Filioque

Aus Monarchieliga
Wechseln zu: Navigation, Suche


Filioque ist ein lateinischer Zusatz zur Erklärung des Glaubensbekenntnisses von Nizäa-Konstantinopel über den Hervorgang des Heiligen Geistes.


Schisma mit der „Orthodoxie“

Das Filioque ist neben dem Papst-Primat der wichtigste theologische Streitpunkt, der eine Wiedervereinigung der römisch-katholischen und der orthodoxen Kirchen nach fast tausendjähriger Trennungsphase verhindert.

Der Text

Filioque bedeutet „und (aus) dem Sohn“. Konkret handelt es sich um folgende Stelle:

„Et in Spiritum Sanctum, Dominum et vivificantem, qui ex Patre Filioque procedit.„[1]

Dogmengeschichtliche Entwicklung

Bereits bei Tertullian,[2] Atanasius (Ep. ad Serap. 3,1), Basilius,[3] Ambrosius,[4] Augustinus (In Ioan. tr. 99,6; De Trin. XV 27, 48) und weiteren Kirchenvätern gibt es Formulierungen, auf welche sich die spätere Trinitätstheologie und die Verwendung von Filioque-Formeln stützen konnte. Dabei bevorzugen die westlichen Väter eine koordinierende Formel (der Hl. Geist gehe aus vom Vater und dem Sohn), während die östlichen Väter eine subordinierende Formel bevorzugen (vom Vater durch den Sohn).

Die Synode von Toledo billigt 447 ein modifiziertes Glaubensbekenntnis einer Vorgängersynode (Toledo 400) mit folgender Formulierung:

„spiritum quoque Paracletum esse, qui nec Pater sit ipse, nec Filius, sed a Patre Filioque procedens.
Est ergo ingenitus Pater, genitus Filius, non genitus Paracletus, sed a Patre Filioque procedens.“
„daß der Geist auch der Beistand sei, nicht der Vater selbst noch der Sohn, sondern aus dem Vater und dem Sohn hervorgehend.
Also ist ungezeugt der Vater, gezeugt der Sohn, nicht gezeugt der Beistand, vielmehr aus dem Vater und dem Sohn hervorgehend.“

Das 3. Konzil von Toledo benutzte 589 die Filioque-Formulierung, um Position gegen den Arianismus zu beziehen, der Jesus Christus nicht als göttlich ansah. Dabei sollte dieser Zusatz die Wesensgleichheit Christi mit dem Vater deutlich machen. Dies machte in der Folge die Ausarbeitung einer systematischen Trinitätstheologie erforderlich, die im Westen dann diese Formel rezipierte und entfaltete.

Karl der Große, der sich als „Herrscher und oberster Priester“ aller christlichen Völker unter seiner Führung betrachtete, ließ im Jahre 809 das filioque auf der eigens zu diesem Zweck einberufenen Synode von Aachen durch fränkische, in der Tradition Alkuins stehende Theologen, insbesondere Theodulf von Orleans, theologisch untermauern, die den durch das filioque ausgedrückten Glaubenssatz als zum integralen Glaubensgut gehörig betrachteten; die Orthodoxe Kirche und mit ihr den Kaiser in Konstantinopel klagte Karl an, den Zusatz absichtlich entfernt zu haben. Damit blieben die Franken bei dem Zusatz im Credo. Die anti-byzantinische Haltung der Karolinger mag im Rahmen ihres Strebens nach der Kaiserwürde zu sehen sein (Zwei-Kaiser-Problem).

Der damalige Papst Leo III. teilte zwar die fränkische Lehre und betrachtete sie als kompatibel mit dem Glaubensgut, akzeptierte eine Änderung des Credo jedoch nicht und ließ das nicäno-konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis ohne den Filioque-Zusatz auf Griechisch und Latein in die Peterskirche eingravieren.

Entsprechend bestätigte das 4. Konzil von Konstantinopel 879–880 das unveränderte Glaubensbekenntnis von 381 (Erstes Konzil von Konstantinopel) und erklärte sämtliche Zusätze für ungültig. Dieser Entscheid des Konzils wurde durch alle fünf Patriarchen der Kirche bestätigt, in Rom durch Papst Johannes VIII., in Konstantinopel durch Photius, außerdem in Antiochia, Jerusalem und Alexandria, sowie durch den byzantinischen Kaiser Basileios I.

Erst um 1013 ließ sich Papst Benedikt VIII. durch Kaiser Heinrich II. dazu bewegen, den Zusatz filioque lehramtlich dem Glaubensbekenntnis der Lateinischen Kirche einzufügen, wie es bereits das nur im Westen rezipierte Athanasische Glaubensbekenntnis bekannte.

Offiziell zum Dogma erhoben hat die römisch-katholische Kirche den Zusatz erst 1215 auf dem 4. Laterankonzil, also lange nach der gegenseitigen Exkommunikation des Papstes und des Patriarchen von Konstantinopel (1054).

Verweise


Einzelnachweise

  1. Und [wir glauben] an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht.
  2. Adv. Prax. 4
  3. De Spiritu Sancto 18, 47
  4. De Spiritu Sancto I 120