Jordanes

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Jordanes (auch: Jornandes, Jordanis und Iordanes, Iordanis; † nach 552) war ein spätantiker römisch-gotischer Gelehrter und Geschichtsschreiber des 6. Jahrhunderts.

Leben

Jordanes stammte vom Balkan. Seine Familie war mit dem Königshaus der Amaler veschwägert. Er beherrschte neben anderen Sprachen Latein und Griechisch. Jordanes gehörte zur Intelligenzschicht des Oströmischen Reiches und könnte christlicher Priester gewesen sein. Als solcher war er als Notarius eines Generals, des Magister militum per Thraciam tätig.

Werke

Jordanes stützt sich bei der Niederschrift seiner Gotengeschichte auf die Geschichte der Goten des Römers Cassiodor. Jordanes selbst schrieb dann aus oströmischer Perspektive sein Werk De origine actibusque Getarum, kurz Getica. Das Werk des Jordanes ist erhalten, dasjenige Cassiodors ging leider verloren.

Die Getica wurden lateinisch verfaßt und im Frühjahr 551 abgeschlossen. Jordanes verfaßte vor den Getica auch eine Weltchronik und eine Römische Geschichte. Jordanes gilt als früheste erhaltene Quelle, in der das Volk der Bajuwaren erwähnt wird, nämlich als Nachbarn der Sueben, östlich des Lechs.

Slawen

In der Gotengeschichte des Jordanes ist das Wort "Sclavi" ein Synonym für Heiden. Jordanes schreibt in seiner Getica:[1]

"Links von diesen,[2] wo die Grenze nordwärts geht, von den Quellen der Vistula[3] ab über ungeheure Strecken hin sitzt das Volk der Veneter.[4]
Mögen auch ihre Benennungen wechseln nach ihren verschiedenen Stämmen und Wohnsitzen, die hauptsächlichen Namen sind doch die der Sklaven und Anten. Die Sklaven haben das Land von der Stadt Novietunum und dem sogenannten Mursianischen See bis zum Danaster, im Norden bis zur Vistula inne. Statt in Städten wohnen diese in Sümpfen und Wäldern."[5]

Diese Veneter erwähnen auch schon Plinius als Venedi und Tacitus als Venethi, Prokop unterscheidet die zwei Gruppen der Winidae, die Sclavenen und die Anten.

Das Wort "Slawen" taucht in seinem Werk überhaupt nicht auf.

Ausgaben / Übersetzungen

  • Francesco Giunta, Antonino Grillone: Iordanis de origine actibusque Getarum. Istituto Storico Italiano per il Medio Evo, Rom 1991 (Fonti per la Storia d’Italia, 117).
  • Alexander Heine (Hrsg.): Jordanis Gotengeschichte nebst Auszügen aus seiner Römischen Geschichte. Übersetzt von Wilhelm Martens. Dunker, Leipzig 1884; Dyk, Leipzig 1913; Phaidon, Essen/Stuttgart 1985/1986
  • Hans-Jürgen Hube: Ostgoten Saaga. Wiesbaden, 2010

Verweise


Einzelnachweise

  1. De origine actibusce Getarum
  2. d.i. Gepiden
  3. Weichsel
  4. Venethi = die Menschen mit den meerblauen Augen
  5. Jordanes: De origine actibusce Getarum