Index librorum prohibitorum

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Papst Paul IV. setzte 1559 eine Buchzensur in Kraft.


Geschichte

Der Index Librorum Prohibitorum[1] war ein Verzeichnis der römischen Inquisition, das für jeden Katholiken die Bücher auflistete, deren Lektüre als schwere Sünde galt, bei manchen dieser Bücher war als kirchliche Strafe die Exkommunikation vorgesehen.

Erstmals erschien das Verzeichnis 1559, seine letzte amtliche Ausgabe datiert von 1948 mit Nachträgen bis 1962 und nannte zuletzt 6.000 Bücher. Der Index Librorum Prohibitorum wurde schließlich nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil 1965 bzw. 1966 (unwirksam) abgeschafft.

Geschichte

Infolge des Ersten Konzils von Nikäa ließ Kaiser Konstantin I. im Jahre 325 die Schriften des Arius verbrennen und stellte deren Besitz unter Todesstrafe. Das erste rein kirchliche Bücherverbot geht zurück auf das Jahr 400. Unter dem Vorsitz des Theophilus von Alexandria wurde verordnet, niemand in Ägypten dürfe die Schriften des Origenes "lesen oder besitzen". Im Jahr 446 ließ Papst Leo der Große die Schriften der Manichäer verbrennen. Die erste Synode, die die Verbrennung der von ihr verurteilten Texte befahl, war 681 das Dritte Konzil von Konstantinopel.

Bücherverbote bis zur Einführung des römischen Index

Im Rahmen theologischer Auseinandersetzungen sowie im Kampf gegen Häretiker und Andersgläubige verboten die Päpste im Mittelalter immer wieder Schriften. Durchgesetzt wurden diese Verbote von der Kirche in Zusammenarbeit mit den weltlichen Herrschern. Für die kontinuierliche Überprüfung und gegebenenfalls das Verbot von Büchern waren in erster Linie nicht der Papst und die Kurie, sondern die Universitäten zuständig. Darüber hinaus gab es immer wieder eigenständige Zensurverfahren und Verbote von Büchern durch weltliche Herrscher oder einzelne Bischöfe.

Einige Beispiele:

  • Peter Abälard wurde 1121 auf der Synode von Soissons dazu verurteilt, sein Buch über die heilige Dreifaltigkeit zu verbrennen. Zwanzig Jahre später verurteilte ihn Papst Innozenz II., nach der Synode von Sens im Jahr 1141, seine Schriften zu verbrennen.
  • Von Gregor IX. und anderen Päpsten wurde wiederholt die Verbrennung des jüdischen Talmuds angeordnet.
  • Am 15. Juni 1520 wurden in der Bulle Exsurge Domine die Schriften des Häretikers Martin Luthers verboten. Am 12. Juni 1521 fand die Verbrennung der Schriften Martin Luthers in Rom statt, zugleich wurde Luther selbst in effigie symbolisch mitverbrannt.

Einführung des römischen Indexes

Auf Betreiben des Kardinals Carafa, des späteren Papstes Paul IV. ernannte Paul III. 1542 mit der Bulle Licet ab initio sechs Kardinäle zu General-Inquisitoren für die ganze Kirche und schuf damit die römische Inquisition, genauer die Congregatio Romanae et universalis inquisitionis, den Vorgänger der Kongregation für die Glaubenslehre. Grund für diese Zentralisierung war die Tatsache, daß es immer wieder zu unterschiedlichen Auffassungen an den verschiedenen Universitäten gekommen war, welche Bücher verboten werden müssten und welche erlaubt seien. Auch konnte die Kongregation nicht mehr ausschließen, daß sich an den Universitäten reformatorisches Gedankengut ausbreitete. Und nicht zuletzt hatte sich das Buchaufkommen durch die Erfindung des mechanischen Buchdrucks durch Johannes Gutenberg erheblich ausgeweitet. Die Aufgabe der Inquisition war in erster Linie der Kampf gegen den Protestantismus sowie die Ketzer im Allgemeinen. Da Bücher und Druckwerke als wirksame Werkzeuge der Reformation erkannt worden waren, baute die Inquisition ein strukturiertes kirchliches Zensurwesen auf. Wichtigstes Mittel dieser Zensur wurde der erstmals 1559 erschienene Index Librorum Prohibitorum, der fortwährend aktualisiert wurde. Indizierungsverfahren

Das Indizierungsverfahren begann mit der Anzeige eines Buches, die entweder aus der Kurie selbst oder von außerhalb kommen konnte. Oft genügte bereits der Ort des Erstdruckes für einen Anfangsverdacht. Zunächst prüfte der Sekretär der Kongregation mit zwei Gutachtern, ob überhaupt ein Zensurverfahren gegen das Buch eingeleitet werden sollte. Das Hauptverfahren bestand aus einem, bei katholischen Autoren aus zwei, schriftlichen Gutachten, die von einem Fachgremium, den Konsultoren, ausgewertet und in einer Versammlung beraten wurden. Am Ende der Versammlung stand ein Beschlußvorschlag, der dem Kardinalsgremium der Inquisition vorgelegt wurde. Die Kardinäle wiederum beschlossen, ob das Buch als gefährlich oder ungefährlich einzustufen sei, worauf der Papst die endgültige Entscheidung zur Aufnahme in den Index traf. Am Ende des Verfahrens standen drei mögliche Urteile:

  1. Indizierung mit anschließender Veröffentlichung des Beschlußes
  2. Nicht-Indizierung ohne Veröffentlichung, daß es ein Indizierungsverfahren gegeben hatte
  3. Einholen eines weiteren Gutachtens

Der Index war in drei Klassen eingeteilt:

  1. Die erste Klasse umfaßte die Namen häretischer Schriftsteller
  2. Die zweite Klasse umfaßte häretische Werke
  3. Die dritte Klasse umfaßte verbotene Schriften, die ohne Angabe des Namens des Verfassers erschienen waren

Neben diesem Index gab es noch den index librorum purgandorum, ein Verzeichnis der von anstößigen Stellen zu säubernden Schriften.

Indizierte Werke

  • Das Buch „Mare Liberum“[2] des deutschen Völkerrechtlers Hugo Grotius. Dieses 1609 erschienene Werk kritisierte die Bulle „Romanus Pontifex“ von 1455.
  • Galileo Galileis Schrift „Dialogo di Galileo Galilei sopra i due Massimi Sistemi del Mondo Tolemaico e Copernicano“.
  • Liebesgeschichten von Honore de Balzac
  • die Chansons von Pierre-Jean de Béranger
  • sieben Werke von Rene Descartes
  • zwei Werke von Denis Diderot (darunter seine Encyclopédie)
  • die Liebesgeschichten von Alexandre Dumas dem Älteren und von Alexandre Dumas dem Jüngeren.
  • vier Werke von Heinrich Heine
  • Kritik der reinen Vernunft von Immanuel Kant
  • Das andere Geschlecht von Simone de Beauvoir
  • das Gesamtwerk von Maurice Maeterlinck
  • nahezu alle Werke von Voltaire.
  • „Die Unvereinbarkeit der neuen päpstlichen Glaubensdekrete mit der bayerischen Staatsverfassung“ von Joseph Berchtold
  • Die Hauptwerke von Henri Bergson
  • Heinrich Dürrschmidt: Die klösterlichen Genossenschaften in Bayern und die Aufgabe der Reichsgesetzgebung. 1875
  • Sebastian Merkle: Vergangenheit und Gegenwart der katholisch-theologischen Fakultäten. 1913
  • Ernst Michel: Politik aus dem Glauben 1926
  • Joseph Wittig: Herrgottswissen von Wegrain und Straße. Geschichten von Webern, Zimmerleuten und Dorfjungen. 1922
  • Als einer der letzten gelangte Jean-Paul Sartre auf den Index.

Verweise



Einzelnachweise

  1. „Verzeichnis der verbotenen Bücher“, kurz auch Index Romanus, „römischer Index“, genannt.
  2. Das freie Meer