Ermunt're dich, mein schwacher Geist

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Ermuntre dich mein schwacher Geist

Den Weihnachts-Choral „Ermuntre dich, mein schwacher Geist“ veröffentlichte Johann Rist in seinen „Himmlischen Liedern“. Die Melodie zu dem Liede Rists stammt von Johann Schop, dem damaligem Leiter der Hamburgischen Ratskapelle, der zu Rist im gleichen Verhältnis steht wie Johann Krüger zu Paul Gerhardt. Er schuf eine Vielzahl von Originalweisen zu Liedern Rists und anderer Autoren.

Die Hymne im Werk von J. S. Bach

Johann Sebastian Bach verwendet die Weise „Ermuntre dich, mein schwacher Geist“[1] mehrfach in seinem Vokalwerk. Für Orgel oder andere Tasteninstrumente hat er sie nicht bearbeitet, auch für das Orgelbüchlein war eine Komposition nicht vorgesehen. Die Weise findet in folgenden Werken Verwendung:

Die Mischung zwischen Himmelfahrts- und Osterzuweisungen rührt von der Tatsache her, daß die Weise F 57 nicht nur dem angestammten Weihnachtslied von Rist, sondern auch dem Himmelfahrtslied von Rist „Du Lebensfürst, Herr Jesu Christ“ zugewiesen ist. Strophen aus diesem Lied verwendet Bach in der Himmelfahrtskantate und im Himmelfahrtsoratorium „Lobet Gott in seinen Reichen“.

Auch das Lied „Du Lebensfürst, Herr Jesu Christ“ stammt aus den „Himmlischen Liedern" von Rist und es steht zu vermuten, daß Schop seine Weise beiden Liedern zugedacht hat.

Das Wort „ermuntern" ist vor Rist nicht nachzuweisen und sicherlich eine eigene Wortschöpfung. Allerdings verwendete es kurz nach Rist auch Paul Gerhardt, z.B. in seinem Lied „Wie soll ich dich empfangen“ (1653), so daß es sich auch um einen modischen Neologismus anderer Herkunft handeln kann.

Text der Hymne

1. Ermuntre dich, mein schwacher Geist,
und trage groß Verlangen,
ein kleines Kind, das Vater heißt,
mit Freuden zu empfangen!
Dies ist die Nacht, darin es kam
und menschlich Wesen an sich nahm,
dadurch die Welt mit Treuen
als seine Braut zu freien.


2. Willkommn, o süßer Bräutigam,
du König aller Ehren,
willkommn, o Jesu, Gottes Lamm,
ich will dein Lob vermehren,
ich will dir all mein Leben lang
von Herzen sagen Preis und Dank,
daß du, da wir verloren,
für uns bist Mensch geboren.


3. O großer Gott, wie könt' es sein,
Dein Himmelreich zu lassen,
Zu springen in die Welt hinein,
Da nichts denn Neid und Hassen,
Wie köntest du die große Macht,
Dein Königreich, den Freuden-Pracht,
Ja, solch ein herrlichs Leben
Für deine Feind' hingeben?


4. Ist doch, Herr Jesu, deine Braut
Ganz arm und voller Schanden;
Noch hast du sie dir selbst vertraut
Am Kreuz in Todesbanden.
Ist sie doch nichts als Úberdruß,
Fluch, Unflat, Tod und Finsternis,
Noch darfst du ihrentwegen
den Szepter von dir legen!


5. Du Fürst und Herscher dieser Welt,
Du Friedens Wiederbringer,
Du kluger Rat und tapfrer Held,
Du starker Hellen zwinger,
Wie war es müglich, daß du dich
Erniedrigtest so jämmerlich,
Als wärest du im Orden
Der Bettler Mensch geworden?


6. O Freudenzeit, o Wundernacht,
Dergleichen nie gefunden!
Du hast den Heiland hergebracht,
Der alles überwunden.
Du hast gebracht den starken Mann,
Der Feur und Wolken zwingen kann,
Für dem die Himmel zittren,
Und alle Berg erschüttren.


7. Du bleicher Mond, halt eiligst ein
den blassen Schein auf Erden,
wirf deinen Glanz zum Stall hinein,
Gott sol gesäuget werden.
Ihr helle Sternlein, stehet stil
und horcht, was euer Schöpfer wil,
der schwach und ungewieget
In einem Kripplein liget.


8. Du tummes Vieh, was blökest du
Dort bei des Herren Mutter?
Immanuel hält seine Ruh
Allhie auf dürrem Futter,
Dem alle Welt sol dienstbar sein,
liegt hier, hat weder Brot noch Wein,
Die Wärme muß er meiden,
Frost, Blöß' und Hunger leiden.


9. Brich an, du schönes Morgenlicht,
Und laß den Himmel tagen!
Du Hirtenvolk, erstaune nicht,
Weil dir die Engel sagen,
Daß dieses schwache Knäbelein
Sol unser Trost und Freude sein,
Dazu den Satan zwingen
und alles wiederbringen.[2]


10. O liebes Kind, o süßer Knab,
Holdselig von Geberden,
Mein Bruder, den ich lieber hab'
Als alle Schätz auf Erden,
Kom', Schönster, in mein Herz hinein,
Kom' eiligst, laß die Krippen sein,
Kom', kom', ich wil bei Zeiten
Dein Lager dir bereiten.


11. Sag' an, mein Herzensbräutigam,
Mein' Hoffnung, Freud' und Leben,
Mein edler Zweig aus Jacobs Stamm,
Was sol ich dir doch geben?
Ach nim von mir Leib, Seel und Geist,
Nim alles, was Mensch ist und heißt,
Ich wil mich ganz verschreiben,
Dir ewig treu zu bleiben!


12. Lob, Preis und Dank, Herr Jesu Christ,
Sei dir von mir gesungen,
Daß du mein Bruder worden bist
Und hast die Welt bezwungen;
Hilf, daß ich deine Gütigkeit
Stets preis' in dieser Gnadenzeit
Und mög' hernach dort oben
In Ewigkeit dich loben!


Verweise


Einzelnachweise

  1. Zahn 5741; BC F 57
  2. WO: Und letztlich Frieden bringen.