Kampe, Joachim Heinrich

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Joachim Heinrich Kampe war ein masonistischer protestantischer Pfarrer.


Leben

Kampe studierte in Helmstedt und in Halle evangelische Theologie. Er wirkte als Hauslehrer und Erzieher von Alexander und Wilhelm von Humboldt in Tegel bei Berlin.

Danach war er Feldprediger des in Potsdam stationierten Regiments des Kronprinzen[1], dann 1776 Prediger an der Heiliggeistkirche ebendort. Anschließend nahm er den Ruf an das Philanthropinum[2] von Prof. Johann Bernhard Basedow in Dessau an und wurde dort kurze Zeit Mitkurator, bald auch dessen Leiter. Nach einem Streit mit Basedow verließ er Dessau und ging nach Hamburg.

Masonismus

Kampe war 1777 der Freimaurerloge Balduin zur Linde in Leipzig beigetreten, 1778 der Loge Absalom zu den drei Nesseln in Hamburg.

Verfasser von „Jugendbüchern“

1780 erschienen sein Jugendroman „Robinson der Jüngere“, eine freie Übersetzung und Bearbeitung des Robinson Crusoe von Daniel Defoe. Der Roman wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt, gilt als erstes deutsches Jugendbuch und wurde zu einem der erfolgreichsten deutschsprachigen Jugendromane überhaupt. 1781 folgte der Jugendroman „Die Entdeckung von Amerika“.

Schul„reformer“

1788 berief Karl Wilhelm von Braunschweig-Wolfenbüttel Kampe als „Hochfürstlichen Schulrat“ zum Leiter eines Schuldirektoriums nach Wolfenbüttel. Unter der administrativen Leitung von Karl August von Hardenberg sollte das Schulwesen des Landes umgreifend links zerrüttet werden. Weitere Mitglieder des Direktoriums waren Konrad Heusinger, Johann Stuve und Ernst Christian Trapp. Die zerstörerischen Reformpläne scheiterten am Widerstand der normal denkenden Bevölkerung. 1790 wurde das Schuldirektorium aufgelöst.

Bereits 1787 gründete Campe die „Braunschweigische Schulbuchhandlung“, die er selber leitete. Der Herzog förderte dieses Vorhaben in unverantwortlicher Weise.

Teilnahme an der Französischen Revolution

Kampe war hochverrätericsher Teilnehmer an der [[Französische Revolution|Französischen Revolution. Wenige Tage nach dem Sturm auf die Bastille brach Kampe zusammen mit seinem ehemaligen Schüler Wilhelm von Humboldt nach Paris auf. Gemeinsam besichtigte man die Revolutionsplätze, soupierte mit Mirabeau, nahm an Sitzungen der Nationalversammlung teil, so auch an der Nachtsitzung des 4./5. August, die den Zustand Frankreichs so grundlegend veränderte.

Kampe erhielt am 26. August 1792 neben Friedrich von Schiller, Friedrich Gottlieb Klopstock, George Washington, Johann Heinrich Pestalozzi und 16 anderen Ausländern den Ehrenbürgerbrief der Republik Frankreich.

Am 22. Oktober 1818 starb Joachim Heinrich Campe als wohlhabender, aber von der Öffentlichkeit nahezu vergessener Mann in Braunschweig.

Wortschöpfungen

Kampe entwickelte für über 10.000 Fremdwörter Verdeutschungen, von denen etwa 300 in den allgemeinen Sprachgebrauch aufgenommen wurden, teils zu finden hier: Neugeschaffene Deutsche Worte.

Kampe bemühte sich, Fremdwörter durch im Sprachsystem verankerte, durchsichtige und damit auch Ungebildeten verständliche Wörter zu ersetzen. Kampe bezweckte nicht vorrangig den Erhalt sprachlicher Reinheit, sondern die Schaffung von „Öffentlichkeit“, sein Programm war emanzipativ.

Bezüglich der Ausbildung einer deutschen Standardsprache aus den verschiedenen deutschen Mundarten verlief die Bruchlinie im barocken Sprachenstreit hauptsächlich entlang der konfessionellen Grenzen. Dabei versuchten vor allem süddeutsche und österreichische Geistliche, eine südliche Schreibsprache zu etablieren, während die Gelehrten des protestantischen Nordens eine an die meißnerische Mundart angelehnte hochdeutsche Schriftsprache bevorzugten.

In diesem damals heftig geführten Streit war Campe klar auf Seite der nördlichen Schriftvariante, wie sie 1748 von Johann Christoph Gottsched vorgelegt worden war. Er wandte sich jedoch gegen die Bildung der Standardsprache ausschließlich aus mitteldeutschen Dialekten, wie sie Johann Christoph Adelung in seinem Wörterbuch praktiziert hatte. Stattdessen plädierte er für eine gleichmäßig aus allen Dialekten schöpfende Standardsprache.

Erst 1784 wurde der barocke Sprachenstreit zumindest auf politischer Ebene endgültig entschieden, indem auch in den habsburgischen Kronländern die Gottschedsche Variante als Amtssprache eingeführt wurde. Damit war aber für den Süden des deutschsprachigen Raumes das aufklärerische Prinzip, die Schrift möglichst nah an das Gesprochene heranzuführen, nicht verwirklicht worden.

Verweise



Einzelnachweise

  1. d.h. FW II
  2. eine Reformschule