Katharina II. die Große

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Das Haus Romanow Gottorf
  • Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst
  • * 2. Mai 1729 in Stettin
  • † 6. 17. November 1796 in Sankt Petersburg
  • Imperatrix 1762 - 1796


Katharina, Prinzessin von Anhalt-Zerbst, wurde jedoch in Stettin geboren, wo ihr Papa im Dienste des Soldatenkönigs als Gouverneuer von Pommern wirkte. Sie kam als Gemahlin Peters III. nach Rußland und wurde nach dessen Ermordung Zarin. Seither wirkte sie als tatkräftige, energische und kluge Herrscherin.

Es gelang ihr, die Macht Rußlands erheblich zu vergrößern und Rußland bis an die deutschen Grenzen hin auszudehnen. Nach der dritten Teilung Polens stand Rußland an den Grenzen Ostpreußens und des österreichischen Galiziens.

Leben

Katharina war eine Tochter von Fürst Christian August von Anhalt-Zerbst aus dem Geschlecht der Askanier, dem damaligen preußischen Gouverneur von Stettin, und dessen Gemahlin Johanna Elisabet von Holstein-Gottorf, der jüngeren Schwester von Adolf Friedrich, der 1751 schwedischer König wurde. Somit war Katharina eine Verwandte des neuen schwedischen Herrscherhauses.

Die Kindheit verbrachte sie in Stettin, unterbrochen von Besuchen bei ihrer Verwandtschaft u. a. in Braunschweig, Zerbst, Berlin und Farel. 1739 hielt sie sich im Eutiner Schloß auf, wo sie ihrem zukünftigen Gatten erstmals begegnete. Nach dem Tod von Johann August von Anhalt-Zerbst und der dadurch erfolgten Regierungsübernahme ihres Vaters Christian August im Jahr 1742 zog die Familie im Dezember 1742 ins Zerbster Schloß.

Großfürstin Katharina war eine lebensfrohe und intelligente Frau. Sie musizierte gern und las viel, mit Vorliebe historische und politiktheoretische Werke (Montesquieu, Voltaire), um so ihr Verständnis für die Politik zu schärfen. Vor allem war sie stets über die Vorgänge am Hof informiert. Sie besuchte jeden Gottesdienst und nahm am religiösen Leben teil. Währenddessen schuf sich Großfürst Peter seine eigene Welt in Oranienbaum und pflegte seine Vorliebe für alles Preußische, insbesondere das Militär. Anfangs band er Katharina noch in seine Spiele mit den kleinen Soldatenfiguren ein und ließ sie die preußische Uniform tragen. Doch schon bald verloren beide jeglichen Bezug zueinander.

Ehe

1743 beschloss die Zarin Elisabet Petrowna auf Anraten Friedrichs II., ihren Nachfolger, den russischen Thronfolger Großfürst Peter Fjodorowitsch und späteren Imperator Peter III., den ersten Zaren aus der bis 1918 regierenden Dynastie Romanow-Holstein-Gottorf, mit Sophie, seiner Cousine zweiten Grades, zu vermählen. Im Januar 1744 begann Sophies Reise von Zerbst nach Russland über Berlin, wo sie Friedrich II. besuchte, Reval und Sankt Petersburg nach Moskau, wo sie im Februar 1744 eintraf. Mit Ehrgeiz und Zielstrebigkeit erlernte die begabte Vierzehnjährige schnell die russische Sprache und versuchte, sich am Hof zu integrieren. Die Verlobung fand am 10. Juli 1744 statt und am 1. September 1745 war die Hochzeit. Die Hochzeitsfeierlichkeiten dauerten zehn Tage. Einen Tag vor der Verlobung konvertierte sie vom evangelisch-lutherischen zum orthodoxen Glauben und bekam zu Ehren Jekaterinas I., der Mutter der regierenden Kaiserin, den Namen Jekaterina Alexejewna. Die Ehe war nicht harmonisch. Schon in der Hochzeitsnacht wurde deutlich, daß der Großfürst nur wenig Interesse und Zuneigung für Katharina empfand: Während sie auf ihn im Schlafgemach wartete, kam er spät nachts betrunken von seiner Feier wieder.

Am 1. Oktober 1754 brachte Katharina nach neunjähriger Ehe einen Sohn zur Welt. Obwohl es Gerüchte um eine Liebschaft der Großfürstin gab, erkannten ihr Ehemann und die Kaiserin das Kind Pawel Petrowitsch als legitim an. Seine Erziehung sowie die der Tochter Anna, die am 9. Dezember 1757 zur Welt kam und am 9. März 1759 starb, übernahm die Großtante Elisabet selbst. Die Kinder wurden jeweils sofort nach der Geburt von ihrer Mutter getrennt. Im Jahr 1762, also im Todesjahr der Zarin Elisabet, gebar Katharina den Sohn Alexis Grigorjewitch Bobrinski (1762–1813) aus der Verbindung mit ihrem Liebhaber Grigori Orlow.

Herrschaft

Katharina war ab dem 9. Juli 1762 Kaiserin von Russland, Herzogin von Holstein-Gottorf und ab 1793 Herrin von Jever. Sie ist die einzige Herrscherin, der in der Geschichtsschreibung der Beiname die Große verliehen wurde. Katharina II. ist eine Repräsentantin des aufgeklärten Absolutismus. Das zentrale Ziel ihrer Innenpolitik war die Etablierung der Staatsgewalt in allen Orten des Riesenreiches.

Katharina führte zusammen mit Graf Sievers 1775 die groß angelegte Gouvernementsreform durch. Dank dieser Reform wurde erstmals eine einheitliche Verwaltung mit Statthalterschaften, Gouvernements und Kreisen eingeführt. Historisch betrachtet stellte sie einen wesentlichen Einschnitt in der russischen Verwaltungsgeschichte dar. Katharina gründete ab 1764 erste Volksschulen und Gymnasien in den Städten sowie Ingenieurfachschulen. Im Gegensatz zu Zar Peter dem Großen trieb sie besonders die Gründung von Volksschulen voran. In allen russischen Bezirksstädten gab es gegen Ende ihrer Regierungszeit eine Volksschule und in jeder Provinz bis auf den Kaukasus ein Gymnasium. Der Schulbesuch war freiwillig und kostenfrei. Unter der Herrschaft von Katharina stieg die Zahl der staatlichen Schulen von sechs im Jahr 1781 auf 316 im Jahr 1796. Zu diesem Zeitpunkt kamen 22 Prozent der Schüler aus dem Mittelstand, und 30 Prozent waren Bauernkinder. Katharina begründete zudem Wohlfahrtsprojekte wie die Einrichtung von Hospitälern und Obdachlosenasylen.

Ausbau der russischen Macht

Katharina II. baute den Machtbereich Rußlands in einem Maße aus wie kein russischer Herrscher vor ihr. In zwei russisch-türkischen Kriegen 1768–1774 sowie 1787–1792 eroberte sie den Zugang zum Schwarzen Meer und weite Küstengebiete. Im Ergebnis der drei Teilungen Polens gewann Rußland 1 mio. qkm Landgebiete und 6 mio. Menschen dazu.

Katharinas „Griechisches Projekt“, das heißt die Eroberung Konstantinopels und die Neugründung des Byzantinischen Reiches unter russischer Herrschaft, scheiterte am einseitigen Kriegsaustritt Österreichs im letzten der beiden Türkenkriege Katharinas sowie an der gleichzeitigen Gefahr eines schwedischen Angriffs. Dennoch konnten nach der Annexion der Krim 1783 und der Zerschlagung des Krimkhanats weite Teile der heutigen Südukraine als Provinz Neurußland erschlossen und besiedelt werden. Auch auf dem diplomatischen Parkett Europas konnte Katharina II. Erfolge erzielen.

Durch ihre Vermittlerrolle im Frieden von Teschen wurde der Bayerische Erbfolgekrieg beendet. Während des Unabhängigkeitskrieges der USA brachte sie eine gegen England gerichtete Koalition für bewaffnete Neutralität zum Schutz des neutralen Handels zustande. Nach dem Tod ihres Bruders Fürst Friedrich August von Anhalt-Zerbst erbte Katharina II. 1795 die Herrschaft Jever durch die Zerbster Teilung. Als Statthalterin setzte sie ihre Schwägerin Friederike Auguste Sophie ein.

Liebesleben

Namentlich sind mehr als zwanzig Liebhaber bekannt. Die meisten langfristigen Beziehungen gingen binnen kurzem zu Ende. Die wenigsten ihrer Liebhaber durften sich in die Politik der Kaiserin einmischen. Keiner ihrer Liebhaber wurde nach der Trennung verfolgt, bestraft oder benachteiligt, im Gegenteil: Die meisten von ihnen bekamen von Katharina großzügige Geschenke.

Unter den Liebhabern und Günstlingen Katharinas ragen einige hervor:

  1. Graf Saltykow, ihr erster Liebhaber und wahrscheinlicher Vater ihres Sohnes Paul.
  2. Stanislaus II. August Poniatowski wurde durch Katharinas Unterstützung König von Polen. Er war vermutlich der Vater von Anna.
  3. Graf Grigori Orlow, der zusammen mit seinem Bruder Alexei maßgeblich am Sturz des Zaren Peter III. beteiligt war. Er schenkte später Katharina den berühmten, nach ihm benannten Orlow-Diamanten, der in das Zepter der russischen Zaren eingesetzt wurde. Er war der Vater mindestens eines von Katharinas Kindern und erhielt später den Grafentitel und 1773 ein Schloß im heutigen Bogorodizk. Die Familie Bobrinski leitet sich aus dieser Verbindung her.
  4. Fürst Potjomkin, er machte eine steile Karriere im Staatsdienst, war Mitglied des Reichsrates und Präsident des Kriegskollegiums. Potjomkin baute die Schwarzmeerflotte auf und gründete die Städte Sewastopol und Cherson. Er gilt als ihre große Liebe. Die beiden sollen sogar heimlich geheiratet haben.
  5. Alexander Dmitriev-Mamonov war von 1786 bis 1789 Liebhaber Katharinas. Er fiel in Ungnade, als er die Zarin zugunsten einer sechzehnjährigen Hofdame verließ.
  6. Fürst Platon Alexandrowitsch Subow, Katharinas letzter Liebhaber und bei ihrem Tod etwa 40 Jahre alt.

Denkmäler

  • St. Petersburg am Newski-Prospekt
  • in Odessa mit dem Erlaß zur Gründung von Hafen und Stadt in der Hand
  • in Zerbst: Der Bildhauer Michael Wladimirowitsch Perejaslawez hat 2009 ein überlebensgroßes Bronze-Denkmal mit der Darstellung von Katharina II. gefertigt und sie als junge Anhalt-Zerbster Prinzessin dargestellt. Die knapp fünf Meter große Bronzestatue steht auf einem Sockel vor der barocken Stadthalle (ehemalige Reithalle). Die feierliche Einweihung des Denkmals fand am 9. Juli 2010 statt, dem Tag, an dem sie 1744 vom evangelisch-lutherischen zum orthodoxen Glauben konvertierte.

Verweise