Froher Tag, verlangte Stunden

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  • BWV A 18 - - - - S. 403


Das Werk

Dies ist eine verschollene Tomasschulkantate. Satz 1 entspricht dem Kopfsatz des Himmelfahrtsoratoriums, Satz 6 dem „Dominus Deus“ aus Messe F-Dur.

Text des Werks

Teil 1

Aria: Froher Tag, verlangte Stunden

Froher Tag, verlangte Stunden,
nun hat unsre Lust gefunden,
was sie fest und ruhig macht.

Hier steht unser Schulgebäude
hier erblicket Aug' und Freude
Kunst und Ordnung, Zier und Pracht.

(Rec.) Wir stellen uns jetzt vor

Wir stellen uns jetzt vor,
was unser Musenchor
vordem für einen Aufenthalt gehabt.
Zwar war es wohl zufrieden,
ihm war ein Haus beschieden,
in welchem seine Brust
der freien Künste Lust
in Fried' und Ruh' genießen konnte.
Allein von der Bequemlichkeit,
die selbiges anjetzt erfreut,
war wenig zu erblicken.
Nun hat ein einzig' Jahr.
[das,] was alt und schlecht und wankend war
verwandelt und verkehrt
und das davor gewähret,
wonach es längst gestrebet
und was ihm Sinn und Geist ermuntert und belebet.

Aria: Väter unsrer Lindenstadt

Väter unsrer Lindenstadt,
eure Vorsicht hat erbauet,
was hier die Verwundrung schauet.

Weise Väter, jeder Morgen,
zeigt und weist auf eure Sorgen,
wie es diesen Sitz beglückt,
Lehr- und Wohnplatz ausgeschmückt.

(Rec.) Begierd' und Trieb zum Wissen

Begierd' und Trieb zum Wissen
macht zwar vor sich schon aufgeweckt,
und pflegt die Unlust zu versüßen,
die uns ein rauer Ort erweckt.
Allein die Lust nimmt weit mehr zu,
wenn man in ungestörter Ruh'
in einem Platze wohnt,
in dem die Anmut thront,
die Sinn und Leib und Blut ermuntert und vergnüget,
des Lehrers Mund trägt ganz begierig vor,
was in der Brust verborgen lieget.
Der Schüler merkt und brauchet Aug' und Ohr,
um jeden Spruch und Satz in Herz und Geist zu schreiben.

Tutti: So laßt uns durch Reden

So laßt uns durch Reden und Mienen entdecken,
wie lebhaft das Herze, wie freudig es sei,
eröffnet euch, Lippen, den Vater zu loben,
die unsere Schule so prächtig erhoben,
erschallet in Worten, so wie sie uns ziemen,
erkläret die Triebe durch Danken und Rühmen,
erkläret die Freude natürlich und frei!

Nach den Reden

Aria: Geist und Herze sind begierig

Geist und Herze sind begierig,
den verdienten Dank zu weih'n.

Doch vermögen sie den Willen
auch im Werke zu erfüllen?
Nein, ach nein, ihr ganz Bestreben
kann sich weiter nicht erheben.

(Rec.) So groß ist Wohl und Glück

So groß ist Wohl und Glück,
das Gott durch sein Geschick
und unser' weisen Väter Hand
der Schule zugewandt.
Die ganze Stadt, das ganze Land
wird Nutz und Fracht davon erfahren.
Die Kirche wird nach späten Jahren
in geisterfüllten Lehrern seh'n,
was unsrer Lindenstadt gescheh'n,
da ihrer Schule Bau so wohl besorget worden.

Aria: Doch man ist nicht frei

Doch man ist nicht frei und los,
wenn man seine Schuld zu groß,
sich zu unvermögend findet.

Pflicht und Amt ist nicht erfüllt,
wenn man seine Schwäche schilt,
und den Dank in Worte bindet.

(Rec.) Wenn Weisheit und Verstand

Wenn Weisheit und Verstand
in Gönnern und Patronen
als wie in schönen Tempeln wohnen,
so wird, was dem Vermögen fehlt,
von ihrer Güte dargezählt.
Nur lege man an' Tag,
was unser Armut noch vermag,
und rufe zu des Höchsten Huld,
daß sie an unsrer Statt die Schuld,
durch tausendfaches Wohl ersetzen und vergelten wolle.

Tutti: Ewiges Wesen

Ewiges Wesen, das alles erschafft,
segne die Väter mit dauernder Kraft,
segne die Väter und Pfleger der Schule,
stärke die Häupter, die Leipzig verehrt,
schenke, was Hoffnung und Freude vermehrt,
gründe die Kinder zur Wohlfahrt der Sachsen,
laß sie stets grünen und blühen und wachsen.

Verweise