Vogelsang, Karl von

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  • Hermann Ludolph Carl Emil Freiherr von Vogelsang
  • * 3. September 1818 in Liegnitz
  • † 8. November 1890 in Wien


Karl von Vogelsang war ein katholischer Publizist und Politiker.


Leben

Karl von Vogelsang stammte aus Liegnitz. Er studierte in Bonn, Rostock und Berlin Rechts- und Staatswissenschaften. Nach Beendigung seiner Studien trat er in den preußischen Justizdienst ein. 1848 erbte er das Gut Alt-Gutendorf bei Marlow, welches er auch bewirtschaftete. Als Gutsherr wurde er in die mecklenburgische Ständevertretung gewählt.

Um 1850 wurde von Vogelsang katholisch, weshalb er aus dem Mecklenburgischen Ständehaus ausscheiden mußte. 1852 heiratete er Bertha Sophie von der Linde, mit der er 13 Kinder hatte. Der Fürst zu Liechtenstein verlieh ihm den Freiherrntitel.

1864 kam er nach Österreich, wo er publizistisch wirkte. Er förderte die christlich-soziale Bewegung. Sein Wirken führte dazu, daß gegen den Widerstand der Liberalen eine Reihe von Sozialgesetzen beschlossen wurde: Arbeitszeitbegrenzung, Sonntagsruhe, Unfall- und Krankenversicherung und Genossenschaftsgesetz. Diese galten teilweise für vorbildlich in Europa und bildeten die Grundlage der österreichischen Sozialgesetzgebung.

Sozialreform

Vogelsang organisierte ab 1888/1889 in Wien einen Diskussionskreis für Sozialreformer. Vogelsang gilt als der geistige Begründer der „Christlich-Sozialen Bewegung“, aus der 1893 die Christlich-Soziale Partei hervorging. Seine Ideen beeinflußten Karl Lueger. Vogelsang ging so weit, daß er den freien Kapitalverkehr und Freihandel ablehnte. Durch seine Tätigkeit regte er auch die Enzyklika Rerum novarum an, welche 1891, ein Jahr nach seinem Tod, von Papst Leo XIII. veröffentlicht wurde.

Vogelsang sah die zunehmende wirtschaftliche Globalisierung im 19. Jahrhundert kritisch, da sie seiner Ansicht nach die natürliche Ordnung zerstöre. Vogelsangs war der Überzeugung, daß die sozialen Probleme der Industrialisierung und der starke Bevölkerungszuwachs in den Städten durch eine „naturgegebene“ Ordnung gelöst werden könnten. Diese Ordnung sei durch ständestaatlich-mittelalterliche Elemente zu prägen.

Problem des Judentums

Als Herausgeber der Monatszeitschrift „Österreichische Monatsschrift für Gesellschaftswissenschaften“ begann sich eine vorwiegend katholische Gruppe um ihn zu bilden, der sich unter anderem auch der spätere Wiener Bürgermeister Karl Lueger anschloss. Vogelsangs Ablehnung des Kapitalismus offenbarte sich in Polemiken gegen bestimmte „Reformjuden“, die er für ebenjenen Kapitalismus verantwortlich machte:

„Das wahrhaft christliche Volk wird die Juden in sich aufnehmen und absorbieren können, ohne zu verjuden; das vom Christentum in Glauben, Recht und Sitte Abgefallene aber muß rettungslos unter dem kaudinischen Joch der Knechtschaft hindurchkriechen, es wird von den Juden ausgeplündert, beherrscht, zum Paria gemacht.“

Vogelsang nahm eine eindeutig katholische Haltung zum Judentum ein und war somit keinesfalls ein „Antisemit“ oder ähniches.

Nachwirken

Das „Karl-von-Vogelsang-Institut zur Erforschung der Geschichte der Christlichen Demokratie in Österreich“ mit Sitz in Wien dürfte dem Wirken Vogelsangs kaum gerecht werden.

Schriften

  • Die Bauernbewegung in den österreichischen Alpenländern. 1881
  • Die Konkurrenzfähigkeit in der Industrie. 1883
  • Die materielle Lage des Arbeiterstandes in Österreich. 3 Teile. 1883–84
  • Zins und Wucher. 1884
  • Österr. Monatsschrift für Gesellschaftswissenschaft, für volkswirtschaftliche und verwandte Fragen; später unter dem Namen: Österr. Monatsschrift für christl. Sozialreform, für Gesellschaftswissenschaft, volkswirtschaftliche und verwandte Fragen. Hrsg. und Autor zahlreicher Beiträge. 1878–1890.
  • Seine Ideen schrieb er vor allem in Artikeln der Tagespresse und in Zeitschriften nieder. Teile davon finden sich in: Gesammelte Aufsätze über socialpolitische und verwandte Themata. Huttler, Augsburg 1886

Verweise