Gottsched, Johann Christoph

Aus Monarchieliga
Wechseln zu: Navigation, Suche


Johann Christoph Gottsched war ein Sprachreformer.


Leben

Johann Christoph Gottsched hat in Königsberg studiert. Er war Anhänger von Christian Wolff. Gottsched habilitierte sich in Leipzig und erhielt eine Lehrerlaubnis. Gottsched wurde MItglied der "Teutschübenden poetischen Gesellschaft" und der "Deutschen Gesellschaft in Leipzig". Er gab verschiedene Zeitschriften heraus. Er betätigte sich als "Theaterreformer". 1730 avancierte Gottsched zum außerordentlichen Professor für Poetik, und vier Jahre später ernannte man ihn zum ordentlichen Professor der Logik und Metaphysik. Während dieser Zeit wurde er mehrmals zum "Rector magnificus"[1] gewählt.

Gottscheds exekutierte penetrant sprachreformerische Bemühungen, die er in fast unendlich vielen Zeitschriften und Aufsätzen über das gesamte Deutsche Reich verbreitete.

Ein Drama Gottscheds war Zielscheibe für Spott und Kritik seiner Gegner, deren es nicht wenige gab, vor allem von Seiten der Schweizer (Johann Jakob Bodmer, Johann Jakob Breitinger) und der Hallenser Jakob Immanuel Pyra; Pyra behauptete, Gottsched habe das Drama "mit Schere und Kleister" verfertigt und glaubte massive Verstöße gegen die aristotelischen Regeln feststellen zu können.

1735 heiratete Gottsched in Danzig die literarisch hochbegabte Luise Adelgunde Victorie Kulmus. Seine Ehefrau, die in Zeitschriftenveröffentlichungen meist nur "die geschickte Freundin" genannt wurde, unterstützte ihn nach allen Kräften und wurde auch literarisch tätig. Sie schrieb vor allem Komödien und Zeitschriftenbeiträge und übersetzte aus dem Englischen und dem Französischen. In der Literaturgeschichte wird ihr dichterisches Talent allgemein weit höher eingeschätzt als das ihres Gatten. Wegen Gottscheds außerehelichen Abenteuern, aber auch wegen seiner zunehmend doktrinären Ablehnung bestimmter literarischer Bestrebungen, war die Ehe nicht glücklich.

In der Critischen Dichtkunst, seinem literaturtheoretischen Hauptwerk, argumentierte Gottsched für seine rationalistische Dichtungsauffassung, gemäß der Poesie Regeln zu folgen habe, welche sich mit den Mitteln der Vernunft begründen lassen. Er vertrat eine ablehnende Haltung zur Darstellung übernatürlicher Erscheinungen

Gottsched lehnte religiöse Themen als Gegenstand der Literatur ab. Diese Dichtungsauffassung führte zum sogenannten "Zürcher Literaturstreit" mit den beiden Schweizern Johann Jakob Bodmer und Johann Jakob Breitinger, deren literaturtheoretische Vorstellungen nicht weniger rationalistisch waren als die Gottscheds, die – bedingt auch durch die Gegebenheiten des reformierten Zürich – in ihrer Haltung zum Wunderbaren und zur religiösen Dichtung aber andere Akzente setzten als der Leipziger Gottsched.

Die auf beiden Seiten zunehmend mit Mitteln der Satire und der persönlichen Verunglimpfung geführten Auseinandersetzungen waren das literarische Hauptereignis der Jahre zwischen 1730 und etwa 1745, doch hielten schon unbeteiligte Zeitgenossen den Streit für eine primär literaturpolitische Angelegenheit zweier um Einfluß konkurrierender Parteien.

Im Jahr 1743 eröffnete Jakob Immanuel Pyra einen Angriff auf Gottsched durch den "Erweis, daß die Gottschedianische Sekte den Geschmack verderbe".

Eine besondere Bedeutung kommt Johann Christoph Gottsched im spätbarocken Sprachenstreit um die Definition einer allgemein gültigen deutschen Schriftnorm zu. Er gehörte dabei zu der Anomalisten genannten Fraktion, die eine Norm auf Basis einer deutschen Mundart kreieren wollte, nämlich dem ostmitteldeutschen Sächsischen.

Dies stieß natürlich in anderen Sprachregionen, deren lokale Besonderheiten nicht berücksichtigt werden sollten, auf massive Ablehnung. Besonders Sprachgelehrte aus der schwäbisch-alemannischen Region, aus der Schweiz, aus Bayern und aus Österreich, in denen noch in der Oberdeutschen Schreibsprache geschrieben wurde, hatten für die Ziele Gottscheds und seiner Deutschen Gesellschaft in Leipzig kein Verständnis. Durch die Initiative der sächsischen und schlesischen Sprachgesellschaften war auch diese Sprachenfrage erst in den 1740er Jahren ein drängendes Thema geworden.

Die Gegnerschaft vor allem der angesehenen Schweizer Gelehrten Bodmer und Breitinger führten sogar dazu, daß ihm nicht wenige seiner Leipziger Gefährten die Freundschaft aufkündigten und ihn aus der Deutschen Gesellschaft ausschlossen.

Der Zürcher Professor Johann Jakob Bodmer sprach sich in seiner 1746 veröffentlichten Schrift "Lob der Mundart" entschieden für die regionale Vielfalt der deutschen Sprache aus und nannte Gottsched einen "tyrannischen Sprachrichter aus Sachsen". Im Übrigen meinte er, keinem Volk stehe es zu, andere sprachlich zu knechten.

In Bayern wurde hingegen versucht, die eigene oberdeutsche Schreibsprache mit Hilfe der Wissenschaftszeitschrift Parnassus Boicus auszubauen. Im habsburgischen Österreich reagierte man zunächst diplomatisch und lud Gottsched 1749 nach Wien ein, damit er dort seine Thesen vortragen könne.

Nachdem die Kaiserin Maria Teresia sein Stück "Cato" im Wiener Burgtheater gesehen hatte, gelang es ihm über Vermittlung des Grafen Nikolaus Esterházy, zu einer Audienz bei Hofe vorgelassen zu werden, und entgegen seiner sonstigen Überzeugung lobte er bei dieser Gelegenheit das dialektale und vom sächsischen Sprachgebrauch stark abweichende Deutsch der Kaiserin in höchsten Tönen.

Dennoch konnte er in Wien zunächst nur sehr wenige Anhänger für seine konstruierte Sprachnorm finden, da sich ihm einflußreiche Gelehrte mit eigenen Grammatiken entgegenstellten, wie Johann Balthasar Antesperg[2] und Johann Siegmund Popowitsch.[3]

Auch der süddeutsche katholische Klerus, allen voran die Jesuiten, Augustiner und Benediktiner, lehnten das lutherische Sächsisch als überregionale Schriftnorm ab und unterrichteten in ihren Schulen und Universitäten weiter die bisher verwendete oberdeutsche Art zu schreiben. Der österreichische Piaristenorden entschied sich hingegen 1763 ganz pragmatisch, sowohl die Grammatik von Gottsched als auch die von Popowitsch nebeneinander zu unterrichten.

Erst nach dem Tode Gottscheds 1766 begann dieser oberdeutsche Widerstand zu bröckeln, und schließlich wurde der spätbarocke Sprachenstreit im Jahre 1774 nicht durch Einigkeit der Gelehrten, sondern durch die Politik entschieden. Nach dem Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) war die politische Position Österreichs so geschwächt, daß ein oberdeutscher Sonderweg nicht mehr möglich schien.

Kaiserin Maria Teresia war deshalb aus strategischen Gründen an einer gemeinsamen Norm sowohl in ihren österreichischen Erblanden wie auch im Reich gelegen, und weil im Norden die Opposition gegen jeglichen oberdeutsch gefärbten Standard zu groß war, wurde mit Einführung der allgemeinen Schulpflicht in Österreich auch das Gottsched'sche Deutsch als offizieller Standard festgelegt. Dies wurde 1780 noch einmal von ihrem Sohn Kaiser Joseph II. bestätigt und auch für die kaiserliche Beamtenschaft als verbindliche Norm festgelegt.

Nachdem sich Österreich entschieden hatte, gaben auch die anderen süddeutschen Länder ihren Widerstand auf, und das Gottsched'sche Deutsch wurde zum neuen überregionalen Standarddeutsch.


Von J. S. Bach vertonte Libretti Gottscheds

Verweise



Einzelnachweise

  1. Dekan der Philosophischen Fakultät
  2. Die kayserliche Grammatick, oder Kunst, die deutsche Sprache recht zu reden, und ohne Fehler zu schreiben, 1747
  3. Die nothwendigsten Anfangsgründe der teutschen Sprachkunst, zum Gebrauche der oesterreichischen Schulen ausgefertigt, 1754