Interview Eifrei

Aus Monarchieliga
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  • Interview mit dem Historiker Martin Möller
  • Erschienen am 1. März 2006 in der Zeitschrift Eifrei


Herr Möller, wie kommt man darauf, im 21. Jahrhundert für die Monarchie zu streiten? Also: Wie und wann sind Sie Monarchist geworden?

Als Historiker muß man sich leider auch geschichtstheorethischen und geistesgeschichtlichen Studien widmen. Bei diesen Studien stößt man dann zwangsläufig darauf, daß die Demokratie kein quasi naturrechtlich oder ethisch vorgegebenes Postulat ist, sondern eine der aus der französischen Revolution und ihren Quellen hervorgegangene Ideologie, eine ausgesprochen linke Ideologie, die anderen linken Ideologien nicht etwa entgegensteht, sondern mit ihnen aufs engste verwandt ist.

Diese Erkenntnis war ein ziemlicher Schock für mich, hatte ich doch dem DDR-System, in dem ich aufgewachsen bin, stets das westliche freiheitliche System entgegengehalten, wofür ich erhebliche Nachteile habe in Kauf nehmen müssen, nicht zuletzt zumindest mittelbar die Haft in DDR-Gefängnissen. Mit einer liberaldemokratischen Haltung stand man in der DDR immer als ziemlich „rechts“ da, gerade auch innerhalb einer „Opposition“ (der ich nicht angehörte) und innerhalb der evangelischen Kirche, in der ich aufgewachsen bin.

Kritik am DDR-System wurde in der DDR meist mit linksextremistischen Argumenten à la Biermann geübt, nach dem Motto „dieser Sozialismus ist noch immer nicht sozialistisch genug“ und man stand als ziemlicher Exot da, wenn man für Demokratie und Kapitalismus war. Man kann das noch leicht an den Artikulationen am „Runden Tisch“ von 1989/90 nachvollziehen, wo sich die „Opposition“ mit der SED/PDS ganz einig war, daß keine Politiker aus dem Westen reden sollten, daß konservative Parteien verboten gehören (durften dann auch nicht bei der letzten „Volkskammer“-Wahl antreten) und daß der „Kapitalismus“ ganz böse sei.

Weniger meine persönlichen Erfahrungen im Westen, die eigentlich sehr gute waren, als eine tiefere Einsicht in den historischen Prozeß ließen mich zum Antidemokraten werden, wobei sicherlich unsere in der DDR entwickelte ausgesprochene Freiheitsliebe eine gewichtige Rolle gespielt hat. Ist doch das angeblich liberale System des Westens genauso freiheitsfeindlich wie es das DDR-System gewesen ist. Teilweise sogar noch feindlicher.

Sie leben in Berlin. Welches Staatsgebiet und welcher Monarch schwebt Ihnen konkret vor?

Als Berliner hat man es insofern schwer, als man es hier, und genauso in der eigenen Familiengeschichte, ständig mit preußischen Traditionen zu tun hat, einem Staat, der zwar unstreitig Monarchie, genauso unstreitig jedoch auch recht wenig liberal war. Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen konstatiere ich, daß Preußen deutlich besser und freiheitlicher war als die „BRD“. Viel mehr Gutes fällt mir zu Preußen leider nicht ein, - es war der Staat, der die Verwaltung kultivierte, der die Menschen in hohem Maße ideologisch und religiös gängelte, der die gewachsenen ständischen und landschaftlichen Traditionen tilgte und dessen Politik nicht zuletzt dazu führte, daß das harmonische Gesamtdeutschland des „Deutschen Bundes“ 1866 mit roher Gewalt zerstört wurde, mit Folgen, unter dem wir noch heute leiden. Insofern halte ich den Untergang Preußens für gerechtfertigt und einen preußischen Legitimismus für nicht anstrebenswert.

Doch auch abseits von einer Wiederbelebung Preußens und des moribunden 1871er Kaiserreiches gibt es eine Vielzahl von monarchistischen Perspektiven in Deutschland. Zum einen könnte, ohne daß das „Grundgesetz für die BRD“ tangiert wird, ein oder mehrere Bundesländer in Monarchien umgewandelt werden. Das könnte man zum Beispiel in den Freistaaten Sachsen und Thüringen probieren, wo mit dem Hause Wettin sogar die angestammte Dynastie noch recht vital dasteht und die Bevölkerung mehrheitlich monarchisch gesinnt ist. Da der „todsichere“ Erfolg der Monarchie sich in kürzester Frist einstellen würde, würden bald andere Länder nachziehen. Voraussetzung ist natürlich, daß der Monarch mit allen notwendigen Prärogativen ausgestattet wird, daß der Landtag in eine beratende Honoratiorenversammlung umgewandelt wird und daß das öffentliche Recht und Sozialversicherungswesen [möglichst] vollständig verschwindet.

Sollte sich in der Gesamt-“BRD“ der Wunsch nach Restauration einstellen, hielte ich es für vernünftig und sachgerecht, eine Deutsche Krone wieder aufzurichten, die bekanntlich von 962 bis 1806 existiert hat. Wir erleben in diesem Jahr das 200jährige Jubiläum der Niederlegung der deutschen Krone durch den Habsburger König/Kaiser Franz II. Da sollte der Ruf erschallen „200 Jahre Interregnum sind genug!“. Diese Krone könnte wie zuvor eine Wahl-Krone sein, das hätte den Vorteil, daß gelegentlich, aber nicht zu oft gewählt wird, so alle 20 Jahre etwa. Das sollte reichen.

Als Katholik favorisiere ich den Gedanken des katholischen Staates á la Habsburg. Doch würde auch eine buddhistische Monarchie zum Beispiel immer noch besser sein als der derzeitige Zustand. Man könnte einen entsprechend erzogenen thailändischen Prinzen zur Wahl stellen. Das böte auch Vorteile gegenüber dem erschlafften europäischen Adel und könnte die Multikulti-Inspektoren befriedigen. Die Thailänder in Deutschland wären darüber sicherlich auch sehr froh, entstammen sie doch einem durch und durch monarchisch gesinnten Volk.

Eine weitere Möglichkeit wäre der vollständige Zerfall der „BRD“ in heute noch gar nicht vorstellbare Einheiten. Da könnten dann sogar Sultanate, Kalifate, Mafia-Fürstentümer und ähnliches mehr entstehen. Die deutsche Bevölkerung würde dann zwar wohl in einen unfreien Status hinabgedrückt werden, doch das ist sie ja seit fast 100 Jahren gewohnt.

Sie streben betont keine parlamentarisch flankierte Monarchie wie etwa in England an, sondern wollen die Demokratie abschaffen. Warum?

Die Demokratie ist grundsätzlich ein Unrechtszustand, bestenfalls noch eine Ochlokratie nach der platonischen Staatslehre, heute aber stets die Herrschaft einer kriminellen Kaste, mit der sich niemand wirklich abfinden kann. Historisch gesehen ist der Parlamentarismus ein Phänomen, das nur begrenzte lokale und historische Berechtigung hat. In England ist die Monarchie seit der angeblich „glorreichen“ Revolution von 1688/89 so stark reduziert, daß sie ihrer staatsrechtlichen und gesellschaftlichen Vorzüge weitgehend beraubt ist. Die Krone ist zu einem parlamentarischen Mandat herabgesunken, das auch von einem Dackel ausgeübt werden könnte.

Eine Krone ohne Souveränität der Krone ist ein Unding und führt nur zu psychisch deformierten Monarchen, die ihrer gottgewollten Aufgabe gar nicht mehr nachgehen können. England wurde allerdings erst im 20. Jahrhundert demokratisiert, noch vor dem 1. Weltkrieg war England zwar parlamentarisch, jedoch keineswegs demokratisch, sondern das Deutsche Reich hatte die „vorbildlichste“ demokratische Verfassung. In England gab es z.B. noch bis etwa 1950 Zusatzstimmen für Geschäftsleute und Akademiker, eine an sich sehr sinnvolle Einrichtung, die typischerweise von den Demokraten abgeschafft wurde. Die Demokratisierung Großbritanniens ist weniger Ursache als Folge seines erheblichen Machtverlustes, auf der Höhe von Freiheit und Macht war der Parlamentarismus Englands höchst aristokratisch. Heute können ausgesprochene Strolche als „Premierminister Ihrer Majestät“ reüssieren, das ist schon fast mitleiderweckend.

Staatsrechtlich gesehen ist England keine Monarchie mehr, denn von Monarchie kann man nur dann reden, wenn der König über ein Mindestmaß von Prärogativen verfügt und das Parlament im Falle von Obstruktion auflösen kann. Es hat keinen Sinn nach etwas Minderwertigem zu streben. In Preußen sprach man auf der Grundlage der Erfahrung der 1848er Revolution davon, daß der König stets in der Lage sein müsse, „einen Leutnant und 10 Mann“ loszuschicken, um den Landtag aufzulösen, was allerdings niemals nötig war, denn der preußische Landtag wurde auf der Basis des 3-(Steuer)klassen-Wahlrechts gewählt und war entsprechend von sehr hoher Qualität. Insofern wäre die 1850 vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. oktroyierte Verfassung ein sehr geeignetes Muster für eine deutsche Verfassung nach dem „Grundgesetz“.

In Deutschland finden Ihre Ideen derzeit vermutlich nicht allzu viele Anhänger, oder?

Das hat nicht allzuviel zu bedeuten, da der Weltgeist sich noch nie um die Zahl ihrer Anhänger gekümmert hat, wenn es darum ging, seine eigentümlichen Ideen zu realisieren. Allerdings gibt es in Deutschland definitiv relativ mehr Monarchisten als es Bolschewisten gab im Rußland von 1917. Weltweit ist die Monarchie nach wie vor sehr stark, da eine Vielzahl der attraktivsten, reichsten und erfolgreichsten Länder Monarchien sind. Die weltweite Monarchiebewegung ist allerdings im Wesentlichen defensiv, denn sie möchte vor allem die bestehenden Monarchien erhalten, die fast ausnahmslos in mehr oder minder starkem Maße gefährdet sind. Fast jeder Monarch weltweit muß es sich gefallen lassen, daß gewissermaßen in seinem Vorzimmer hemmungslos Vorschläge zu seiner Absetzung diskutiert werden, auch die Windsor-Königin Elisabeth II. auf britischem Boden. In normalen Zeiten wäre das Hochverrat und der ist bekanntlich ein todeswürdiges Verbrechen.

In Deutschland hat man bereits seit jeher eine gewisse Scheu, auch nur scheinbar „staatsfeindliche“ Ideen öffentlich zu äußern. Bereits Heinrich Heine reimte „Gedankenfreiheit genossen wir stets, sie war für die großen Massen. Beschränkung traf nur die geringe Zahl derjen’gen die drucken lassen.“ Damals brauchte man nur in den (deutschen!) Nachbarstaat zu gehen, um ein sicheres und komfortables Asyl zu genießen. Der Turnvater Jahn, nach heutigen Maßstäben ein Terrorist, saß gemütlich im sächsischen Freyburg, unmittelbar an der preußischen Grenze und wartete die nächste Amnestie ab, um danach wieder in den preußischen Staatsdienst zu treten. Die „BRD“ läßt sich ihre Gedankenverbrecher selbst aus den fernen USA überstellen, um sie zu unbedingten und empfindlichen Haftstrafen verurteilen zu lassen.

Und der konservative gebildete Durchschnittstypus, der gewöhnlich sich ein Urteil über derartige Angelegenheiten bilden kann, geht erst recht kein Risiko ein. Der bayerische Monarchist (!) Georg Lohmeier nannte als sein Motto „Einen König brauchen wir nicht, aber schön wär’s doch.“, die bayerischen „Königstreuen“ lehnen gar die Monarchie strikt ab und das Motto der borussischen Monarchisten ist „Wir setzen der Demokratie die Krone auf.“ Das ist natürlich albern bis sinnlos und entsprechend müssen sich solche Leute auch regelmäßig in der demokratischen Presse verhöhnen lassen. Am stärksten ist die Sympathie für die Monarchie noch in der rechtsintellektuellen Szene, wo man mit der Staatsideologie der „BRD“ in der Tat bereits gebrochen hat. Ich darf daran erinnern, daß der allerdings sehr „böse“ Horst Mahler für ein Kaiserreich eintrat und sogar an die Nachkommen der deutschen Fürsten appellierte, für Recht und Freiheit zu sorgen. Die denken seither verstärkt darüber nach, wie sie das ins Werk setzen sollen.

Gibt es Länder, in denen eine radikal demokratiefeindliche monarchistische Bewegung stärker ist als in Deutschland?

Hier muß man zwischen „demokratiefeindlich“ und „monarchistisch“ differenzieren. Zwar bedingen sich diese beiden Elemente auch, doch können sie, wie allgemein bekannt ist, auch gänzlich unabhängig voneinander auftreten. Die antidemokratische Bewegung entstand in Europa als Reaktion auf die Französische Revolution und hat seither die verschiedensten Formen und Gestalten angenommen, ich nenne nur die „Konservative Revolution“ in Deutschland in ihren fast unzähligen Schattierungen, den ausgesprochen elitären Bolschewismus, der übrigens auch als monarchischer Bolschewismus denkbar wäre oder die spanische Militäraristokratie, die im Bürgerkrieg die demokratischen Elemente niederkämpfte, um anschließend ein zwar autoritäres, jedoch liberales Regime zu errichten.

Die Monarchie gehört ihrer transzendentalen Verankerung wegen in den Bereich der religiös begründeten Staatsformen und wird von dem Typus Mensch, der Autobomben bastelt, im allgemeinen nicht angestrebt. Je stärker eine religiöse Motivierung ist, desto stärker auch das monarchische Bewußtsein und mit diesem auch Ablehnung des rein immanenten Systems der Demokratie. Dies ist mit ein Grund für die Tatsache, daß die Demokraten jede Religiosität als „Fundamentalismus“ abzuqualifizieren versuchen. Je stärker also das religiöse Bewußtsein, desto eher ist auch die Einsicht in die Monarchie vorhanden, egal in welcher Nation. Die gläubigen orthodoxen Russen oder Bulgaren sind zarentreu und würden die aufgezwungene Demokratie lieber heute als morgen loswerden.

Gibt es viele Monarchisten wie Sie, die auch überzeugte Marktwirtschaftler sind?

Die überwiegende Anzahl der Monarchisten in aller Welt, die mir bekannt sind, neigen wirtschaftlich zu liberalen, bzw. neoliberalen Positionen. Man ist allgemein der Ansicht, daß bereits die Existenz eines Wirtschaftsministers eine Zumutung und eine Gefährdung der ökonomischen Wohlfahrt und Freiheit ist. Allerdings spuken auch Elemente der neueren katholischen Soziallehre in den Köpfen herum, die die Freiheit des Eigentums und der Wirtschaft in unzulässiger Weise tangieren. Zwar ist diese „Soziallehre“ sehr fehlerhaft und entspricht nicht den Maßstäben, die die Päpste vor dem 2. Weltkrieg vertreten und grundgelegt haben, doch wird sie natürlich von den Demokraten, die die katholischen Ausbildungsstätten rund um den Globus felsenfest im Griff haben, nachdrücklich gefördert. Ich erinnere nur an die erheblichen Unterschiede in der CDU-Wirtschaftspolitik vor 1969 und nach 1982 und an die angeblich katholischen Minister Blüm und Geißler, die nach der sozialistischen Brandt-Schmidt-Zeit dafür sorgten, daß die Sozial- und Wirtschaftspolitik der „BRD“ ihren destruktiven, eigentums- und leistungsfeindlichen Kurs beibehielt. Die eigentlich sehr freiheitliche tatsächlich katholische Soziallehre fristet heute ein ausgesprochenes Untergrunddasein.

Die erwähnte konservative Revolution war teilweise stark monarchistisch. Welche Autoren dieser Richtung sind in Ihren Augen besonders empfehlenswert für echte Monarchisten?

Die Niederlage des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg wurde auch der Hohenzollerndynastie angelastet, die sich mit dem undurchsichtigen und von vielen als schmählich empfundenen Abgang Wilhelms II. nach Holland zusätzlich disqualifiziert hatte. Eine andere Restauration als die des Hohenzollernthrones aber konnten sich in der Weimarer Republik auch die Monarchisten nicht vorstellen. Somit war der bei sehr großen Teilen der Bevölkerung vorhandene Wunsch nach Restauration psychologisch blockiert. Der Ex-Kaiser machte es durch seine Haltung zudem unmöglich, daß einer seiner Söhne ihm zu Lebzeiten auf dem Thron nachfolgt, eine Lösung, die vielfach erwogen wurde und die gerade nach 1929 gelegentlich greifbar nah erschien. Wilhelm II. glaubte bis zu seinem Lebensende 1940 an seine selbsteigene Rückkehr auf den (Kaiser-)Thron und gab sich sogar der Illusion hin, daß der NS ihm dabei helfen könne, eine Wahnvorstellung, die viele geschickt schürten und ausnutzten.

Die monarchieorientierten Konservativen kamen in der Weimarer Republik nicht zum Zuge und wurden vor allem durch die verhängnisvolle Entscheidung Hindenburgs, Hitler zum Reichskanzler zu ernennen, endgültig ausgeschaltet. Von der großen Zahl altkonservativer monarchistischer Autoren nenne ich den Berliner Oberverwaltungsgerichtsrat Friedrich Everling, der unter dem Pseudonym „Schlehdorn“ zahlreiche Bücher veröffentlichte und als DNVP-Reichstagsabgeordneter einen nicht unerheblichen politischen Einfluß ausübte. Schlehdorn darf als Märtyrer der Monarchie gelten, denn er weigerte sch 1920, den Eid auf die Republik abzulegen und wurde aus dem Justizdienst entlassen. Von den Altkonservativen hatte sich schon seit etwa 1920 die „Jungkonservativen“ abgesetzt, die davon ausgingen, daß einer neuen staatlichen Ordnung eine geistige, religiöse und „völkische“ Besinnung vorauszugehen hat. Die politischen Vorstellungen ihrer Führer wie Arthur Moeller van den Bruck, der bekanntlich das Buch „Das Dritte Reich“ schrieb, waren aber in einem Maße wirr und verschwommen, daß sie unmöglich zum Tragen kommen konnten. Im Gegenteil, sehr realistische Kräfte wie die NSDAP konnten diese Art von politischer Publizistik und „Bewegung“ geschickt ausnutzen, obwohl sie natürlich ein völlig anderes „Drittes Reich“ anstrebten, als es Wirrköpfe wie Moeller erdacht hatten.

Der beste politische Kopf auf der konservativ orientierten Rechten war Edgar Julius Jung, der auch zu den wichtigsten politischen Publizisten der Weimarer Republik gehörte. Sein Buch „Die Herrschaft der Minderwertigen. Ihr Zerfall und ihre Ablösung durch ein Neues Reich“ ist das beste politische Buch in der Zeit von 1900 bis 1950. Sein realistisches und tiefsinniges politisches Denken hätte Deutschland retten können, doch ermordeten in die Nazis bereits 1934. Es ist typisch für die Gedenkkultur der „BRD“, daß bei allem mit Milliardenaufwand verbreitetem „Antifaschismus“ das Andenken an Edgar Julius Jung keine Rolle spielt. Es wäre interessant, gerade für eine Zeitschrift wie „Eifrei“, Jungs wirtschafts- und ordnungspolitischen Vorstellungen mit dem (damaligen Stand) libertären bzw. marktwirtschaftlichen Denkens zu vergleichen. Zwei lesenswerte Darstellungen der damaligen restaurativen Bestrebungen sind „Monarchism in the Weimar Republic“ von William Kaufmann und „Die deutschen Monarchisten 1919 - 1925“ von Ludwig Franz Gengler.

Welche Denker können Sie darüber hinaus empfehlen?

Empfehlen möchte ich besonders Erik von Kuehnelt Leddihn, einen österreichischen Gelehrten, der im Jahre 1999 bei Innsbruck 90jährig verstarb. Sein Verdienst ist es insbesondere, in einer Zeit größter Verwirrung geistige Klarheit geschaffen zu haben. Gerade weil K-L entschieden rechts stand, und entsprechend in Österreich und der „BRD“ lebenslang diskriminiert wurde, trat er für ein Höchstmaß an personaler und wirtschaftlicher Freiheit ein und präzisierte den Freiheitsbegriff auf der Basis des Katholizismus.

K-L hat eine große Anzahl von Büchern geschrieben (Bibliografie Kuehnelt-Leddihn), die ausnahmslos wichtig und empfehlenswert sind, besonders sein „Gleichheit oder Freiheit“,[1] in dem er ein freiheitliches antidemokratisches und antisozialistisches Programm formulierte. K-L stand in engstem Kontakt mit den liberalen Denkern seiner Zeit und war Mitglied der Mont Pèlerin Gesellschaft. Bei der Spaltung dieser Gesellschaft im Jahre 1961 hielt er sich zu den Neoliberalen, womit er zweifellos die richtige Entscheidung getroffen hat. Seine Bücher für den amerikanischen Markt schrieb er eigens in englischer Sprache, hier ist ein Werk zu empfehlen, dessen Titel für sich spricht: „Leftism revisited - From de Sade and Marx to Hitler and Marcuse.“

K-L weist auf philosophisch-theologischer Basis die enge Verwandtschaft der Systeme Sozialismus, Nationalsozialismus, Demokratie nach, die er als horizontale Systeme der „Gleichheit“ und damit der Freiheitsfeindlichkeit beschreibt. Er schätzte zwar die Monarchie, in der er ja noch geboren wurde, doch machte er auch deutlich, daß Freiheit nicht an die monarchische Staatsform gebunden ist, sondern auch in Republiken gedeihen kann, wenn diese nicht demokratisch sind.

K-L veröffentlichte seine Aufsätze, die meist späteren Buchkapiteln entsprachen, in Zeitschriften wie „Theologisches“, „Criticón“ oder „Deutschlandforum“, doch erschwerte der notorische Etatismus der deutschen Rechten das Verständnis seiner Gedanken. In der katholischen Kirche liebte man ihn auch nicht, da man sich dort bekanntlich um ein Höchstmaß an politischer Korrektheit bemüht. Dabei gehörte er theologisch durchaus zum mainstream, also keinesfalls zu Fundamentalisten, Traditionalisten oder ähnlichem. Von Meinungsfreiheit halten Sie offenbar nicht sehr viel. Ist das dann alles nicht eher totalitär als liberal?

Dies ist ein Thema, zu dem sich ein eigenes Gespräch lohnen würde. Man muß in aller Deutlichkeit sagen, daß der Zustand der Meinungsfreiheit in Deutschland zu keinem einzigen Zeitpunkt in der Geschichte so schlecht war wie in der heutigen „BRD“. Selbst in finsteren früheren Zeiten wagte kein Gesetzgeber zu oktroyieren „a + b = c“ und jeden bedingungslos einzusperren, der sagt „a + b <> c“. Genau dies aber ist heute der Fall. Hinzukommt, daß die Möglichkeiten der Propaganda in einem früher unvorstellbaren Maße technisch perfektioniert sind und zudem weltweit einheitlich gesteuert werden können und tatsächlich gesteuert werden.

Die demokratische Propaganda fühlt sich so sicher, daß sie den Menschen völlig abwegige, abartige und irrwitzige Positionen aufzwingt und jeden ins Abseits stellt, der ihr widerspricht. Ja, es wird gefordert, daß die Menschen gegen jede Vernunft glauben müssen, eine Sache und gleichzeitig ihr Gegenteil wäre wahr und daß derjenige, der dem widerspricht, ein gefährlicher Irrer sei, der ausgemerzt werden muß. Ich möchte als Historiker die Doktrin nennen, daß Auslöschung deutscher Staatlichkeit und Genozid an Deutschen tatsächlich „Befreiung“ seien, doch auch auf ökonomischen Gebiet lassen sich sicherlich Beispiele für diese Aussage finden.

Was außerdem zu höchster Besorgnis Anlaß gibt, ist die Tatsache, daß nicht nur die öffentliche Propaganda jede geistige Regung erstickt, sondern daß diese Propaganda auch die Meinungsbildung der Religionsgesellschaften, der Parteien, Verbände und Vereine etc. allem Anschein nach vollständig unter Kontrolle hält. Im innerkirchlichen Bereich der evangelischen Kirche in der DDR gab es trotz Stasi-Unterwanderung ein ungleich höheres Maß an geistiger und intellektueller Freiheit, als es heute in evangelischer und katholischer Kirche in Deutschland und in den meisten Ländern des Westens der Fall ist.

Die heutige Situation entspricht und übertrifft noch die Phantasien von Orwell und ähnlichen Utopisten, die ihre Vorstellungen am stalinistischen Rußland und ähnlichen Gebilden ausrichteten. Die kommunistische Propagandawelt, so sinister (= links) sie war, war jedoch harmlos im Vergleich zu dem Zustand, in dem wir uns jetzt befinden und dem wir entgegen gehen. Wenn nicht alles täuscht, stehen wir unmittelbar vor dem Zustand, von dem Schiller in seinem allerdings harmlosen Reiterliedchen sagte „Aus der Welt die Freiheit verschwunden ist.“

Die Behauptung, daß Demokratie Freiheit bedeutet, glaubt bereits heute niemand mehr, daß ist der einzige Vorteil, den ich sehe, und der zu Hoffnung Anlaß gibt. Der totalitäre Zug in der Demokratie wurde schon in ihrem Aufkommen erkannt, ich erinnere an Tocqueville und im 20. Jh. dann an viele Autoren, z.B. den jüdisch-israelischen Soziologen Talmon mit seinem Buch „Die Ursprünge der totalitären Demokratie“ von 1948, in dem er sehr hellsichtig die Gefahren beschrieb, die heute vollständig eingetroffen sind. Auch Koestler hat sich schon sehr früh ähnlich geäußert.

Es bleibt dabei, - wer die Freiheit liebt, kann sich mit der Demokratie niemals abfinden, mehr noch, Verteidigung der Freiheit erfordert zwingend die entschiedene Abkehr von der Demokratie.

Würden Sie eine Voraussage wagen? Wo steht die Monarchiebewegung in Europa in 20 Jahren?

Das ist schwer zu sagen. Zweifellos gehen wir schweren Zeiten entgegen. Der Zusammenbruch dessen, was wir letztlich unser ganzes Leben gewohnt sind, steht vor der Tür und was dem folgt, kann wohl selbst der begabteste Prophet nicht voraussagen. Der künftige Anpassungsprozeß wird erheblich schwerer sein als der, den die Osteuropäer seit 1989 durchmachen müssen und der ist, wie jeder weiß, schwierig und hart genug.

Trotzdem würde ich sagen, daß wir in 20 Jahren ein „Königreich Deutschland“ haben werden, in dem ein Optimum an Freiheit für Kreativität, Produktivität, Wohlstand und persönliche Entfaltung herrschen wird und in dem sich die Regierung darauf beschränkt, Empfänge auszurichten, Orden zu verteilen und Diplomatenposten zu besetzen. Zweifellos hat die Monarchie eine rettende und eine heilende Potenz, die es ermöglichen kann, die kommenden Probleme zu bewältigen und ein tatsächliches Reich der Freiheit zu schaffen. Es muß allerdings ein Wunder gesehen, damit das Wahnsystem von 1789 in seinen vielen Schattierungen überwunden wird und nicht in leicht veränderter Form fröhliche Urständ[2] feiert, wie es 1989/90 der Fall war. Hoppe hat darauf hingewiesen, daß sich Ideen auch in Millionen von Köpfen durchaus von heute auf morgen wandeln können. Die Monarchiebewegung hat dann Berechtigung und Zukunft, wenn sie sich konsequent von der Demokratie trennt und Teil einer freiheitlichen Bewegung abseits von Etatismus und Sozialismus wird. Jedem muß klar werden, daß das System von Gleichheit und Unfreiheit versagt hat und daß die Demokratie nicht nur eine schlechte Zukunft, sondern überhaupt keine Zukunft bietet.

Dazu möchte ich noch mal nachfragen zum Thema Freiheit der Meinungsäußerung. Deshalb die Frage: In aller Kürze und in wenigen Sätzen, wie ist bitte Ihr persönlicher Standpunkt dazu?

Zunächst muß man sich klar machen, daß der Begriff der Freiheit vom Begriffe des Rechts und der Wahrheit aus philosophischen, theologischen, logischen und rechtlichen Gründen nicht zu trennen ist. Deshalb kann das Postulat der Meinungsfreiheit nur eines bedeuten: Das Wahre und sittlich Richtige zu meinen und öffentlich zu vertreten. Diese Position ist vielleicht nicht weit verbreitet, doch selbst unser letzter Bundeskanzler sagte bekanntlich „Freiheit ist nicht die Freiheit zu lügen“. Er meinte damit allerdings nicht seine eigenen Lügen, sondern die vermeintlichen Lügen Dritter über ihn.

Ebenso klar ist es, daß es normative Kontrollinstanzen geben muß, die die Meinungsfreiheit schützen und durchzusetzen. Ein demokratisches Parlament ist dazu grundsätzlich nicht in der Lage und die Gesetzesflut, mit der die Demokratien Meinungen regulieren, vorschreiben und bestrafen, sind grundsätzlich als „ungerechte Gesetze“ abzulehnen und zurückzuweisen. Die Regulierung der Meinungs- und Veröffentlichungsfreiheit kann nur bei einer tatsächlichen geistigen Elite liegen und nicht bei Menschen, die wegen ihrer Fönfrisur in einen Bundestag gewählt werden.

Ist eine solche Elite nicht oder nicht mehr vorhanden, dann steht es um die Meinungsfreiheit grundsätzlich sehr schlecht, völlig unabhängig von der Staats- und Regierungsform. In der Zeit zwischen dem Napoleonismus und der 48’er Revolution hatten wir ein wie ich meine gutes System mit den von Metternich eingeführten und im Deutschen Bund verbindlichen Zensurbehörden, die auf hohem geistigen Niveau eine milde Vorzensur übten. Das Ende dieser Vorzensur unterstützte zweifellos den Aufstieg von Demokratie, Sozialismus und Kommunismus und führte letztlich zum Selbstmord der europäischen Kulturstaaten mit allen Werten, für die auch Liberale eingetreten sind. Wenn heute das GG sagt „eine Zensur findet nicht statt“, dann kann man das nur als Hohn betrachten, denn zum einen sagen die GG-Kommentare, daß eine Nachzensur durchaus „stattfinden“ kann, zum anderen schützt sie weder das GG noch die EU-Menschenrechtscharta, nach die UN-Charta davor, daß morgens um sechs Uhr eine 20köpfige Einsatzgruppe ihre Redaktion stürmt und dort auf nimmer Wiedersehen alles mitnimmt, was nicht niet- und nagelfest ist.

Grundsätzlich ist jede Gemeinschaft, sei sie Staat, Kommune oder Familie gut beraten, wenn sie destruktive Propaganda ausmerzt, denn der Appell an Neid, Habgier und Bosheit wirkt bei den Meisten und dahinter stehen stets Gruppen, denen es um alles andere als die Freiheit geht. Im Jahre 1969 ging es den Deutschen besser als wohl je zuvor und wohl auch jemals wieder, - trotzdem führte vor allem die sozialistische Propaganda dazu, daß eine radikal freiheits- und eigentumsfeindliche Partei - mit Schützenhilfe der FDP - den Bundeskanzler stellen konnte, - mit den bekannten Folgen.

Verweise


Einzelnachweise

  1. Tübingen, Hohenrain 1985
  2. Auferstehung