Kyprian von Kartago

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  • Thascius Caecilius Cyprianus
  • * um 200 oder 210 wohl in Kartago
  • † 14. September 258 ebenda


Der Heilige Kyprian von Kartago war Bischof von Kartago, Märtyrer und einer der bedeutendsten Kirchenschriftsteller der Alten Kirche.


Leben

Kyprian entstammte dem Römertum Nordafrikas. Um 250 bekhrte er sich zur hl. Kirche. Schon kurz darauf war er Bischof von Kartago. Während der dezischen Verfolgung verließ er Kartago, übte aber sein Amt weiter aus. In der einige Jahre später aufflammenden valerianischen Verfolgung erlitt Kyprian das Martyrium.

Als er angeklagt wurde, sprach er die Worte:

„Christianus sum, et Episcopus. Nullos alios deos novi, nisi unum et verum Deum, qui fecit caelum et terram, mare, et quae sunt in eis omnia. Huic Deo nos Christiani deservimus: hunc deprecamur diebus ac noctibus, pro nobis et pro omnibus hominibus, et pro incolumitate ipsorum Imperatorum.“[1]

Verehrung

Cyprian wird als Heiliger und Märtyrer verehrt. An der Stelle seiner Hinrichtung wurde eine Basilika mit einem Altar errichtet, der „Mensa Cypriani“ genannt wurde, „non, quia ibi est unquam Cyprianus epulatus, sed quia est ibi immolatus.“[2] Die Mensa Cypriani entwickelte sich ab dem 4. Jh. zu einem beliebten Wallfahrtsort. Augustinus predigte dort mehrmals bei den jährlichen Gedenkfeiern und rühmte die Bedeutung Kyprians.

Die Reliquien des Märtyrers werden in Kompiegne, sein Haupt in Kornelimünster verehrt. Sein Name wird im Hochgebet der Römischen Messe, erwähnt.

„Carthagine, passio sancti Cypriani, episcopi, sanctitate et doctrina clarissimi, qui funestissimis temporibus Ecclesiam optime rexit, confessores fidei in ærumnis firmauit et, Valeriano et Gallieno principibus, post durum exsilium, coram frequentissimo populo a proconsule gladio animaduerti iussus martyrium consummauit. eius memoria perendie celebratur.“[3]

Gedenken ist der 16. September.

Lehre

Kyprians theologische Vorstellungen wurden von Tertullian beeinflußt, und er beeinflußte seinerseits später Augustinus von Hippo. Diese drei Nordafrikaner haben Lehre und Tradition des gesamten westlichen Christentums entscheidend geprägt. Im Gegensatz zu den beiden anderen fand Kyprian auch im Osten breite Zustimmung. Alle drei zählen zu den Kirchenvätern.

Taufstreit

Kyprian hielt die von Häretikern gespendete Taufe für ungültig. Rom lehte diese Position ab. Die Verfolgungswellen verhinderten, daß es zum förmlichen Bruch kam. Die Synode von Arles entschied dann endgültig, daß die in der richtigen Form und in rechter Intention gespendete Taufe immer gültig ist, unabhängig von der Person des Taufspenders.

Bußdisziplin

Nach der dezischen Verfolgung stellte sich die Frage, wie mit den „lapsi“ zu verfahen sei. Götzendienst gilt im Christentum als eine der schwersten Sünden. Wer also den Götzen geopfert hatte, der blieb exkommuniziert. Milder wurden diejenigen beurteilt, die sich lediglich dem Martyrium auf diese oder jene Weise entzogen haben. Sie wurden nach entsprechender Kirchenstrafe wieder aufgenommen. Kyprian betonte bei allen Urteilen seine Autorität als Bischof.

Amtstheologie

Kyprian fordert von Klerikern den Verzicht auf weltliche Beschäftigungen. Die Position des Bischofs wird von Cyprian betont herausgestellt. In der für ihn charakteristischen typologischen Exegese, die im Alten Testament ein exaktes Vorbild für die Verhältnisse in der Kirche sieht, vergleicht Cyprian den Bischof grundsätzlich mit dem alttestamentlichen Hohenpriester, die anderen Kleriker mit den Leviten.

Cyprian betont, daß jeder Bischof vollen Anteil an der von Christus verliehenen Vollmacht des Bischofsamtes hat:

„Episcopatus unus est, cujus a singulis in solidum pars tenetur.“[4]

Eucharistie

Cyprian deutet die Feier der Eucharistie wesentlich als Opfergeschehen: In der Eucharistie wird das Kreuzesopfer Jesu Christi, des ewigen Hohepriesters, vergegenwärtigt. Der Priester bringt ein wirkliches Opfer dar. Cyprian verwendet, wenn er von der Eucharistie spricht, durchweg Opferterminologie. Die Deutung der Eucharistie als Opfer gehört zu den nachhaltigsten Wirkungen Kyprians auf die spätere Theologie.

Cyprian bezeugt die Praxis der Kirche von Karthago, auch kleinen Kindern bei der Eucharistiefeier die Kommunion zu reichen.

Außerhalb der Kirche kein Heil

Seine wohl meistzitierte Botschaft findet sich in den Briefen (Epistulae), in epist. 73,21:

„Extra ecclesiam salus non est.“[5]

„Heil“ ist dabei vor allem zu verstehen als recta doctrina und legitima sacramenta – beides ist nach Cyprian nur innerhalb der mit dem rechtmäßigen Bischof verbundenen Gemeinde zu finden. Schon Origenes hatte formuliert: „Außerhalb der Kirche wird niemand gerettet.“[6]

Literarische Bedeutung

Kyprian hat einen besonderes Verdienst um die Herausbildung einer christlichen lateinischen Literatursprache. Er vollzieht eine Synthese der klassischen Bildung und der von biblischer Sprache geprägten christlichen Tradition.

Zitat

„Der Mord ist ein Verbrechen, wenn ein einzelner ihn begeht; aber man ehrt ihn als Tugend und Tapferkeit, wenn ihn viele begehen! Also nicht mehr Unschuld sichert Straflosigkeit zu, sondern die Größe des Verbrechens!“[7]

Werke

Briefe

81 Briefe, teils von Kyprian, teils an ihn geschrieben. Die Sammlung wurde erst nach Kyprians Tod erstellt und enthält nur einen Teil seiner Korrespondenz.

Traktate

  • Ad Donatum:[8] In dieser Schrift kontrastiert Cyprian – kurz nach seiner Taufe – begeistert das neue Leben der Getauften mit dem Heidentum; so geißelt er den Krieg durch den Vergleich eines Mordes mit der ungleich größeren Grausamkeit allgemeinen Blutvergießens.
  • De habitu virginum[9], ähnlich wie Tertullian in De cultu feminarum wendet sich Cyprian gegen übertriebene Putzsucht von Frauen, insbesondere der gottgeweihten Jungfrauen
  • De lapsis:[10] Wichtig für die Haltung Cyprians zur Frage der unter dem Druck der Verfolgungen gefallenen Christen,[11] adressiert an die römischen Bekenner (251);
  • De ecclesiae catholicae unitate:[12]
  • De dominica oratione:[13] Erklärung des Vater Unser und allgemeine Bemerkungen zum Thema Gebet, stark beeinflußt von Tertullians De oratione;
  • Ad Demetrianum: Apologetische Schrift, Polemik gegen Angriffe der Heiden, insbesondere auch gegen den Vorwurf, die in der Mitte des 3. Jahrhunderts deutlich werdenden Krisen- und Katastrophenszenarien im römischen Reich seien der Vernachlässigung der alten Götter und damit den Christen anzulasten; ähnlich:
  • Quod idola dii non sint;
  • De mortalitate:[14] Trostschrift angesichts einer Pestepidemie (252 oder später);
  • De opere et eleemosynis:[15] Mahnung zum (finanziellen) Beistand innerhalb der christlichen Gemeinde;
  • De bono patientiae
  • De zelo et livore:[16] Eine kleine Schrift nach Art einer Predigt, von 251/52 oder 256/57.
  • Ad Quirinum, testimoniorum libri tres:[17] Eine Sammlung von Bibelstellen, besonders wertvoll da sie die typologische Art des Umgangs Cyprians mit der Bibel, v. a. dem Alten Testament, dokumentiert. Das erste Buch stellt eine Apologie gegen die Juden dar, das zweite widmet sich Fragen der Christologie und das dritte den christlichen Pflichten und Tugenden (249/50);
  • Ad Fortunantum: ebenfalls eine Sammlung von Bibelzitaten (zum Thema Verfolgung und Martyrium; entstanden vermutlich während der Verbannung in Curubis), aus 253 oder 257;
  • Sententiae episcoporum numero LXXXVII de haereticis baptizandis (Äußerungen der 87 Bischöfe zur Taufe der Häretiker): Sitzungprotokoll einer karthagischen Synode (256 n. Chr.) zum Thema der sgn. Ketzertaufe.

Verweise


Einzelnachweise

  1. Ich bin Christ und Bischof. Ich kenne keine anderen Götter als allein den einen und wahren Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, das Meer, und alles, was darin ist. Diesem Gott dienen wir Christen, ihn flehen wir Tag und Nacht an, für uns und alle Menschen, auch für das Wohlergehen der Kaiser.
  2. Augustinus Sermo 113: „nicht weil Cyprian dort gegessen hätte, sondern weil er dort geopfert wurde.“
  3. Zu Karthago ereignete sich das Leiden des Heiligen Kyprian, des Bischofs, an Heiligkeit und in der Lehre hervorragend, der zu traurigsten Zeiten die Kirche aufs Beste leitete und die Bekenner des Glaubens in der Bedrängnis stärkte. Als Valerian und Gallenus Herrscher waren, erlitt er, nach harter Verbannung, nachdem er vor einer großen Volksmenge vom Prokonsul zum Tode verurteilt worden war, das Martyrium. Sein Gedenktag soll übermorgen gefeiert werden.
  4. Es gibt nur ein Bischofsamt, an dem die einzelnen Bischöfe gleichen Anteil haben. - De unitate catholicae ecclesiae, 5
  5. „Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil.“
  6. Origenes, In Jesu Nave 3,5; PG 12, 841
  7. Kyprian von Kartago
  8. An Donatus
  9. Über die Haltung der Jungfrauen
  10. Über die Gefallenen
  11. d. h. derer, die heidnische Opfer dargebracht und so den christlichen Glauben verleugnet hatten
  12. Über die Einheit der katholischen Kirche
  13. Über das Gebet des Herrn
  14. Über die Sterblichkeit
  15. Über gute Werke und Almosen.
  16. Über Eifersucht und Neid
  17. An Quirinus, drei Bücher Schriftbeweise