Johannes Duns Scotus

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  • * 1266 in Duns in Schottland
  • † 8.11.1308 in Köln
  • D. S. = Doctor subtilis


Johannes Duns Scotus war ein katholischer Theologe und Philosoph.


Leben

Johannes Duns Scotus war ein katholischer Theologe und Philosoph. Nachdem er in Northampton die Priesterweihe erhalten hatte, studierte und lehrte er in Cambridge, Oxford, Paris und Köln. Als einer der bedeutendsten franziskanischen Theologen begründete er die nach ihm benannte scholastische Richtung des Scotismus. Er verband darin u. a. Lehren des Aristoteles, des Augustinus und der Franziskaner auf feinsinnige Art miteinander, so daß Zeitgenossen ihn auch Doctor subtilis nannten.

Duns Scotus untersuchte die philosophischen Kategorien der Möglichkeit und Notwendigkeit mit den Formen der Modallogik, wobei er diese in nichtformaler Weise anwandte. Diese Fragestellung spielt auch heute noch in der Philosophie eine große Rolle. Ferner bewertete er Glauben, Wille und Liebe höher als Wissen und Vernunft. Als einer der ersten mittelalterlichen Denker betrachtete er Philosophie und Theologie als unterschiedliche Disziplinen mit unterschiedlichen Aussagegehalten.

Die Seligsprechung von Johannes Scotus ist unwirksam, da sie von dem Apostaten Johannes Paul II. vorgenommen wurde.

Immaculata

Bereits im Jahre 1263 hattte der Franziskanerorden das Fest der unbefleckten Empfängnis unter die Eigenfeste des Ordens aufgenommen. Allerdings verursachte der Gedanke der unbefleckten Empfängnis Mariens erhebliche theologische Probleme. Der daraus resultierende Streit wurde im 15. Jahrhundert mit großer Heftigkeit ausgetragen, so an der Universität von Paris, beim Konzil von Basel und durch die Könige von Aragon.

Eine theologische Lösung für das Problem wurde nun von Scotus ausgearbeitet. Nach seiner Lehre wurde Maria durch die Verdienste Jesu, doch vor der Empfängnis, von der Erbsünde befreit. Er beglaubigt seine Doktrin mit dem hächst bedenklichen Spruch von Pseudo-Anselmus: Decuit, potuit, ergo fecit.[1] Das Konzil von Trient nahm bei seinen Aussagen über die Erbsünde die heilige Jungfrau Maria ausdrücklich aus. Die gültige Lehre, die davon abgeleitet ist, definierte erst die Bulle Ineffabilis Deus des Papstes Pius IX. Dieser übernahm die theolgoische Position des Scotus.

Voluntarismus

Scotus sagte über die Allmacht Gottes folgendes aus: „Es ist nichts anderes als der Wille selbst, der (total) darüber bestimmt, was in ihm als Gewolltes ist.“ Wir hätten es demnach bei Gott mit einer über das Maß jeder Einsicht und Vernunft hinausgehenden Freiheit zu tun, kraft derer Er auch das schiere Gegenteil von dem, was er tatsächlich gemacht hat, hätte tun können, ja: „würde Gott das Verbot, 'du sollst nicht töten!' widerrufen, so wäre der Mord keine Sünde“. Geradezu, um dem noch eins drauf zu setzen hat Wilhelm von Ockham gesagt, Gott könne in seiner Willkür jederzeit so weit gehen, einen Menschen, der ganz nach dem Willen Gottes lebt, „ohne irgendwelche Ungerechtigkeit zu vernichten“.

Diese Worte drücken ein neues Gottesbild aus, welches mit dem Gottesbild der Bibel unvereinbar ist. Wenn schon im Innersten Gottes nicht mehr die unlösbare Einheit von Wahrhaftigkeit und Güte besteht, dann ist zumal die gesamte erschaffene Wirklichkeit nicht mehr vertrauenswürdig, und das sowohl im Hinblick auf das Wesen der Dinge, wie aber auch hinsichtlich der Geschichte. Damit kommt aber das Gefüge des Seins in den Fluß. Das revolutionäre Gottesbild wurde in der Folge zum Prinzip der revolutionären Idee schlechthin.

Reginald Garrigou-Lagrange sagt in seinem Kommentar zum ersten Teil der Theologischen Summe des hl. Thomas von Aquin, daß es mehr als nur de fide ist, zu sagen, daß Gott gut ist, und daß die Verneinung dieser Aussage in gewissem Sinne sogar noch mehr ist als eine Häresie, weil nämlich der „allgemeine“ Häretiker nur einen Teil der geoffenbarten Wahrheiten verwirft, während er am anderen Teil noch festhält. Wer aber die Gutheit Gottes negiert, der kann kein einziges der Geheimnisse des Christentums mehr bewahren.

Es gibt nämlich im Absoluten keinen Unterschied von Möglichkeit und Wirklichkeit, ist doch Gott reinste Wirklichkeit (actus purus), d.h.: In Gott ist alles, was nur irgendwie möglich ist, auch wirklich. Wenn also jemand Gott eine Willkür unterstellt, sagt er damit nicht nur, daß das Absurde Teil des absoluten Seinsgrundes ist, sondern auch, daß das Widersinnige und das Böse, das wir zweifellos in der Welt erfahren, auf Gott zurückzuführen ist, und nicht etwa auf den Mißbrauch menschlicher Freiheit.

Hat es aber nicht auch die Schlange dadurch geschafft, in des Menschen Herz einzudringen, daß sie darin ein Mißtrauen gegen Gott und seinen heiligen Willen säte?

Bücher

  • Parva logicalia[2]
  • Quaestiones subtilissimae de metaphysicam Aristotelis
  • Lectura[3]
  • Ordinatio[4]
  • Reportata parisiensia[5]
  • Reportatio parisiensis examinata I.A.[6]
  • Collationes[7]
  • Tractatus de Primo Principio[8]
  • Quaestiones Quodlibetales[9]

Werkausgaben

  • Opera Omnia. („Wadding-Ausgabe“) Lyon, 1639, Nachdruck Hildesheim, Olms 1968, 12 Bde., in 26 Bänden neu aufgelegt in modernem Typensatz bei L. Vivès 1891—1895


Verweise


Einzelnachweise

  1. Es ziemte sich, er [Gott] konnte es, daher machte er [es].
  2. über die Isagoge des Porphyrios und verschiedene Themen bei Aristoteles ca. 1295
  3. erste Fassung des Sentenzenkommentars ca. 1299 in Oxford
  4. ca. 1300, auch als Opus Oxoniense bezeichnet, mehrfach überarbeitetes Konzept des Sentenzenkommentars
  5. studentische Mitschriften ca. 1300
  6. vermutlich von Scotus durchgesehene Mitschrift der Pariser Vorlesungen ca. 1302–1305
  7. 46 Disputationen aus den Jahren 1300 bis 1305
  8. mit umfangreichem Gottesbeweis ca. 1305
  9. Sammlung von Disputationen als magister regens ca. 1306