Herr Gott, mein Heiland, Nacht und Tag

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  • Versmaß: 8 - 7 :| 8 - 7 - 4 - 6 - 7


Links der Psalm in der Übersetzung von Martin Luther, rechts die auf dem Luther-Text basierende Psalm-Dichtung von Kornelius Becker.

Psalm nach Luther Psalmlied von Kornelius Becker
1 Ein Psalmlied der Kinder Korah, vorzusingen, von der Schwachheit der Elenden. Eine Unterweisung Hemans, des Esrahiten.
2 HERR, Gott, mein Heiland, ich schreie Tag und Nacht vor dir.

3 Laß mein Gebet vor dich kommen; neige deine Ohren zu meinem Geschrei.
4 Denn meine Seele ist voll Jammers, und mein Leben ist nahe dem Tode.

1. Herr Gott, mein Heiland, Nacht und Tag

schrei ich für dir mit Flehen.
Neig' dein' Ohren zu meiner Klag',
laß dir zu Herzen gehen
mein G'bet, Herr, mein betrübte Seel'
in eitel Jammer schwebet,
und mein Leben
ist nahe bei der Hell',
mein Geist muß ich aufgeben.

5 Ich bin geachtet gleich denen, die in die Grube fahren;

ich bin ein Mann, der keine Hilfe hat.
6 Ich liege unter den Toten verlassen wie die Erschlagenen,
die im Grabe liegen, deren du nicht mehr gedenkst
und die von deiner Hand abgesondert sind.

2. Ich bin geachtet denen gleich,

die zu der Höllen fahren.
Kein Mensch mir Armen Hilf' erzeigt,
ich bin verlassen gare.
Als wenn ich mit erschlagen wär,
gefahren tief hinabe
in mein Grabe,
du denkest mein nicht mehr,
zeuchst die Hand von mir abe.

7 Du hast mich in die Grube hinuntergelegt,

in die Finsternis und in die Tiefe.
8 Dein Grimm drückt mich;
du drängst mich mit allen deinen Fluten.
9 Meine Freunde hast du ferne von mir getan;
du hast mich ihnen zum Greuel gemacht.
Ich liege gefangen und kann nicht herauskommen.

3. Du hast ins Finster mich gelegt,

hinunter in die Grube,
dein Grimm und Zorn zu mir einschlägt
mit allen seinen Fluten.
All' meine Freunde sind verkahrt,
ich muß zum Greuel stehen,
hilft kein Flehen.
Ich lieg gefangen hart
und kann gar nicht entgehen.

10 Meine Gestalt ist jämmerlich vor Elend.

HERR, ich rufe dich an täglich;
ich breite meine Hände aus zu dir.
11 Wirst du denn unter den Toten Wunder tun,
oder werden die Verstorbenen aufstehen und dir danken?

4. Ganz jämmerlich ist mein Gestalt

für Herzleid und Elende.
Ich ruf' dich an, Herr, mannigfalt,
breit aus zu dir mein Hände.
Wirst du denn auch wohl Wunder tun
bei denen, die gestorben
und verdorben?
Steh'n sie auf wiederum,
daß dir Dank werd' erworben?

12 Wird man in Gräbern erzählen deine Güte, und deine Treue im Verderben?

13 Mögen denn deine Wunder in der Finsternis erkannt werden oder deine Gerechtigkeit in dem Lande, da man nichts gedenkt?

5. Wird man erzählen deine Güt'

in Gräbern bei den Toten?
Dein' Treu' diejenig'n rühmen nit,
die sind verzehrt von Motten.
Dein Werk ist denen nicht bekannt,
die im Finsternis sitzen,
nichts ist nütze
dein G'rechtigkeit dem Land,
da man nichts mehr kann wissen.

14 Aber ich schreie zu dir, HERR, und mein Gebet kommt frühe vor dich.

15 Warum verstößest du, HERR, meine Seele und verbirgst dein Antlitz vor mir?
16 Ich bin elend und ohnmächtig, daß ich so verstoßen bin; ich leide deine Schrecken, daß ich fast verzage.

6. Ich schrei zu dir, Herr, laß für dich

früh kommen mein Gebete!
Ach Herr, willt du verstoßen mich
und meine Seel nicht retten?
Verbirg dein Antlitz nicht für mir,
ich leid' Elend und Plage,
schmerzlich klage,
weil du mich stößt von dir,
ich muß schier gar verzagen.

17 Dein Grimm geht über mich; dein Schrecken drückt mich.

18 Sie umgeben mich täglich wie Wasser und umringen mich miteinander.
19 Du machst, daß meine Freunde und Nächsten und meine Verwandten sich ferne von mir halten um solches Elends willen.

7. Dein Grimm geht her gewaltiglich

dein Schrecken drückt mich sehre.
Die Feind' rings her umgeben mich
wie Wasserfluten schwere,
Du machst, daß meine nächsten Freund,
mich ganz und gar verlassen
und mich hassen,
all', die verwandt mir seind,
mein Leid ist über Maßen.

Verweise