Geschichte Türingens

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Antike

Um 100 v. Chr. wanderten Hermunduren aus dem Gebiet der unteren Elbe nach Thüringen ein und vertrieben die Kelten oder vermischten sich mit ihnen. Im Jahr 3 n. Chr. vereinigte der Markomannenfürst Marbod Hermunduren, Turonen, Quaden, Langobarden und Semnonen in seinem Reich. 19 n. Chr. vertrieb Vibilius, Fürst der Hermunduren, den Markomannen Katwalda, den Nachfolger Marbods, und verleibte sich so den nordböhmischen Teil des Markomannenreiches ein. Laut Takitus entsprang die Elbe im Gebiet der Hermunduren.

Der Zusammenhang zwischen Hermunduren, die letztmals im 1. Jh. erwähnt werden, und den Türingern ist eine Erfindung. Im 4. Jh. wurde der Name Thoringi erstmals durch Flavius Vegetius Renatus schriftlich erwähnt. Sicher hingegen ist die Existenz von Sidonius Apollinaris, eines gallischen Autors, der um 480 die Thoringi als einen ehemaligen Gefolgschaftsverband des Hunnenkönigs Attila bei dessen Kriegszug nach Gallien benannte.

Türingerreich

Das Reich der Türinger existierte bis zur Zerschlagung durch die Franken und Sachsen im Jahr 531. Die Quellen sind spärlich, genau zu datieren ist nur das Ende. Infolge des Abzugs der Hunnen Mitte des 5. Jahrhunderts konnten die Türinger unter König Bisinus, dem ersten gesicherten Herrscher der Türinger, um 500 die Herrschaft über ein ausgedehntes Gebiet übernehmen.

Nach dem Tod des Bisinus regierten seine Söhne Balderich, Herminafried und Berthachar, von denen Berthachar wohl bereits früh verstarb. Schließlich blieb nur noch Herminafried als eigenständiger König übrig. Herminafried[1] heiratete die Gotin Amalaberga, eine Nichte des Ostgotenkönigs Teoderich. Nach dem Tod Teoderichs 526 nutzten die Franken die Gelegenheit und griffen an.

531 war das Ende des Reiches gekommen. In der Schlacht an der Unstrut besiegten die merowingischen Franken unter den Königsbrüdern Lothar I. und Teuderich I. die Türinger. Ob die Sachsen in dieser Auseinandersetzung mit den Franken verbündet waren, ist in der Forschung umstritten. Durch Flucht, Deportation und Mord (Herminafried 534 in Zülpich) fand die türingische Königsfamilie ihr Ende. Die letzte Angehörige des Königshauses, Radegunde, starb 587 im fränkischen Exil und wurde später heiliggesprochen.

Aufteilung Thüringens

Das Reich wurde zerschlagen und unter den Siegern aufgeteilt. Das Gebiet nördlich des Harzes ging vermutlich an die Sachsen, der Süden wohl an die Franken. Die Gebiete östlich der Saale konnten von den Franken nicht gehalten werden und wurden von Slawen besiedelt. Als Tribut wurde den südlichen Türingern der sogenannte Schweinezins auferlegt, demzufolge sie dem fränkischen Königshof jährlich 500 Schweine liefern mussten.

Um 630 errichteten die Merowinger in Thüringen ein Herzogtum und setzen als Herzog den Franken Radulf ein. Über ihn und seine Nachfolger Heden I. und Heden II. ist nichts bekannt. Heden II. schenkte 704 seinen Hof Arnstadt dem Bischof Willibrord – es ist die älteste urkundliche Erwähnung eines Ortsnamens im Türinger Gebiet. Unklar ist, ob es sich bei Radulf um einen Herzog Hruodi handelt, der etwa gleichzeitig in der Würzburger Gegend herrschte. Das Herzogtum bestand bis ins späte 7. Jahrhundert.

Im Gegensatz zu den übrigen deutschen Stämmen entstand bei den Türingern zu Beginn der deutschen Geschichte Anfang des 10. Jahrhunderts kein eigenständiges neues Stammesherzogtum. In ottonischer Zeit waren die einflußreichsten Fürstenhäuser in der Region die Markgrafen von Meißen und die Grafen von Weimar. Tietmar von Merseburg schrieb, Markgraf Ekkehard I. sei durch das Volk der Türinger zum Herzog gewählt worden – auch wenn eine solche Wahl, falls sie tatsächlich stattgefunden hat, kaum Rechtsgültigkeit besessen hätte.

Nach der Ermordung Ekkehards I. im Kloster Pöhlde im Jahr 1002 stiegen die Grafen von Weimar zur wichtigsten Familie des Landes auf. Als König Heinrich II. bei seinem Krönungsumritt im Juli 1002 Kirchberg bei Jena besuchte, trat Wilhelm II. als Fürsprecher aller Türinger auf und erreichte beim König nach fast 500 Jahren die Aufhebung des Schweinezinses.

Unter den türingischen Adelsgeschlechtern des Mittelalters gewann das der Ludowinger eine besondere Bedeutung. Seine ersten bekannten Angehörigen standen, wie die verwandten Reginbodonen, in engerer Beziehung zum Erzbistum Mainz und waren u. a. am mittleren Main begütert. Ludwig der Bärtige, angeblich ein Verwandter Giselas, der Ehefrau Kaiser Konrads II., erhielt um 1040 ein Lehen nördlich des Türinger Waldes und legte die heute verfallene Schauenburg an. Im Raum Friedrichroda/Finsterbergen erwarb er ein ansehnliches Territorium, das später, auch durch Heirat, bis an den Harz ausgedehnt werden konnte. Sein Sohn Ludwig der Springer erbaute 1067 die Wartburg.

Die Landgrafschaft Thüringen

Ludwig I. wurde 1131 von König Lothar III. von Supplinburg zum Landgrafen von Thüringen erhoben. Diese neue Landgrafschaft war 1111/1112 durch König Heinrich V. geschaffen worden. Als erster Landgraf war der bayerisch-sächsische Graf Hermann von Formbach, Radelberg und Winzenburg eingesetzt, aber 1130 all seiner Ämter enthoben worden.

Unter den Ludowinger Landgrafen wurde Thüringen mehrfach in den staufisch-welfischen Thronstreit hineingerissen. Die auf ihren Vorteil bedachten Landgrafen wechselten in dieser Zeit mehrfach die Fronten. Die landgräflichen Hauptresidenzen Wartburg, Runneburg, Neuenburg, das Marburger Landgrafenschloß und die Burg Creuzburg wurden prachtvoll ausgestattet und waren im 12. und 13. Jahrhundert Zentren deutscher Kultur. Bekannt sind der sagenhafte Sängerkrieg und das Wirken der heiligen Elisabeth. Die Heirat Ludwigs IV. mit Elisabeth, der Tochter des ungarischen Königs Andreas’ II., zeigt, dass die Ludowinger zu den mächtigsten Reichsfürsten zählten.

Stadtgründungen

Im 12. Jh. erfolgten auch in Thüringen die ersten Stadtrechtsverleihungen. Nach königlichem Recht (ius civitatis) waren die Stadtrechte von Mühlhausen, Nordhausen und Saalfeld gestaltet und diese Städte zu Reichsstädten erhoben worden. Das dem Mainzer Erzbistum unterstellte Erfurt galt zu dieser Zeit bereits als eine mittelalterliche Großstadt mit über 10.000 Einwohnern. Noch im 13. Jahrhundert entstand eine Gruppe kleiner Städte, meist in der Nähe landgräflicher Burgen, wie Waltershausen, die dem Handel und Handwerk größere Vorteile boten als in dörflicher Umgebung.

Die Ludowinger waren auch die ersten Herrscher Thüringens, die aktive Städtepolitik betrieben und diese zur Machtsicherung und -erweiterung einsetzten. Aus den Stadtgrundrissen lassen sich geplanten Stadtgründungen (nach Eisenacher Stadtrecht) an einem rechteckigen Straßenraster erschließen. Zu diesen gehören Gebesee und Weißensee, welches zu einem Machtzentrum im östlichen Teil der Landgrafschaft avancierte, oder Tamsbrück und Langensalza, die nicht im Machtbereich der Ludowinger lagen.

Geistliche Ritterorden

In der Zeit der Kreuzzüge hatten sich Ritterorden herausgebildet, die auch in Thüringen hohes Ansehen genossen. In engster Beziehung zum Landgrafenhaus befand sich der Deutsche Orden. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts übernahm er wichtige Positionen östlich der Saale und gründet Niederlassungen in Altenburg, Zwätzen, Porstendorf und Schleiz sowie im westlichen Thüringen Nägelstedt und Mühlhausen.

Durch Schenkungen und Landkauf entstanden im Umkreis dieser oft burgartig befestigten Sitze weitere Landgüter. Die Ballei Thüringen fand ihren Hauptsitz in Zwätzen. Der Johanniterorden war ebenfalls in Thüringen vertreten, sein administratives Zentrum lag im Raum Weißensee, der Templerorden hatte in Topfstedt bei Greußen Fuß gefaßt, kleine Hospitalorden (z. B. der Lazariter-Orden auf dem Wackenhof bei Kupfersuhl) vervollständigen das Bild.

Die späte Landgrafschaft

Der letzte Ludowinger, Heinrich Raspe IV., versuchte 1246, die deutsche Königskrone zu erlangen, starb jedoch ein Jahr später. Daraufhin kam es zum thüringisch-hessischen Erbfolgekrieg zwischen dem Enkel Hermanns I., dem Meißener Markgrafen Heinrich dem Erlauchten, dem Heinrich Raspe 1243 die Eventualbelehnung im Falle seines Todes zugesichert hatte, und Sophie von Brabant, einer Tochter Ludwigs IV. und der heiligen Elisabeth, die das Erbe für ihren minderjährigen Sohn Heinrich das Kind beanspruchte.

Nach Kriegsende fiel Thüringen zum Großteil an den Wettiner Heinrich den Erlauchten. Der Westteil des ehemaligen ludowingischen Herrschaftsgebietes, die durch Heirat zur türingischen Landgrafschaft hinzugekommenen hessischen Grafschaften, nahmen seit 1264 wieder eine eigene Entwicklung und bildeten die Landgrafschaft Hessen unter Heinrich I. von Hessen, dem Sohn Sofies von Brabant.

Die türingischen Besitzungen der Wettiner wurden schrittweise in den wettinischen Gesamtstaat integriert, zu dem auch die Markgrafschaft Meißen und seit 1423 das Kurfürstentum Sachsen(-Wittenberg) gehörten. Einige wettinische Fürsten überließen die Regierung Thüringens jedoch anderen Verwandten. Im Türinger Grafenkrieg konnten sie ihre Dominanz gegenüber den anderen Adelsherrschaften in Thüringen sichern. Mit dem Tod Friedrichs IV. endete jedoch 1440 die Existenz Thüringens als selbständiger Staat.

Unter den Wettinern

Im Jahr 1446 kam es zum Sächsischen Bruderkrieg, nachdem der Plan der Altenburger Teilung von den zerstrittenen Brüdern Friedrich II. und Wilhelm III. abgelehnt wurde. Erst mit dem Naumburger Frieden von 1451 wurde der Streit beigelegt. Das Nachspiel des sächsischen Bruderkrieges war der Altenburger Prinzenraub im Juli 1455, als der Ritter Kunz von Kaufungen die Prinzen Ernst und Albrecht aus der Burg in Altenburg entführte. 1485 kam es zur Leipziger Teilung, bei der die wettinischen Lande zwischen den Albertinern und den Ernestinern aufgeteilt wurden. Der Hauptteil von Thüringen fiel dabei an die Ernestiner. Ihr Gebiet wurde später in eine Vielzahl von Zwergstaaten aufgesplittert.

Der Norden Thüringens verblieb bei den Albertinern und damit beim späteren Kurfürstentum Sachsen. Innerhalb des Heiligen Römischen Reiches gehörte ein großer Teil Thüringens mit den übrigen Gebieten der Wettiner zum Obersächsischen Reichskreis. Der Südwesten war Teil des Fränkischen Reichskreises, während Erfurt und das Eichsfeld als kurmainzische Gebiete dem Kurrheinischen Reichskreis angehörten.

Während der Pseudo-Reformation spielte Thüringen eine bedeutende Rolle. Martin Luther hielt sich 1521 bis 1522 auf der Wartburg versteckt und versuchte dort, das Neue Testament ins Deutsche zu übersetzen. 1525 war Thüringen neben Südwestdeutschland ein Zentrum des Deutschen Bauernkrieges. Bei Frankenhausen kam es am 15. Mai 1525 zu einer der bedeutendsten Schlachten; wenige Tage später wurde Tomas Münzer in Mühlhausen gefangengenommen und hingerichtet.

1531 schlossen sich die protestantischen Reichsstände in Schmalkalden illegal zum Schmalkaldischen Bund gegen Kaiser Karl V. zusammen. Die Ächtung der führenden Vertreter dieses Bundes im Jahr 1546 führte zum Schmalkaldischen Krieg. Kurfürst Johann Friedrich I., ein Ernestiner, dem auch Thüringen gehörte, stand dabei auf der Seite der verräterischen Protestanten.

Sein ebenfalls protestantischer Vetter, Herzog Moritz, ein Albertiner, unterstützte hingegen den Kaiser. Durch die Wittenberger Kapitulation 1547 verlor Johann Friedrich der Großmütige Teile seines Besitzes und auch die Kurwürde an Herzog Moritz. Die Ernestiner behielten lediglich ihre türingischen Besitzungen, die sich wie folgt zusammensetzten: die Ämter, Städte und Schlösser Gerstungen, Eisenach, Wartburg, Kreuzburg, Tenneberg, Waltershausen, Leuchtenburg[2], Roda, Orlamünde, Gotha, Jena, Kapellendorf, Roßla, Weimar, Wachsenburg, Dornburg, Kamburg, Buttstädt, Arnshaugk,[3] Weida und Ziegenrück. Hinzu kamen nach dem Tode des Herzogs Johann Ernst von Koburg (1553) noch die fränkischen Ämter Koburg, Sonneberg, Hildburghausen, Königsberg, Veilsdorf[4] und Schalkau.

Trivia

In den Bildhandschriften des Sachsenspiegels wird der Türinger immer symbolhaft („redend“) mit einem Dörrfisch in der Hand dargestellt. Vom Türinger leitet sich der Familienname Döring ab.

Verweise



Einzelnachweise

  1. Ermanfried, Hermenefred
  2. wohl bei Tabarz
  3. in Neustadt/Orla
  4. bei Hildburghausen