Jerusalem, du hochgebaute Stadt

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Die Hymne

Meyfart war zwar „Lutheraner“, doch haben seine Hymnen mit Luthertum oder Protestantenunwesen nicht das Geringste zu tun. Leider hat Bach diese herrliche Lied anscheinend nirgends berücksichtigt.


Text der Hymne

1. Jerusalem du hochgebaute Stadt,
wollt' Gott, ich wär'in dir!
Mein sehnlich' Herz so groß Verlangen hat
und ist nicht mehr bei mir!
Weit über Berg und Tale,
weit über blache Feld
schwingt es sich über alle
und eilt aus dieser Welt.


Also erseufzen betrübte Christen, wenn sie den heutigen Zustand, Elend vnd Jammer wo nicht ansehen, doch erfahren. Sie wünschen:


2. O schöner Tag und noch viel schön're Stund,
wann wirst du kommen schier!
Da ich mit Lust, mit freudenfreiem Mund
die Seele geb von mir,
in Gottes treue Hände
zum auserwählten Pfand,
daß sie mit Heil anlande
in jenem Vaterland.


Nun wohlan, es wird zwar unsrer Seele lang, zu wohnen bei denen, die den Frieden hassen, jedoch wird der schöne Tag und noch viel schönste Stund' dermal einst anbrechen und alsdann:


3. Im Augenblick wird sie erheben sich
bis an das Firmament,
wenn sie verläßt so sanft, so wunderlich,
die Stätt' der Element.
Fährt auf Eliae Wagen
mit engelischer Schar,
die sie in Händen tragen
umbgeben ganz und gar.


Mit was fröhlichem Gesicht, mit was heiligen Gedanken muß doch die abgeholte Seel' die Himmelstadt ansehen, wenn sie derselbigen sich nahet? Sie kann fürwahr nicht schweigen, das Herz schüttet sie aus, der Mund gehet über, sie spricht:


4. O Ehrenburg, nun sei gegrüßet mir,
tu' auf der Gnaden Port!
Wie große Zeit hat mich verlangt nach dir,
eh' ich bin kommen fort.
Aus jenem bösen Leben,
aus jener Nichtigkeit,
und mir Gott hat gegeben
das Erb' der Ewigkeit.


Wird aber auch bei demselbigen nicht verbleiben, sondern


5. Ein edles Volk und ein sehr werte Schar
kommt dann gezogen schon?
Was in der Welt von Auserwählten war
sieht sie die beste Kron',
die Jesus ihr, der Herre
entgegen hat gesandt,
da sie noch war so ferre
in ihrem Tränenland.


6. Propheten groß und Patriarchen hoch,
auch Christen in gemein,
die weiland dort trugen des Kreuzes Joch
und der Tyrannen Pein,
schaut sie in Ehren schweben,
in Freiheit überall,
mit Klarheit hell umgeben,
mit sonnenlichtem Strahl.


7. Wenn dann zuletzt sie ist gelanget hin
ins schöne Paradeis
von höchster Freud' erfüllet wird der Sinn,
der Mund von Lob und Preis,
das Halleluja reine
man spielt in Heiligkeit,
das Hosianna feine
ohn' End' in Ewigkeit.


8. Mit Jubelklang, mit Instrumenten schon,
auf Chören ohne Zahl,
das von dem Schall und von dem süßen Ton
sich regt der Freuden Saal,
mit hunderttausend Zungen
mit Stimmen noch viel mehr,
wie von Anfang gesungen
das Himmelische Heer!


Wer dahin begehrt und dermal eins nur eine Noten mitsingen oder doch der Tür hüten will in dem Hause unsers Gottes, der sage im Herzen Amen.

Hilf aber Herr Jesu Christe, daß viel diese ewige Freude wohl fassen an ihrem Todbett ihrer eingedenk werden und durch diese liebliche Betrachtung allhier ritterlich ringen durch Tod und Leben zu dir dringen. Amen, o Jesu, Amen.

Verweise