Dignitatis humanae

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Dignitatis humanae ist eine Erklärung des "Zweiten Vatikanischen Konzils".

Entstehung

Dignitatis humanae wurde besonders von US-amerikanischen Konzilsvätern vorangetrieben, die von John Courtney Murray SJ instruiert wurden. Ziel war eingestandenermaßen die Harmonisierung der katholischen Lehre mit der freimaurerischen Lehre der US-Verfassung. Die Lehre von Dignitatis humanae ist noch in den 1950er Jahren von allen bedeutenden Theologen[1] als häretisch abgelehnt worden. Sie ist mit dem katholischen Glauben unvereinbar. Dignitatis humanae hingegen behauptet jedoch frech eine Lehrkontinuität.

Abschaffung der katholischen Staatsreligion

  • Kolumbien
  • Italien
  • Spanien
  • u. v. m.

May und Bockenförde

Georg May schreibt: "Mit der Erklärung ‚Dignitatis humanae‘ desavouiert die Kirche … ihre ganze Geschichte".[2] Der Staats- und Verfassungsrechtler, Ernst-Wolfgang Böckenförde, ehemals Richter des Bundesverfassungsgerichts, bestätigt, daß die überlieferte Lehre "die Anerkennung eines Rechts auf Religionsfreiheit im Ergebnis immer abgelehnt" hat. Die Kirche "ging dabei vom Primat der Wahrheit gegenüber der Freiheit aus und von der These, daß dem Irrtum an sich kein Recht gegenüber der Wahrheit zukommen könnte".[3] Wer davon überzeugt ist, daß der katholische Glaube göttlichen Ursprungs ist, daß er nicht irgendeine Religion unter vielen, sondern die eine wahre ist, der will diesem Glauben auch in der öffentlichen Ordnung die gebührende Vorrangstellung gegenüber allen anderen Weltanschauungen einräumen, denn nach dem göttlichen Gesetz haben sich nicht nur die Einzelnen, sondern auch die Gesellschaften zu richten.

Religionsfreiheit im öffentlichen Bereich

Nach Dignitatis humanae besitzt der Mensch von Natur aus auch ein Recht auf Religionsfreiheit im öffentlichen Bereich. Da es für das Recht auf Religionsfreiheit im öffentlichen Bereich gemäß Dignitatis humanae nicht von Bedeutung ist, ob es sich um die wahre Religion oder um eine falsche Religion handelt, gesteht die Konzilserklärung damit auch ein Recht auf uneingeschränkte öffentliche Verbreitung des Irrtums zu, das der Staat in jedem Fall sicherstellen muß, weil es "auf die Würde der menschlichen Person selbst gegründet" ist.[4]

Irrtum = Wahrheit

Dabei bestreitet Dignitatis humanae nicht die überlieferte Lehre, wonach nur die Wahrheit nicht aber der Irrtum Rechte besitzt, erklärt aber gleichzeitig, daß der Irrende das Recht besitzt, vom Staat nicht daran gehindert zu werden, der Gesellschaft durch die von ihm öffentlich verbreiteten Irrtümer, Schaden zuzufügen. Die Vernunft lehrt uns dagegen, daß in einem Staat die soziale Ausübung des freien Willens durch das Gemeinwohl der Gesellschaft begrenzt sein muß. Zwar bestimmt nach DH 2 und DH 3 die "gerechte öffentliche Ordnung", die gemäß DH 7 der "objektiven sittlichen Ordnung" entspricht, die Grenze der Religionsfreiheit, doch die objektive Ordnung kann nicht darin bestehen, daß der Staat prinzipiell dazu verpflichtet ist, die Wahrheit genauso zu behandeln wie den Irrtum.

Entgegenstehende Lehre von Quanta cura

Der sel. Papst Pius IX. beklagt in seiner Enzyklika Quanta cura vom 8. Dezember 1864, daß manche "keine Bedenken" tragen würden, "im Widerspruch mit der Heiligen Schrift, der Lehre der Kirche und der heiligen Väter zu behaupten", daß "der beste Zustand der Gesellschaft" der sei, nur "mit gesetzlich bestimmten Strafen die Verletzer der katholischen Religion im Zaume zu halten", wenn dies "die öffentliche Sicherheit verlangt". Genau das aber lehrt die Konzilserklärung. In DH 12 versucht sie sich dazu sogar auf die Heilige Schrift zu berufen.

Leo XIII.

Papst Leo XIII. verurteilt in seiner Enzyklika Libertas praestantissimum vom 20. Juni 1888 ausdrücklich diese "unterschiedslose Religionsfreiheit", die als Naturrecht verteidigt wird. In der Enzyklika Immortale Dei vom 1. November 1885 erklärt Leo XIII., daß "die Kirche … jene Freiheit nicht gutheißen" kann, "welche sich über die hochheiligen Gesetze Gottes stolz hinwegsetzt" und die "Augustinus die Freiheit des Verderbens genannt"[5] hat "und der Apostel Petrus einen Deckmantel der Bosheit."[6]

Papst Gregor XVI. bezeichnet in seiner Enzyklika "Mirari vos" vom 15. August 1832 die liberalen Freiheitsrechte, zu der auch die Religionsfreiheit zählt, als "Wahnsinn". Die Kirche lehrt, daß wahre Freiheit an das Gute gebunden sein muß und damit auch an die Wahrheit, die das erste Gute darstellt, weil sie zeigt, was wahrhaft gut ist. Es kann kein Recht auf eine Freiheit geben, die nicht an das Gute gebunden ist.

Toleranz

Nicht übersehen werden darf, daß auch gemäß der überlieferten Lehre der Irrtum, der kein Recht auf Freiheit besitzt, toleriert werden kann, um z. B. den öffentlichen Frieden zu bewahren. Die praktische Klugheit als oberste aller Kardinaltugenden muß immer berücksichtigt werden. Die Grenze der öffentlichen Ausübung von Rechten ist immer eine Frage der klugen Ordnung und nie eine rein theoretisch-prinzipielle Frage. Der Kirchenhistoriker Klaus Schatz SJ erklärte am Beispiel der Verurteilungen durch "Quanta cura", daß sich diese "nie gegen die Religionsfreiheit als politisch sinnvolle Ordnung in religiös gemischten Ländern" richtete, sondern "gegen die Religionsfreiheit als Ideal und Menschenrecht".[7]

Ideal des katholischen Staates

Bischof Bernard Tissier de Mallerais wies in seinem Vortrag vom 12. Mai 2009 in München darauf hin, daß "das Werk der Kirche" nicht ausschließlich darin besteht, die Einzelnen zu bekehren, "sondern auch die Einrichtungen der Gesellschaft umzuwandeln". Als Beispiel nennt er "die Umwandlung des heidnischen Römischen Reiches in eine christliche Gesellschaft". Aus katholischer Sicht basiert der Idealstaat eben nicht auf der weltanschaulichen "Neutralität", sondern auf der katholischen Religion.

Lehre von den zwei Gewalten

Der hl. Papst Gelasius († 496) erklärt: "Christus hat, eingedenk der menschlichen Schwäche, durch eine großartige Anordnung zum Heil der Seinigen weise abwägend, die Rechtsbereiche beider Gewalten in eigenständige Betätigungsfelder und wohlgetrennte Würden geschieden … So sollten die christlichen Kaiser für das ewige Leben der Bischöfe bedürfen, die Bischöfe dagegen im Bereich der irdischen Dinge nach den kaiserlichen Gesetzen leben."

Ein katholischer Staat gründet auf der katholischen Staatsreligion. Eine Staatsreligion ist eine "von einem Staat in seinem Territorium ausschließlich anerkannte oder zumindest bevorzugte Religion bzw. Konfession" und ist von einer Staatskirche zu unterscheiden, die vom "Staat … direkt beeinflusst oder mit ihm identisch" ist.[8]

Die Staatsreligion verletzt also, im Gegensatz zum Staatskirchentum, die Lehre von den zwei Gewalten nicht. Eine Trennung von Kirche und Staat, so wie sie der Laizismus fordert, wurde immer selbstverständlich abgelehnt und z. B. vom hl. Pius X. in der Enzyklika "Vehementer nos" vom 11. Februar 1906 explizit verurteilt.

Noch 1964, also ein Jahr vor "Dignitatis humanae", konnte Klaus Mörsdorf, Ordinarius für Kirchenrecht, sagen, daß der Kirche "der religiös neutrale Staat der Neuzeit … als nationale Apostasie" erscheine (Lehrbuch des Kirchenrechts, S. 51). Das Ideal besteht darin, daß die beiden eigenständigen Gewalten in harmonischen Beziehungen zueinander stehen. Papst Pius XII. sagte 1955 in seiner Rede vor dem 10. Internationalen Historikerkongress, daß die Kirche "die Einheit des Volkes in der wahren Religion und die Einmütigkeit des Handelns zwischen ihr und dem Staat als ideal betrachtet".

Ein katholischer Staat erleichtert es den Menschen katholisch zu leben und zu sterben und so das ewige Heil zu erlangen. Da ein jeder Staat seine Grundlagen schützen muß, wird der katholische Staat die katholische Religion schützen und die anderen Religionen in ihrer öffentlichen Freiheit wenigstens einschränken. Seit "Dignitatis humanae" darf sich ein Staat nicht mehr zur katholischen Religion bekennen. Es war der Vatikan, der nach dem Konzil u. a. die kolumbianische und die italienische Regierung mit Berufung auf "Dignitatis humanae" aufforderte, die katholische Staatsreligion abzuschaffen.

Verweise




Einzelnachweise

  1. z. B. Alfredo Ottaviani, Institutiones Iuris Publici Ecclesiastici
  2. Münchner Theologische Zeitschrift 44/1993, S. 270
  3. Religionsfreiheit – Die Kirche in der modernen Welt, Freibg./B. 1990, S. 61
  4. DH 2
  5. Sendschreiben 105 an die Donatisten
  6. 1 Petr 2, 16
  7. Fragen zur Seligsprechung Pius‘ IX., Stimmen der Zeit, Heft 8/2000, S. 512
  8. Artikel: Staatsreligion, Der Brockhaus in zehn Bänden, Band 9, Leipzig 2005, S. 6001