Exsurge Domine

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Entstehung

Mit der Bulle "Exsurge Domine",[1] drohte Papst Leo X. 1520 dem Häretiker und Kirchenfeind Martin Luther den Bann an.

Inhalt

Die Bulle enthält die Verurteilung etlicher Sätze aus den Werken des Reformators. Diese Sätze zeigen sowohl den geistigen Tiefstand Luthers, als auch seine unglaubliche Frechheit und Verrohung.

Problem

Die Bulle ist mit der Problematik aller Verurteilungen von satzhaften Aussagen behaftet. Die positive Stoßrichtung des Lehramtes ist nur unpräzise zu fassen; der Verurteilte hingegen kann durch moderates Umformulieren (scheinbar) dem Urteil entgehen bzw. entgegentreten.

Die verurteilten Sätze

  1. Häretisch, aber gebräuchlich ist die Auffassung, die Sakramente des Neuen Bundes verliehen jenen die Rechtfertigungsgnade, die keinen Riegel vorschieben.
  2. Im Kind nach der Taufe die verbleibende Sünde zu leugnen, heißt Paulus und Christus zugleich mit Füßen treten.
  3. Auch wenn keine aktuelle Sünde da ist, hindert der Zunder der Sünde die aus dem Leib heraustretende Seele am Betreten des Himmels.
  4. Die unvollkommene Liebe des Sterbenden bringt notwendig eine große Furcht mit sich, die durch sich allein genügt, die Strafe des Reinigungsortes zu bewirken, und das Betreten des <Himmel>reiches verhindert.
  5. Daß es drei Teile der Buße gebe, <nämlich> Reue, Beichte und Genugtuung, ist weder in der heiligen Schrift noch bei den alten heiligen christlichen Lehrern begründet.
  6. Reue, die durch Erforschung, Zusammenstellung und Verabscheuung der Sünden gewonnen wird, in der man seine Jahre in der Bitterkeit seiner Seele überdenkt [vgl. Jes 38,15], indem man die Schwere, Vielzahl und Häßlichkeit seiner Sünden, den Verlust der ewigen Seligkeit und den Erwerb der ewigen Verdammnis erwägt, diese Reue macht <den Menschen> zum Heuchler, ja noch mehr, zum Sünder.
  7. Ganz wahr und vortrefflicher als die bisher über die Reue gegebene Lehre aller ist das Sprichwort: ‘<Es> künftig nicht tun, <ist> die höchste Buße: Die beste Buße <ist> ein neues Leben.
  8. Unterstehe dich keinesfalls, verzeihliche Sünden zu beichten, ja, nicht einmal alle Todsünden; denn es ist unmöglich, daß du alle Todsünden erkennst. Daher wurden in der Urkirche nur die offenkundigen Todsünden gebeichtet.
  9. Solange wir schlechthin alles beichten wollen, tun wir nichts anderes, als daß wir der Barmherzigkeit Gottes nichts zum Verzeihen übriglassen wollen.
  10. Keinem sind die Sünden vergeben, wenn er nicht bei der Vergebung durch den Priester glaubt, daß ihm vergeben werde; vielmehr bliebe die Sünde, wenn er nicht glaubte, daß sie vergeben sei: Es genügt nämlich nicht die Vergebung der Sünde und die Schenkung der Gnade, sondern man muß auch glauben, daß sie vergeben sei.
  11. Vertraue keinesfalls darauf, wegen deiner Reue losgesprochen zu werden, sondern wegen des Wortes Christi: „Alles, was du gelöst hast" usw. [Mt 16,19]. Deshalb, sage ich, vertraue, wenn du die Lossprechung des Priesters erlangt hast, und glaube fest, daß du losgesprochen seiest, und du wirst wahrhaft losgesprochen sein, was immer auch mit der Reue sein mag.
  12. Wenn - den unmöglichen Fall angenommen - der Beichtende nicht reuig wäre oder der Priester nicht ernsthaft, sondern im Scherz losspräche, dann ist er, wenn er dennoch glaubt, daß er losgesprochen sei, ganz wahrhaftig losgesprochen.
  13. Im Sakrament der Buße und der Vergebung der Schuld tut ein Papst oder Bischof nicht mehr als der geringste Priester: Ja, wo es keinen Priester gibt, <tut> ein jeglicher Christ ebensoviel, auch wenn er eine Frau oder ein Kind wäre.
  14. Niemand ist verpflichtet, dem Priester zu antworten, er sei reuig, noch darf der Priester <danach> fragen.
  15. Groß ist der Irrtum derer, die zu den Sakramenten der Eucharistie hinzutreten im Vertrauen darauf, daß sie gebeichtet hätten, daß sie sich keiner Todsünde bewußt seien, daß sie ihre Gebete und Vorbereitungen vorausgeschickt hätten: all jene essen und trinken sich das Gericht. Aber wenn sie glauben und vertrauen, sie würden dort Gnade erlangen, dann macht allein dieser Glaube sie rein und würdig.
  16. Es scheint ratsam, daß die Kirche in einem gemeinsamen Konzil verordnete, den Laien unter beiden Gestalten die Kommunion zu reichen; und die Böhmen, die unter beiden Gestalten kommunizieren, sind keine Häretiker, sondern Schismatiker.
  17. Die Schätze der Kirche, aus denen der Papst die Ablässe erteilt, sind nicht die Verdienste Christi und der Heiligen.
  18. Die Ablässe sind fromme Täuschungen der Gläubigen und Nachlässe der guten Werke; und sie gehören zur Anzahl der Dinge, die erlaubt sind, und nicht zur Anzahl der Dinge, die nützen.[2]
  19. Ablässe wirken sich für diejenigen, die sie wahrhaft erlangen, nicht auf den Nachlaß der bei der göttlichen Gerechtigkeit für die aktuellen Sünden geschuldeten Strafe aus.
  20. Betrogen werden, die glauben, die Ablässe seien heilsam und zum Vorteil des Geistes nützlich.
  21. Ablässe sind nur für öffentliche Vergehen notwendig und werden eigentlich nur Hartherzigen und Unduldsamen gewährt.
  22. Für sechs Arten von Menschen sind Ablässe weder notwendig noch nützlich: nämlich für Tote bzw. Sterbende, für Kranke, für rechtmäßig Verhinderte, für diejenigen, die keine Vergehen begangen haben, für diejenigen, die Vergehen begangen haben, aber keine öffentlichen, für diejenigen, die Besseres tun.
  23. Exkommunikationen sind nur äußere Strafen und berauben den Menschen nicht der gemeinsamen geistlichen Gebete der Kirche.
  24. Die Christen sind zu lehren, die Exkommunikation mehr zu lieben als zu fürchten.
  25. Der Römische Bischof, der Nachfolger Petri, ist nicht der von Christus selbst im seligen Petrus eingesetzte Statthalter Christi über alle Kirchen der ganzen Welt.
  26. Das Wort Christi zu Petrus: „Alles, was du auf der Erde gelöst hast" usw.,[3] erstreckt sich lediglich auf das von Petrus selbst Gebundene.
  27. Es ist sicher, daß es überhaupt nicht in der Hand der Kirche oder des Papstes liegt, Glaubensartikel aufzustellen, ja, nicht einmal Gesetze für die Sitten bzw. guten Werke.
  28. <Auch> wenn der Papst mit einem großen Teil der Kirche so oder so dächte und auch nicht irrte, ist es solange keine Sünde oder Häresie, das Gegenteil zu denken - vor allem in einer Sache, die nicht heilsnotwendig ist -, bis durch ein allgemeines Konzil das eine verworfen und das andere anerkannt wurde.
  29. Uns ist der Weg <frei> gemacht, die Autorität der Konzilien zu entkräften, ihren Ausführungen frei zu widersprechen, ihre Dekrete zu beurteilen und zuversichtlich alles zu bekennen, was wahr scheint, ob nun von was für einem Konzil auch immer gebilligt oder verworfen wurde.
  30. Einige Artikel von Jan Hus, die auf dem Konstanzer Konzil verurteilt wurden, sind ganz christlich, höchst wahr und evangelisch; nicht einmal die gesamte Kirche könnte sie verurteilen.
  31. Der Gerechte sündigt in jedem guten Werke.
  32. Das bestens getane gute Werk ist eine verzeihliche Sünde.
  33. Daß Häretiker verbrannt werden, ist gegen den Willen des Geistes.
  34. Gegen die Türken zu kämpfen heißt, sich Gott zu widersetzen, der durch jene unsere Missetaten heimsucht.
  35. Niemand ist sicher, daß er nicht stets tödlich sündigt wegen des tief verborgenen Lasters des Stolzes.
  36. Der freie Wille nach der Sünde ist nur dem Namen nach etwas; und solange tut, was in ihm ist, sündigt er tödlich.
  37. Der Reinigungsort kann aus der heiligen Schrift, die im Kanon ist, nicht bewiesen werden.
  38. Die Seelen am Reinigungsort sind ihres Heiles nicht sicher, wenigstens nicht> alle: auch ist weder durch Vernunftgründe noch durch die Schriften bewiesen, daß sie außerstande seien, sich Verdienste zu erwerben oder die Liebe zu vermehren.
  39. Die Seelen am Reinigungsort sündigen ohne Unterlaß, solange sie Ruhe suchen und vor den Strafen schaudern.
  40. Die aus dem Reinigungsort befreiten Seelen werden durch die Fürbitten der Lebenden weniger selig, als wenn sie durch sich Genugtuung geleistet hätten.
  41. Die kirchlichen Vorsteher und weltlichen Fürsten würden nicht schlecht handeln, wenn sie alle Bettelsäcke vernichteten.

Zensur

Die vorgenannten Artikel bzw. Irrtümer verurteilen, mißbilligen und verwerfen Wir samt und sonders ganz und gar als, wie vorausgeschickt wird, - je nachdem - häretisch oder anstößig oder falsch oder fromme Ohren verletzend oder einfache Gemüter verführend und der katholischen Wahrheit widerstrebend.

Verweise


Einzelnachweise

  1. dt. Erhebe Dich, Herr
  2. vgl. 1 Kor 6,12; 10, 23
  3. Mt 16, 19