Bonaventura, Johannes

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Johannes Bonaventura war ein Theologe der Scholastik.

Leben

Johannes Bonaventura wurde als Johannes Fidanza in Bagnoregio, Latium, geboren. In seiner Franziskus-Biografie berichtet er von einem Wunder des Heiligen, durch das er selbst als Kind dem Tod entgangen sei. Der spätere Ordensname Bonaventura bedeutet etwa „günstiger Wind“ bzw. „gute Zukunft“. Nach der Legende verdankt sich dieser Name dem hl. Franziskus. Das schwerkranke Kind sei durch Franz von Assisi gesegnet worden und dann bald genesen.

Als Franziskus 1226 im Sterben lag, habe ihn die Mutter mit dem Jungen nochmals besucht und Franziskus habe ausgerufen: „O buona ventura“. Mit 18 Jahren immatrikulierte er sich als Laie 1235 an der Universität in Paris (Sorbonne). Dort studierte er zunächst die sieben freien Künste. Dabei lag der Schwerpunkt vor allem auf der Sprache: Grammatik, Rhetorik und Logik. Johannes studierte bei Alexander von Hales, dem Begründer des Kommentars zu den Sentenzen des Petrus Lombardus. Zu dieser Zeit trat Hales den Franziskanern bei, wodurch der Orden einen Lehrstuhl der Theologie bekam. Hales schätzte und förderte Johannes.

Franziskaner

In Paris trat Fidanza im Jahr 1243 den Franziskanern bei und nahm den Ordensnamen Bonaventura an. Er empfing die Priesterweihe.

Als Bonaventura 1257 auf Vorschlag des Johannes von Parma als dessen Nachfolger zum Generalminister seines Ordens gewählt wurde, gab er seine akademische Laufbahn auf.

In seinen letzten Lebensjahren war er zu einer der einflußreichsten Persönlichkeiten der Christenheit geworden. In der dreijährigen Sedisvakanz im Papstamt von 1268 bis 1271 hielt Bonaventura in Viterbo eine bedeutende Predigt und vermittelte wahrscheinlich bei der Einberufung des Konklaves. Er galt als aussichtsreicher Kandidat, soll aber selbst Teobaldi Visconti, den späteren Papst Leo X., als Papst vorgeschlagen haben.

Wirkung

Acht Jahre nach seinem Tod erschien der erste Katalog seiner Werke von Salimbene de Adam. Weitere Kataloge folgten von Heinrich von Gent, Ubertino da Casale, Tolomeo da Lucca und in der Chronica XXIV generalium ministrorum. Im 15. Jh. gab es nicht weniger als 50 Ausgaben seiner Werke. Besonders berühmt war die Römische Ausgabe in 7 Bänden, die von 1588 bis 96 im Auftrag von Sixtus V. angefertigt wurde. Sie wurde mit leichten Verbesserungen in Metz 1609 und Lyon 1678 neu gedruckt. Eine vierte Ausgabe in 13 Bänden erschien 1751 in Venedig und wurde 1864 in Paris neu gedruckt. All diese Ausgaben enthielten Werke, die später aussortiert und durch andere ergänzt wurden. Die neuere Forschung orientiert sich weitgehend an der Quaracchi-Edition in 10 Bänden von 1882 bis 1902.

Alexander von Alexandria schrieb eine Summa quaestionum S. Bonaventura. Weitere Kommentare stammen von Johannes von Erfurt, Verilongus, Brulifer, de Combes, Trigosus, Coriolano, Zamora, Bontemps, Hauzeur, Bonelli und anderen. Sixtus V. richtete in Rom einen Bonaventura-Lehrstuhl ein, weitere nach ihm benannte Lehrstühle bestehen in Ingolstadt, Salzburg, Valenzia und Osuna. Der Pseudopapst Ratzinger habilitierte sich 1957 an der Ludwig-Maximilians-Universität München bei Gottlieb Söhngen mit der Schrift „Die Geschichtstheologie des Heiligen Bonaventura“.

Bonaventuras Schriften beeinflußten die Konzilien von Welsch Wien, Konstanz, Basel, Florenz (1438), Trient sowie das Vatikanische Konzil.

In Dantes Göttlicher Komödie tritt Bonaventura im vierten Himmel, dem Sonnenhimmel, auf. In hübscher Vertauschung erzählt der Franziskaner dort die Lebensgeschichte des heiligen Dominik, während der Dominikaner Thomas von Aquin die Lebensgeschichte des heiligen Franziskus erzählt.

Werke

Werkausgaben

  • Doctoris Seraphici S. B. Opera omnia, 10 Bde., hg. in Quaracchi 1882–1902
  • Opera theologica selecta, 4 Bde., 1934–1949
  • Mystisch-ascetische Schriften, hg. und Übers. Siegfried Johannes Hamburger 1923

Ausgewählte Werke und Einzelausgaben

Verweise



Einzelnachweise