Erasmus von Rotterdam

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  • Erasmus (Desiderius) von Rotterdam
  • * 27. Oktober 1466 in Rotterdam
  • † 11./12. Juli 1536 in Basel


Erasmus war ein bedeutender katholischer Gelehrter seiner Zeit.


Kritische Edition des Griechischen NT

1516 veröffentlichte Erasmus eine kritische Edition des griechischen Neuen Testaments, Novum Instrumentum omne, diligenter ab Erasmo Rot. Recognitum et Emendatum., mit einer neuen, von ihm selbst durch Überarbeitung der Vulgata erstellten lateinischen Übersetzung und Kommentar.

Erasmus' Neues Testament war der erste erhältliche vollständige gedruckte griechische Text des Neuen Testaments (ein anderes, schon früher begonnenes Projekt zum Druck des Textes war ins Stocken geraten und kam erst später auf den Markt).

Er widmete die Ausgabe dem Papst Leo X. und nutzte dabei wiederentdeckte Manuskripte, die mit griechischen Flüchtlingen aus Konstantinopel in den Westen gelangt waren. Nach dem Erfolg der Erstausgabe nannte er das Werk von der zweiten Auflage (1519) an schlicht Novum Testamentum. Es wurde von den Übersetzern der King James Bibel benutzt und diente auch Luther als Ausgangstext für seine deutsche Bibelübersetzung. Der Text wurde später bekannt als textus receptus. Erasmus besorgte drei weitere, jeweils überarbeitete Auflagen 1522, 1527 und 1535.

Luther

In den Jahren 1522 bis 1534 setzte sich Erasmus in verschiedenen Schriften mit den Lehren und Schriften Martin Luthers auseinander. Zwei Jahre vor seinem Tod versuchte er mit der Schrift De sarcienda ecclesiae concordia noch einmal, die zerstrittenen Glaubensparteien zu befrieden.

Erasmus und Luther haben sich nie kennengelernt, korrespondierten jedoch öffentlich ab 1519 miteinander. Während Luther eine destruktive Linie gegen das Papsttum die ganze Kirche vertat, setzte sich Erasmus für Reformen ein und forderte Luther zur Mäßigung auf.

Freier Wille

Auch in Glaubensfragen zeigten sich bald erhebliche Unterschiede. Während Erasmus der katholischen und biblischen Lehre folgte, Gott habe dem Menschen einen freien Willen, zwischen dem Guten und dem Bösen zu wählen, belassen, der freilich nur mit Gottes Gnade wirksam werden könne, argumentierte Luther gegen Bibel und Lehramt mit der Erbsünde und der Allmacht Gottes, durch die jede Tat des Menschen vorausbestimmt sei.

Luther verglich den menschlichen Willen mit einem Pferd "das der Teufel reitet“ oder das Gott lenkt. Es sei unmöglich, einen der beiden Reiter loszuwerden, denn jedes menschliche Schicksal sei vorbestimmt und endet entweder in der Hölle oder im Himmel. Gottes Liebe und Hass sind ewig und unverrückbar, schrieb Luther in seiner Erwiderung an Erasmus, sie sind gewesen, "ehe der Welt Grund gelegt ward“, noch ehe es einen Willen oder Werke des Willens gab. Diese lutherische Lehre ist weder mit Bibel noch mit kirchlicher Lehre auch nur näherungsweise vereinbar.

1524 veröffentlichte Erasmus auf Luthers Assertio omnium articulorum M. Lutheri seine Entgegnung: Vom freien Willen - De libero arbitrio, ein Werk, mit dem der Bruch mit Luther endgültig besiegelt wurde. Seine letzte kritische Auseinandersetzung mit dem Titel Hyperaspistes kommentierte Luther mit dem widerwärtigen Ausspruch: "Wer den Erasmus zerdrückt, der würget eine Wanze, und diese stinkt noch tot mehr als lebendig“.

Reuchlin-Streit

Im s.g. Reuchlin-Streit äußerte sich Erasmus im kirchlichen Sinne.

Würdigung

Als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Repräsentanten des europäischen Humanismus wurde der Theologe durch seine kirchenkritische Haltung und seinen der historisch-kritische Exegese verpflichteten theologischen Schriften zum Vorreiter der Reformation. Durch sein Eintreten für relative Religionsfreiheit nahm er eine humanistische Position jenseits des katholischen wie auch des lutherischen Dogmatismus ein.

Verschiedenes

  • Werke des Erasmus wurden auf dem Konzil von Trient auf den Index gesetzt.
  • Der holländische Kultur-Historiker und Erasmus-Biograph Johan Huizinga charakterisiert Erasmus trefflich als einen geistigen Typus der ziemlich seltenen Gruppe, die zugleich unbedingte Idealisten und durchaus Gemäßigte sind.
  • Er wurde gleichermaßen von Spinoza, Rousseau, Voltaire, Kant, Goethe, Schopenhauer, Nietzsche und Stefan Zweig geachtet.
  • Nach Erasmus ist das Erasmus-Programm zur Förderung des Auslandsstudiums innerhalb der Europäischen Union benannt.
  • Ihm zu Ehren wurde eine Büste in der Walhalla aufgestellt.
  • In Basel sind der Erasmusplatz und das Erasmushaus nach ihm benannt.
  • In Rotterdam tragen die Erasmus-Universität, die Erasmusbrücke, das Krankenhaus Erasmus MC (Erasmus Medical Center) und die Erasmuslinie der Rotterdamer U-Bahn den Namen des größten Sohnes der Stadt.
  • In Deutschland sind mehrere Gymnasien nach Erasmus benannt; siehe Erasmus-Gymnasium

Werke

  • Enchiridion militis Christiani. 1503
  • Adagia. 1510–1535
  • De duplici copia verborum ac rerum. 1512
  • Encomium moriae (Lob der Torheit). 1509
  • Julius vor der verschlossenen Himmelstür. 1513
  • Institutio principis christiani (Die Erziehung des christlichen Fürsten). 1515
  • Novum Testamentum. – Basileae. Froben 1516
  • Querela pacis (Die Klage des Friedens). 1517
  • Colloquia familiaria (Gespräche im vertrauten Familienkreis). 1518
  • De libero arbitrio (Vom freien Willen). 1524
  • Dialogus ciceronianus. 1528
  • De civilitate morum puerilium. 1530
  • Apophthegmata, eine Sammlung erbaulicher Anekdoten. 1533
  • De conscribendis epistolis
  • De recta Latini Graecique sermonis pronuntiatione Des. Erasmi dialogus. Paris 1528

Verweise