Friedrich Wilhelm IV.

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König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen


Friedrich Wilhelm IV. war der fünfte König des Königreichs Preußen.


Leben

Kindheit

Friedrich Wilhelm wurde am 15. Oktober 1795 im Berliner Kronprinzenpalais geboren und dort am 28. Oktober getauft. Sein Vater, König Friedrich Wilhelm III., bestieg nach dem Tode des Großvaters König Friedrich Wilhelm II. am 16. November 1797 den preußischen Thron; Königin wurde seine Frau Luise und der Zweijährige war Kronprinz.

Friedrichs Erziehrr Delbrück war Verfechter einer postaufklärerische Geistesströmung, der gefühlsbetonten Romantik. Das Denken des jungen Kronprinzen wurde grundlegend durch Novalis' 1798 veröffentlichte staatstheoretische Schriftensammlung Glauben und Liebe oder der König und die Königin geprägt. Friedrich Wilhelm gilt als der erste preußische König seit Friedrich II., dessen Erziehung nicht mehr im Sinne der Aufklärung erfolgte, sondern vor allem auf der Vermittlung von Christentum, Humanismus und Klassizismus beruhte.

Napoleonischen Kriege

Nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt wurden der Prinz am 17. Oktober 1806 von Delbrück nach Königsberg gebracht, wo seine Eltern erst am 9. Dezember 1806 eintrafen. Gemeinsam flohen sie vor den weiter vorrückenden Truppen nach Memel, wo sich die Familie mit den Wohnverhältnissen eines Kaufmannshauses begnügen mußte.

Für die s. g. Preußischen Reformen, hatte der Prinz kein Verständnis, er lehnte sie ab, da sie mit dem „ständischen Prinzip“ brachen. Als Reaktion löste der König Delbrück als Erzieher ab.

Kronprinz

Friedrich Wilhelm umgab sich gern mit interessanten Gesprächspartnern. Bedeutende Künstler, Architekten, Literaten, Wissenschaftler, Professoren und Musiker wurden zu den Abendgesellschaften des Kronprinzenpaares eingeladen. Dabei gab es in der Regel Vorlesungen oder Vorträge, bei denen Friedrich Wilhelm zuhörte und gleichzeitig auf einem Skizzenblock zeichnete. Ein häufiger und besonders gern gesehener Gast war der Naturforscher Alexander von Humboldt, den er 1805 kennengelernt hatte.

Spätestens 1810 machte Friedrich Wilhelm Bekanntschaft mit dem Architekten Karl Friedrich Schinkel, den er auch zu seinen Abendgesellschaften einlud. Schinkel prägte die architektonischen und politisch-ästhethischen Anschauungen des Kronprinzen entscheidend. Besonders eng arbeiteten beide an den Entwürfen von Schloß Charlottenhof zusammen, dem ersten eigenen Wohnsitzes des Prinzen. Dort konnte er noch als König, frei von Regierungsgeschäften, seinen Interessen nachgehen.

Verfehlte Milde gegenüber Demagogen

  • Am 2. Juli 1840 erlaubte er Ernst Moritz Arndt die Wiederaufnahme seiner Lehrtätigkeit an der Universität Bonn.
  • Im Oktober 1840 beendete er die gegen den Turnsportbegründer Friedrich Ludwig Jahn seit 1825 bestehende Polizeiaufsicht. Zwei Jahre später ordnete er die Aufhebung des Turnverbotes an.
  • Der Militärreformer Hermann von Boyen kehrte im März 1841 in sein Amt als Kriegsminister zurück, das er seit 1820 nicht mehr innegehabt hatte.
  • Die in Göttingen entlassenen Brüder Grimm wurden auf Einladung des Königs an die Königlich-Preußische Akademie der Wissenschaften berufen.
  • Alexander von Humboldt stieg in den Staatsrat auf.
  • Aufgrund einer am 10. August 1840 verkündeten Amnestie wurden alle Politkriminellen entlassen. Politisch motivierte Untersuchungen und Gerichtsverfahren wurden abgebrochen. Damit entfiel der staatspolizeiliche Auftrag der Ministerialkommission, welche auf Anordnung des Königs am 6. Oktober 1840 aufgelöst wurde.

Huldigung

Als offizielle Zeremonie des Amtsantrittes diente die Huldigung von Ständen und Untertanen in Königsberg und Berlin. Daß der König öffentliche Reden hielt, war neu, vor ihm hatte sich kein preußischer König direkt ans Volk gewandt. Nach ihm hielt erst Kaiser Wilhelm II. wieder viele öffentliche Reden. Für den König bestand ihr Sinn darin, eine engere Verbindung zwischen Monarch und Volk herzustellen.

Politik

Verfassungsfrage

Friedrich Wilhelm war an einer Lösung der Verfassungsfrage interessiert. Er unternahm hierzu konkrete Planungen. Den Kernpunkt dafür bildete die Lehre des sogenannten organischen Ständestaates, der sich auf Philosophen wie Friedrich Wilhelm Schelling und Friedrich Schlegel stützte. Bereits 1805 merkte Schlegel im Manuskript seiner „Vorlesung über Universalgeschichte“ an: „Die einzig dauerhafte Verfassung ist die ständische, durch Priester und Adel gemilderte Monarchie, sie ist auch zugleich die älteste und beste“.

Nach Ansicht der politischen Romantiker trage die Ständegliederung der naturgegebenen Ungleichheit des Menschen Rechnung. Der Einzelne solle an seinem von Gott ihm zugewiesenen Platz die Aufgaben und Pflichten erfüllen, die dem Wohl der Gesamtgesellschaft dienen. Friedrich Wilhelm IV. strebte bei der preußischen Verfassungsfrage also keine Verwirklichung einer konstitutionellen Monarchie an, sondern einen christlich-ständisch geführten Staat. Dies gab er nur zwei Monate nach dem Ende der Ständehuldigung dem Oberpräsidenten der Provinz Preußen zu verstehen:

„Ich fühle mich ganz und gar von Gottes Gnaden und werde mich so mit seiner Hilfe bis zum Ende fühlen. Glanz und List überlasse ich ohne Neid sogenannten konstitutionellen Fürsten, die durch ein Stück Papier dem Volk gegenüber eine Fiktion, ein abstrakter Begriff geworden ist.“

In der Denkschrift Vier Fragen beantwortet von einem Ostpreußen erinnerte der Königsberger Arzt Johann Jacoby den König an das uneingelöste Verfassungsversprechen Friedrich Wilhelms III. und forderte die Wahl eines preußischen Parlaments. Der König regte daraufhin einen Prozeß wegen Majestätsbeleidigung und Hochverrat gegen Jacoby an. Auf Hochverrat stand im preußischen Rechtswesen die Todesstrafe. Als sich jedoch das OLG Königsberg für nicht zuständig erklärte und das Berliner Kammergericht Jacoby irrwitziger Weise freisprach, mischte sich der verärgerte König in den Prozeß ein. Auf seinen Druck hin wurde Jacoby zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt; Jacoby legte jedoch Berufung ein und wurde danach ein weiteres Mal durch das Berliner Kammergericht freigesprochen.

Frankreich Krise

Die Gefahr eines Krieges mit dem Königreich Frankreich überschattete die Thronbesteigung Friedrich Wilhelms. In Ludwig Philipp, der durch die Julirevolution von 1830 auf den Thron gelangt war, sah er einen illegitimen Usurpatoren. Bereits kurz nach dem Regierungsantritt im Jahr 1840 kam es zu einer schweren diplomatischen Krise mit Frankreich, welche wieder einmal die Rheingrenze forderte.

Friedrich Wilhelm forderte, daß der Deutsche Bund wirkungsvoller organisiert werden müsse, um der französischen Aggression im Westen begegnen zu können. Tatsächlich beschloß der Bundestag 1842 den Bau der Bundesfestungen Rastatt und Ulm – Verteidigungsanlagen gegen Frankreich.

Beziehungen zu Österreich und Russland

Der König war stützte die Heilige Allianz. Bis zu ihrem Zerbrechen im Krimkrieg sicherte die Heilige Allianz für 40 Jahre den Frieden in Europa. Allerdings brachte er 1842 die Bundeszentralbehörde zur Durchsetzung der Karlsbader Beschlüsse zum Erliegen. Die Gemeinsamkeiten zwischen Berlin, Wien und Sankt Petersburg ermöglichten 1846 dennoch eine Einigung auf ein Vorgehen gegen die polnische Nationalbewegung. In diesem Jahr ging von der Freien Stadt Krakau, die 1815 keiner der drei Teilungsmächte zugesprochen worden war, ein neuer Aufstand aus, der auch andere polnische Gebiete erfaßte. Mit Zustimmung des russischen Zaren und des preußischen Königs annektierte Österreich daraufhin Krakau.

Religionspolitik

Anders als alle seine Vorgänger war Friedrich Wilhelm IV. tiefreligiös. Ihm schwebte ein „christlicher Staat“ im Sinne Friedrich Julius Stahls oder Karl Ludwig von Haller vor. Nur das Christentum könne die Säkularisierung, den zunehmenden Materialismus und andere als schädlich angesehene Prozesse der Modernisierung rückgängig machen und seine Untertanen vor revolutionären Utopien bewahren. Leider vermochte Friedrich Wilhelm nicht einzusehen, daß diese Gedanken nur auf katholischer Basis zu verwiklichen sind.

Dem Katholizismus stand er allerdings, im Unterschied zu seinem Vater, mit Sympathie gegenüber. Nach der Empörung über die Verhaftung des Kölner Erzbischofs Klemens August Droste zu Vischering in der Regierungszeit Friedrich Wilhelms III. lag Friedrich Wilhelm IV. viel daran, seine katholischen Untertanen mit dem preußischen Staat zu versöhnen. Um diese Versöhnung mit der katholischen Bevölkerung zu erreichen, genehmigte Friedrich Wilhelm IV. im Jahr 1840 die Gründung eines katholischen Kölner Dombau-Vereins. 1842 bereiste er die Provinzen Rheinland und Westfalen. Symbolischer Höhepunkt dieser Visitationsreise war die Grundsteinlegung zur Vollendung des Kölner Doms am 4. September 1842. Die Hälfte der hierfür anfallenden Finanzierungen kamen aus der preußischen Staatskasse. Der König trat während des Dombaufestes gemeinsam mit dem Kölner Erzbischof Johannes von Geißel auf.

Für Verhandlungen mit der römischen Kurie kündigte der König im Juni 1840 an, eine Abteilung für katholische Angelegenheiten im Kultusministerium einzurichten, die ausschließlich aus katholischen Räten bestehen sollte. Außerdem gab die preußische Regierung ihre Mischehengesetze auf und garantierte einen freien Verkehr der preußischen Bischöfe mit dem Vatikan. Die Bischöfe von Köln und Posen, zu Vischering und Martin Dunin, wurden freigelassen. Der Streit zwischen der römisch-katholischen Kirche und dem preußischen Staat war vorerst beendet. Das Selbstbewußtsein der preußischen Katholiken wurde dadurch deutlich gestärkt, was sich 1844 in der Trierer Wallfahrt zeigte: Über eine halbe Million Gläubige pilgerten in den Trierer Dom, wo eine als wundertätig geltende Christusreliquie ausgestellt wurde, der Heilige Rock.

Friedrich Wilhelm III. hatte 1817 mit der Gründung der Evangelischen Kirche in Preußen, in der Kalvinisten und Lutheraner uniert worden waren, eine unmittelbar vom Landesherrn als dem summus episcopus abhängige Institution für alle Protestanten seines Königreiches geschaffen. Als Reaktion darauf formierten sich im Jahr 1830 die sogenannten Altlutheraner. Sie nahmen für sich in Anspruch, die tatsächliche lutherische Kirche darzustellen und waren infolgedessen erheblichen staatlichen Repressionen ausgesetzt.

Friedrich Wilhelm hob das Verbot der altlutherischen Kirchenbildung auf, ließ Pfarrer frei und erteilte mit einer Generalkonzession vom 23. Juli 1845 Korparationsrechte. Er ließ mit Einschränkungen den Bau von Kirchengebäuden der Altlutheraner zu. Das konstitutionelle Prinzip, das er nach der Revolution von 1848 auf staatlicher Ebene eingeführt hatte, wurde nicht auf die evangelische Kirche ausgedehnt. Friedrich Wilhelm IV. setzte einen so genannten Oberkirchenrat ein, mit dem das obrigkeitliche Prinzip des königlichen Kirchenregiments gewaltsam aufrechterhalten wurde. Versuche, die Einheit aller Konfessionen wiederherzustellen, scheiterten.

Erstes Attentat

Der ehemalige Bürgermeister von Storkow, Heinrich Ludwig Tschech, verübte am 26. Juli 1844 am Portal des Berliner Schlosses ein Pistolenattentat auf Friedrich Wilhelm IV. und seine Gattin. Die erste Kugel, vom Mantel und dem Überrock in ihrer Durchschlagskraft geschwächt, verursachte nur eine leichte Quetschung auf der Brust des Königs. Die zweite Kugel drang in das Holzgestell der Kutsche ein, dicht über dem Kopf Elisabeths, deren Hut getroffen wurde.

Tschech hatte als Bürgermeister von Storkow wegen Konflikten mit den Stadtverordneten und dem Landrat, bei denen er ihnen Korruption vorgeworfen hatte, seinen Abschied genommen, dann aber eine Einstellung in den königlichen Dienst verlangt. Dieser war ihm verweigert worden, weswegen er sich ungerecht behandelt fühlte. Tschech steigerte sich daraufhin in die Wahnvorstellung, daß der preußische Monarch hinter diesem Vorgang steckte. Ohne Weiterbeschäftigungs- oder Pensionsansprüche, ohne die Möglichkeit, sich beim König über seine Behandlung zu beschweren, hatte er sich zu dem Attentat entschlossen.

Das Attentat erzeugte in der Öffentlichkeit zunächst Sympathien für den preußischen Monarchen, wobei man davon ausging, daß Tschech aufgrund seiner zerrütteten Psyche die Todesstrafe erspart bleiben würde. Er wurde jedoch zum Tode verurteilt und am 14. Dezember 1844 in Spandau hingerichtet. Friedrich Wilhelm IV. wäre entgegen der Ansicht seiner Minister geneigt gewesen, Tschech zu begnadigen, wenn er Reue gezeigt hätte. Tschech jedoch verzichtete auf ein Gnadengesuch.

Industrielle Revolution

Friedrich Wilhelm förderte die industrielle Revolution mit großem Eifer. Die Eisenbahn wurde vom König wegen ihrer Schnelligkeit und Bequemlichkeit als das bevorzugte Verkehrsmittel genutzt. Mitunter befuhr er in einem Extra-Zug die Strecke zwischen seinen Residenzen Berlin und Potsdam mehrfach täglich.

Sozialpolitik

Völlig korrekter Weise übte der König lediglich eine auf Freiwilligkeit beruhende Sozialpolitik. 1844 stellte er dem Verein für das Wohl der arbeitenden Klasse 15.000 Taler zur Verfügung. Zugleich erließ der König 1845 eine Allgemeine Preußische Gewerbeordnung, die erfreulicher Weise ein striktes Streikverbot beinhaltete. Wer sich mit anderen zur Einstellung der Arbeit verabredete, um den Staat oder die Arbeitgeber zu gewissen Handlungen oder Zugeständnissen zu bewegen, dem wurde eine Gefängnisstrafe von lediglich bis zu einem Jahr angedroht.

Revolution 1848

Friedrich Wilhelm versuchte die monarchische Solidarität in Europa zu stärken. Ein vorgesehener Kongreß am 25. März in Dresden wurde jedoch durch die Revolution 1848 verhindert. Am 21. März 1848 leitete der König einen Kurswechsel ein, in dem er sich an die Spitze der Revolution stellte. Der König gab bekannt, daß er die Bildung eines gesamtdeutschen Parlamentes unterstützen würde. Er ritt mit einer schwarz-rot-goldenen Armbinde durch Berlin. Von einem in Zivil gekleideten Offizier ließ er zusätzlich eine schwarz-rot-goldene Fahne voraus tragen. Tatsächlich war Friedrich Wilhelm aber von Anfang an entschlossen, bei veränderten Kräfteverhältnissen der Revolution durch eine Gegenrevolution zu begegnen.

Am 29. März 1848 setzte Friedrich Wilhelm eine liberale Regierung um den Ministerpräsidenten Ludolf Camphausen und Finanzminister David Hansemann ein. Gleichsam als Gegenpol zur Regierung Camphausen gründete der König am 30. März 1848 mit dem „ministre occulte“ ein geheimes Nebenkabinett. Diese höfische Interessensgemeinschaft, zu der der General Ludwig Leopold von Gerlach, dessen Bruder, Richter und Publizist Ernst Ludwig von Gerlach, der Gutsherr Ludwig von Massow, der General Ludwig Gustav von Thile und Anton Graf zu Stolberg-Wernigerode gehörten, redete dem König seine kurzzeitigen Abdankungsideen aus.

Als Ideengeber der „Kamarilla“ wirkten die konservativen Theoretiker Heinrich Leo und Friedrich Julius Stahl, gegen Ende 1848 traten Otto von Bismarck und Hans-Hugo von Kleist-Retzow der Gruppe bei.

Preußische Nationalversammlung

Der am 2. April 1848 von Friedrich Wilhelm einberufene zweite Vereinigte Landtag kündigte Wahlen an, aus denen eine Preußische Nationalversammlung hervorging. Am 22. Mai 1848 trat die Nationalversammlung im Weißen Saal des Berliner Schlosses zusammen. Gegenüber der Berliner Nationalversammlung kündigte Friedrich Wilhelm IV. einen Verfassungsentwurf an, der noch am gleichen Tag veröffentlicht wurde. Friedrich Wilhelm IV. ließ den Verfassungsentwurf bis Juni 1848 durch Revisionen weiter einschränken und seine Auffassung festschreiben, daß er „König von Gottes Gnaden“ sei und die Verfassung lediglich eine Vereinbarung zwischen Krone und Volk darstelle.

Kaiserwahl

Am 28. Mäz 1849 wählte die Frankfurter Nationalversammlung Friedrich Wilhelm zum „Kaiser der Deutschen“. Die so propagierte kleindeutsche Lösung hätte Österreich bereits damals aus dem deutschen Staat gedrängt. Eine Deputation trug dem preußischen König die Kaiserkrone an. Der König lehnt ab:

„Ich nehme die Krone nicht an. Alle Minister wissen es, aber sie glauben, ich heuchle. Und ich kann Gott zum Zeugen anrufen, daß ich es nicht will, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil Österreich aus Deutschland dann scheidet.“

Der Ausschluß Österreichs hätte die Vision des Königs von der Erneuerung des HRRDN endgültig zunichte gemacht, da Österreich stets Teil dieses Reiches gewesen war.

„Einen solchen imaginären Reif aus Dreck und Letten gebacken soll ein legitimer König von Preußen sich gefallen lassen? Ich sage es rundheraus: Soll die tausendjährige Krone deutscher Nation, die 42 Jahre geruht hat, wieder einmal vergeben werden, so bin ich es und meinesgleichen, die sie vergeben werden.“

Der König sah völlig richtig, daß die Revolution einen teuflischen Ursprung hatte. Die preußischen Erfolge über die Revolution wertete er als Zeichen göttlichen Beistandes. Er fühlte sich dazu bestimmt, der Revolution nicht nur in Preußen, sondern in allen deutschen Staaten den Todesstoß zu versetzen. Die Gelegenheit, sich als militärische Schutzmacht der Fürsten zu inszenieren, bot sich dem preußischen König im Königreich Sachsen, in der bayerischen Pfalz und vor allem im Großherzogtum Baden an. In Sachsen hatte König Friedrich August II. von Sachsen durch sein Festhalten am „Nein“ zur Paulskirchenverfassung einen Sturm von Aufständischen auf das Zeughaus in Dresden hervorgerufen. Da sich wegen des Einsatzes der Sächsischen Armee im Deusch-Dänischen Krieg nur wenige Truppen in der Stadt befanden, rief am 3. Mai 1849 der sächsische Außenminister Friedrich Ferdinand Freiherr von Beust preußische Unterstützung zu Hilfe und der Dresdner Maiaufstand brach aus. Der sächsische König schrieb kurz vor seiner Flucht aus Dresden einen Brief an Friedrich Wilhelm IV., in dem er ihn dazu aufforderte, den Aufstand gewaltsam niederzuschlagen.

Friedrich Wilhelm schicke am 5. Mai 1849 preußische Truppen unter Oberst Friedrich von Waldersee nach Dresden, die die Stadt am 9. Mai 1849 unter ihre Herrschaft brachten. Es wurden lediglich 700 Revolutionäre gefangen genommen und 250 Aufständische bei den Kämpfen getötet.

Krieg gegen Dänemark

Erfurter Union

Die Niederschlagung des Aufstandes in Sachsen stärkte Preußens Verhandlungsposition, einen geeinten deutschen Bundesstaat der Fürsten unter preußischer Führung zu gründen. Der bereits am 22. April 1849 vom König zum Außenminister ernannte Josef von Radowitz sollte dieses Ziel des Königs verwirklichen. Preußen sollte nach den Vorstellungen von Radowitz einer engeren Fürstenunion vorstehen, die wiederum durch eine weitere Fürstenunion lose mit Österreich verbunden bleiben sollte. Die seit den Befreiungskriegen engen Beziehungen Preußens zu Österreich, auf die Friedrich Wilhelm IV. wegen der gemeinsamen Abwehr von Revolutionen durch die Heilige Allianz bestand, wurden somit gelockert, aber nicht gekappt.

Zudem sollte vor allem das monarchische Prinzip in dem angestrebten Nationalstaat verankert werden. Grundlage hierfür war das Dreikönigsbündnis vom 26. Mai 1849 zwischen Preußen, dem Königreich Sachsen und dem Königreich Hannover. Darin verpflichteten sich die drei Monarchen für die Dauer eines Jahres, gemeinsam für die Verwirklichung einer konservativen Reichsverfassung zu wirken, die sich an dem preußischen Dreiklassenwahlrecht orientierte. Allerdings schlossen sich Ernst August I. von Hannover und Friedrich August II. von Sachsen den Forderungen des konstitutionellen Preußens nur solange an, wie das absolutistische Österreich mit Aufständen in Ungarn zu kämpfen hatte.

Baden-Feldzug

Wie zuvor im Königreich Sachsen intervenierte der König auch gegen die Revolution im Großherzogtum Baden und der Pfalz (Bayern). Zwar hatte Großherzog Leopold von Baden die Verfassung der Paulskirche vom 28. März 1849 anerkannt, doch forderten die Revolutionäre den Rücktritt der Regierung, die sofortige Volksbewaffnung und Freilassung aller politischen Häftlinge. Diese Forderungen wurden vom Großherzog abgelehnt, woraufhin badische Soldaten der Bundesfestung Rastatt sich am 11. Mai 1849 weigerten, eingesperrte Revolutionäre weiterhin zu bewachen. Bald schloß sich dem Aufstand fluchwürdiger Weise die Mehrheit der badischen Linientruppen an.

Am 10. Mai 1849 begann Friedrich Wilhelm IV. eigenhändig einen militärischen Operationsplan für die bayerische Pfalz und das Großherzogtum Baden zu entwerfen. Der König zeigte bereits hier den strategisch richtigen Gedanken, zuerst die bayerische Pfalz von Westen, von Saarbrücken her, zu sichern, dann bei Ludwigshafen über den Rhein zu gehen und von Norden aus Baden nach Süden zu besetzen.

Friedrich Wilhelm schickte unter Führung des Prinzen von Preußen 20.000 Mann unter Moritz von Hirschfeld in die Pfalz und ebensoviele unter Karl von der Groeben nach Baden. Sie operierten gemeinsam mit dem 20.000 Mann starken Bundeskorps unter Eduard von Peucker. Der König kündigte am 14. Juni 1849 „jedem auf der falsche Seite“ kämpfenden Preußen die Todesstrafe an. Dies sollte zwei vormaligen preußischen Soldaten zum Verhängnis werden, darunter Maximilian Dortu. Moralisch durch die Niederlagen der Revolution in Frankreich und Ungarn angeschlagen, verlor die 45.000 Mann starke badische Revolutionsarmee mehrere Gefechte gegen die Übermacht. Teils zogen sich die badischen Truppen in die Festung Rastatt zurück, teils traten sie, von Hirschfeld verfolgt, bis zum 11. Juli in die Schweiz über oder ergaben sich. Die von Groeben isolierte Festung kapitulierte am 23. Juli 1849. Dieses Datum markiert das Ende der Deutschen Revolution.

Triumfbogen

Friedrich Wilhelm IV. feierte architektonisch seinen Sieg über die Revolution: Er ließ neben Schloß Babelsberg, das dem Prinzen von Preußen gehörte, ein von August Kiß ausgeführtes Denkmal aufstellen, das den Erzengel Michael im Kampf mit dem Lindwurm der Revolution zeigt. Die preußische Monarchie in Gestalt des Erzengels, so die Aussage des Denkmals, habe die gottgewollte Gesellschaftsordnung gegen den Angriff der Revolution, die Mächte des Bösen, verteidigt. Nördlich des Parks Sanssouci steht ein weiteres königliches Monument, das das Ende der Revolution zelebriert: Obwohl auf dem Fries des Potsdamer Triumftors die Rückkehr römischer Soldaten erkennbar ist, so erinnert es doch an den badischen Feldzug der preußischen Armee, handelt es sich doch bei dem auf einem Pferd reitenden Feldherrn um den Prinzen von Preußen.

Reaktionszeit

Hatte in außenpolitischer Hinsicht der Deutsch-Dänische Krieg einen Wendepunkt zu Gunsten des Königs bedeutet, so geschah dies in der Innenpolitik durch die Debatten der Preußischen Nationalversammlung. Nachdem sie am 20. Juni 1848 den Verfassungsentwurf der Regierung Camphausen abgelehnt hatte, begannen sich linke Kräfte immer deutlicher durchzusetzen. Der König verlegte deshalb die Nationalversammlung nah Brandenburg/Havel.

Am 10. November 1848 entwaffnete General Friedrich von Wrangel die Berliner Bürgerwehr. Am 5. Dezember 1848 löste der König die Preußische Nationalversammlung auf und erließ daraufhin eine Verfassung. Preußen wurde konstitutionelle Monarchie.

Nachdem preußische Truppen im Sommer 1849 im Fürstentum Hohenzollern-Hechingen revolutionäre Unruhen niedergeschlagen hatten, entsagte Fürst Konstantin von Hohenzollern-Hechingen, ein Vetter des Königs, in einem Staatsvertrag den Rechten eines regierenden Fürsten zugunsten des Königs von Preußen. Im Gegenzug erhielt Konstantin eine Leibrente von 10.000 Talern und zog sich auf seine schlesischen Güter in Löwenberg zurück.

Mit dem Fürstentum Hohenzollern-Hechingen waren 1850 das Stammland und die Stammburg der Hohenzollern preußisch geworden. Zwar hatte Friedrich Wilhelm bereits 1846 mit dem Fürsten von Hohenzollern-Hechingen einen Wiederaufbau der Burg Hohenzollern vertraglich beschlossen, doch gab ihm der direkte Besitz der Burgruine neue Möglichkeiten. Unter dem Eindruck der Revolution ließ der König die Burg befestigen und mit einer Militärbesatzung versehen. Im Sommer 1851 nahm Friedrich Wilhelm IV. im Burghof die Huldigung von Vertretern der Hohenzollerischen Lande entgegen. 1850 wurde das Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen als Teil des süddeutschen Regierungsbezirks Hohenzollernsche Lande dem preußischen Staat angegliedert.

Verfassung

Nach Einarbeitung zahlreicher Änderungswünsche wie des Dreiklassenwahlrechts und Vorbehaltsklauseln zu Gunsten der Krongewalt trat die revidierte Verfassung am 31. Januar 1850 in Kraft. Am 6. Februar 1850 leistete Friedrich Wilhelm IV. im Weißen Saal des Berliner Schlosses den Eid auf die Verfassung. Obwohl ihn seine Kamarilla dazu drängte, die Verfassung komplett aufzuheben, wollte der König wegen religiöser und moralischer Skrupel keinen Wortbruch begehen. Gegenüber Kaiser Franz Josef I., der die Verfassung in Österreich wieder abgeschafft hatte, begründete der preußische König seine Entscheidung wie folgt:

„Es ist geschehen und mein Wort ist heilig und ich brech' es nicht.“

Tatsächlich erließ der König auf der Basis von Vorbehaltsklauseln der Verfassung zwischen 1852 und 1857 neun verfassungsändernde Gesetze, zu einem rechtlichen Verfassungsbruch von Seiten des Königs kam es dadurch nicht. 1853 beschloß der König die Erblichkeit eines Sitzes in dem nun geschaffenen „Herrenhaus“ für bestimmte Personen. Er behielt sich ebenso das Recht vor, einzelne Abgeordnete selbst zu bestimmen. Die Verfassung blieb bis zur Novemberrevolution 1918 gültig.

Friedrich Wilhelm akzeptierte die Verfassung, die jedem seiner Nachfolger bei Gelegenheit der Inthronisation erneut zur Anerkennung vorgelegt werden musste. Im Geheimen forderte er in seinem Testament, daß bei dieser Vorlage der jeweilige Nachfolger verpflichtet sei, der Verfassung entgegen Artikel 54 die Anerkennung zu verweigern. Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II. leisteten jedoch verfassungsgemäß einen Eid. Kaiser Wilhelm II. vernichtete im Jahr 1888 sogar eigenhändig das Testament Friedrich Wilhelms IV., damit dieser Beleg mangelnder Verfassungstreue nicht erhalten blieb.

Krankheit und Tod

Seit 1859 litt der König an einer Nervenkrankheit. Er übertrug die Regentschaft an seinen Bruder. Am 2. Januar 1861 starb der König in Schloß Sanssouci. Er wurde in der Friedenskirche Potsdam bestattet.

Ehe

Am 29. November 1823 heiratete Friedrich Wilhelm die Prinzssin Elisabeth Ludovika von Bayern. Obwohl die Verbindung politisch sowohl von preußischer als auch von bayerischer Seite aus wünschenswert war, standen der Heirat unerwartete konfessionelle Schwierigkeiten entgegen, weil Elisabeth sich zunächst weigerte, zum Protestantismus zu konvertieren, der preußische König eine katholische Kronprinzessin aber nicht akzeptieren konnte. Friedrich Wilhelm hingegen erklärte, daß ihm die Standhaftigkeit der Prinzessin diese noch teurer mache.

Erst nach umfänglichen diplomatischen Bemühungen beider Seiten gelang es, eine Kompromißformel zu finden, nach der Elisabeth ihre Konfession zwar beibehalten sollte, sich aber verpflichtete, Unterricht in den protestantischen Glaubenslehren zu nehmen, und überdies Zurückhaltung im Praktizieren des Katholizismus versprach. Nach längerer Zeit des Lebens am preußischen Hofe kam es dann schließlich zum freiwilligen Übertritt Elisabeths zum reformierten Bekenntnis der Hohenzollern. Die Ehe zwischen Friedrich Wilhelm und Elisabeth verlief allen Zeugnissen zufolge glücklich, blieb aber kinderlos.

Am 16. November 1823 wurden Friedrich Wilhelm und Elisabeth von Bayern nach katholischem Ritus per procurationem in der Hofkapelle der Münchner Residenz, danach am 29. November von Bischof Eylert in der Berliner Schloßkapelle getraut.

Verweise