Entfernet euch, ihr heitern Sterne

Aus Monarchieliga
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  • BWV A 9
  • BC G 14


Das Werk

Dies ist eine verschollene Geburtstagskantate J. S. Bachs für August, den Starken. Die Komposition Bach's ist durch zwei Quellen belegt, zum einen „Das frohlockende Leipzig“ von Christoph Ernst Sikul[1], sodann der „Königlich Polnischer und Kurfürstlich Sächsischer Hof- und Staatskalender auf das Jahr 1728“.

Die Kantate erklang am 12. Mai 1727 als August der Starke selbst in Leipzig weilte. Der Text ist von Christian Friedrich Haupt.

Parodien

Folgende Parodien aus der Kantate könnten der h-moll Messe zugeordnet werden:

  • Eingangssatz: Et resurrexit
  • Augustens Gegenwart: Laudamus te
  • Seid zu tausendmal willkommen: Christe eleison
  • Helden, die wie Caesar fechten: Quoniam tu solus sanctus
  • Soll des Landes Segen wachsen: Qui sedes

Text der Kantate

Chorus (Aria tutti): Entfernet euch, ihr heitern Sterne

Entfernet euch, ihr heitern Sterne,
des Landes Sonne geht uns auf!

Die Glut der himmelreinsten Flammen,
so von Augustens Augen stammem,
verdunkelt euch und hemmet euren Lauf.

Recitativo: Großmächtigster August

Philuris:
Großmächtigster August,
du Wunder dieser Zeiten,
Sarmatiens und Sachsens schönste Lust,
der Schimmer Deiner Heldenkrone
und Deines Purpurs Glanz und Pracht,
so alle Welt erstaunend macht,
erregt in mir die reinsten Triebe
der zartesten, doch stärksten Liebe.
Die Großmut, so vor mich mit Adlersaugen wacht,
und mich mit Liebe wie mit Strömen tränket,
ist's, die mein Herze zu Dir lenket.
Nimm Deiner Augen Heldenstrahl anitzt zurück,
und laß dafür mich Deinen Gnadenblick
auf's innigste vergnügen.

Aria: Die Quellen pflegt man ja zu krönen

Die Quellen pflegt man ja zu krönen,
drum darf ich nicht mit meinen Söhnen,
die Deine hohen Gaben zieren,
den Ruhm der Dankbarkeit verlieren.

Arioso: Laß, mächtigster August

Laß, mächtigster August, laß, Großer König, zu,
daß ich bei stiller Nacht, bei Deiner süßen Ruh
ein Abendopfer darf zu Deinem Throne bringen,
und meinen schwachen Arm um Deine Füße schlingen.

Apollo:
Dieß große Fest ließ vor den Jahr
zu Deines trauten Flemmings höchsten Freuden,
als nun der Tag bereits verflossen war,
des Tages Licht nicht aus den Augen scheiden.
Es mußte selbst die dunkle Nacht
durch der von fern anher geworfnen Strahlen Macht
zum hellen Mittagslichte werden.
Nun aber, da Du höchste Landessonne,
zur allgemeinen Wonne
Des Szepters Pracht uns gegenwärtig weist,
muß man notwendig auf der Erden
der Götter Paradieß den schönsten Himmel sehn.

Aria: Augustens Gegenwart

Augustens Gegenwart, Augustens Lustrevier
zieht man mit allem Recht dem schönsten Himmel für.

Sein Anblick kann uns teils ergötzen,
teils aber in Verwundrung setzen.

Recitativo: Voraus, da dieses Fest

Voraus, da dieses Fest
den hellen Glanz von Deiner Majestät,
die selbiges nach größter Kümmernis
der armen Philuris
nun mit gestärkter Kraft begeht,
verjüngter und vollkommner sehen läßt,
drum höret man, durchlauchtigster August,
auf meinem Helikon
der Harmonie entzückende Gewalt
in lieblichster Gestalt,
den freudenvollen Jubelton.

Duetto: Seid zu tausendmal willkommen

Seid zu tausendmal willkommen,
schönste Stunden, seid geküßt!

Denn Aurorens Purpurlicht
muß euch allen Vorzug lassen,
und, geschähe dieses nicht,
vor euch endlich gar erblassen.

Recitativo: Ich selbsten bin entzückt

Ich selbsten bin entzückt,
und weiß nicht, wie mir ist.
Das Blut, das sich in allen Adern reget,
hat Seel und Geist
zugleich beweget.

Mars: Was untersteht ihr euch, verwegne Kastalinnen,
der Krone von dem Reich,
dem allerteu'rsten Landesvater,
vor dem der Elb- und Weichselfluß
die Wellen niederlegen muß,
durch eure schwache Saiten
ein Opfer zu bereiten?
O unverschämt Beginnen!

Philuris: Laß mich nur nicht so unhold an,
ich habe nichts als meine Pflicht getan.
Die Quelle dieser Freuden, der Ursprüng meiner Lust,
ist dir ja wohl bewußt,
es ist ja selbst dein mächtigster August.

Mars:
O unverschämt Beginnen!
Du möchtest gleich Amphions Wundergaben
im Überflusse haben,
so sollten doch des weisen Pindus Höhen
so viel verstehen,
daß unsers Königs Heldenmut und Seiner Gottheit Schein
viel höher will verehret sein.

Aria: Helden, die wie Cäsar fechten

Helden, die wie Caesar fechten,
muß man Lorbeerkränze flechten.

Und Augustens Wunderhand,
welcher selbst die Löwen weichen,
fordert solche Siegeszeichen
auch von Seinem Sachsenland.

Recitativo: Entweichet, weil noch seine Langmut währt

Entweichet, weil noch Seine Langmut währt,
damit nicht Seine Macht und Seiner Hoheit Blitz
euch samt den Musensitz
zerstöret und verzehrt.


Harmonia:
Nicht unsers Königs Heldenproben
nach Würden und Verdienst zu loben,
erschallet unsrer Saiten Klang.
Wer diese sich getraut zu fassen,
und aus Verwegenheit
zu Seinem Throne schreit,
mag nach Verdienst erblassen.
Wir rühmen bloß des Festes Herrlichkeit
und wünschen nur zu Sachsens Wohlergehen,
es möchte doch der teuerste August,
wenn Sein Geburtsgestirn erscheint,
In Zukunft alle Jahr in unsern Grenzen stehen.

Aria: Soll des Landes Segen wachsen

Soll des Landes Segen wachsen,
muß sein König bei ihm sein.

Ach so treffe doch bei Sachsen
unser sehnlich Flehen ein!

Recitativo: Drum lasse noch zuletzt

Drum lasse noch zuletzt mit meinen süßen Chören,
zum Zeichen, daß das jauchzende Geschrei
gerecht und billig sei,
dich mit erhöhter Stimme hören.

Aria Tutti: So lebe denn das königliche Haus

So lebe denn das Königliche Haus!
Mein mächtigster August, das Kleinod unsrer Welt,
und als ein Wunderwerk von Gott selbst dargestellt:
So wird Sarmatien dem Himmel sich vergleichen,
und Sachsens Rautenzweig die Ewigkeit erreichen.

Verweise



Einzelnachweise

  1. Leipzig 1727