Hessen (Lgf.)

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Die Landgrafschaft Hessen war ein Fürstentum des Deutschen Reiches.


Lage

Kerngebiet war die Mitte des Hessens. Die Residenz war zunächst kurzfristig in Marburg/Lahn und in Gudensberg, aber schon von 1277 an in Kassel. Schon vor 1500 war die Landgrafschaft Hessen territorial bis an Rhein und Neckar gewachsen. Durch den Anfall der Grafschaft Ziegenhain im Jahre 1450 wurde die Verbindung der beiden großen Landesteile Ober- und Niederhessen, die bis dahin voneinander getrennt waren, erreicht.

Geschichte

Der Name Hessen geht auf den germanischen Stamm der Chatten zurück, der sich etwa zur Zeitenwende im Bereich der Flüsse Fulda und Eder sowie zwischen den Oberläufen von Lahn und Werra ansiedelte. Hessen und Friesen sind die einzigen germanischen Stämme, die sowohl ihren Namen als auch ihr Siedlungsgebiet bis in die Gegenwart beibehalten haben, wobei eine direkte stammesgeschichtliche Nachkommenschaft von Chatten und heutigen Hessen nicht belegbar ist.

Nach dem Ende der Vorherrschaft der Konradiner in Hessen entstand auf der Basis von Amtsgrafschaften eine Reihe von gräflichen Territorialherrschaften. Unter ihnen erlangten im nördlichen und mittleren Hessen die der Grafen Werner im fränkischen Hessengau (Grafschaft Maden), der Gisonen an der oberen und mittleren Lahn, der Grafen von Ziegenhain, der Grafen von Waldeck, und der Bilsteiner an der mittleren Werra herausragende Bedeutung.

Durch Erbschaft und Heirat fielen diese Grafschaften, mit Ausnahme der von Ziegenhain und Waldeck, zwischen 1122 und 1247 unter die Herrschaft der Ludowinger Grafen von Thüringen, die 1131 zu Landgrafen von Thüringen erhoben wurden. Während dieser Periode wurden die hessischen Gebiete meist direkt von jüngeren Brüdern der Landgrafen regiert, ohne jedoch eigentliche Selbständigkeit zu haben. Namhafte Grafen von Gudensberg-Hessen aus dem Hause der Ludowinger waren Heinrich Raspe I., Heinrich Raspe II., Heinrich Raspe III. und Konrad Raspe, der spätere Hochmeister des Deutschen Ordens.

Gründung

Nach dem Aussterben der Ludowinger erstritt im thüringisch-hessischen Erbfolgekrieg (1247–1264) die Landgrafentochter Sophie, verheiratete Herzogin von Brabant, den hessischen Besitz der Ludowinger für ihren Sohn Heinrich I. von Hessen („Heinrich das Kind“) und sicherte damit erneut die Unabhängigkeit Hessens vom an die sächsischen Wettiner gefallenen türingischen Erbe der Ludowinger. Heinrich wurde 1247 auf der Mader Heide zum Landgrafen von Hessen ausgerufen. Am 12. Mai 1292 trug Heinrich die Stadt Eschwege dem König Adolf von Nassau zu Lehen auf und erhielt sie, zusammen mit der Burg Boyneburg, von diesem als erbliches Reichslehen zurück. Damit wurden die hessischen Landgrafen Reichsfürsten. Heinrich verlegte seine Residenz 1277 von Marburg und Gudensberg nach Kassel und begründete das Hessische Fürstenhaus.

Unter Landgraf Philipp I. wurde die Landgrafschaft Hessen 1526 infolge der Homberger Synode protestantisch. Hessen gehörte neben Sachsen und Württemberg zu den mächtigen Vorkämpfern der Reformation im Deutschen Reich.

Teilungen

Die hessischen Landgrafen teilten ihr Gebiet wiederholt innerhalb der Familie auf; diese Teilungen hatten jedoch keinen dauerhaften Bestand. Die erste Teilung erfolgte bereits nach dem Tod des ersten Landgrafen 1308, als Heinrichs Söhne Otto I. und Johann Landgrafen im „Land an der Lahn“ (Marburg) bzw. Niederhessen (Kassel) wurden. Da Johann jedoch schon 1311 starb, wurden beide Landesteile wieder unter Otto vereint.

Erst die Erbteilung durch Landgraf Philipp den Großmütigen, der 1567 die Landgrafschaft unter seine vier Söhne aufteilte, verursachte schließlich die beinahe vierhundert Jahre anhaltende Trennung in die Landgrafschaft Hessen-Kassel, deren Regent 1803 zum Kurfürsten erhoben wurde, und die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, das spätere Großherzogtum Hessen. Die bei der Erbteilung geschaffenen Landgrafschaften Hessen-Marburg und Hessen-Rheinfels fielen schon bald wieder durch Aussterben der regierenden Häuser und Erbschaft an Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt. Der bis zu dieser Teilung von 1567 starke Einfluß Hessens auf die Reichspolitik nahm in der Folgezeit deutlich ab.

Sekundogenituren

Verweise