ganze Himmel schwimmt

Der ganze Himmel schwimmt im Glanz,
die güldenen Stunden führen einen Tanz
um dich herum, und grüßen, Sonne dich.
Und alle Sphären klingen
und alle Wälder singen,
und alle Harmonien dringen
auf zum Olymp, und grüßen Sonne, dich!
Dir singt die helle Kriegstrompete
im waffenvollen Feld;
Dir singt des Hirten sanfte Flöte
im stillen Tal;
dich grüßt durch feierliche Lieder
der Muselmann, der Heid' und Christ.
Doch du, o Christ, weih deine frommen Lieder
nur dem, der wundervoll das Nichts
gebären hieß und Erden schuf und Sonnen leuchten ließ.

Arie: Allmächtiger, groß in Sonnenglanz

Allmächtiger, groß in Sonnenglanz und groß in finstrer Nacht!
verschmäh nicht Morgenopfer ganz, von Sterblichen gebracht!
Jauchzt ihm voll Ehrfurcht, dunkle Wälder!
Jauchzt ihm, erwachte, frohe Felder!
Jauchzt ihm laut wallend, Ozean.
Und du, o Mensch, o bet ihn an!

Chor: Willkommen, holdseliger Morgen

Willkommen, holdseliger Morgen! Willkommen!
Die Schatten, die dich verborgen, entflieh’n.
und die Freude wird laut.
Dich mit Musik zu empfangen,
hat die Natur mit Verlangen
auf deine Zurückkunft geschaut.

Der Mittag

Arie: Der Mittag, begleitet von fächelnden Stunden

Der Mittag, begleitet von fächelnden Stunden,
er öffnet sein Füllhorn mit Blumen umwunden
und gießt es auf alle verschwenderisch aus.
Die allgemeinen wohltätigen Weste
erfrischen die hohen gewölbten Paläste,
sowie des Landmanns umschattetes Haus.

Rezitativ: Empfange mich, ehrwürdiger Eichenwald!

Empfange mich, ehrwürdiger Eichenwald!
Jetzt, da wir ganz vom Mittagsmahl ermatten,
sucht die Betrachtung gern den stillen Aufenthalt in deinem kühlen Schatten.
Der laute Bach rollt murmelnd durch das Tal,
der Westwind wieget sich in Wipfel hoher Buchen,
die Bienen ohne Zahl von Blumen ihren Raub
mit stetem Summen suchen.
Die Herde lagert sich im Klee,
indem der Hirt von einer luft’gen Höh’
sein Horn ertönen läßt und,
durch den West erfrischet,
den süßen Lobgesang zur Bäche Murmeln mischet.
O wie beglückt ist doch, wer still genügsam lebt,
ohn’ leeren Stolz, nicht Macht noch Gold erstrebt,
wer, wenn die ganze Welt in Lastern um ihn brennet,
ein heitres Herz behält, nach keiner Würde rennet,
und fern vom Lärm der falschheitsvollen Stadt,
frei unter Linden ruht, die er gepflanzet hat.

Arie: Laß’ mich die süße Wollust fühlen

Laß’ mich die süße Wollust fühlen,
indem mich tausend Lüfte kühlen,
daß ein erkenntlichs Herz
den Herrn der Schöpfung ehrt!
Der König, dem der Wein
aus güldnen Schalen winket,
der Hirt, der aus der Quelle trinket,
vergesse nie den Geber, der ihn nährt.

Chor: Auf, folget dem feurigen Wagen

Auf, folget dem feurigen Wagen der Sonne
mit jauchzendem Chor und schwingt euch
zur Quelle der Freude, der Wonne,
mit Hymnen empor!

Der Abend

Arie: Senke dich von Purpurwolken

Senke dich von Purpurwolken,
holder Abend, sanft herab.

Hauche reine, frische Lüfte,
schüttle Tau und Rosendüfte
von den feuchten Schwingen ab.

Rezitativ: Der Wald steht dunkelgrün

Der Wald steht dunkelgrün;
von langen Matten
erhebt sich der frische Tau;
der Abendwind erquickt bei kühlem Schatten
das stille Tal, die Au.
Jetzt rauscht der Busch,
jetzt wallen die Gefilde;
der laute Bach rinnt hell und milde
vom Felsen ab, und alles fällt
vergnügt in Schlaf und Traum,
vom Westwind eingewiegt

Arie: Komm, holder Schlaf

Komm, holder Schlaf! Die matten Augen sinken,
die güldnen Sterne winken zur süßen Ruh.

Nichts kann des Frommen Schlummer stören;
die Engel stehen um ihn mit ihren Heeren,
der Himmel deckt ihn zu.

Chor: Vom Aufgang bis zum Niedergang

Vom Aufgang bis zum Niedergang erschalle, Herr, dein Lobgesang!

Die Nacht

Arie: O Nacht, und du geweihte Stille

O Nacht, und du geweihte Stille,
indem ich mich in eure Schatten hülle,
fall ich hin in den Staub vor dem, der mich gemacht.

Von dieser Unterwelt Getümmel
hebt unser Herz nichts mehr zum Himmel
als sie, die feierliche Nacht.

Rezitativ: Sie kommt, ihr helles Sternenkleid

Sie kommt, ihr helles Sternenkleid
fließt über ihren prächt’gen Wagen;
begeistert von der Macht der dunklen Einsamkeit
steht jetzt der Christ durch sie geweiht
und denket seiner Sterblichkeit.
Er hört die Todesglocke schlagen,
indem er unter Gräbern irrt
und auf den Staub hinweint, der er auch werden wird.
Doch welcher Trost strahlt in die bange Seele?
Umsonst schreckt ihn des Grabes dunkle Höhle.
Von jedem Stern ruft ihm ein Engel zu, daß er unsterblich ist;
er schmeckt des Trostes Ruh. Weit hinter jener Nacht sieht
er den Vorhang sinken und Palmen,
ihm bestimmt, und Seraphim ihm winken.

Arie: Wie wird des Grabes Nacht entweichen

Wie wird des Grabes Nacht entweichen,
wenn über Schrecken, Graun und Leichen
des Christen ew’ger Morgen glänzt. Sein Auge wird den Finsternissen,
sein Geist der Sterblichkeit entrissen,
und seine Seligkeit ist rein und unbegrenzt. Der Herr ist Gott, ein Gott der Ehren;
der Herr ist Gott, ein Gott der Macht.
Der Kreis der Erde muß es hören,
ein Tag sag es dem andern Tage und eine Nacht der andern Nacht.

Verweise