Cortes, Juan Donoso

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  • Juan Francisco Maria de la Salud Donoso Cortés
  • * 6. Mai 1809 in Don Benito
  • † 3. Mai 1853 in Paris


Donoso Cortés war ein spanischer Diplomat und Politiker. Er gehört zu den Genien der Moderne. Sein analytisches, vom katholischen Rationalismus geprägtes Denken machte ihn zum Orakel und zur Kassandra des demokratischen Zeitalters.


Leben

Donoso Cortés war seit November 1848 als spanischer Gesandter beim preußischen Hof in Berlin. 1851 wurde er als Gesandter Spaniens nach Paris geschickt. Dort erschien dann sein Hauptwerk Essay über den Katholizismus, den Liberalismus und den Sozialismus. Am 3. Mai 1853 erlag Donoso Cortés einem schweren Herzleiden.

Werke (Auswahl)

  • Juan Donoso Cortés: Essay über den Katholizismus, den Liberalismus und den Sozialismus. Herausgegeben und übersetzt von Günter Maschke, Weinheim 1989. (Originaltitel: Ensayo sobre el catholicismo el liberalismo y el socialismo)
  • Juan Donoso Cortés: Über die Diktatur. Drei Reden aus den Jahren 1849/50. Hrsg., aus dem Spanischen übertragen und kommentiert von Günter Maschke, Karolinger Verlag, Wien 1996.
  • Juan Donoso Cortés: Die Hauptirrtümer der Gegenwart nach Ursprung und Ursachen, Denkschrift an Seine Eminenz Kardinal Fornari, 19. Juni 1852; Wien 1932 (Hg. Karl Haselböck).

Literatur

  • Westemeyer, Dr. P. Dietmar: Donoso Cortès - Staatsmann und Theologe. Münster 1940

Zitate

  • Ich liebe weder Preußen noch seine Politik, noch seine Vergrößerung, nicht einmal seine Existenz. In Preußen sehe ich eine Macht, die von den ersten Tagen seines Daseins an dem Satan geweiht war, und wenn ich die eigenartige und rätselhafte Entwicklung dieses Staates betrachte, dann gewinne ich die Überzeugung, daß dies auch in Zukunft so bleiben wird.[1]
  • Richtet die Augen auf den endlosen Strom der Zeiten und seht, wie trübe und kotverschmutzt die Wasser dieses Flußes daherkommen, den die Menschheit befährt: Am Bug des Schiffes stehen Adam, der Rebell, und dann Kain, der Brudermörder, und hinter diesem der Haufe von Leuten ohne Gott und ohne Gesetz, Gotteslästerer, Konkubinarier, Blutschänder, Ehebrecher; selbst die wenigen, die Gott verherrlichen, vergessen zuletzt Seine Glorie und Seine Herrlichkeiten, und gemeinsam fahren alle, mit aufrührerischem Geschrei, auf dem geräumigen Schiff ohne Kapitän die schmutzigen Stromschnellen des großen Flußes hinab, mit schrecklichem und jähzornigem Jauchzen wie eine meuternde Besatzung. Und sie wissen nicht, wohin sie fahren, noch woher sie kommen, noch wie das Schiff heißt, das sie trägt, noch welcher Wind sie voranstößt. Wenn sich von Zeit zu Zeit eine düstere, prophetische Stimme erhebt und ruft: "Wehe den Schiffern! Wehe dem Schiff", so hält das Schiff doch nicht an, noch hören die Schiffer zu; und die Wirbelstürme rasen heftiger und das Schiff beginnt, in den Spanten zu ächzen, und weiter gehen die unzüchtigen Tänze und die üppigen Gelage, die Salven irren Gelächters und das wahnsinnige Lärmen, bis, in einem feierlichsten Augenblick, dies alles plötzlich endet: die üppigen Gelage, die Salven irren Gelächters, das Ächzen des Schiffes und das Heulen der Wirbelstürme. Über all das breiten sich die Wasser, und die Stille ist über den Wassern, und Gottes Zorn ist über den stillen Wassern.
  • WELCHES die Erklärung auch sei, die sich für den freien Willen des Menschen geben läßt, ohne Zweifel bleibt er immer eines unserer größten und grauenerregendsten Mysterien. Es ist auf jeden Fall notwendig zu bekennen, daß die dem Menschen überlassene Fähigkeit, das Böse aus dem Guten zu gewinnen, die Unordnung aus der Ordnung und, wenn auch unwesentlich, die großen Harmonien zu stören, die Gott in alle erschaffenen Dinge gelegt hat, eine furchtbare Fähigkeit ist, die, für sich alleine betrachtet und ohne Beziehung zu dem, was sie beschränkt und was sie zügelt, zu einem gewissen Grade unbegreiflich ist. Der freie Wille, dem Menschen überlassen, ist ein so hohes, so erhabenes Geschenk, daß er von der Seite Gottes eher als eine Abdankung erscheint denn als eine Gnade.
  • Der Republikaner sagt: "Die Macht existiert, aber die Macht ist keine Person, noch herrscht oder regiert sie; die Macht ist alles, was lebt, alles, was existiert, alles, was sich bewegt; also ist sie die Menge, also hat sie weiter keine Regierungsmittel als das allgemeine Stimmrecht noch andere Regierungsformen als die Republik“. So entspricht dem Pantheismus in der Religion der Republikanismus in der Politik. Darauf folgt eine weitere Negation, welche die letzte ist: Hinter dem Deisten, dem Pantheisten kommt der Atheist und sagt: "Weder herrscht Gott noch regiert er, noch ist er eine Person, noch ist er Menge; er existiert nicht“. Und es erscheint Proudhon und sagt: "Es gibt keine Regierung!“ – So ruft eine Negation die andere, wie ein Abgrund den anderen ruft. Jenseits dieser Negation, die der Abgrund ist, gibt es nichts, nichts gibt es da als Finsternisse, greifbare Finsternisse.[2]
  • Die Republik hatte von sich selbst gesagt, daß sie auf die Welt gekommen sei, um die Herrschaft der Freiheit, der Gleichheit und der Brüderlichkeit zu begründen, diese drei Dogmen, die nicht von der Republik herstammen, sondern vom Kalvarienberg. Nun gut, meine Herren, was hat sie daraufhin getan? Im Namen der Freiheit machte sie notwendig, rief sie aus, nahm sie an – die Diktatur! Im Namen der Gleichheit hat sie, unter dem Titel der Republikaner von gestern, der Republikaner von morgen, der Republikaner von Geburt an, eine mir unverständliche Art von aristokratischer Demokratie und ich weiß nicht was für eine Art von lächerlichen Adelswappen erfunden. Und zum Schluß, meine Herren, hat sie im Namen der Brüderlichkeit die heidnische Brüderlichkeit wiederhergestellt, die Brüderlichkeit von Eteoclus und Polynices, und die Brüder haben einander in den Straßen von Paris verschlungen, in der riesigsten Schlacht, die innerhalb der Mauern einer Stadt die Jahrhunderte beigewohnt haben. Ich strafe diese Republik, die sich die Republik der drei Wahrheiten nannte, Lügen: sie ist die Republik der drei Gotteslästerungen, sie ist die Republik der drei Lügen![3]
  • Gerade die englische Konstitution ist die einzige in der Welt – so weise sind die Engländer! -, in der die Diktatur nicht unter das Ausnahmerecht gehört, sonder in das gemeine Recht. Die Sache ist klar: das Parlament hat bei allen Gelegenheiten, zu jeder Zeit, wann immer es will, die diktatorische Gewalt; es kennt keine andere Grenze als die, die jeder menschlichen Macht gesetzt ist; es kann alles – und darin liegt die diktatorische Macht -, außer aus einer Frau einen Mann und aus einem Mann eine Frau machen, wie seine Rechtsgelehrten sagen. Es hat die Macht, die Habeas-Corpus-Akte zu suspendieren, es kann mittels einer "Bill of attainder“ ausbürgern; es kann die Konstitution ändern; es kann selbst die Dynastie auswechseln und nicht nur die Dynastie, sondern sogar die Religion; es kann das Gewissen unterdrücken; mit einem Wort: es kann alles! Wer, meine Herren, hat je eine monströsere Diktatur gesehen?[4]


Verweise


Einzelnachweise

  1. Brief an den preußischen Gesandten in Madrid, Raczynski. 1852
  2. Rede über die Diktatur
  3. Rede über die Diktatur
  4. Rede über die Diktatur