Geschichte Sachsens

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Antike

Sachsen in der Spätantike

Die Stämme der Chauken, Angrivarier und Kerusker, die sich zu den Sachsen zusammenschlossen, lebten im 1. Jh. im Nordwesten Deutschlands. Die Sachsen hatten über Jahrhunderte eine stabile Stammesverfassung mit jährlichen Versammlungen, den Thingen, bei denen alle politischen Angelegenheiten besprochen und Recht gesprochen wurde, geschaffen. Hierfür wurden Gaufürsten oder Stammesfürsten bestimmt, die auf diesen Thingen zusammentrafen, um die Interessen ihrer Stämme zu vertreten. Diese Gaufürsten hatten aber im Gegensatz zu Fürsten oder Herzögen anderer nicht sächsischer Gebiete keinen Anspruch auf das Gebiet oder Land, welches sie vertraten. Lediglich in Kriegszeiten stellten sich die Sachsen unter die Führung eines Herzogs, welcher ein angesehener Krieger war und vom Volk, genau wie die Gau- und Stammesfürsten, bestimmt bzw. gewählt wurde.

Abgesehen von Ptolemäus werden Sachsen erstmals bei Eutrop für das Jahr 285 genannt, wobei Eutrops Text zwischen 364 und 380 n. Chr. entstand. Dies ist insofern von Bedeutung, als Autoren des Altertums oft Völkernamen der Gegenwart zur Beschreibung der Vergangenheit benutzten. So ist denkbar, daß der Name um 285 noch nicht bekannt war, wenngleich Eutrop auf eine relativ gute Quelle zurückgriff, die Enmannsche Kaisergeschichte. Lobreden des 3. Jh. aus Gallien erwähnen direkt keine Sachsen, allerdings mag der Panegyricus von 297 durchaus darauf anspielen.

Der römische Autor Takitus beschreibt um 100 die Stämme Germaniens in seiner Schrift „De Origine et situ Germanorum“ und nennt verschiedene Stämme im späteren sächsischen Sprachgebiet, kennt jedoch den Sachsennamen nicht.

Der in Alexandria schreibende griechische Geograph Ptolemäus stellte seinen Atlas „Geographike Hyphegesis“ um 140 zusammen. In seiner überlieferten Form erwähnt dieser die Sachsen als zwischen Chauken und Sigulonen ansässig. Dies galt lange Zeit über als früheste Erwähnung der Sachsen in den antiken Quellen und hat dazu geführt, daß die Sachsen nach wie vor häufig auf modernen Karten Germaniens des 1./2. Jahrhunderts erscheinen.

Für das Jahr 285/286 erwähnt Eutrop einen Aufstand der Sachsen, welche zusammen mit den Franken das Meer vor Belgien und Armorica unsicher machten. Eutrops Text entstand allerdings erst am Ende des 4. Jh. und scheint mit dem Begriff „Saxones“, ähnlich den Namen „Franken“, „Alemannen“ oder „Heruler“, einen geographisch noch nicht definierten Überbegriff darzustellen, der es kaum erlaubt, Kontinuitäten mit älteren Völkerschaften festzustellen. Von „Sachsen“ wird ferner berichtet, sie unternähmen Piratenüberfälle auf die Küsten Belgiens, Britanniens und Galliens. Aufgrund häufiger Überfälle der Sachsen auf die römischen Küsten an der Nordsee und am Ärmelkanal befestigten die Römer diese Küsten und errichten entlang der Süd- und Südostküste Britanniens und an der Kanalküste Galliens den Litus Saxonicum, eine Kette stark befestigter Militärlager und Flottenstationen.

Die früheste zeitgenössische und somit gesicherte Nennung stammt aus dem Jahr 356, wo der Name der Sachsen in einer Rede des späteren Kaisers Julian zusammen mit dem Volk der Franken genannt wird. Franken und Sachsen werden in der Rede als die „streitbarsten Völker am Rhein und am westlichen Meer“ beschrieben. Sie treten in den Quellen dieser Zeit nur als kriegerische Seefahrer auf, deren Herkunft in der Regel im Dunkeln bleibt. Als Antwort auf die häufigen Überfälle errichteten die Römer entlang der Süd- und Südostküste Britanniens und an der Kanalküste Galliens um das Jahr 300 den so genannten Litus Saxonicum, eine Kette stark befestigter Militärlager und Flottenstationen.

Im 6. Jh. zogen viele Sachsen mit den Langobarden nach Italien, kehrten aber bald wieder zurück, worauf es zum Streit mit den in den ehemals sächsischen Wohnsitzen angesiedelten Sueben kam. Für das Jahr 577 und später erwähnt Gregor von Tours die „Sachsen von Bayeux“. Ab 596 wurden die britischen Sachsen zum Christentum bekehrt. Die Festlands-Sachsen blieben bei ihrem alten Glauben.

Wie andere Germanen auch, traten Sachsen in den römischen Militärdienst ein. So ist eine sächsische Schwadron, die Ala prima Saxonum in der „Notitia Dignitatum“ erwähnt. Eine erste Nachricht, die über die Ursitze der Sachsen Auskunft geben könnte, liefert der Kirchenvater Hieronymus in seiner Lebensbeschreibung des Hilarion. Ein Leibwächter das Kaisers Konstantius II. kam nach dieser Quelle aus dem Gebiet zwischen Sachsen und Alemannen, das im Text als Franken bezeichnet wird. Die ersten Erwähnungen Saxonias stammen aus dem späten 4. Jahrhundert, sind aber nicht mit klaren geographischen Vorstellungen verbunden. Einen weiteren Anhaltspunkt liefert Zosimos, der berichtet, daß Sachsen die Salfranken um die Mitte des 4. Jahrhunderts aus deren Land, der großen Rheininsel Batavia vertrieben. Verwirrend ist allerdings, daß Zosimos an dieser Stelle vom sächsischen Teilvolk der Quaden spricht, die nie am Niederrhein lebten.

Um 500 erreichten die Sachsen auch den Rhein. Im Jahre 531 zerschlugen die Franken in der Schlacht an der Unstrut[1] das Königreich Thüringen. Die Beteiligung von Sachsen an dieser Schlacht ist umstritten und beruht wahrscheinlich auf einer verfehlten Gewichtung jüngerer Autoren, diente jedoch traditionell zur Erklärung des späteren Grenzverlaufs zwischen Franken und Sachsen. Vielmehr scheinen die Sachsen infolge der Zerschlagung des Thüringer Königreiches in eine lose Abhängigkeit des Frankenreiches gelangt zu sein.

Invasion Britanniens

Ab ca. 400 lassen sich neben Angeln und Jüten auch Sachsen in Britannien nieder. Die Ortsnamenkunde läßt dabei vermuten, daß der Hauptteil dieser „Sachsen“ aus dem westlichen Niedersachsen und aus Flandern stammte. Der Begriff Angelsachsen kommt erst gegen Ende des 8. Jh. auf. Um 450 soll der britische Herrscher Vortigern Sachsen zum Schutz gegen die schottischen Pikten angeworben haben. Um 469 fiel nach Gregor von Tours der sächsische Heerführer Adovakrius (seine Identität mit dem bekannten Odoaker ist umstritten und eher unwahrscheinlich) in Gallien (Angers) ein, wurde aber von gallo-römischen Truppen zurückgeschlagen. Die Inseln der Sachsen wurden anschließend von den Franken unter Childerich I. eingenommen und verheert.

Um 500 wurden die Königreiche Sussex (= „Süd-Sachsen“), Essex (= „Ost-Sachsen“) und Wessex (= „West-Sachsen“) in Britannien gegründet. Am Beginn des 5. Jh. verlor Rom zunehmend die Kontrolle über die britischen Provinzen. Im Jahr 410 forderte Kaiser Honorius die Inselbewohner auf, sich selbst zu verteidigen. Spätestens in den 440er Jahren wurden Sachsen auf den Britischen Inseln seßhaft. Zuerst wurden sie von den Briten als Söldner angeworben, eroberten aber anschließend große Teile der Hauptinsel und siedelten sich dauerhaft an. Ihre angeblichen Anführer waren Hengest und Horsa. Ursprünglich wurden die Sachsen der britischen Inseln und jene des Festlands unterschiedslos als Sachsen bezeichnet. Erst im Verlauf des frühen Mittelalters wurde der Begriff Angelsachsen vermutlich von Paulus Diakonus zur Unterscheidung der britischen Sachsen von denen auf dem Festland eingeführt, bis er sich ab dem 9. Jh.durchsetzte.

Gregor von Tours berichtet vom Einfall des sächsischen Heerführers Adovacrius nach Gallien (Angers), wobei er aber von den gallo-römischen Truppen zurückgeschlagen wurde. Die Inseln der Sachsen wurden anschließend von den Franken unter Childerich I. eingenommen und verheert. Der sächsische Einfall fand Gregor zufolge nach dem Tod des Ägidius statt.

Sachsen im 6. und 7. Jh.

Nicht restlos geklärt ist die Frage, ob die Sachsen maßgeblich an der Unterwerfung des Thüringerreiches durch die Franken beteiligt waren. Die drei wichtigsten Quellen, die davon berichten, sind ein Bericht Rudolfs von Fulda, die Sachsengeschichte des Widukind von Korvey aus dem Jahr 968 und die Quedlinburger Annalen.

Insbesondere, weil alle drei Quellen lange nach der Niederwerfung des Thüringerreiches entstanden, wird ihre Glaubwürdigkeit diesbezüglich in Frage gestellt. Auch kann davon ausgegangen werden, daß die zwei letzteren Quellen auf den Bericht des Rudolf von Fulda zurückgriffen, der vermutlich ein persönliches Interesse an der Darstellung einer alten sächsisch-thüringischen Grenze an der Unstrut hatte. An der Unstrut lag zu Rudolfs Zeiten die Grenze zwischen dem Erzbistum Mainz und dem Bistum Halberstadt, während die sächsisch-thüringische Grenze auch im 9. Jh. höchstwahrscheinlich am Harz lag. Vor allem berichtet keine zeitgenössische Quelle (Gregor von Tours, Prokop von Kaesarea) von einer sächsischen Beteiligung.

Hingegen scheinen die Sachsen in der ersten Hälfte des 6. Jh. ihrerseits unter fränkischen Einfluß gelangt zu sein. Als im Jahr 555 der fränkische König Theudebald starb, erhoben sich die Sachsen allerdings gegen Chlotar I. Dieser zog gegen die Aufständischen, wobei er Thüringen verwüstete, da die Thüringer den Sachsen offenbar Hilfstruppen gestellt hatten. Im Jahre 556 fand eine erneute sächsische Erhebung statt, in der die Sachsen die ihnen auferlegten Zwangsabgaben verweigerten. Gregor von Tours schreibt in diesem Zusammenhang von einer Niederlage Chlotars, während Marius von Avenches von einem erneuten Sieg Chlotars berichtet. Unsicherheit besteht bezüglich der Erwähnung einer dritten Auseinandersetzung, bei der Sachsen in Franken eingedrungen und bis in die Nähe von Deutz vorgestoßen sein sollen.

Während der Völkerwanderung hatten sich Sachsen nicht nur in Britannien, sondern auch in anderen Gegenden, etwa in Westfrankreich niedergelassen. Gregor von Tours erwähnt Sachsen um Bayeux in der heutigen Normandie. Unter ihnen war ein gewisser Childerich, der Gregor persönlich bekannt war und zum Herzog im Gebiet links der Garonne aufstieg. Einige Sachsen hatten offenbar die Langobarden im Jahr 568 auf ihrem Zug nach Italien begleitet. Nach Gregor von Tours fielen diese Sachsen später im Gebiet von Riez im südöstlichen Gallien ein, schlossen dann aber mit dem Feldherrn Mummolus einen Vertrag und schworen, dem fränkischen König als Hilfstruppen zu dienen. Sie sollten sich in der Gegend ansässig machen, von der sie einst ausgezogen waren. Als sie dort ankamen, waren nach der Erzählung inzwischen allerdings bereits Sueben angesiedelt worden, die den Sachsen zwei empfindliche Niederlagen zufügten. Von den meisten Forschern werden die Wohnsitze dieser Sachsen und Sueben im Bereich der Bode vermutet, wo der Schwabengau angeblich noch an letztere erinnert. Wahrscheinlicher ist aber, daß es sich um eine Region in Gallien handelt.

Eine hohe Stellung erreichte im 7. Jh. der Sachse Aighyna, der vermutlich von der gallischen Atlantikküste, möglicherweise aber auch aus England stammte. Unmittelbar an den Regierungsantritt von Dagobert I. als Teilkönig im fränkischen Reichsteil Austrien scheint sich ein sächsischer Aufstand angeschlossen zu haben. Im Zuge eines darauf folgenden fränkischen Angriffs wurde der sächsische Führer Bertoald von Dagoberts Vater Chlotar II. angeblich im Zweikampf besiegt und das Land der Sachsen verwüstet. In den folgenden Jahren entglitt den Merowingern die Herrschaft über die sächsischen Volksgruppen zusehends.

Nach der fränkischen Niederlage gegen Samo schickten die Sachsen Gesandte an Dagobert, mit der Bitte, ihnen die Zwangsabgaben von jährlich 500 Kühen zu erlassen, wenn sie dafür im Ausgleich auf eigene Kosten gegen Eindringlinge kämpfen und die fränkischen Grenzen schützen würden. Der Tod des Hausmeiers Pippin I. d. Ä. im Jahr 640 führte zu einer Krise innerhalb des Frankenreiches, die sich zuspitzte, bis das Heer Sigiberts III. unterstützt von Pippiniden in Thüringen einfiel, wo sich Herzog Radulf an der Unstrut verschanzt hatte. Das Heer des Königs mußte sich geschlagen zurückziehen, worauf Radulf mit „benachbarten Stämmen“, worunter wohl die Sachsen zu verstehen sind, Frieden schloß.

In der Folgezeit scheinen sächsische Gruppen über Soest und Brilon bis zum Ruhrbuckel, zur Lippe und zur Issel vorgedrungen zu sein. Dies ist allerdings nur aus archäologischen Funden zu rekonstruieren, da schriftliche Quellen zu diesen Vorgängen schweigen. Allerdings ist die Auswertung archäologischer Funde diesbezüglich problematisch, da die Ausbreitung von Kunststilen und Waffentypen nicht zwangsläufig Rückschlüsse auf die Ausbreitung von Völkern erlaubt. Das Fürstengrab in Beckum beispielsweise wurde lange als das eines sächsischen Landnahmeführers interpretiert. Heute sieht man in dem Toten eher einen fränkischen Adeligen.

Frankenzeit

Im 7. Jh. begannen die Sachsen Herzöge zu wählen, zunächst wohl nur in Kriegszeiten. Diese Verwaltungshierarchie könnte aber durchaus auch auf eine fränkische Oberherrschaft hindeuten, da die Bezeichnungen der Herzöge ausschließlich in fränkischen Quellen überliefert sind. Die wahrscheinlich fränkischen Herzöge versuchten, Autonomie zu erlangen, und stellten sich an die Spitze des Widerstandes gegen die unter den Pippiniden ausgerufene Christianisierung aller Landesteile, so auch der Sachsen. 738 erfolgte ein erster Versuch der festeren Unterwerfung unter die fränkische Krone durch Pippin den Jüngeren. Dieser führte ein Heer nach Sachsen und machte dieselben wenige Jahre später tributpflichtig.

Der Versuch der Einführung des Christentums in die größtenteils schon abhängigen Gebiete führte zu den mehr als dreißig Jahre dauernden Sachsenkriegen Karls des Großen. 772 wurde die sächsische Eresburg erobert und das wichtigsten religiösen Zentrums der sächsischen Religion, die Irminsul zerstört. Im Jahre 775 erfolgte ein zweiter Feldzug der Franken. Die strategisch wichtige Sigiburg hoch über der Ruhr wurde erobert. Im folgenden Jahr wurden die Westfalen besiegt und an der Quelle der Lippe zur Taufe gebeten. Ein weiteres Jahr später berief Karl der Große eine fränkische Reichsversammlung nach Paderborn ein, inmitten des Landes der besiegten Sachsen. Das gescheiterte Engagement Karls in Spanien ließ die Sachsen ihren Unabhängigkeitskampf unter Führung Herzogs Widukind wiederaufnehmen.

782 erfolgte die Strafexekution bei Verden an der Aller. 785 wurde Herzog Widukind in Attingen getauft. Damit gehörten die Sachsen zum fränkischen Reich und Aufgebot. 794 war die entscheidende Schlacht auf dem Sintfeld. 798 Schlacht bei Bornhöved. 799 fand als Machtdemonstration Karls erneut eine Reichsversammlung in Paderborn statt. 804 waren dann die Sachsenkriege beendet. Die letzten Aufständigen wurden mit ihren Familien deportiert. Nordalbingien überließ Karl den mit ihm verbündeten Abodriten, da ihm ein weiteres Vorrücken über die Elbe hinaus zu gefährlich erschien.

809 einigten sich Gesandte Karls sich mit Gesandten des dänischen Königs auf die Eider als Grenzfluß zwischen dem Frankenreich und Dänemark. Karls Einfluß auf die Sachsen endet bei der Burg Esesfeld am Übergang der Marsch zur Geest; die Sachsen Nordalbingiens hielten an ihren Traditionen und ihren Fürsten auf der Geest fest. 841–843 kam es mit dem „Stellinga-Aufstand“ letztmals zu Aufständen des sächsischen Volkes, angestachelt durch Lothar I., der Verbündete im Kampf gegen seinen Bruder Ludwig den Deutschen suchte. Die verbliebenen Babenberger flüchteten in den Schutz Ottos des Erlauchten und seiner Frau.

Im Deutschen Reich

Im 9. Jh. wurde das Herzogtum Sachsen, bestehend aus den Teilen Engern, Westfalen, Ostfalen und Nordalbingien. Der Landesherr hat in Nordalbingien nur in der Marsch etwas zu sagen, auf der Geest regieren nach wie vor die traditionellen sächsischen Fürsten und Fürstenfamilien.

Mit Heinrich I. wurde im Jahr 919 ein sächsischer Herzog deutscher König. Ihm folgten die ersten deutschen Kaiser Otto der Große, Otto II. und Otto III. Die Epoche der Kaiser aus dem Hause der Liudolfinger endete mit dem Tod Heinrichs II. im Jahr 1024. Während dieses Jahrhunderts lag der politische und kulturelle Schwerpunkt des Reiches im Gebiet der Sachsen.

Nach der Achtserklärung Heinrichs des Löwen im Jahr 1180, wegen dessen Weigerung, dem Kaiser Friedrich Barbarossa Heerfolge nach Italien zu leisten, zerschlug der Kaiser das alte Stammesherzogtum Sachsen. Westfalen wurde in kirchlichen Besitz übergeben; Heinrich dem Löwen blieben Braunschweig und Lüneburg, die Fürsten und Bischöfe wurden für reichsunmittelbar erklärt; der Name Herzogtum Sachsen haftete nur noch einem kleinen Landesteil an der Elbe an.

Am 6. Januar 1423 wurde dieser Teil dem Markgrafen von Meißen, Friedrich dem Streitbaren, verliehen. Da der Herzogtitel die höhere Würde besaß, führte dieser von nun an den Titel „Herzog von Sachsen“, wodurch der heutige Freistaat Sachsen seine Bezeichnung bekam. Die Bewohner dieses Landstriches waren Nachfahren der seit dem 7.Jh. ansässigen Slawen (Sorben, Wenden), vor allem aber der im Zuge der Ostexpansion seit dem 12. Jh. eingewanderten mitteldeutschen Siedler aus den Gebieten des heutigen Thüringens und Hessens und hatten bis zur Namensübertragung keinen historischen Bezug zum ehemaligen sächsischen Stammesverband. Dieses neue Herzogtum Sachsen wurde danach lange als Obersachsen bezeichnet, das historische sächsische Siedlungsgebiet als Niedersachsen. Letztere Bezeichnung wurde bei der Auflösung Preußens nach dem Zweiten Weltkrieg als Name des heutigen Bundeslandes Niedersachsen wiederbelebt.

Sachsen im Deutschen Reich

Nachdem im Jahre 911 der Franke Konrad zum ersten Deutschen König gewählt worden war, wurde 919 der sächsische Herzog Heinrich als König Heinrich I. zum König des Deutschen Reiches gewählt.

  • Im Jahre 929 erhoben sich die Redarier, Abodriten und Lutizen gegen Heinrich I. Durch die Eroberung der Burg Lenzen konnte König Heinrich den Kampf für sich entscheiden.
  • Die Schlacht bei Riade am 15. März 933 war eine Schlacht König Heinrichs I. gegen die Ungarn.

936 trat der Sohn Heinrichs, Otto I. die Regierung an. Er regierte zunächst ohne einen Herzog von Sachsen, mußte aber gegen Ende seiner Regierungszeit einen Herzog einsetzen, Bernhard I., den ältesten Sohn Hermann Billungs.

Im Jahre 955 siegte Otto in den Schlachten auf dem Lechfeld und an der Recknitz. Otto gliederte das gesamte Gebiet östlich von Elbe und Saale in die sächsiche Ostmark ein.

Am 24. Juli 972 unterlag in der Schlacht bei Zehden der von Kaiser Otto I. eingesetzte Markgraf Hodo den Heeren Misekos.

Im Jahre 973 kam Otto II., im Jahre 983 Otto III. zur Regierung.

Wendenaufstand von 983

Im Jahre 983 kam es zu einer Erhebung der Wenden in Brandenburg gegen die Sachsenherzöge.

Ab 985 unternahmen die Könige gemeinsam mit den polnischen Fürsten jährliche Kriegszüge, um das Gebiet wieder zu unterwerfen. Doch erwiesen sich diese Feldzüge als weitgehend wirkungslos.

Im Jahre 1002 kam der Liudolfinger Heinrich II. zur Regierung. Er entschloß sich zu einem Wechsel der Politik: Im Jahre 1003 schloß er ein Bündnis mit den Lutizen und führte ab 1004 statt dessen Kriege gegen das bisher verbündete Herzogtum Polen unter Boleslaw I. Die heidnische Herrschaft der ostgermanischen Lutizen konnte sich so bis ins 12. Jahrhundert halten.

Die Bischöfe von Brandenburg und die Bischöfe von Havelberg lebten fortan als Titularbischöfe außerhalb ihrer Bistümer.

1066

1043 richtete der christlich erzogene und getaufte Obotritenfürst Gottschalk in Einvernehmen mit Erzbischof Adalbert von Bremen das Bistum Oldenburg wieder ein und ließ auf dem St. Georgsberg bei Ratzeburg ein Kloster einrichten. Im Jahre 1066 brach dann ein großer Aufstand der heidnischen Germanen aus und das Kloster wurde zerstört. Der hl. Answer und achtzehn Mönche wurden von den Aufständischen gesteinigt.

Bei diesem Aufstand erlitten die Heiligen Eppo und Gottschalk in Lenzen an der Elbe das Martyrium. Mit ihnen starben etwa 60 Priester. Bischof Johannes von Mecklenburg wurde in Retra am Altar des Radegast geopfert. Die Christenverfolgungen erstreckten sich bis nach Hamburg und Schleswig.

Unter Bischof Vizelin wurde dann die Missionstätigkeit von Norden aus kommend wieder aufgenommen. Einer seiner Stützpunkte war Lübeck, das Graf Adolf II. von Schauenburg an Stelle der 1138 in Folge von Stammesfehden zerstörten Siedlung Alt-Lübeck gegründet hatte. Die Bewohner waren bereits Christen, so daß Vizelin 1150 ein erstes Gotteshaus weihte.

Heinrich IV.

Heinrich IV. mußte einen Krieg gegen die aufständigen Sachsen führen. Heinrich V. ließ Lothar durch Fürstenspruch das Herzogtum Sachsen entziehen und belehnte damit Graf Otto von Ballenstedt, einen der beiden Schwiegersöhne des früheren Herzogs Magnus. Nach wenigen Monaten verlor der Askanier wieder diese Würde, weil Heinrich sich vorübergehend mit Lothar von Supplinburg aussöhnte. 1115 besiegte Herzog Lothar den Kaiser dann in der Schlacht bei Welfesholz, so daß seine Stellung in Sachsen unanfechtbar wurde. Konrad III. belehnt den Askanier Albrecht den Bären mit Sachsen. Dieser muß jedoch 1141 verzichten. Seine Söhne können jedoch Sachsen-Lauenburg, Sachsen-Wittenberg, Weimar-Orlamünde, Anhalt sowie Brandenburg halten.

Heinrich der Löwe

1142 wurde Heinrich der Löwe, begünstigt durch Richenza und ihre Tochter Gertrud, mit Sachsen belehnt. Heinrich der Löwe betrieb eine intensive Expansionspolitik und gab dem Herzogtum Sachsen seine größte Ausdehnung. Er nahm für sich auch selbstherrlich das Recht in Anspruch, die sächsischen Bischöfe einzusetzen, sowie neue Grafschaften einzurichten. Am 13. April 1180 entzog Kaiser Friedrich I. Barbarossa seinem Vetter Heinrich dem Löwen mit der Gelnhäuser Urkunde das Herzogtum Sachsen. Der Herzogstitel fiel an die Askanier mit Bernhard I. bzw. III., den jüngsten Sohn Albrechts des Bären.

Auf dem Territorium Sachsens entstanden nun selbständige Grafschaften und Bistümer. Das Herzogtum Westfalen wurde den Erzbischöfen von Köln unterstellt. Nach Erbteilungen entstanden 1296 die Herzogtümer Sachsen-Lauenburg und Sachsen-Wittenberg. 1356 wurden die Wittenberger Askanier durch die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. mit der Kurwürde beliehen und damit zu Kurfürsten von Sachsen. Nach dem Aussterben der Askanier im Mannesstamme 1422 gingen Herzogtum und Kurwürde 1423 an die meißnischen Wettiner und deren elbaufwärts gelegene Herrschaftsgebiete Obersachsen über.

Verweise


Einzelnachweise

  1. auch: Schlacht bei Burgscheidungen