Dietrich von Bern

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Dietrich von Bern ist eine der bekanntesten Sagenfiguren des deutschen Hoch- und Spätmittelalters.


Gegenstand

Schriftliche Zeugnisse als Heldenlied (Hildebrandslied), Epos (Dietrichepik) oder Prosa (Heldenbücher) lassen sich zwischen dem 9. und 16. Jh. nachweisen, die mündliche Überlieferung dürfte erheblich älter sein. Eine Rolle spielt Dietrich auch im Nibelungenlied. Neben den elf mittelhochdeutschen Dietrichepen in Versen, die immer nur Episoden aus dem Heldenleben Dietrichs zum Thema haben, stellt die skandinavische Thidrekssaga – überliefert in Varianten auf Norwegisch, Schwedisch und Isländisch – einen Sonderfall der Überlieferung dar, weil sie die gesamte Vita des Helden nach unbekannten niederdeutschen Quellen in Prosa erzählt.

Kern der Dietrichsage

Dietrich wächst als Königssohn in Welsch Bern auf. Er hat einen Waffenmeister namens Hildebrand, der bis ins hohe Alter bei ihm bleibt. Er sammelt einen Kreis von zwölf Kampfgenossen um sich und wird nach dem Tod seines Vaters König von Bern. Dietrich vollbringt große Heldentaten. So ist er neben Beowulf, Siegfried und dessen Vater Sigmund einer der wenigen germanischen Sagenhelden, die einen Drachen besiegt haben.

Jedoch ist er nicht immer imstande, seine Gegner aus eigener Kraft zu besiegen. Wittich etwa, sein späterer Kampfgenosse, ist ihm wegen seines besseren Schwertes überlegen. Ecke, ein Riese, zeigt sich ihm beim Zweikampf ebenbürtig; wird von Dietrich nach einem schweren Zweikampf getötet, indem er ihn erst bis zur Erschöpfung niederkämpft und anschließend durch die ungeschützten Stellen seiner Rüstung ersticht. Ecke lebt jedoch noch und bittet Dietrich, ihn zu enthaupten.

Odoaker - in einigen Überlieferungen auch Sigurd - kann er mit Hilfe des von dem Meisterschmied Wieland hergestellten Schwertes Mimung besiegen. Eines Tages wird Dietrich von seinem Onkel Ermanarich vertrieben und ist gezwungen, beim Hunnenkönig Etzel ins Exil zu gehen. Einen Versuch, sein Reich zurückzuerobern, gibt er auf. Er unterstützt den Hunnenkönig bei vielen Kämpfen. Beim Kampf des Königs mit den Nibelungen versucht er zuerst zu vermitteln. Im Verlauf der Schlacht stellt er sich auf Etzels Seite. In hohem Alter kehrt er ohne Heer zusammen mit seinem Waffenmeister in sein Reich zurück und gewinnt wieder die Herrschaft.

Teoderich der Große

Die Sagengestalt des Dietrich von Bern wurde schon von den mittelalterlichen Geschichtsschreibern (etwa in den Quedlinburger Annalen) mit dem Ostgotenkönig Teoderich dem Großen in Beziehung gesetzt.

  • Welsch Bern ist der deutsche Name für Verona, das im Reich Teoderichs des Großen lag. Sein Regierungssitz lag zwar in Raben, doch hatte eine der Entscheidungsschlachten zwischen Teoderich und seinem Gegner Odoaker 490 bei Welsch Bern stattgefunden.
  • Der Vater von Dietrich hieß Dietmar, der Vater des historischen Teoderich Tiudimir.
  • Die Amelungen der Sage werden oft mit dem Geschlecht der Amaler gleichgesetzt.
  • In den ältesten Versionen der Sage tritt Odoaker als Dietrichs Widersacher auf, was auch auf den historischen Teoderich den Großen zutraf.

Unterschiede

  • Teoderich der Große wurde nicht in Welsch Bern geboren, seine Jugend verbrachte er ebenfalls nicht dort, sondern in Konstantinopel am Hof des oströmischen Kaisers Leo I.
  • Der historische Teoderich kehrte nicht als Vertriebener nach Italien zurück, sondern er eroberte es mit anfänglicher Einwilligung Ostroms und ermordete Odoaker, nachdem er ihn in der Rabenschlacht besiegt hatte.
  • Der erst ca. 455 geborene Teoderich der Große war kein Zeitgenosse des bereits 453 verstorbenen Hunnenkönigs Etzel.
  • Der Gotenkönig Ermanarich verlor bereits 375 den Kampf gegen die Hunnen.
  • Das „Raben“ der Rabenschlacht wird mit dem von Teoderich eroberten Ravenna gleichgesetzt, doch nach der Sage muß Dietrich – trotz des Sieges – ins Hunnenreich zurückkehren.

Diese Unstimmigkeiten zwischen Dietrichssage und z. B. der Gotenchronik des Jordanes fielen bereits Frutolf von Michelsberg auf. Er hatte um 1100 in seiner Weltchronik auf diesen Widerspruch hingewiesen, und spätere Historiker versuchten, den Widerspruch durch Neuerfindungen zu erklären: Beispielsweise, indem Dietrich einen gleichnamigen Großvater zugeschrieben bekommt, der dann als Zeitgenosse Etzels aus Meran vertrieben wurde (siehe oben unter „Überlieferungsgeschichte“).

Nacherzählungen

  • Wilhelm Bartsch: Heldenlärm: ein Buch um Dietrich von Bern. Mit Zeichn. von Susanne Berner. (= Edition Steko. Band 8). Stekovics, Halle an der Saale 1998
  • Willi Fährmann: Dietrich von Bern: eine alte Sage, neu erzählt. Kinderbuch. Arena, Würzburg 1995
  • Gertraud Karg-Bebenburg: Dietrich von Bern. Roman. Tosa, Wien 1996
  • Hanswilhelm Haefs: Thidrekssage und Nibelungenlied - Vergleichende Studien. (= Forschungen zur Thidrekssaga. Untersuchungen zur Völkerwanderungszeit im nördlichen Mitteleuropa. Band 2). Thidrekssaga Forum e. V., Bonn 2004. (S. 76–97 enthalten eine Zusammenfassung des „Membrane“ genannten Thidreks-Pergaments (vgl. Thidrekssaga).)
  • Dietrich von Bern. In: Deutsche Heldensagen. nacherzählt von Gretel und Wolfgang Hecht. (= insel taschenbuch. 345). Frankfurt am Main 1980, S. 7–95 und S.383-387. (Ausgabe textgleich mit dem Buch gleichen Titels aus dem Insel-Verlag Anton Kippenberg, Leipzig 1969.)
  • Auguste Lechner: Dietrich von Bern (Nacherzählung als Jugendbuch)
  • Dietrich von Bern. 1 - Ruhm Comic von Peter Wiechmann und Rafael Mendez


Verweise