Lobe den Herren, meine Seele II (BWV 69a)

Aus Monarchieliga
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Entstehung

Bach schrieb die Kantate in seinem ersten Amtsjahr in Leipzig. Anläßlich einer weiteren Aufführung etwa 1727 änderte er die Besetzung der ersten Arie u. a. von Tenor in Alt. In seinen letzten Lebensjahren arbeitete Bach die Kantate in eine Ratswahlkantate um.

Beziehung zum Evangelium

Das Evangelium des Sonntags ist Mk. 7, 31 - 37, die Heilung eines Taubstummen. Die Heilung dient als Sinnbild für das Wirken Gottes am Menschen. Der Eingangschor ist daher Ps. 103,2 "Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat". Die Dichtung erwähnt mehrfach "erzählen", die Fähigkeit des Geheilten: "O daß ich tausend Zungen hätte!" (Satz 2), "Meine Seele, auf, erzähle" (Satz 3) und "Mein Mund ist schwach, die Zunge stumm, zu deinem Preis und Ruhm" (Satz 4).

Der Schlußchoral nimmt das Thema auf in der sechsten Strophe von Was Gott tut, das ist wohlgetan von Samuel Rodigast.

Musik

Bach berücksichtigte die Dualität des Psalmverses und gestaltete den Eingangschor als Doppelfuge. Beide Themen werden erst einzeln und dann in Kombination behandelt. In der ersten Aria in der Art einer Pastorale wird der Tenor von drei selbständig geführten Holzblasinstrumenten begleitet, Oboe da caccia, Blockflöte und Fagott. In einer späteren Fassung um 1727 änderte Bach die Besetzung zu Alt, Oboe und Violine, möglicherweise weil er keine geeigneten Spieler für die farbenreiche erste Fassung hatte.

In der zweiten Arie wird der Gegensatz von Leiden und Freuden durch Chromatik ausgedrückt, die absteigt oder aufsteigt. Lebhafte Koloraturen beschließen den Satz. Der Schlußchoral ist der gleiche wie der in Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen (1714), jedoch ohne die obligate Violinstimme.

Libretto

Chorus: Lobe den Herrn, meine Seele

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat!

Rezitativ: Ach, daß ich tausend Zungen hätte

Ach, daß ich tausend Zungen hätte, ach wäre doch mein Mund
von eitlen Worten leer!
Ach, daß ich gar nichts redte,
als was zu Gottes Lob gerichtet wär!
So machte ich des Höchsten Güte kund,
denn er hat lebenslang so viel an uns getan,
daß ich in Ewigkeit ihm nicht verdanken kann.

Arie: Meine Seele, auf, erzähle

Meine Seele, auf, erzähle, was dir Gott erwiesen hat!

Rühmet seine Wundertat,
laßt ein gottgefällig Singen
durch die frohen Lippen dringen!

Rezitativ: Gedenk ich nur zurück

Gedenk ich nur zurück,
was du, mein Gott, von zarter Jugend an
bis diesen Augenblick
an mir getan,
so kann ich deine Wunder, Herr,
so wenig als die Sterne zählen.
Vor deine Huld, die du an meiner Seelen
noch alle Stunden tust,
indem du nie von deiner Liebe ruhst,
vermag ich nicht vollkommnen Dank zu weihn.
Mein Mund ist schwach, die Zunge stumm
zu deinem Preis und Ruhm.
Ach, sei mir nah
Und sprich dein kräftig Hephata,[1]
so wird mein Mund voll Dankens sein.

Arie: Mein Erlöser und Erhalter

Mein Erlöser und Erhalter,
nimm mich stets in Hut und Wacht!

Steh mir bei in Kreuz und Leiden,
alsdenn singt mein Mund mit Freuden:
Gott hat alles wohlgemacht!

Choral: Was Gott tut, das ist wohlgetan

Was Gott tut, das ist wohlgetan,
dabei will ich verbleiben,
es mag mich auf die rauhe Bahn
Not, Tod und Elend treiben,
so wird Gott mich
ganz väterlich
in seinen Armen halten,
drum laß ich ihn nur walten.

Verweise


Einzelnachweise

  1. bzw. "gnädig Ja"