Magnus von Füssen

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  • * 700 bei Sankt Gallen
  • gest. 772


Der heilige Magnus von Füssen war ein wundertätiger Einsiedler im 8. Jh. in Füssen.


Leben

Der heilige Magnus war der Gründer der Abtei St. Mang und erster Abt. Er stammte aus Sankt Gallen und kam um 740 nach Füssen. Magnus gilt mit den iroschottischen Mönchen Gallus und Kolumban als einer der drei „Allgäuheiligen“.

Vita S. Magni

Das Streben, Christus nachzufolgen und Vollkommenheit zu erreichen, durchzieht den Geist dieser Lebensbeschreibung und drückt sich in einer genau festgelegten Ordnung, symbolisiert in Zahlenkombinationen, aus. Die Kapiteleinteilung enthält den Schlüssel für das tiefere Verständnis der Vita, die aus 28 Kapiteln besteht. Die Zahl 28 galt im Mittelalter als „numerus perfectus“, als vollkommene Zahl, da die Summe ihrer Teiler (1+2+4+7+14) wiederum die Zahl 28 ergibt. Die Kapitel 1 bis 25 schildern das irdische Leben von Magnus, die drei letzten Ereignisse und das Wunderwirken nach seinem Tod.

Zunächst wird in den ersten 8 Kapiteln Magnus als irischer Prinz, der dem hl. Columban als Schüler folgt, geschildert, die nächsten 8 Kapitel beschreiben ihn als Schüler von St. Gallus. Nach diesen 16 Kapiteln des Schülerdaseins, das mit seinem Weggang aus Sankt Gallen und der Blindenheilung in Bregenz endet, wird in den folgenden 9 Kapiteln Magnus als vollkommener Meister vorgestellt. Er bezwingt die Schlange Boa in Kempten, besiegt den Drachen in Roßhaupten, vernichtet die Fluß- und Berggeister im Lechtal an dem Ort, der „fauces“ (Schlund, Rachen) = Füssen genannt wird, und gründet hier eine Zelle und ein Oratorium. Und wiederum verbindet sich mit dem Ordnungsschema dieser 25 Kapitel eine besondere Zahlenkombination, nämlich die Aufteilung einer Quadratzahl in zwei Quadratzahlen (25 = 16 + 9), so wie im Satz des Pythagoras.

Nach Magnus’ Tod wurde dessen Zelle zerstört. Der Augsburger Bischof Simpert ließ diese wieder errichten und unter seinen Nachfolgern Kirche und Klosterbau vollenden. Bischof Lanto ließ nun nach dem Magnus-Grab suchen. Wie die Vita weiter berichtet, wurde das Grab durch eine Wunderwirkung signalisiert entdeckt und der unversehrt erhaltene Leib von Magnus erhoben, ein deutliches Zeichen seiner Heiligkeit und glanzvolle Legitimation für das neu gegründete Benediktinerkloster. Diese Klostergründung kann um 830/840 angesetzt werden.

Verehrung

Magnus ist der Apostel des Allgäus. Das Magnusfest wird am 6. September gefeiert.

Magnus war Ordensheiliger der Benediktiner und so ist seine Verehrung vor allem auch in Benediktinerklöstern zu finden. Im alpenländischen Raum verehrte man ihn als Schutzpatron und Nothelfer gegen Mäuse-, Raupen- und Engerling-Plagen. Teilweise übernimmt die Magnuslegende die vorchristliche Verehrung von heiligen Orten, z. B. der Apfelbaum bei Schwangau/Waltenhofen; der Schalenstein am Lusalten/Lechfall wird zum „Magnustritt“. Besondere Wunderkraft wurde dabei dem St.-Mang-Stab zugesprochen. Dieser wurde häufig zur Schädlingsbekämpfung aus dem Füssener Kloster erbeten.

„Die Segnungen mit dem Magnusstab nahm normalerweise der Kustos des Klosters Füssen vor. Er ritt zum Ort, wo man eine Segnung wünschte. Dort wurde der Pater durch die Flur geführt. An vier Stationen steckte er den Magnusstab in den Acker, sang den Beginn des Evangeliums, las den Exorzismus und erteilte mit dem Stab den Segen. Dieser Flurumgang dauerte ca. einen halben Tag.“[1] Ein Füssener Pater notierte nach einer Etschreise 1643: „Wo des Heiligen Stab unter Anrufung des frommen Abtes hinkam, blieben die Trauben sieben Jahre vom Schimmel verschont, und wo man ihn unter Gebeten segnend über die Felder schwang, mussten alle Schädlinge weichen.“

Im Zeitalter der Aufklärung wurde diese volkstümliche Praxis jedoch als Aberglauben gebrandmarkt und nach der Säkularisation per Regierungsdekret verboten, der Magnusstab 1804 konfisziert. 1822 brachte man ihn wieder nach Füssen zurück. Noch heute finden am Magnustag (6. September) und Pfingstdienstag in Füssen Prozessionen mit dem Magnusstab statt. Siehe auch: Magnuskirche und Abfraßtag

Darstellungen

In der religiösen Kunst wird Magnus durch verschiedene Attribute kenntlich gemacht. Als Abt eines Benediktinerklosters trägt er Kukulle, Brustkreuz und Krummstab. Der gezähmte Bär steht für die Bändigung und Indienstnahme gefährlicher Naturgewalten. Im Zuge der Gegenreformation wird der Drache, den Magnus in der Schlucht bei Roßhaupten bezwang, zu seinem zentralen Attribut – ein Bildzeichen der gegenreformatorischen Kirche gegen Heidentum und Häresie.

Den ältesten schriftlichen Beleg stellt eine Lebensbeschreibung dar, die „Vita S. Magni“, die wohl um 895 von einem anonymen Autor verfasst wurde. Eine Abschrift der „Urvita“ aus dem Anfang des 10. Jahrhunderts befindet sich in der Stiftsbibliothek Einsiedeln im Codex 265.

Verweise



Einzelnachweise

  1. Epple, Alois: in Ausstellungskatalog 2000