Kochläus, Johannes

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  • Bürgerlicher Name: Johannes Dobeneck
  • Latinisierung „Cochläus“, gebraucht wird auch gelegentlich „Wendelstinus“
  • * 10. Januar 1479 in Raubersried bei Nürnberg
  • † 11. Januar 1552 in Breslau
  • Kirchlicher Gedenktag: 11. Januar


Johannes Kochläus war Theologe und konsequenter Gegner Martin Luthers. Er ist ein Heiliger der Kirche.


Leben

Johannes Dobeneck war der Sohn eines fränkischen Bauern. Der Name Cochläus, unter dem er bekannt wurde, leitet sich von einer Latinisierung des Ortes Wendelstein ab.[1] Oftmals wurde Johannes Cochläus auch Wendelstinus genannt.

Cochläus studierte an der Universität Köln und wurde 1510 Rektor der Schule bei St. Lorenz in Nürnberg, eine Stelle, die er bis zum Frühjahr 1515 innehatte. Nach Studien des Kirchenrechts in Bologna weilte er 1518/19 in Rom und wurde dort zum Priester geweiht. Zurückgekehrt nach Deutschland wurde er Dekan des Liebfrauenstiftes zu Frankfurt am Main und Stiftsherr an St. Viktor vor Mainz. Im Jahr 1526 nahm Cochläus als theologischer Berater von Kardinal Albrecht von Mainz am Reichstag zu Speyer teil.

Ein Jahr später ging er nach Meißen, wo er von 1527 bis 1539 als Domherr am Meißner Dom wirkte. 1539 wurde er Kanonikus am Dom in Breslau, wo er 1552 starb.

Gegner Luthers

Anfangs war Cochläus wie viele Humanisten lutherfreundlich, wandte sich aber 1521 gegen ihn. Beim Reichstag in Worms 1521 trat er als Luthers theologischer Widerpart auf, konnte diesen aber nicht überzeugen und zum Widerruf bewegen. Fortan war er Luthers erbittertster und kräftigster Gegner und sah in ihm "seines Vaterlandes und Christentumes Mörder".

1522 verfassste Cochläus einen Kommentar zum 1. Johannesbrief als Kampfschrift gegen Luther: "De Gratia Sacramentorvm Liber Unus Ioan. Cochlei adversus assertionem Marti. Lutheri", "Über das Sakrament der Gnade im 1. Johannesbuch. Cochläus gegen Martin Luthers Freiheitspostolat". Luther versuchte sodann Cochläus 1523 in seiner Schrift "Wider den gewappneten Mann" zu widerlegen.

1530 war Cochläus als Mitarbeiter des Augsburger Reichstags an der Ausarbeitung einer Schrift gegen die Confessio Augustana beteiligt. Auf dem Regensburger Kolloquium über die Rechtfertigung|Rechtfertigungslehre]] im Jahre 1546 beharrte er auf dem katholischen Standpunkt.

Eines seiner weichtigsten Werke ist der Commentaria de actis et scriptis Martini Lutheri, Martin Luther, das ist kurze Beschreibung seiner Handlungen und Inschriften der Zeit vom 1517 bis auf 1546, das Jahr seines Ablebens, der jahrhundertelang das katholische Lutherbild prägte.

Heiliger der Kirche

Johann Cochläus ist heiliggesprochen. Sein Gedenktag ist der 11. Januar, sein Todestag.

Werke

  • Brevis Germaniae descriptio tum a rebus gestis moribusque populorum tum a locorum situ. 1512

Literatur

  • Adolf Herte: Die Lutherbiographie des Johannes Cochläus. Eine quellenkritische Untersuchung. Dissertation Münster 1915.
  • Adolf Herte: Die Begegnung des Germanentums mit dem Christentum. Paderborn 1935.
  • Adolf Herte: Die Lutherkommentare des Johannes Cochläus. Kritische Studie zur Geschichtsschreibung im Zeitalter der Glaubensspaltung. RGST 33; Münster 1935.
  • Adolf Herte: Die Lutherliteratur unter dem Einfluß des Johannes Cochläus in der Zeit von 1600–1750. Fakultäts-Schrift; Münster 1938.
  • Adolf Herte: Das katholische Lutherbild im Bann der Lutherkommentare des Cochläus, 3 Bände. Münster 1943.
  • Remigius Bäumer: Cochläus, Johannes. In: Theologische Realenzyklopädie (TRE). Band 8, de Gruyter, Berlin/New York 1981

Verweise




Einzelnachweise

  1. griech./lat. cochlea = Schnecke, Schneckenhaus, Wendeltreppe