Jesu Leiden, Pein und Tod

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Vertonungen der Hymne

Vertonungen dieses Liedes durch Johann Sebastian Bach siehe unter „Jesu Kreuz, Leiden und Pein“.


Text der Hymne

Hier alle 34 Strofen ach dem Sammlung auserlesener geistreicher Lieder (Großpolen ca. 1750). Fett gesetzt sind diejenigen Strofen, die Bach vertont hat.


1. Jesu Leiden, Pein und Tod,
Jesu tiefe Wunden
haben Menschen, die nur Kot,
heilsamlich verbunden.
Menschen, schafft die Sünden ab,
wir sind Christen worden,
sollen kommen aus dem Grab,
in der Engel Orden.


2. Jesus in den Garten ging,
traurig von Gebärden,
mit Gebet das Werk anfing,
knièt auf die Erden.
Seine Seel' bis in den Tod
heftig war betrübet.
Schau, in was für große Not
er für dich sich gibet.


3. Wachet betet, Jesus spricht,
daß ihr nicht verzaget,
der Geist sich zwar hoch verpflicht't,
das Fleisch sich nicht waget.
Mit Gebet fang' alles an,
wenn es soll gelingen,
sei nicht ein vermess'ner Mann
in so schweren Dingen.


4. Jesus, dem der Engel Chor
unverwand[e] aufwarten,
den zu stärken kam hervor
ein Engel im Garten.
Wenn kommt meine letzte Zeit,
dein Engel mich stärke,
damit ich im letzten Streit
Todesangst nich merke.


5. Jesu, dein blutroter Schweiß,
dein betrübtes Zagen
macht die schwarze Sünden weiß,
kann Wehmut verjagen.
Menschen, zaget nicht so sehr,
Christus hat erduldet,
was ich, du und and're mehr
tausendmal verschuldet.


6. Mit ei'm Kuß Judas, der Feind,
ward ein Gottsverräter,
der doch nennet einen Freund
diesen Übeltäter.
Wenn dich auch die falsche Welt
also will betrügen,
Böses mit Gutem vergelt',
alsdenn wirst du siegen.


7. Alle Jünger laufen weg,
lassen Jesum stecken,
Petrus selbst der vor[1] so keck,
weiset ihm den Rücken:
Gott hält aus geduldiglich,
der hat auch gelitten,
der mir helft und läßt noch nicht
ab, für mich zu bitten.


8. Jesus ohne Missetat
im Garten verhanden,[2]
da man ihn gebunden hat
fest mit harten Banden.
Wenn uns will der böse Feind
mit der Sünde binden,
so laß uns, o Menschenfreund,
dadurch Lösung finden.


9. Falsche Zeugnis', Hohn und Spott,
Speichel auch der Knechte,
leidet der so fromme Gott,
der allein gerechte.
Und du sündige Gestalt,
willst zu Tod dich härmen,
wenn Verfolgung mit Gewalt
auch auf dich los stürmen.


10. Petrus, der nicht denkt zurück,
seinen Gott verneinet,
der doch auf den ernsten Blick
bittre Tränen weinet.
Jesu, blicke mich auch an,
wenn ich nicht will büßen,
wennn ich Böses habe getan,
rühre mein Gewissen.


11. Judas denkt xxx sich; und darauf,
den Landpfleger reitzend,
schreit des Volkes ganzer Hauf':
Weg, nur weg, an's Kreuze!
Nicht nur Judas, sondern ich,
und die Missetaten
haben unbarmherziglich
meinen Gott verraten.


12. Jesu Blut den Juden ist
Tod und lauter Hölle,
prüfe sich ein jeder Christ,
daß er sich recht stelle,
wenn er will das teure Blut
würdiglich genießen,
sollen aus betrübtem Mut
zuvor Tränen fließen.


13. Jesus sein Kreuz selber trägt,
dran man ihn will heften,
Simon, dem's auch aufgelegt,
trägt mit allen Kräften,
doch gezwungen er es fasst.
Gib, Herr, Kraft und Gaben,
so will ich ein Teil der Last
ungezwungen tragen.


14. Jesus angenagelt ist
an das Kreuz sehr feste,
beides durch Gewalt und List
seiner Freund' und Gäste.
Menschen, die ihr lose seit,
könnt' euch ihm verbinden
wenn ihr vom Unrecht beizeit
woll't zurecht euch finden.


15. Jesu, deine beiden Händ',
und auch deine Füße,
alle viere für vier End'
aller Welt jetzt büßen:
Hier ist gar kein unterschied
unter Jud' und Türken.
Gnade allen ist bereit,
wo dein Geist darf wirken.


16. Jesu dir, dem Opferlamm
fließen heiße Tränen.
Auf zu deines Kreuzesstamm,
wallt ein banges Sehnen.
Du bist ganz mit Blut bedeckt,
senkst dein Haupt zur Erden,
und vertreibest was uns schreckt,
ich kann selig werden.


17. Jesus hier von Nazareth,
ein König der Jüden,
auf des wilden Volkes Bitt',
schmerzlich ist verschieden.
Wenn der böse Jude kann
keinen Heiland leiden,
so will ich sein untertan
sein mit allen Freuden.


18. Kriegesknechte teilen sich
in des Herren Kleider,
losen drum gar liderlich,
also geht es leider.
Wer zu Christo sich bekennt,
den will der Feind fressen,
darum raubet er und brennt
überall vermessen.


19. Jesus hänget an dem Holz,
bittet für die Täter,
die ih hassen steif und stolz,
mehr als sein Verräter.
Deine Sünden töten ihn,
o Mensch, das bereue,
sein Vorbitt' ist dein Gewinn,
dich hinwieder freue!


20. Er nahm alles wohl in acht
in den letzten Stunden,
seine Mutter er bedacht,
setzt ihr ein' Vormunden.
O Mensch, mache Richtigkeit,
Gott und Menschen liebe,
darauf sterb' ohn' alles Leid,
und dich nicht betrübe.


21. Jesus dem des Paradies
offenherzig schenkte,
mit ei'm Schwur ihm das herhieß,
der nur spricht: Gedenke!
Denk, o Mensch, und bitte Gott,
daß er dein gedenke,
in so vielfältiger Not
Linderung dir schenke.


22. Unglück dem das Leben bracht,
der schon war verloren,
und hieran wohl nie gedacht,
wird von Gott erkoren.
Deie Ruten, lieber Job,
dir nicht wenig dienen,
können dich zu deinem Lob
mit Christo versühnen.


23. Mein Gott, mein Gott, Jesus rief,
wie bin ich verlassen,
fühle in der Angst so tief
Leiden ohne Maßen.
Ruf' auch du, wenn Not ist da,
Gott an, deinen Herren,
er will dennoch dir sein nah,
ob er gleich ist ferren.[3]


24. Jesu gab man bitt're Gall',
unserm Lebensfürsten,
der da ist mein einig all,
muß für Armut dürsten.
Jesu, wenn ich leide Not,
will ich mit dir leiden,
daß ich mag bei dir, o Gott,
bleiben ungescheiden.


25. Jesus alles hat vollbracht,
was von den Profeten
lange vorher ist gesagt,
nichts mehr ist vonnöten.
Weine nicht, nur Christi Werk
haben all's erworben,
wenn der Trost mich nich gestärkt,
wär' ich längst verdorben.


26. Vater! Jesus allermeist
rief an seinem Ende,
ich befehle meinen Geist
dir in deine Hände!
Meine Seele meinem Gott
will ich stets befehlen,
O da wird sie keine Not
nimmermehr mehr quälen.


27. Als geschehen war die Bitt',
Jesus sein Haupt neiget,
hangend an dem Holz verschied,
seine Knie er beuget.
Hören will er deine wort,
küssen sein' Erlößten,
seinem Vater loben dort,
die sich seiner trösten.


28. Finsternis die ganze Welt
decket, das Erdbeben
auch die harten Felsen spält,[4]
Tote sich erheben.
Kann mein toter Jesus nun
solches tun itzunder,
wieviel mehr wird er denn tun,
herrschend große Wunder.


29. Jesus ist ein frommer Mann,
Gottes Sohn gewesen,
wie wir denn von dem Hauptmann,
auch viel' andern lesen,
die sich schlugen an die Brust,
ließen ab von Sünden.
Wer zur Besserung hat Lust,
mag beizeit sich finden.


30. Ein Schandbube und Soldat
Jesum in die Seite
mit ei'm Spieß gestochen hat,
das sahen viel' Leute,
wie das Blut und Wasser rann
runter auf die Erden,
wodurch beides, Weib und Mann
sollen selig werden.


31. Jesu, du liegst in der Erd',
als ein Wurm begraben,
laß mich wenn ich sterben werd',
Ruh' im Grabe haben!
So werd ich, Herr Jesu Christ,
durch dein Kraft und Wunden,
dermaleinst wenn es Zeit ist,
sicher wieder funden.


32. Jesu, selig werd ich sein,
ich bin's schon durch Hoffen,
weil ich von der Sündenpein,
so mich je betroffen,
durch dein Blut erlöset bin,
teure, teure Schätze,
daran ich mit Herz und Sinn
ewig mich ergetze.


33 Jesu, deine Pas-sion
ist mir lauter Freude,
deine Wunden, Kron' und Hohn
meines Herzens Weide.
Meine Seel' auf Rosen geht
wenn ich dran gedenke,
in dem Himmel ein Stätt'
mir deswegen schenke.


34. Jesu, der du warest tot,
lebest nun ohn' Ende.
In der letzten Todesnot
nirgend hin mich wende,
als zu dir, der mich versühnt,
o mein trauter Herre!
gib mir nur, was du verdient,
mehr ich nicht begehre.

Verweise


Einzelnachweise

  1. d.i. "zuvor"
  2. "vorhanden"?
  3. = ferne
  4. wohl "spaltet"