Komburg

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Die Komburg ist ein Kloster der Benediktiner. Sie liegt auf dem Gebiet der Stadt Schwäbisch Hall.

Lage

Die Komburg liegt auf einem Umlaufberg rechts des Kochertals, mit dem Teilort Steinbach an ihrem Fuß.

Kloster

Die Grafen von Komburg-Rothenburg stifteten um 1078 ein der Diözese Würzburg unterstehendes Benediktinerkloster an der Stelle ihrer Burg, in das einer der Gründer, Graf Burkhard, als Mönch eintrat. Die ersten Mönche kamen aus Brauweiler im Rheinland, doch zwischen 1086 und 1088 wurde ein Mönch aus Hirsau zum Abt berufen, so daß Komburg ab diesem Zeitpunkt zu den Klöstern der Hirsauer Reform zählt.

Nach einer auch an zahlreichen Bauten abzulesenden Blütezeit kam es im 13. Jahrhundert zu einem Niedergang des Klosters, der 1326 zum wirtschaftlichen Zusammenbruch führte. Hinzu kamen innere Spannungen und Streitigkeiten zwischen Abt und Konvent um die Nutzung der Klostergüter. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts besserte sich die Lage wieder. Die wirtschaftliche Gesundung ging jedoch einher mit einer Aufweichung der Ordensregeln.

Die Schutzvogtei lag bis zu deren Aussterben bei der Stifterfamilie, fiel 1138 an die Staufer und wurde 1254 von den Schenken von Limpurg beansprucht. Das Kloster konnte diesen Anspruch jedoch abwehren und blieb weiter unter königlicher Vogtei, die Ludwig der Bayer 1318/1319 an die Reichsstadt Schwäbisch Hall übertrug. 1484 fiel die Vogtei als Reichslehen an den Bischof von Würzburg, der die Schenken von Limpurg als Untervögte einsetzte.

Stift

Da alle Comburger Mönche aus dem Adel stammten, stießen die Reformbemühungen des Benediktinerordens im 15. Jahrhundert auf Widerstand. Der Konvent weigerte sich, Nichtadlige aufzunehmen und seine Lebensweise der strengen Ordensregel anzupassen. Auf sein Betreiben hin und mit der Unterstützung des Bischofs von Würzburg wurde das Kloster 1488 in ein adliges Chorherrenstift (Kollegiatstift) umgewandelt und erlebte im 16. Jahrhundert unter dem Propst Erasmus Neustetter (1551-1594) eine neue Blütezeit.

Die Aufhebung des Stifts durch König Gustav II. Adolf von Schweden und Schenkung an seinen Obersten Bernhard Schaffalitzky von Muckendell während des Dreißigjährigen Krieges blieb eine Episode. Unter Wilhelm Ulrich von Guttenberg (1695-1736) entstanden die Neue Dekanei und der barocke Neubau der Stiftskirche, der die romanische Kirche ersetzte. Besitzungen

Besitz erhielt Comburg zunächst von der Stifterfamilie, später von Adelsfamilien der Umgebung. Die meisten Güter lagen südlich und östlich des Klosters, weiter entfernt waren die Propsteien Gebsattel (bei Rothenburg ob der Tauber), Nussbaum (bei Höchstberg, Landkreis Heilbronn) und Stein (bei Ingelfingen, Hohenlohekreis).

Schon im 13. Jahrhundert schwand das Klostervermögen merklich, was sich fortsetzte, weil ein starker Schutzvogt fehlte und es innere Spannungen gab. Im 15. und 16. Jahrhundert mußte Comburg umfangreiche Besitzungen verkaufen. Unter der alleinigen Herrschaft des Stifts verblieben lediglich die Orte Steinbach, Hausen an der Rot, Großallmerspann und Gebsattel.

Alle anderen Besitzungen lagen in Kondominaten, in denen die comburgische Obrigkeit auf die eigenen Güter beschränkt war. Kirchenpatronate bildeten einen wichtigen Bestandteil der Herrschaftsrechte. Die Reformation konnte Comburg trotzdem nur in den vier Orten verhindern, in denen es die Ortsherrschaft besaß – in den anderen Patronatspfarreien mußte das katholische Stift evangelische Pfarrer ernennen. Zwar unternahm man Rekatholisierungsversuche unter dem Schutz bayerischer Truppen während des Dreißigjährigen Krieges, sie mußten aber nach deren Abzug aufgegeben werden. Nach der Säkularisation

Friedrich I. von Württemberg ließ 1802 das Reichsstift Comburg besetzen und es 1803 aufheben. Der Kirchenschatz wurde in der Ludwigsburger Münze eingeschmolzen, die wertvolle Bibliothek mit zahlreichen mittelalterlichen Handschriften befindet sich heute in der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart.

1817 bis 1909 diente die Comburg als Garnison für das aus dienstunfähigen Soldaten gebildete Ehreninvalidenkorps. 1926 entstand hier eine der ersten Heimvolkshochschulen in Württemberg, die im Zeichen der Reformpädagogik der 1920er Jahre stand. Sie wurde 1936 aufgelöst. Während der Zeit des Nationalsozialismus diente die Comburg als Bauhandwerkerschule, als Standort der Hitler-Jugend, des Reichsarbeitsdiensts sowie eines Kriegsgefangenenlagers. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden hier über eine kurze Zeit befreite Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene untergebracht ("Displaced Persons“). Seit 1947 ist die Comburg Sitz einer Staatlichen Akademie für Lehrerfortbildung, die 2004 Teil der Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen in Baden-Württemberg wurde.[1]

Kleincomburg

Kleincomburg liegt südlich gegenüber der Comburg auf halber Höhe oberhalb des Schwäbisch Haller Teilorts Steinbach. Geschichte Kirche auf der Kleincomburg, Blick nach Osten vom Hauptschiff zum Chor

Die Kleincomburg wurde angeblich um 1108 von Graf Heinrich von Comburg-Rothenburg gegründet. Bauliche Gegebenheiten wie die für Frauenklöster untypische Basilikaform oder das Fehlen einer Nonnenempore sprechen gegen die Auffassung, sie sei ein Frauenkloster gewesen. Nach einer anderen Hypothese von Eberhard Hause habe die Kirche zu einem Witwensitz der Grafenfamilie gehört. Seit dem 13. Jahrhundert war sie Standort einer Propstei des Klosters Comburg. 1424 ist eine solche letztmals erwähnt. 1684 überließ Comburg die Kleincomburg dem Kapuzinerorden, der erst ein Hospiz, 1713 dann ein Kloster einrichtete, das Württemberg im Jahre 1802 aufhob. Nach einem Zwischenspiel als Franziskanerinnenkloster (1861-1867) ist die Anlage seit 1877 Außenstelle der Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Hall. Die Kirche wird nicht mehr für Gottesdienste genutzt. Sehenswürdigkeiten → Hauptartikel: St. Ägidius (Kleinkomburg)

Von der ursprünglichen Anlage hat sich nur die Kirche St. Ägidius erhalten, eine romanische Basilika in schlichtem Hirsauer Stil mit kreuzförmigem Grundriss aus der Zeit kurz nach 1100. In der Kuppel der Apsis und im Chorgewölbe befinden sich Wandgemälde, die 1878/79 auf Grundlage alter Spuren wiederhergestellt wurden. St. Ägidius ist die einzige weitgehend unverfälscht erhaltene romanische Kirche in der Region. Die Klostergebäude des 18. Jahrhunderts gelten als künstlerisch unbedeutend und können nicht besichtigt werden.

Verweise