Haller, Karl Ludwig von

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Karl Ludwig von Haller


Karl Ludwig von Haller war ein Schweizer Staatsrechtler, Politiker und Publizist.


Familie

Karl Ludwig von Haller ist der Enkel des Universalgelehrten Albrecht von Haller. Seine Eltern waren Gottlieb Emanuel von Haller und dessen Ehefrau Anna Margarete Schultheiß.

Haller heiratete 1806 in Bern Katarina von Wattenwyl, die Tochter des David Salomon Ludwig von Wattenwyl eines Offiziers in holländischen Diensten und Landvogts in Fraubrunnen. Das Paar hatte zwei Söhne und eine Tochter:

  • Karl, Politiker, Publizist
  • Albert, Weihbischof von Chur
  • Margaretha Elisabeth Cäcilia ∞ Karl von Sury d'Aspermont

Leben

Haller trat 1786 in den Staatsdienst ein. 1798 floh er vor den kriminellen französischen Revolutionsarmeen nach Nordschwaben. Nach einem Aufenthalt in Wien kehrte er 1806 nach Bern zurück und wurde im Jahr 1807 als Professor für allgemeines Staatsrecht, vaterländische Geschichte und Kameralistik an die Berner Akademie berufen. Hier lehrte er bis 1814, wurde dann in den Großen Rat der Stadt Bern gewählt und begann zeitgleich mit der Ausarbeitung seines Hauptwerks, der „Restauration der Staatswissenschaft“. 1808 wurde Haller zum korrespondierenden Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften gewählt.

Konversion

Im Oktober 1820 konvertierte Haller heimlich zur Kirche. Seine Konversion wurde aber bald bekannt, und er verteidigte sich 1821 in den „Lettre à sa famille“, was einen Skandal – nicht zuletzt im protestantischen Bern – und erhebliche Polemik Haller gegenüber auslöste. In der Folge wurde er genötigt, von allen öffentlichen Ämtern zurückzutreten.

Weiteres Leben

Im selben Jahr ging Haller nach Paris, wo er sich als konservativer Publizist betätigte, die Bekanntschaft de Bonalds und Lamennais' machte und 1824 ins französische Außenministerium berufen wurde. Im Mai 1830 ernannte man haller zum Professor an der École des Chartes, doch mußte er nach der Julirevolution 1830 das Land verlassen. Er kehrte in die Schweiz zurück und lebte fortan in Soloturn, wo er 1833 in den Großen Rat gewählt wurde und zu den Anführern der katholischen Partei zählte.

Restauration der Staatswissenschaften

Weltbekannt wurde Haller durch sein sechsbändiges Werk „Restauration der Staatswissenschaft oder Theorie des natürlich-geselligen Zustands der Chimäre des künstlich-bürgerlichen entgegengesezt“. In diesem seinem zu großer zeitgenössischer Bekanntheit gelangtem, sechsbändigen Hauptwerk vertrat er die Position, daß der Staat nicht auf einem Vertragsabschluß beruhe, sondern authentisch sei.

Ausgehend von der Erkenntnis, daß das gesamte revolutionäre Gedankengut auf Verdrehung und Verdunkelung der politischen und rechtlichen Wirklichkeit beruhe und die Fürsten in Wahrheit durch ihr ursprüngliches Eigentum am Staat auch das ungeteilte Recht auf die oberste Staatsgewalt besitzen, entwickelte Haller eine Theorie des Patrimonialstaates, in dem alle sozialen und politischen Beziehungen zwischen den Menschen weitgehend privatrechtlicher Natur sind.

Haller bedient sich bei seiner Argumentation einer Widerlegung der Vertragstheorie und ihrer Grundannahmen sowie des Gedankens einer natürlich-göttlichen Weltordnung, die ohne jedes aufklärerische Naturrecht jedem Menschen den ihm gebührenden Platz in der Gesellschaft zuweist. Diese Pointe brachte Haller in späterer Zeit den Vorwurf eines „Machtnaturalismus“ ein.

Die Lektüre der „Restauration“ hatte einen Mobilisierungseffekt auf fast alle konservativen Politiker der Epoche, so Ernst Ludwig von Gerlach und seine Mitstreiter Karl Jarcke und Karl Wilhelm von Lancizolle.

Nach dem Titel seiner Schrift erhielt die historische Phase der „Restauration“ nach dem Wiener Kongress, ca. 1815 bis 1830, ihren Namen.

Kritik

Ewald Reinhard

Nach Ewald Reinhard bekämpft Haller mit Recht Rousseaus Lehre vom Naturzustand, von der staatlichen Gesellschaft als einem künstlichen Erzeugnis im Sinne des „contrat social“, leitet aber irrig das Recht von der Macht ab[1], danach auch den Rechtscharakter des Staates von der Stärke und Überlegenheit statt von der ethischen Notwendigkeit.

Er huldigt auch der falschen Anschauung, es gebe nur Privatrecht, entzieht so unfreiwillig und in edler Absicht der Rechtsordnung das Fundament ihrer Verbindlichkeit, die religiös-sittliche Ordnung.[2]

Franz Schnabel

Franz Schnabel gehört zu den bedeutenden Historikern Deutschlands im 20. Jahrhundert. Er war jedoch Nationalliberaler und Demokrat und nur mäßig konservativ. Dies wird besonders deutlich in seiner Behandlung Karl Ludwig von Hallers in seiner „Deutschen Geschichte im 19. Jahrhundert“. Hier widmet Schnabel im 3. Band Hallern ein ganzes Kapitel.

Dort beklagt er, daß die staatsrechtliche Unterordnung des Bürgers nach Haller zu einer privatrechtlichen „herabsank“ und daß der Fürst kein „Repräsentant oder Diener“, sondern „Eigentümer des Staates“ sei. Zudem hätte Haller „die Einheit des Staates vernichtet“. Beide Einwände greifen jedoch nicht. Darüber hinaus hat Schnabel kaum etwas einzuwenden, immerhin stellt er die Lehre Hallers und seine Rezeption recht fair dar.

Verweise



Einzelnachweise

  1. Das stimmt aber so nicht!
  2. Lexikon für Theologie und Kirche, Freiburg im Br. 1932, Bd. IV, Spalte 802.